Randgänge

Rat-Touren Im Meerwasser ...

Im Meerwasser

Érik Orsenna, dem wir Bücher verdanken wie Lob des Golfstroms oder Weiße Plantagen über die Baumwolle, hat sich diesmal mit der Einhandseglerin Isabelle Autissier, die als erste Frau in einer Regatta die Welt allein umsegelte, in die Antarktis aufgemacht. Herausgekommen ist einmal mehr ein wie leichthin daherkommendes, ebenso unterhaltsames wie belehrendes Buch, eine Kombination aus den Tagebüchern beider mit Miniaturen zu Geschichte der Erforschung wie zur Situation der Antarktis. "Ein Mensch, der mehrere Wochen in Meerwasser mariniert wird, neigt zu unvorhersehbaren Verhaltensweisen." - notiert beispielsweise Autissier. Abgesehen davon erfährt man aber vor allem viel über Fauna und Flora der Antarktis, über die gar nicht so unterkühlte Faszination der Landschaft, vor allem auch über die internationale Forschercommunity, die die Antarktis übersprenkelt und dabei zugleich für deren Schutz vor imperialen Begehrlichkeiten sorgt - einstweilen. Ein empfehlenswerter Eiswürfel für klimaerwärmte Tage.

Érik Orsenna und Isabelle Autissier Großer Süden. Eine Reise in die Welt der Antarktis. Aus dem Französischen von Holger Fock, Sabine Müller. C. H. Beck, München 2008, 236 S., 18,90 EUR

Unter Affen

Dies Buch führt in die Achselhöhle Afrikas, nach Nigeria, in den Wald von Gashaka, eine der letzten großen Wildnisse Westafrikas: Schimpansenland zeigt die wissenschaftlichen Bemühungen nicht nur zur Erforschung unserer allernächsten Verwandten, sondern auch die damit untrennbar verbundenen Anstrengungen um deren Erhalt wie den ihrer Lebenswelt. Das ist ein internationales Unternehmen: Wenn der am Rande des Urwalds von Hessisch-Sibirien geborene Volker Sommer, Anthropologe in London, etwas über gezielte medikamentöse Selbstbehandlung der Schimpansen in Afrika herausbekommen will, arbeitet er mit einem Labor in Japan zusammen. Bekannt geworden mit Büchern zum Lob der Lüge, über Täuschung und Selbstbetrug bei Tier und Mensch, das Leben indischer Tempelaffen, schreibt er nun von den Schimpansen in Nigeria. Sommer hat ein ganz erstaunliches Talent, über seine Forschungen amüsant und fesselnd zu erzählen! Was und wie er von den Umständen vor Ort, dem Kalkül der Experimente, von alltäglichen Widrigkeiten wie wissenschaftlichen Überraschungen erzählt, das lässt einen so schnell nicht mehr los. Am Ende hat man bei all´ der befriedigten Wissenschaftsneugier gleichwohl das Gefühl, ein abenteuerliches Jugendbuch gelesen zu haben. Jedenfalls ein großartiges Buch, das man allein seiner humanen (oder - nach Sommer - panthropischen) Reflexionen über den Naturerhalt wegen dem Nachwuchs in die Hand drücken müsste, wie man es für sich selbst behalten will.

Volker Sommer Schimpansenland. C. H. Beck, München 2008, 251 S., 19,90 EUR

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00:00 16.05.2008

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