Hamed Abdel-Samad
21.04.2011 | 08:00 49

Religiöse Aufrüstung

Glaube Die einen reagieren auf die Integrationsdebatte mit Re-Christianisierung, die anderen mit Islamisierung. Diesen Wettlauf werden alle verlieren

Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland, auch historisch nicht. An dieser Stelle muss man dem neuen Innenminister Hans-Peter Friedrich Recht geben. Denn was Europa im Mittelalter geprägt hat, war nicht der Islam, sondern die arabisch-persische Kultur. Speziell die arabische Philosophie war das Produkt einer Hochkultur, die aus einer Mischung der Völker zu jener Zeit entstand, einem Mischclub der frühen Nationen. Dieser setzte eine kulturelle und wissenschaftliche Dynamik frei, von der Europa bis heute profitiert. Der Islam war davon bloß ein Bestandteil, sicherlich nicht der wichtigste.

Doch ist ja Friedrich kein Historiker, der uns den Unterschied zwischen Kultur und Religion erklären möchte. Sondern er wollte dem Bundespräsidenten Christian Wulff widersprechen. Der hatte gesagt: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Die Frage stellt sich: Wozu soll das gut sein? Sowohl Wulff als auch Friedrich haben mit ihren symbolisch aufgeladenen Soundbites die einen erfreut und die anderen verstimmt. Es kann jedoch nicht Aufgabe eines Politikers sein, Religion ein- oder auszubürgern. Von einem Bundespräsidenten wie von einem Innenminister ist zu erwarten, dass sie sich mit Kernproblemen befassen: Bildungs-Ungerechtigkeit, mangelnde Teilhabemöglichkeiten, ein verzerrter Arbeitsmarkt.

Stattdessen diskutieren Wulff wie Friedrich über Nebensachen. Wie Religion. Die Integrationsdebatte in Deutschland ist seit dem 11. September 2001 islamisiert worden, und es hat ihr nicht gut getan. Aus der Perspektive derer, die ernsthaft die Mauern zwischen bio-deutscher und zugewanderter, großenteils muslimischer Gesellschaft überwinden wollen, mag es sinnvoll erscheinen, die Muslime in ihrem Wunsch nach Religionsausübung ernst zu nehmen – daher die verbreitete Unterstützung etwa für Islam-Unterricht an den Schulen.

Dafür spricht, dass die muslimische Community sichtbarer geworden ist, nach Aufmerksamkeit für ihren Glauben auch verlangt. Die Minarette wachsen. Doch sollte man dies nicht als Zeichen wachsender Glaubenstiefe missverstehen. Es hat vielmehr damit zu tun, dass viele Muslime in ihrer Identität noch stärker verunsichert sind als der Rest der Republik. Die Moscheen werden größer, weil die muslimischen Zuwanderer ihre identitäre Erschütterung hinter solchem symbolischen Auftrumpfen verstecken wollen.

Ich kenne allerdings keinen Muslim, der in Deutschland je an seiner Religionsausübung gehindert wurde, der keinen Platz zum Beten fand. Es gibt dagegen sehr viele Kinder, die in ihrem Recht auf freie Entfaltung und gleichberechtigte Bildung eingeschränkt werden, weil ihnen der Schwimm­unterricht oder die Teilnahme am Schulausflug von der Familie versagt wird.

Darüber aber dürfte ein demokratischer, säkularer Staat noch nicht einmal verhandeln. Der demokratische Staat darf religiöse Gründe oder auch Vorwände nicht gelten lassen, wenn es um individuelle Rechte oder die Gewährung gleicher Chancen geht. In staatlichen Institutionen hat Religion grundsätzlich nichts zu suchen. Auch das Christentum übrigens nicht. Es ist nicht einzusehen, warum der Staat für die christlichen Kirchen Steuern eintreibt. Das Staatskirchenrecht mochte zu Bismarcks Zeiten eine smarte Lösung für die Konflikte sein, die aus dem Mittelalter herüberragten – heute ist es das nicht mehr. Es ist auch nicht einzusehen, warum die Schulkinder konfessionell gebundenen Religionsunterricht bekommen. Sie brauchen Unterricht in der Bedeutung der Religionen, aber nicht von kirchlich gebundenen und daher voreingenommenen Lehrern.

Die bio-deutsche Mehrheitsgesellschaft, die sich selbst gern als aufgeklärt und säkular bezeichnet, scheint jedoch auf die selbst betriebene Islamisierung der Integrationsdebatte mit einer Re-Christianisierung zu reagieren. Die Kirchenaustritte weisen in die andere Richtung, doch gibt es auch viele Anzeichen für eine religiös aufgeladene Selbsterzählung der Anhänger einer „christlich-jüdischen Leitkultur“ – was auch immer das sein soll. Es hat verschiedene Gründe, warum christlich-konfessionelle Schulen im Aufwind sind, eine neue bourgeoise Distinktionsabsicht gehört wohl dazu. Doch darf vermutet werden, dass viele Eltern sich den Herausforderungen der Multikulturalität schlicht nicht gewachsen fühlen. Das Kind auf die katholische oder evangelische Schule zu schicken, dient bei ihnen der Identitätshygiene und nicht bloß einer neo-elitären Abgrenzung. Gleichzeitig wächst die Zahl der türkischen Privatgymnasien mit Islam-Schwerpunkt.

