Rette sich, wer kann

Fußball Manch einer hatte befürchtet, Gefängnisstrafe und Haftzeit hätten Hoeneß geläutert. Aber das erwies sich als verfrüht, wie die Causa Hummels zeigt
Rette sich, wer kann
Uli Hoeneß „is a Hund“

Foto: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Er ist wieder da. Noch hat Uli Hoeneß keinen offiziellen Posten beim FC Bayern München wiedererlangt, da mischt er mit einer gepfefferten Lüge die einschläfernde Veranstaltung Deutsche Fußballmeisterschaft auf. Mats Hummels, der Kapitän des Konkurrenzvereins Borussia Dortmund, so ließ er verlauten, habe in München angeklopft, um die Möglichkeit zu erkunden, künftig beim Rekordmeister zu spielen. Und wenn jemand anklopfe, so erklärte der Millionär vom Tegernsee, „dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht aufzumachen“.

Das wurde von Karl-Heinz Rummenigge, dem Boss des Vereins, prompt dementiert. Rummenigge kommt aus Westfalen und möchte sich auch künftig dort sehen lassen können. Hoeneß wird über dieses Dementi nicht in Kummer verfallen. Denn das, was er mit seinem Zwischenruf hatte bewirken wollen, hat er schon erreicht. Ein Teil der Dortmunder Fußballfans ist über den Wechsel, der noch gar nicht in trockenen Tüchern ist, stinksauer, Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke musste reagieren. Das Thema ist gesetzt, es lebt fort.

Kenner der Vita von Hoeneß werden kaum überrascht sein. In Bayern nennt man solches Verhalten „hinterfotzig“, und daran ist in Bayern nichts verwerflich. Von dem, der gern hinterfotzig ist, heißt es in Bayern, „der is a Hund“, und das ist anerkennend gemeint. Die Bayern lieben so etwas. Manch einer hatte befürchtet, Gefängnisstrafe und Haftzeit hätten Hoeneß geläutert. Aber das erwies sich als verfrüht. Und warum auch hätte der erfolgreiche Manager in sich gehen sollen? Die bayerische Justiz hatte ja – stellvertretend für die ganze weiß-blaue Heimat – ihm ausreichend bewiesen, dass sie es gut mit ihm meinte. Das Gericht verzichtete darauf, den Steuerhinterziehungsfall ganz aufzuklären. Der Prozess fand innerhalb einer Woche und in einem Tempo statt, um das andere Angeklagte nur betteln können. Und, wenn sie es tun, meist vergeblich betteln. Die Strafe wurde nach Verbüßung der Hälfte der Haftzeit zur Bewährung ausgesetzt: rechtlich möglich, aber eher selten praktiziert.

Warum also nicht rasch wieder das alte Spiel aufnehmen? Dass Hoeneß jetzt auch Hummels beschädigte, der doch bald beim FC Bayern eine wichtige Rolle spielen soll, darüber hat er nicht nachgedacht. Aber Nachdenken war eher nicht die Sache von Hoeneß. Das hatte er einmal gemacht, als er im Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft gegen die Tschechoslowakei 1976 einen Elfmeter schießen musste. Er dachte nach und der Ball flog über das Tor in den Nachthimmel über Belgrad.

Der Autor und Journalist Jürgen Busche schreibt in seiner Kolumne Unter der Woche regelmäßig über Politik und Gesellschaft

06:00 18.05.2016
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