Robert Mugabe

SIMBABWE vom Höhenflug des Revolutionärs zum Sündenfall des Autokraten

Britische Fernsehkanäle servieren derzeit mit Vorliebe eine Art Kronzeugen für den kaum aufhaltsamen Abstieg des Präsidenten Robert Gabriel Mugabe: Es handelt sich um Ian Smith, den Premierminister der zwischen 1965 und 1980 herrschenden weißen Minderheitsregierung. Vor 35 Jahren hatte er gegen den Willen der britischen Krone eine einseitige "weiße Unabhängigkeit" Rhodesiens proklamiert und ein rassistisches Regime etabliert. Nach seinem Sturz und der Unabhängigkeitserklärung Robert Mugabes vom 18. April 1980 blieb Smith im Land.

Bei einem der jetzt geführten Interviews richtete Ian Smith die Aufmerksamkeit nicht zufällig auf die Parteizentrale von Mugabes ZANU-PF in Harare, einen monolithischen Betonklotz, dessen Dach ein schwarzer Hahn als Parteisymbol ziert. Originalton Smith: "Das gleiche Symbol verwendete auch die Regierungspartei des Diktators Kamuzu Banda in Malawi. Banda übrigens wurde schon vor fünf Jahren gestürzt - es gab keine Revolte und keinen Putsch, eine Wahl ließ ihn einfach von der Bildfläche verschwinden ..."

Die Anspielung ist klar, in Simbabwe sollen noch im Mai Wahlen stattfinden, nach denen es eine Regierung Mugabe die längste Zeit gegeben haben könnte. Vorerst jedoch bleibt das Spekulation - gewiss ist hingegen, mit Mugabe hat ein Politiker an moralischer Integrität verloren, der einst als Inkarnation eines Revolutionärs der III. Welt galt wie in den Sechzigern Lumumba im Kongo oder Nkrumah in Ghana. Sein "Sozialismus mit simbabwischen Zügen" war eine Melange aus Christentum, maoistischer Volksbefreiungsutopie und marxistischer Theorie. Besonders die westeuropäische Linke, die den orthodoxen Kommunismus eher abstoßend fand, meinte, in Mugabe ein neues Idol entdeckt zu haben. Er hatte sich dem "Kampf gegen die Supermächte" ebenso verschrieben wie einer Renaissance Schwarzafrikas.

Als Mugabe am 18. April 1980 für seine Zimbabwe African National Union (ZANU) Premier wurde (Präsident ab 1987) empfing er Glückwünsche von Mummar el Ghaddafi wie von Mobutu Sese Seko. Doch auf den Höhenflug des Revolutionärs folgte bald der Sündenfall des Autokraten. Die Rivalität mit der, vor allem unter der Volksgruppe der Ndebele organisierten Zimbabwe African Peoples Union (ZAPU) führte 1987 zu Strafexpeditionen in den Provinzen Nordmatabeleland und Südmatabeleland. Offiziell richteten sich die Operationen gegen "ZAPU-Terroristen", tatsächlich trafen sie die Zivilbevölkerung und kosteten nach inoffiziellen Angaben 20.000 bis 30.000 Menschenleben. Schockiert von den Exzessen entschloss sich die ZAPU zum Kotau vor Mugabe und verschmolz mit der ZANU zur ZANU-PF. Damit war der Ein-Parteien-Staat Simbabwe geboren und Robert Mugabe zum Maß aller Dinge erkoren.

00:00 28.04.2000

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