Platsch

Nistplatz Kolumne

Gestern hat mir ein Vogel auf den Kopf gekackt. Mitten in der Stadt! Mitten in Hamburg! Ein blöder Vogel! Auf den Kopf, in Hamburg! Das war nicht schön! Gott sei Dank stand ich allein am Bus, denn der gemeine Städter vom Typus klein Dandy auf dem Jungfernstieg fährt auch unter dem klitzekleinsten Sonnenstrahl Cabriolet. Wer fährt schon Bus! Ich! Und das wusste dieser Vogel. Dass ich Bus fahre. Der saß wahrscheinlich auf dem höchsten Ahornast, hat mich gesehen und sich gesagt: Die fährt Bus, die wird bestraft. Wahrscheinlich sitzt der da jeden Tag und kackt den Leuten an der Haltestelle nach Lust und Laune auf die Köpfe. Ich jedenfalls stelle mich da nicht mehr hin.

Vermutlich kommt es nur äußerst selten vor, das einen Vogelfäkalien treffen. Es gibt ja immer wieder statistische Erhebungen darüber, wie viele Menschen im Jahr von Meteoriten getroffen werden. Das mit dem Vogelkot tut natürlich nicht so weh; physisch meine ich. Aber es ziept gewaltig am Ego. Ich fühlte mich getroffen, verhöhnt, ausgelacht, erniedrigt, beschmutzt. Waschen wollte ich mich; sofort! Meinen Kopf in die Alster halten. Aber ich war noch nie der Typ kapriziöser Spontanität. Ich fiel so schon auf, wie ich mir da mühsam mit Zellstofftaschentüchern Stoffwechselprodukte aus den Haaren klaubte. Man glaubt gar nicht, wie oberflächlich Vögel verdauen! Was sich da noch so alles findet! Grasreste, Steinchen. Früchte und Samen. Samen! Auf dem Kopf! Als ich wieder halbwegs sauber in den Bus stieg, versuchte ich angestrengt meine rechte Hand so auf meinem Kopf zu positionieren, dass eventuelle Kotreste verdeckt blieben. Ich saß in einer verkrampften Denkerpose auf meinem Sitz. Jeder in der Linie 37 hätte mich gut und gerne fragen können, ob mir was weh tut. Mich hat aber niemand gefragt. Hanseatische Gleichgültigkeit, diese! Was mich zusätzlich kränkte und zutiefst verletzte. Wahrscheinlich strahle ich keine Hilflosigkeit aus, nicht mal, wenn ich mich hilflos fühle. Ich muss an mir arbeiten. Mir ein Cabriolet zulegen, ein Depot an Zellstofftaschentüchern anlegen, meinen Ekel überwinden - auch vor Cabriolets, mein Ego aufbessern, ornithologische Wanderungen mitmachen. Und dann werden sie mir alle ein Begriff sein da oben in den Ahornwipfeln. An ihren Stimmen werde ich sie erkennen! Mit Meteoriten auf sie zielen.


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00:00 12.05.2006

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