Das aber wird ein Wettbewerb, den alle verlieren werden. Es bedarf nicht mehr, sondern weniger institutionalisierter Religion, um diese Gesellschaft zu entgiften. Es zeugt von einem Mangel an Kreativität, dass wir auf die enormen Verunsicherungen im Zuge der marktwirtschaftlichen Umbrüche, der Globalisierung und der sie begleitenden Politik nach ganz altem Muster reagieren: Trost und Identität durch Religion. Das Bedürfnis nach Spiritualität ist legitim, es sitzt tief, es ist nicht immer und bei allen von Angst getrieben – aber oft und bei vielen. Es ist eine Angst, die daher rührt, dass viele Menschen nicht trainiert haben, multiple Identitäten zu leben, sich Elemente anderer Kulturen anzueignen.

Hamed Abdel-Samad ist deutsch-ägyptischer Historiker und Autor

Kommentare (49)

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cato_old 21.04.2011 | 12:46

@Hamed Abdel-Samad sagt: Ich kenne allerdings keinen Muslim, der in Deutschland je an seiner Religionsausübung gehindert wurde, der keinen Platz zum Beten fand. Es gibt dagegen sehr viele Kinder, die in ihrem Recht auf freie Entfaltung und gleichberechtigte Bildung eingeschränkt werden, weil ihnen der Schwimm­unterricht oder die Teilnahme am Schulausflug von der Familie versagt wird.
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Sie haben vollkommen Recht! Eine multikulturelle Gesellschaft kann nur auf zweierlei Arten existieren: Entweder in einem säkularen Staat, der auch zu seiner säkulären Ideologie steht und diese in die Gesellschaft trägt, oder einem Staat, der alle Religionen gleich nebeneinander berechtigt, wobei letzteres sicherlich schwerer zu organisieren ist. Aber ein säkularer Staat muss das religiöse Vakuum mit einem Ersatz, oder wenn Sie wollen, einer Ideologie füllen und dadurch allem Menschen eine gemeinsame Grundlage zu verschaffen. Ob sich allerdings die Bundesrepublik zu solch klaren Aussagen durchringen würde steht auf einem anderen Papier. Vielmehr sehe ich daher die Gefahr, dass wir am Ende eine gespaltene Gesellschaft bekommen, mit den Christen auf der einen Seite und den Muslimen auf der anderen Seite, mit getrennten Schulen, getrennenten Vierteln und am Ende auch getrennten politischen Parteien, so ähnlich wie in Libanon. Und dass, weil ein demokratischer Staat Angst davor hat sich klar zu seinem Inhalt zu bekennen...Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass man bisher in vielen multikulturellen Staaten mit solchen säkularen Ideologien experimentiert hat, neben der UdSSR und Jugoslawien, hat man auch in Ägypten mit der Ideologie des arabischen Nationalismus/Sozialismus versucht die Grenzen zwischen Christen und Muslimen zu überwinden. Wenn wir heute auf diese Länder/Territorien blicken, müssen wir feststellen, dass leider nicht ganz mit der Überwindung religiöser Differenzen funktioniert hat. Höchstens in manchen Gebieten der Russischen Föderation haben Sie heute noch ein idyllisches neben- und miteinander der Religionen, wie etwa in Tatarstan oder Baschkirien, was aber auch damit zusammenhängt, dass der dort praktizierte Islam durch den Jadidismus sich erheblich von der sonst üblichen Sunna/Shia unterscheidet. Vielleicht braucht der Islam insgesamt eine Modernisierung in diesem Sinne und könnte von dort lernen.

Maria Jacobi 21.04.2011 | 18:06

"Es ist eine Angst, die daher rührt, dass viele Menschen nicht trainiert haben, multiple Identitäten zu leben, sich Elemente anderer Kulturen anzueignen."

Lieber Autor, Leute, die in multiplen Identitäten leben, sind schizophren. Ich finde es schon bezeichnend, dass aus Ihrer Sicht die Aneignung anderer Kulturen zur Geisteskrankheit führt. Danke für Ihre Offenheit! Das wird bei unseren gutmenschlichen Eliten aber gar nicht gut ankommen.

Fro 21.04.2011 | 19:09

Gerne gelesen.
Ich glaube aber, dass sich die „Nummer“ mit der christlichen Leitkultur langfristig nicht durchsetzen wird. Schon bei Einhaltung der Gebote: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut, sollst nicht falsch Zeugnis reden und sollst nicht töten, wäre ein radikaler Systemwechsel fällig – es wäre wohl schwer zu erklären, dass die christliche Leitkultur ausgerechnet für die Regierung und die Finanz- und Großindustrie nicht gelten sollte.

oh man 22.04.2011 | 01:46

So häufig hat man zur Zeit das Gefühl das die Dinge bewusst nicht genannt, verändert, verleugnet, werden oder mindestens einen negativen Beigeschmack haben.

