Panzer gegen die Göttin der Demokratie

China Vom Tod des ehemaligen KP-Generalsekretärs Hu Yaobang bis zum blutigen Ende der Proteste auf dem Tiananmen-Platz. Eine Chronik der Ereignisse zwischen April und Juni 1989

15. April Erste Proteste

Die Nachricht vom Tod des ehemaligen KP-Generalsekretärs Hu Yaobang – er stirbt an einem Herzinfarkt – löst spontane Demonstrationen auf dem Campus der Peking-Universität aus.

8. Mai Tiananmen

Erstmals kommt es zu größeren Protestaktionen auf dem Tiananmen-Platz sowie nahe Zhongnanhai, dem Regierungssitz. Die Teilnehmer fordern mehr Transparenz, politische Öffnung und Pressefreiheit.

13. Mai Hungerstreik

Auf dem Tiananmen-Platz beginnen einzelne Demonstranten mit einem Hungerstreik, werden aber größtenteils schon nach kurzer Zeit in Krankenhäuser befördert.

15. Mai Gorbatschow

KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow kommt nach Peking, kann aber wegen der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens das Mao-Mausoleum nicht besuchen. Die Visite beendet 30 Jahre Eiszeit zwischen China und der Sowjetunion.

18. Mai Demonstration

Hunderttausende ziehen über die Fuxingmenwai-Allee im Herzen Pekings, um sich mit den Studenten zu solidarisieren und demokratische Reformen zu verlangen.

19. Mai Vermittlungsversuch

KP-Generalsekretär Zhao Ziyang geht zu den Besetzern des Tiananmen-Platzes, um mit ihnen zu reden. Teile des Disputs werden vom chinesischen Fernsehen (CCTV) übertragen. Zu der geforderten Räumung des Platzes kommt es allerdings nicht.

20. Mai Eskalation

Über Peking und seine Außenbezirke wird das Kriegsrecht verhängt.

25. Mai

Fernsehansprache

Premier Li Peng erklärt in einer Fernsehansprache, viele Ansichten der Demonstranten seien „identisch mit denen der Partei und Regierung“. Alle seien Parioten, es bestünden keine fundamentalen Widersprüche.

30. Mai Göttin der Demokratie

Auf dem Platz des Himmlischen Friedens wird eine große provisorische Statue aufgestellt, die Studenten nennen sie „Göttin der Demokratie“

2. Juni Konterrevolutionäre Rebellion

Die Nachrichtenagentur Xinhua erklärt, dass sich Provokateure und Kriminelle unter die Studenten gemischt hätten – eine „konter-revolutionäre Rebellion“ sei ausgebrochen, die Anarchie und Chaos ausgelöst habe.

3./4. Juni Armeeeinsatz

Die Volksbefreiungsarmee rückt mit gepanzerten Fahrzeugen und etwa 10.000 Soldaten in die Innenstadt vor, um den Tiananmen zu räumen. Es kommt zu gewaltsamen Übergriffen von Armee und Polizei sowie von bewaffneten Demonstranten – die Zahl der Opfer ist ungewiss. Die Angaben schwanken zwischen 600 und 3.000 Toten. Bis heute fehlen offizielle Angaben.

5./6. Juni Provinz

Auch in Chengdu, Hauptstadt der Provinz Sichuan, kommt es zu schweren Zusammen­stößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Nach einem Tränengaseinsatz beruhigt sich die Lage innerhalb von 48 Stunden wieder.

9. Juni Deng-Rede

Deng Xiaoping spricht vor Truppenkommandeuren und erklärt, die Volksrepublik China habe eine schwere Prüfung bestanden, um so mehr werde man nun mit den Reformen fortfahren und zu keiner Politik der Selbstisolation zurückkehren.

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