Putin und die Vollendung des »Jelzinismus«

IM GESPRÄCH Boris Kagarlitzki über Russlands Präsidenten und den Durchmarsch von den Reformen zum Schutz des Eigentums - vom Liberalismus zum Konservatismus
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FREITAG: Teilen Sie den Eindruck, dass sich die Lage in Russland derzeit stabilisiert?

BORIS KAGERLITZKI: Ein falscher Eindruck. Das Potenzial für Instabilität ist heute um ein Vielfaches höher als 1994/95. Es passiert folgendes: Je größer die Wahrscheinlichkeit einer Explosion aus ökonomischen Gründen, desto mehr müht sich die Regierung um politische Stabilität. Diese Stabilisierung unter Putin spiegelt eben gerade die gefährliche Instabilität der Gesellschaft.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sagte einer der Berater von Alexander III., man müsse Russland einfrieren. Putin tut genau das - er versucht, alles in eine Erstarrung zu überführen. Doch das ist unmöglich, weil sich ökonomische und soziale Prozesse nicht