Das die arabische Kultur durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen entstand ist spannend und sicher ein schönes Produkt.

Europa ist durch die reichlich vorhandene europäische Kultur/, Philosophie geprägt. Die letztgenannte ist so sehr alt. Viel älter als der 2.000 Jahre alte christliche und 1.000 Jahre alte islamische Glaube.

oh man 22.04.2011 | 01:51

Korrektur:

So häufig hat man zur Zeit das Gefühl das die Dinge bewusst nicht genannt, verändert, verleugnet werden und mindestens einen negativen Beigeschmack haben.

Das die arabische Philosophie durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen entstand ist spannend und sicher ein schönes Produkt.

Europa ist durch die reichlich vorhandene europäische Kultur/, Philosophie geprägt. Die letztgenannte ist so sehr alt. Viel älter als der 2.000 Jahre alte christliche und 1.000 Jahre alte islamische Glaube.

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nil 22.04.2011 | 12:23

Danke für die aufklärerischen Worte. Sehe ich ähnlich.
Und die Sache mit den multiplen Intelligenzen sehe ich ebenso. Es gibt multiple Intelligenzen wie die moralische Intelligenz, die emotionale Intelligenz, die musikalische Intelligenz, die Kognitive Intelligenz u.s.w.
(Dagegen gibt es auch multiple Subpersönlichkeiten, das wären die gestörten Versionen der vorgenannten)
Ein guter Postmoderner Bericht.

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rahab 22.04.2011 | 12:46

dafür, Fro, müßte mann gemeinsam den ganzen artikel durchgehen
als erstes bei "der Islam" und der frage nach der historie anfangen...
ich würde diese 'gehört ja-nein' mit ja beantworten und kurz auf islam als negativ-folie seit der eroberung palästinas hinweisen, dann fragen, ob spanien nicht zu europa gehört und süd-ost-europa auch nicht (dies jetzt nur, um markante punkte zu nennen, die natürlich der weiteren untersuchung bedürfen) - ich würde auch auf kirchengeschichtliche entwicklungen hinweisen, wie z.b. das verhältnis zu den orientalischen wie den östlich-orthodoxen christentümern - ich würde auch 'die türken vor wien' (die bekanntlich osmanen waren) nicht auslassen
um so nachzuzeichnen, wie "der islam" im prozess der penetration des Nahen und Mittleren Osten durch die europäischen kolonialmächte zum "anderen" geworden ist, zuletzt zum "kranken anderen"

ich würde auch die frage stellen, wie es kommt, dass auch Abdel-Samad die vielen unterschiedlichen communities als eine wahrnimmt - also wozu ihm da die vielfalt zusammengeschnurrt ist
wobei ich mit vielfalt nicht nur die religiöse sondern auch die kulturelle meine

und ich würde die frage stellen, warum so verzweifelt an dieser verschränkung von integration und islam festgehalten wird, also an der behauptung, "der Islam" habe diese integrationsdebatte notwendig gemacht

und würde dann am ende zu dem auch bei Abdel-Samad zarten pflänzchen der "bio-deutschen Mehrheitsgesellschaft" kommen - um herauszuarbeiten, dass diese 'debatte' nicht seit 2001 stattfindet sondern seit 1989, seit der slogan 'wir sind das volk' umschlug in 'wir sind ein volk'

um ganz am ende festzustellen, dass deutsche sich mangels kolonien in der großen weiten welt ersatzweise im inneren ein paar kolonisierte zu halten versuchen (und religion hat sich schon immer hat hervorragend zum kolonisationsinstrument geeignet - auch in ihren säkularisierten formen)

Heribert Süttmann 22.04.2011 | 15:33

Hamed Abdel-Samads in Buchform gefasste Untergangs-Prophetie "Der Untergang der islamischen Welt" verdient anhaltend Respekt, denn sie kam rechtzeitig und wurde auch mit einem informativen, gewinnbringenden Text für den interessierten, aber mäßig über den islamischen Bereich informierten westlichen Leser verbunden.
Abdel-Samads Wort zum Oster-Sonntag im Freitag schloss offenkundig an sein Buch an. Sein Appell für Religiöse Abrüstung veranlasst zu dem Wunsch; er möge es nicht übertreiben mit dem Spenglertum. Oswald Spengler war nicht der liebe Gott und misanthropische Eschatologie führt zu nichts.
Ich halte es für falsch, Religion als Nebensache abzutun und am liebsten evangelische Kitas dicht zu machen usw., wie es Abdel-Samad vorzuschweben scheint. Ich halte es überhaupt für falsch, Religion in Verbindung mit Niedergang oder Untergang zu bringen, und sie denselben säkularistisch zu weihen, wie es Abdel-Samad insinuiert. Diese Denke ist wirklichkeitsfern und provinziell. Vor allem verkennt sie, dass gute Religion unverzichtbar ist, und auch wahr.

