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Kolumne Nicht einmal der Papst kann Bischof Tebartz-van Elst stürzen. Denn man muss sich den Vatikan als Monarchie vorstellen
Jürgen Busche | Ausgabe 08/2014

Vertraulichkeit hat gerade Konjunktur. Ebenso der Bruch derselben. Die eine Zeitung mit Qualitätsjournalismus berichtet über neue Details zur Verschwendungssucht des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst. Diese können wohl nur durch die kirchliche Kommission ans Licht gebracht worden sein, die dem Papst über den Fall berichten soll. Im März. Bis März will offenbar die andere Zeitung mit Qualitätsjournalismus warten, die ihren Lesern zwar mitteilt, dass die Kommission entschlossen ist, vertraulich zu arbeiten, aber kein Wort darüber verliert, was die Konkurrenz unterdessen geschrieben hat. Der eine hält seine Quellen im Dunkeln und weiß etwas. Der andere rückt seine Quellen ins helle Licht und tut so, als wisse er nichts.

Wir sind nicht im keineswegs nur finsteren Mittelalter, aber wenn wir den Papst und die Seinen verstehen wollen, müssen wir uns den Eigentümlichkeiten einer Institution zuwenden, die im Mittelalter wurde, was sie bis heute ist. Die katholische Kirche ist eine Monarchie. Man geht in die Irre, wenn man beim Wort Monarchie an Queen Elisabeth oder den jungen König der Niederlande denkt. Näher kommt man der Sache, wenn man sich die Kaiser des Mittelalters vor Augen führt. Die hatten zwar keine Demokraten im Land, indes, auch sie konnten selten machen, was sie wollten. Ihre Herrschaft beruhte auf der Herrschaft von Fürsten in ihren Ländern. Denen gegenüber musste der Kaiser vorsichtig sein. Er konnte auch Krieg führen gegen den einen oder anderen, aber nicht gegen alle. Er wusste, dass die Fürsten darüber wachten, dass der Kaiser sich ihnen gegenüber nicht zu viel herausnahm.

Ähnlich ist es mit Rom und den Kardinälen und den Bischöfen. Der Papst ernennt sie, aber er kann sie nicht einfach absetzen. Tut er es doch, muss er sehr gute Gründe dafür haben. Einfache Gründe reichen kaum, sonst könnte er ja jeden absetzen. Dass es zu solchen Möglichkeiten nicht kommt, darüber wachen die Kirchenfürsten in ihren Ländern. Das Bistum Limburg zum Beispiel gehört zur Kirchenprovinz Köln. Das Erzbistum Köln ist eines der reichsten der Welt. Der Vatikan ist finanziell von denen abhängig, die viel Geld haben. Die Kölner Kirchenprovinz untersteht Kardinal Meisner. Der Bischof Tebartz-van Elst ist sein Zögling. Wird der abgesetzt, ist es auch für Meisner eine peinliche Angelegenheit.

Meisners Protegé

Nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat der Limburger Bischof Geld aus einer Stiftung, die vor Jahren für arme, kinderreiche Familien eingerichtet worden war, für seinen aufwendig erneuerten Bischofssitz zweckentfremdet. Das allein müsste schon reichen, um Papst Franziskus auf die Palme zu bringen. Aber dann ist da immer noch Kardinal Meisner. Nicht alle Bischöfe, erst recht nicht alle deutschen, finden, dass Meisners Protegé Bischof bleiben sollte. Er sollte von sich aus zurücktreten. Absetzung freilich wäre eine ernste Sache, da müsste man genau auf das Verfahren achten. Bis März, aber auch über den März hinaus.

Jedoch auch wiederum nicht lange über den März hinaus. Im Frühjahr endet aus Altersgründen die Amtszeit des achtzigjährigen Kölner Kardinal-Erzbischofs. Dann wird Franziskus einen neuen ernennen. Papst Johannes Paul II. hatte einst Meisner gegen den Willen der Kölner ernannt. Das kann Franziskus auch tun, muss es aber nicht. Der Limburger Fall ist nicht das Wichtigste, was bei der Besetzung in Köln zu bedenken ist. Aber es ist doch schön, wenn man ihn bei dieser Gelegenheit gleich mit erledigen kann. Die Auszeit für Tebartz-van Elst in einem bayerischen Kloster könnte auch eine Schonfrist für Meisner gewesen sein. Das geht vorbei. Vielleicht will der Heilige Vater aber auch kein Exempel statuieren. „Wozu die Stadt aus ihrem Schlafe wecken?“ sagt der Große Kurfürst in Kleists Homburg.

06:00 05.03.2014
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