Quod error quackum (frei nach Karl Valentin)

Sportplatz Was, fragt man und fragt sich im besonderen der Verfasser dieser Zeilen, ist eigentlich der genaue Grund dafür, dass man sich nach dem Schwimmen so ...

Was, fragt man und fragt sich im besonderen der Verfasser dieser Zeilen, ist eigentlich der genaue Grund dafür, dass man sich nach dem Schwimmen so ausgesprochen wohl fühlt, so unvergleichlich froh und leicht, so ausgepegelt oder doch -gependelt, so schwebend schöngemut und herrlich high on top?
Vorausgesetzt, man zieht sich beim morgendlichen Durchpflügen des zirka zwölf Grad warmen Privatpools der Schwiegereltern keine gravierende und langwierige Zerrung des linken Schultermuskels Minfaliplex monapolaster beziehungsweise, so sagt die Masseurmedizin, des Mittleren deltoideus zu, weil man meinte, sich (und der imponierresistenten Frau) beweisen zu müssen, dass man noch immer der dolle Wettkampfhecht ist, der früher Spezialist gescholten ward für die mörderischen Strecken 100 und 200 Meter Schmetterling. Und des weiteren vorausgesetzt, man ist ein Schwimmer, der schwimmt, also einer, der nicht "planscht" und sich hernach auf die Freibadwiese pflanzt und flanscht, nein: einer, der eiskalt-eisenhart dreißig Minuten ohne Pause herunterkrault und dabei gar nicht so sehr dem so genannten "Fatburning" (Fit for Fun, Brigitte, Supersport et al.) dient, sondern einfach und schlicht dem Konditionskonservierungsgedanken verfallen ist (wg. Rauchen usf.); und vorausgesetzt, dass man deshalb sogar bei 32,3 Grad seine wöchentlich zwei Schwimmrationen ohne Sunbathing und Sightsexseeing herunterzuackern sich verpflichtet fühlt ...
- dann ist immer noch und immer dringlicher zu klären: Warum ist das Schwimmen so etwas unvergleichlich Hervorragendes? So etwas Hirnkrampflösendes und rattencool unspektakulär Entspannendes, innerlich und äußerlich geschmeidig Machendes, erquickend Kalmierendes gleichwie Aufputschendes, Anregendes, Onturnendes - im Sinne einer götternahen, seelenheiter stimmenden Ganzheitsbetätigungskörperlichkeit? Woher kommt dies? Woraus ist dies erwirkt?
Fürwahr, jenseits all des offiziellen Schwimmwettkampfgeknüppels und, auf der anderen Seite des Pools respektive des "Pols" (K. Theweleit) dieser (noch) nicht ganz transparenten Thematik, jenseits der bekannten Stressattacken, die die "aufdringliche Körperlichkeit von allen Seiten" verursacht, wie sie das evangelische Magazin chrismon (7/2002) anlässlich der Freibadsaison wertfrei dingfest geklopft hat, fördert das Schwimmen, das, wohlgemerkt, Ausdauerschwimmen (zwischen "zwanzig und dreißig Minuten"), die Stipulation der inwendigen Zirkulation per se unbezweifelbar ungemein. Das betrifft Herz, Leber, Nieren und Bauch und insilluiert eine Entschlackung der gefühlten Organsinne. Diese stellen sich auf Reinigung und spucken etwaigen Dreck aus, über Nase, Mund und - seltener - Ohr. Ein Eindringen von Chlorwasser in Ohr und Auge ist überdies leider doch strikt zu vermeiden, sonst bricht die gesamte Wirkung des Schwimmens ins Wasser. Frau Dr. Rehse (Bonn) warnt ausdrücklich vor "Konjunktivitis (i. e. Bindehautentzündung, aber auch Perspektivenerneuerung)" (E-Mail vom 28. Juli 2002).
"Mindestens ähnlich ambivalent klingt der Befall durch Onchymykose (Zehnagelpilz, neue Mitbewohner)", fährt Dr. Rehse fort, kriegt aber die Wende und preist neben der Wegschüttung der volksbekannten Endorphine (via Großhirn), die Verantwortung veranschlagen dafür, "dass man sich ganz großartig fühlt" (dies.), die Stärkung, Durchblutung und anatomisch-adhessive Aktivierung jener Muskeln, von denen wir bereits hörten (oder nicht; dann aber jetzt doch) und die "folgendermaßen in Millimeteranschlag zu bringen sind: der bereits bekannte Musculus sternocleidomastoideus (Hals) sowie der Musculus latissimus dorsi (Rückenmuskel)".
Darüber hinaus mutiert das Schwimmen per katexchloren zur Insanation (Verpfleglichung) des Somas und, als Sidewindeffekt, der Seele, weil es gut tut für den Luftpumpenblasebalg (Lunge). "Das Flimmerepithel in den Lungenalveden wird gereinigt, die Sekretolyse basal beschleunigt." (Rehse, Dr.) Man hat exklusiv viel Pustepower, wenn man so eine halbe Stundenrunde runtergesegelt hat. Und steckt dann schön eine an. "Ist einfach geil, nach dem Schwimmen zu rauchen." (Zit. n. chrismon, a. a. O.) Ganz zu schwimmen von der "epidermalen Regeneration" (goldwerte Hautabschürfung).
Das ganze Schwimmen aber ist, von all das abgesehen (Chlorbrille empfohlen!), ziemlich geil deshalb, weil man dabei (beim Vollzug der sog. Schwimmbewegungen) keinen Arsch richtig sieht und kein "Arschgerede" (Kay Sokolowsky) an das durch Wasser verpfropfte Ohr dringen hört. Soweit ist das evident. Es ist darüber hinaus indessen als nochmals das weit wichtigere Faktotum zu unterstreichen und betreffs des Schwimmhimmelsgefühls betrachtend zu beachten, dass die kürzlich entdeckten und von Dr. Klomm schon lange vermuteten Primöllen ihren Dienst nur antun, wenn geschwommen wird. Primöllen sind nanowinzige Lustgefühlkugeln, die das allgemein unterschätzte Kleinhirn ab Schwimminute 22 (oder 23) unerbittlich ausstößt und über die Blut-"Bahnen" überallhin entsendet, wo es eine Notwendigkeit zur Grandiosgutempfindsamkeit des Schwimmers entbehrt.
Also und in summa cum laudator: Der Autor dieser Zeilen löst die angerichtete Fragestellung dahingehend und mit Dr. Klomms Kompagnonin Dr. Rhese auf: "Ein schönes Körpergefühl nach dem schweinehundüberwundenhabenden Langschwimmen sichert die Laktatacidose (Muskelkater)." Quod error quackum. Hose und Kater hü oder hot (heiß).

00:00 02.08.2002

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