Anstatt den Abrissbagger gegen die institutionalisierte Religion auffahren zu lassen, sollte Abdel-Samad lieber die Unterwerfung, am Besten Selbstunterwerfung der Religionsgemeinschaften unter die UN-Menschenrechtserklärung fordern. Konkret: Die Implementierung des Gender- oder des Diability-Mainstreamings ihres Führungspersonals. Zum Beispiel: Die Schwulen- und Lesben-Quotierung des katholischen Kardinalskollegiums oder des iranischen Revolutionsrates. Die Kanonisierung der UN-Menschenrechtserklärung und deren Implementierung als Interpretationsmatrix für Bibel oder Koran.
Schräge Ideen? Meines Erachtens nicht, denn so funktioniert Agendasetting, und zwar richtiges Agendasetting. Religion ist zu wichtig, um sie den anderen zu überlassen. Die Frage, ob staatliche oder kirchliche Kitas besser oder ob philosophische oder theologische Fakultäten besser sind, ist nämlich an und für sich nicht wichtig; auch wenn diese Frage vermutlich in Ägypten gerade verständlicherweise im Fokus des Interesses liegt, was der Hintergrund von Abdel-Samads Artikelbeitrag sein dürfte.

Wichtig ist, dass überall die Würde und die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen umgesetzt werden.
Institutionalisierte Religion, sofern sie diese Umsetzung leistet, ist richtig dringend nötig, zumal der Auftritt politischer Figuren wie Mubarak oder Ghaddafi darufhin nicht mehr vorstellbar sein würde.
Tatsache ist freilich, dass die institutionalisierte Religion, also die Religons- und Weltachauungsgemeinschaften (auch die humanistischen und säkularen übrigens) diese Umsetzung offen der versteckt verweigern. Und darüber muß die Auseinandersetzung geführt werden.

agathon 22.04.2011 | 15:39

Ich stimme mit Herrn Abdel-Samad überein, dass die sogenannte "religiöse Aufrüstung" gewiß ein Rückschritt in der Entwicklung der Menschheit darstellt als ein Fortschritt.
Zu behaupten aber, dass eine kulturelle und wissenschaftliche Dynamik durch ein Mischclub früher Nationen ausgelöst wurde, ganz unabhängig vom Islam, ist mehr als fraglich. Überhaupt erscheint in seinem Beitrag der Begriff "Nation" deplatziert. Denn die intensive Beschäftigung mit der Wissenschaft und insbesondere mit der griechischen Philosophie im arabisch-persischen Raum hat ihren Höhepunkt zwischen dem Ende des frühen Mittelalters und den Beginn des Spätmittelalters.
Daran waren auch sicherlich nicht nur Araber, sondern auch syrisch-christliche Gelehrte und jüdische Philosophen beteiligt. Die daraus resultierende kulturelle und wissenschaftliche Dynamik entstand aber eben durch den "mittelalterlichen" Islam, dessen Gelehrte die Beschäftigung mit den Wissenschaften nahezu immer mit dem Islam begründet haben. Insofern ist der Islam, wie Abdel-Samad behauptet, nicht bloß ein Bestandteil dieser Dynamik, sondern entscheidend für diese Entwicklung gewesen.

agathon 22.04.2011 | 18:20

Eben dies meine ich nicht! Die Maxime des "mittelalterlichen Islam" lautete: "Wissen ist Licht" und wurde durch die Religion nicht nur zugelassen, sondern aktiv gefördert. Während in der damaligen islamischen Welt beispielsweise Platons Schriften übersetzt und kommentiert wurden, war in der christlich dominierten Welt allein schon das Lesen solcher Werke verboten.
Ich will hier keine Apologie des Islams verfassen, aber man sollte die positiven Aspekte der Religion auch nicht verleugnen.

Klaus.Fueller 22.04.2011 | 20:32

Danke für den Artikel! Ja, wir müssen uns als Bürger dieses Landes um die wichtigen Themen kümmern: Einkommensverteilung, Bildungschancen, Teilhabe an der Gesellschaft, und nicht um die unwichtigen: Religion und "Kampf der Kulturen" als Popanz.

Ja, das Aufkommen religiös, also ideologisch geprägter "Bildungs"-Angebote ist ein Indikator für Probleme unserer Gesellschaft, für Segregation, für Parallelgesellschaften. Aufblühende evangelische Kindergärten sind ein schlechtes Zeichen für unsere Gesellschaft, genau so wie islamische Schulen.

Ja. Bekenntnisorientierter Religionsunterricht gehört nicht an eine Schule.

ALLE Erfahrungen zeigen, dass ein Fortschritt an ziviler Verfassung einer Gesellschaft einhergeht mit einer Beschränkung der Rolle der Religion im öffentlichen Leben.

