Reich an Menschen

WELTBEVÖLKERUNGSBERICHT 1999 Wachstumsschübe in immer kürzeren Zeiträumen

Am 12. Oktober werden sechs Milliarden Menschen auf der Erde leben - eine Milliarde mehr als noch vor zwölf Jahren. Bei der gegenwärtigen Wachstumsrate kommt etwa alle zwölf bis 14 Jahre eine Milliarde hinzu. Wenn diese Zunahme nachhaltig verlangsamt werden soll, dürfte das entscheidend davon abhängen, ob es gelingt, die Beschlüsse der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz von 1994 vollständig umzusetzen. Viel ist in den vergangenen fünf Jahren bereits geschehen, aber es mangelt an den notwendigen Ressourcen, um allen Menschen einen Zugang zu Familienplanung und entsprechender Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Dies geht aus dem diesjährigen Weltbevölkerungsbericht des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am 22. September in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Frauen bringen heute weltweit durchschnittlich weniger Kinder zur Welt als je zuvor, doch es gibt fast doppelt so viele Frauen im gebärfähigen Alter. Zusammen mit besseren Überlebenschancen der Kinder und einer allgemein höheren Lebenserwartung hat dies bewirkt, dass sich die Weltbevölkerung zwischen 1990 und 1999 jährlich um rund 80 Millionen Menschen vergrößerte - zu über 95 Prozent in den Entwicklungsländern. - "Die Verlangsamung des Weltbevölkerungswachstums ist keine zwangsläufige Entwicklung", so Dr. Hans Fleisch, DSW-Geschäftsführer, "glücklicherweise gibt es seit Kairo einen globalen Konsens darüber, was zu tun ist."

Auf der Weltbevölkerungskonferenz von 1994 wurden neue Richtlinien zur multilateralen Bevölkerungspolitik für die nächsten 20 Jahre festgelegt. Seither hat fast die Hälfte aller Länder ihre Entwicklungspolitik einer Überprüfung unterzogen. Viele Regierungen konzentrieren sich auf eine qualitativ hochwertige Versorgung im Bereich der reproduktiven Gesundheit, einschließlich der Familienplanung, Schwangerenvorsorge, Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten sowie Geburtshilfe.

Trotz dieser Erfolge bleibt jedoch noch viel zu tun: Die Müttersterblichkeit ist weiterhin erschreckend hoch. Jedes Jahr sterben durchschnittlich über 585.000 Frauen an den Folgen von Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt - überwiegend in den Entwicklungsländern. Bei fast der Hälfte der 130 Millionen Geburten im Jahr ist kein geschulter Geburtshelfer zugegen. 70.000 Frauen sterben jährlich an unsachgemäß durchgeführten Abtreibungen. Bis zur Hälfte der fast 175 Millionen Schwangerschaften im Jahr sind unerwünscht - über 350 Millionen Frauen haben nach wie vor keinen Zugang zu sicheren und wirksamen Verhütungsmethoden. Pro Minute stecken sich elf Menschen mit dem HI-Virus an. Über die Hälfte der Neuinfizierten ist jünger 24 Jahre.

Das größte Hindernis bei der Umsetzung der Kairoer Beschlüsse, so ergab der Nachfolgeprozeß zur Weltbevölkerungskonferenz in diesem Jahr, besteht nach wie vor im Mangel an Ressourcen. In Kairo wurde geschätzt, dass bis 2000 für die erfolgreiche Umsetzung eines Kernpakets von Maßnahmen bei der Bevölkerungspolitik und der reproduktiven Gesundheit jährlich 17 Milliarden US-Dollar erforderlich sein würden. Davon sollten etwa zwei Drittel (11,3 Milliarden) die Entwicklungsländer selbst und ein Drittel (5,7 Milliarden) die Geberländer übernehmen. 1997 stellten die Industrieländer insgesamt knapp zwei Milliarden US-Dollar zur Verfügung - nur etwa ein Drittel der vereinbarten Summe. In den Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas beliefen sich die Ausgaben bislang auf rund 7,7 Milliarden Dollar. - Allein schon angesichts der über eine Milliarde junger Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, die jetzt ins Elternalter kommen, ist eine Erhöhung der zugesagten Ressourcen besonders von Seiten der Geberländer dringend notwendig.

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