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tamok 23.04.2011 | 02:27

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die damalige Auslegung des Islam den wissenschaftlichen Fortschritt befördert hat. Ich kenne mich nicht gut aus, was die Herrschaftsstrukturen der islamischen Welt im frühen Mittelalter angeht. Im christlichen Europa war es ja eher so, dass die Kirche ein Interesse daran hatte, ein Monopol auf Bildung zu haben und zugleich eine sehr starke Stellung gegenüber der weltlichen Macht hatte.
In der islamischen Welt scheint es mir eher so gewesen zu sein, dass die Herrschenden ein Interesse an der Förderung von Bildung und Wissenschaft hatten.
Irgendwann, Jahrhunderte später, scheinen sie dieses verloren zu haben. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass bei den Osmanen Bildung viel gezählt hätte.
Wie auch immer. Vielleicht liege ich ja falsch, aber es kommt mir so vor, als läge der Unterschied nicht in den Inhalten von Koran und Bibel, sondern in den jeweiligen Herrschaftsinteressen und Machtstrukturen zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort.

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rahab 23.04.2011 | 10:13

andererseits, nachdem ich ein bißchen weiter drüber gesonnen habe, muß ich sagen: nein, gehört doch nicht, vielmehr:
bestenfalls gehört deutschland zum islam

schließlich gab es deutschland noch garnicht, als im mittelalter etwas, was Abdel-Samad die arabisch-persische kultur nennt, europa prägte, zu dem auch zu fragen ist, seit wann es dieses wie gibt

der Friedrich ist kein historiker sondern jurist - was immer das heißen mag
und ob der Abdel-Samad historiker ist oder politologe oder beides kann dahinstehen, denn eines ist klar: beide versuchen sich grade in historiographie
und zwar in einer, die darauf abzielt, deutschland älter zu machen als es ist

nun wird aber deutschland nicht älter als es ist und das bedeutet: als die europäischen mächte (von rußland über österreich bis frankreich und engelland, von den italienischen stadtstaaten nicht zu reden) begannen, den orientalischen islam in gestalt des osmanischen reiches anzuknabbern, da gab es deutschland noch garnicht, und bis es deutschland dann endlich in solcher form gab, dass es mitknabbern konnte, war vom osmanischen reich nicht mehr so wahnsinnig viel übrig - bedeutet: in der geschichte des europäischen kolonialismus im orient spielte dies deutschland keine besonders herausragende rolle mit bleibendem einflußbereich (und sonst auch nicht, aber das ist eine andere geschichte)

so gesehen: weil es keine geschichte gibt, jedenfalls keine rühmliche mit einer dominanten rolle für deutschland, holen Friedrich wie Abdel-Samad jetzt geschichtsschreibung nach, auf dass deutschland wenigstens diese hätte

womit ich dann wieder bei der frage angelangt bin, was denn nun am besten einen staat samt volk und fahne konstituiert: richtig, die religion/en, zur abwechslung mal als bio-deutscher säkularismus
und der braucht nun mal was, wovon er sich abgrenzen kann
weshalb hier und heute die furcht vor dem islam die rolle des guten alten machistischen anti-klerikalismus übernehmen darf

Klaus.Fueller 24.04.2011 | 10:02

Danke für diesen Artikel.

Ja, wir benutzen die Vorstellung vom "Kampf der Kulturen" als Popanz, um uns nicht um die wichtigen Probleme zu kümmern: Unsere Gesellschaft verteilt ihre Resourcen immer ungerechter; vielen unserer Kinder wird Bildung vorenthalten.
Ja, wir akzeptieren, dass Eltern ihren Kindern systematisch Türen verschließen, um sie in ihrem Ghetto gefangen zu halten; sei dieses muslimisch oder christlich definiert.
Ja, wir sind dabei in die kulturalistische Falle zu tippen: wir lassen uns auf eine Diskussion um Gruppenidentitäten ein, statt weiter unbequem Ausgänge aus unseren selbst verschuldeten Unmündigkeiten zu suchen und politisch dafür zu sorgen, dass diese Ausgänge jedem Bürger offen stehen.(+)
Ja, bekenntnisorientierter Unterricht hat an keiner Bildungseinrichtung(*) etwas zu suchen.
Ja, das Auftauchen muslimisch definierter "Schulen"(*) ist ebenso wie die Zunahme christlicher "Bildungs"(*)-Angebote ein schlechtes Zeichen für unsere Gesellschaft.

(*) "Bildung" muss auf Vernunft und Weltwahrnehmung bezogen werden, dann öffnet sie Türen in unseren Köpfen. Institutionen, deren Auftrag es ist, ihre Zöglinge in ihren jeweiligen Glaubensgemeinschaften zu halten, missbrauchen den Begriff, denn sie verschließen Türen in den Seelen(!) der Kinder.
(+) "Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag!" Wir sollten dieses Versprechen aktualisieren.

Fro 24.04.2011 | 15:31

„Deutschland gehört zum Islam“ – sicher ein interessanter Geschichtsinterpretationsvorschlag an Friedrich und geeignet die deutschen Stammtische zu beleben. ;-)

Ich finde der Islam gehört zu Deutschland wie der Buddhismus und der griechisch orthodoxe Glaube auch... Will mir nicht in den Kopf, dass jemand unbedingt hören möchte der Islam gehöre zu Deutschland und andere sich darüber aufregen, wenn es gesagt wird. Die Welt ist eine Mischung unzähliger grenzüberschreitender Einflüsse. Wir sind Islam, wir sind McDonalds. Vor allem sind wir aber freiheitsliebende vernunftbegabte Wesen...

agathon 24.04.2011 | 23:57

In der Tat ist der Drang nach Forschung und Wissenschaft in der islamischen Welt Jahrhunderte später aus verschiedenen Gründen verloren gegangen.

Und ja, sicherlich spielten Herrschaftsinteressen eine Rolle; dennoch bin ich der Überzeugung, dass Islam und Wissenschaft - auch wenn das im ersten Augenblick so widersprüchlich klingen mag - im Mittealter in der islamischen Welt eng verbunden waren.

j-ap 25.04.2011 | 00:36

»ich räume ein: auf den ersten blick hat meine interpretation was von paradox«

Und ich räume ein, daß der dem ersten folgende zweite Blick sodann zum Vorschein bringt, daß es kein Paradox, sondern ganz normaler Unsinn ist, den Sie hier in gewohnter Manier breittreten, um die Sache solange zu zerfasern, bis sie, erstmal in ganz tausenderlei unterschiedliche »Sprechorte« und »Narrationen« auseinandergelegt, gedanklich nicht mehr faßbar wird.

Ihre Geschichtsklitterung ist das eine, das andere aber der Umstand, daß der Islam im Grunde genommen nur eine interessierte Ausgliederung des Christentums ist, die sich aufgrund der historischen Umstände eben ganz hervorragend als Bebilderung anstehender Kampfszenen gegen die Byzantiner (also Ost-Christen!).

Das Christentum seinerseits ist eine romanisierte/gräzisierte Version des Judentums, die sich von Süden und Südosten kommend eine Heimstatt in Europa suchte, weswegen es nötig war, es erst einmal soweit brauchbar zu machen, daß damit Staaten zu bilden oder als solche sich anzueignen waren, weswegen schon allein die Germanenmission 200 Jahre älter ist als Mohammed.

Wenn Sie es also schon auf die bloße Historie herunterbrechen wollen, dann erhebt sich hier die Frage, weswegen nicht zunächst der Islam seine Augen nach Rom und anschließend beide ihre Augen in Richtung Tempelberg wenden.

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rahab 25.04.2011 | 12:51

ich find's immer wieder schön, wenn wenigsten noch einer genau sagen kann, was was als eines und in seinem wesen ist - und das mit einer so verblüffenden treffsicherheit, dass mir nichts anderes mehr bleibt, als meine augen aufzuheben zu den bergen....

dabei gelingt es dann nebenbei, von dem abzulenken, was eine Friedrich und ein Abdel-Samad gemeinsam herstellen

viel spaß noch bei der unterwerfung unter deren sprechort!

Fro 25.04.2011 | 22:31

@j-ap

Abgesehen von der vollkommen unverständlichen Unfreundlichkeit gegenüber Rahab, sehr interessant, was Sie da schreiben. Man könnte natürlich den „Stammbaum“ der Religionen auch bis in die Zeit der Naturreligionen und Schamanen verfolgen. - Aber daraus lässt sich keine Rangordnung irgendeiner Art herleiten. Könnte ja jemand daher kommen und behaupten, der Islam sei als Jüngste der großen Religionen die Spitze der "Religionsevolution" – oder andere, die das Ursprüngliche lieben, die Naturreligionen preisen. Sollen sie meinetwegen – solange Missionierungsversuche unterbleiben. Besser wäre es m.E. aber in die Zukunft zu blicken und zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Religionen überflüssig werden (für viele schon sind). Die grundlegenden Weisheiten bzw das Wissen, das sich die „Menschheit“ bisher erworben hat, lässt sich wahrscheinlich auf wenige Seiten konsensfähig zusammenfassen. Und ob, und welche geist- und gesundheitsförderliche Techniken jemand anwendet, ist reine Typ- bzw Geschmackssache.

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rahab 26.04.2011 | 00:05

@Fro
ach das ... fällt unter taschentuch!....

stammbäume und rangfolgen sind uralter käse
und die ausrichtung auf den tempelberg (oder war's haram as-sharif?) sollte irgendwie politisch sein
was in anbetracht dessen, dass etwas weiter unten wer erklärt, aussdrücklich, er wolle keine apologie des islam schreiben (huch nein aber auch!) an lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten ist - das heißt doch... ist es: bei den osmanen zählte bildung nicht viel...
wenn diese aussage kein ausweis von bildung ist, dann hole mich dieser oder jene!

irgendwann mal las ich irgendwo das böse wort "quoten-türkin" - hier haben wir es bezogen auf Abdel-Samad wohl mit "quoten-muslim" zu tun

Grandi Oserautor 26.04.2011 | 02:14

Ich möchte nur auf den ersten Satz im Artikel eingehen, der einem Leser sofort ins Auge sticht:
"Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland, auch historisch nicht."
Jakob Augstein hat bereits erwähnt, dass diese Diskussion absolut hirnrissig und sinnlos ist. Bei 4 Millionen Muslimen in Deutschland ist die Aussage, dass der Islam (JETZT) zu Deutschland gehört nicht nur eine persönliche Meinung, sondern eine unbestreitbare rationale, absolut wahrheitskonforme, in keinster Weise durch Fakten zu widerlegende de facto WAHRHEIT.
Inwiefern der Islam die deutsche Kultur oder Gesellschaft beeinflusst ist ein völlig anderes Thema.
Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt:
Der Islam gehört zu Deutschland.
Wie Deutschland damit umgeht - das ist die zentrale Frage!

j-ap 26.04.2011 | 02:33

(Fro schrieb am 25.04.2011 um 20:31)

Es ging mir auch gar nicht darum, irgendeine Anciennität unter den Religionen bzw. Kirchen herzustellen, sondern im Gegenteil darum, darauf hinzuweisen, wohin man kommt, wenn man diesem Gedanken folgt.

Der Bundes-Fridericus hat das so gemacht, wie ich vermute, aus politischem Kalkül (einerseits nämlich, um sich bei den anstehenden Debatten besser zu positionieren, weil seine Gegner nach diesem Wellenbrecher jede »Rücknahme« der kategorischen Position schon als Erfolg verkaufen können, zum andern, um damit die stramm konservativen Unionskreise in Hessen, Kernschwaben und Nord-/Ostbayern bei der Stange zu halten)

Und Rahab hat zwar eine andere Geschichte erzählt (nämlich die, ob Deutschland zum Islam gehöre), bei der Methode waren sich aber beide einig.

Dabei ist genau die das Problem.

dihorst 26.04.2011 | 11:39

Dass nun auch noch der Freitag einer weiteren Privatisierung in unserer Gesellschaft auf der ersten Seite einen bevorzugten Raum einräumt, führt mich dazu, mich von dieser Zeitung zu verabschieden.
Privatisierung der Religion als Institution heißt: Religionsunterricht allein in den Koranschulen oder im Kommunion- oder Konfirmandenunterricht - ohne Kontrollmöglichkeiten des Staates über Inhalt und Ausbildungsstandard der Lehrkräfte. Heißt weiterhin : Einen Markt für "Spiritualität" zu fördern, der überwiegend dem Profit neuer Religions-Firmen dient. Endstation Scientologie oder Moon. Wenn der demokratische Staat nicht mehr alle Interessengruppen - nicht nur die Religionen - durch ein wirksames Körperschaftrecht kontrollieren soll, dann herrscht bald eben nur noch das Privat-Kapital. "Privatisierer aller Länder vereinigt Euch" - nicht mit mir.

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richard-der-hayek 26.04.2011 | 12:04

Mir stößt dieses unkritische Islambild auch auf: wenn mit allen möglichen hehren Prinzipien rumgeworfen wird, nur um direkte Kritik an dieser Religion zu vermeiden.

Aber verabschieden ?
Man kann nicht erwarten, in einem Portal alle eigenen Prinzipien wiederzufinden. Gerade solche Unstimmigkeiten können dazu anregen, eigene Einwände exakter zu fassen und einzubringen.
Dies ermuntert auch eventuell stille Einvernehmende.

Ich freue mich über Ihren Beitrag, er zeigt mir Details auf, die mir sonst entgingen.
Es wäre mir also lieber, wenn Sie blieben und Ihre Meinung einbringen würden, um das Bild abzurunden und zu vervollständigen.

Gruss RdH

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richard-der-hayek 26.04.2011 | 13:36

Es gibt Mißbrauch auf allen Gebieten, so daß Bürger auf allen Gebieten staatlichen Schutz benötigen. Wirtschaft ist Privatsache, trotzdem braucht es Verbraucherschutz, vor schädlichen Produkten, Telfonabzocke. Ein Beispiel für religiösen Mißbrauch ist das Sektenunwesen, Scientology usw.

Wohnortwahl ist Privatsache, aber trotzdem kommt ein Herr Erdogan nach Deutschland, um die hier wohnhaften türkischen Mitbürger an ihre rassistischen Pflichten zu erninnern.

Gewissen islamische Kräfte werden auch nicht müde, vor der westlichen Verwässerung des Islams zu warnen, ganz privat natürlich.
Überhaupt ist es sicherlich eine der angenehmen Seiten des Islams, daß die allahischen Interessen dort von eifrigen Privatleuten wie etwa Milli Görüs, bin Laden, diversen Selbstmordattentätern usw in die Hand genommen werden.
Das entbindet die Staaten aber nicht von einer gewissen Sorgfaltspflicht.
Soweit klar, Capo ?
Oder braucht es wieder eine Zeichnung ?

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rahab 26.04.2011 | 13:46

zeichnung? oh ja!
falls sich blühender blödsinn zeichnen läßt

und weils zum thema zu passen scheint
hier eine einladung zur selbst-kontrolle

-> Vortrag
John T. Hamilton:
Kinder der Sorge: Sicherheitsstudien, Politik und vergleichende Philologie

Mittwoch, 11.05.2011, 20:00 Uhr

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3.
Et., Trajekte-Tagungsraum 308

Zum Vortrag:
In unserem politischen und kulturellen Lexikon gibt es kaum einen Begriff, der
so schwer überfrachtet und semantisch so multifunktional und ungenau ist wie der
Begriff der "Sicherheit". Die diskursive Verwendbarkeit des Terminus ist dabei
offensichtlich an seine persistente Zweideutigkeit gekoppelt: Als die
"Beseitigung von Sorge" (securitas sine cura) bezeichnet Sicherheit entweder
den Zustand des Schutzes oder den der Fahrlässigkeit. Die vergleichende
philologische Untersuchung wird die politischen und rhetorischen Folgen dieser
gegensätzlichen Alternativen betrachten. Auf der Grundlage einschlägiger Texte,
die vom antiken Rom bis hin ins zwanzigste Jahrhundert reichen und den Menschen
explizit als "Kind der Sorge" beschreiben, soll einer möglichen Lösung dieser
Paradoxie, wie sie jedem Sicherheitskonzept zugrunde liegt, nachgegangen werden:
Dass nämlich die Sorge um Sicherheit immer auch eine Sorge darum ist, ohne Sorge
zu sein.

John T. Hamilton
ist Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der
Harvard University Cambridge, MA. Er studierte Deutsche, Französische und
Greco-Romanische Literatur, Musik und Philosophie an der New York University.
Dort erlangte er auch 1999 den PH.D. Von 2005 bis 2006 arbeitete er als Resident
Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin an seinem Projekt Musik, Wahnsinn und
das Außerkraftsetzen der Sprache, dessen Ergebnisse im Sommer 2011 im
Wallstein-Verlag Göttingen auf Deutsch publiziert werden. Er ist Mitherausgeber
der "Manhattan Manuscripts".

Mit freundlichen Grueßen

********************************
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
Sabine Zimmermann

Schützenstr. 18
10117 Berlin
Tel.: 030-20192-171
Fax: 030-20192-154

www.zfl-berlin.org

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cato_old 26.04.2011 | 18:10

@agathon: das ist nicht ganz korrekt...auch die katholischen Kirchenväter haben aktiv über Aristoteles und Platon gebrütet. Außerdem kam das Groß der antiken griechischen Philosophie nicht über die Araber, sondern über Byzanz nach Europa, so wie auch das Essen mit Messer und Gabel, der Seidendruck, die gehobene Glasmacherei und andere handwerkliche und geistige Werkzeuge und Fähigkeiten...führten doch die Kreuzzüge über und in altes byzantisches Gebiet (wo fast alle Buben die griechische Sprache anhand der Illias lernten)

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Ehemaliger Nutzer 27.04.2011 | 13:08

Die Moscheen werden größer, weil die muslimischen Zuwanderer ihre identitäre Erschütterung hinter solchem symbolischen Auftrumpfen verstecken wollen.

Nach meinem Dafürhalten eine überaus scharfsinniger analytischer Ansatz, dessen tiefenpsychologische Ursachen sich wohl nur über Generationen verwachsen werden.

Zu unseren Politikern – zu den Meisten jedenfalls – braucht man nicht viel zu sagen; es sind in den meisten Fällen Schmierenkomödianten, die je nach Publikum ihre Textvorlagen austauschen und Beiphall heischend Beliebiges absondern. Wie sang einst André Heller … Zum Kotzen ist doch wirklich nur, die viele, viele falsche Sympathie

Doch darf vermutet werden, dass viele Eltern sich den Herausforderungen der Multikulturalität schlicht nicht gewachsen fühlen.

Nicht fühlen … sie sind es nicht, da eine Auseinandersetzung mit der eingewanderten Kultur ebenso wenig stattfindet wie die Auseinandersetzung mit der eigenen. Wie könnte es sonst sein, dass sie

Das Kind auf die katholische oder evangelische Schule zu schicken, dient bei ihnen der Identitätshygiene und nicht bloß einer neo-elitären Abgrenzung.

Es deutet ebenso wie die muslimische Erschütterung auf den vorgefundenen Kulturkreis auf eine tief gepflügte Furche im geglätteten Selbstverständnis katholizistischer / protestantistischer Welterklärungsmodelle hin, deren Unterschiede sich im Unwesentlichen mystischer Behauptungen verliert: Konsubstantialität oder Subsubstantialität, Mariengeburt, Wiederauferstehung von den Toten, Heiligenverehrung und anderen Vernunft widrigen Vermutungen.

agathon 27.04.2011 | 20:06

Ja, sicherlich gab es Kirchenväter, die über Platon und Aristoteles gebrütet haben; Ausnahmen gibt es immer. Über Byzanz kam ebenfalls die griechische Philosophie nach Europa; die wichtigen Übersetzungen und Kommenare zu Platon und Aristoteles und andere kamen aber aus dem islamischen Raum, wo die Beschäftigung mit Philosophie durch den Islam gerechtfertigt wurde. Mein Anliegen war es hier Abdel-Samads Aussage, der Islam spielte bei der Verbreitung von Wissenschaft so gut wie keine Rolle, zu wiederlegen, weil sie einfach falsch ist.