Rock´n Hockey Roll

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Früher habe ich oft mit meinen Freunden auf der Straße mit Rollschuhen und langen Stöcken, die wir aus dem Wald mit nach Hause geschleppt hatten, Rollhockey gespielt. Es ging immer heiß her, und es gab so manch aufgeschlagene Knie und Hände. Natürlich war das alles höchst unprofessionell und nur ein Freizeitvergnügen. Vor 20 Jahren gab es nur eine kleine Zahl von Rollhockeymannschaften, die in Vereinen organisiert waren.

Inzwischen hat die Variante des Hockeys mit Rollen unter den Füßen einen Boom erlebt und erfreut sich gleich unter vier Namen großer Beliebtheit: Streethockey, Inline-Streethockey, Inline-Hockey und Inlineskaterhockey sind nun die Sparten für das, was früher einfach als Rollhockey bezeichnet wurde. Das Rollhockey wurde selbstverständlich auch auf extra angelegten Rollhockeybahnen gespielt und nicht nur so als Freizeitvergnügen. Das Streethockey kommt wohl dem am nächsten, was ich früher mit meinen Freunden auf der Straße gespielt habe, wobei es dabei per Definition auch erlaubt sein soll, ohne Roller- oder Inlineskates, sondern nur mit Turnschuhen zu spielen. Schläger sind jedoch vonnöten. Beim Inline-Streethockey sind Rollen unter den Füßen Pflicht, und es wird einem Ball hinterhergejagt. Diese Variante wird auch als Freizeitsport betrieben.

Wie auch die immer zahlreicher werdenden Inline-Skater bei Marathon-Events nehmen die Inlinehockey und Inlineskaterhockey-Begeisterten stetig zu. Vor allem aus dem Bereich des Eishockey ziehen die Inliner gute Spieler, die die Schlittschuhe im Sommer mit Inline-Skates tauschen. Da die Inlinehockeysaison von April bis August komplett auf die eisfreie Zeit beschränkt ist, müsste man meinen, dass die Eishockeyspieler allen Anfängern gegenüber daher einen vermeintlichen Vorteil haben.

Ist das aber wirklich so? "Inline-Skating ist leichter als Schlittschuhlaufen", verrät mir ein ehemaliger Eishockeyspieler. "Deshalb wird es beim Inlinehockey mit nicht so guten Spielern leicht wild, und es wird auch ziemlich gehackt. Wenn man ein guter Techniker ist und dort mitspielt, kann das schon frustrierend sein." Das Spiel ist langsamer als auf dem Eis, obwohl das Bremsen wegfällt. Der Sport boomt und verzeichnet einen stetigen Zuwachs an neuen Interessierten, jedoch ist für den ehemaligen Eishockeyspieler klar, dass er schon immer recht froh war, wenn er im Sommer dann Laufen gehen oder Basketball spielen konnte, um den doch recht einseitigen Belastungen des Spiels auf den Kufen zu entkommen.

Seit 1986 ist der Inlinesport im Verband organisiert, der Mitglied des olympischen Kommitees ist und darauf drängt, Inlinehockey in das olympische Programm aufzunehmen. Es gibt auch hier bei Inlinehockey und Inlineskaterhockey noch kleine aber feine Unterschiede. Inlinehockey findet in Eisstadien statt, und es gibt einen Rollpuck als Spielscheibe. Inline-Skaterhockey dagegen wird als Eishockey auf Inlineskates mit einem Ball und nicht mit einem Puck gespielt, in eigens dafür angelegten Stadien. Die Wettkämpfe finden nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr über statt. Schlimme Verletzungen durch Stürze sollen auf dem Spezialbelag vermieden werden, dessen Anschaffung jedoch für viele Betreiber zu teuer ist. Der Aufwand für eine Mannschaft, unter professionellen Bedingungen in der Halle zu spielen, ist groß, und oft wird davor zurückgescheut. Doch wo sonst haben die amerikanisiert benannten Mannschaften der Trendsportarten so schöne passende Namen wie Skating Sharks oder Rhine Rollers? Das sollte zu Taten anfeuern!

Der Sport bietet im Gegenzug nämlich noch mehr Reize: vier mal zwölf Minuten wird gespielt, das Spiel ist sehr schnell, und nur der Torwart und vier Feldspieler haben viel Platz, um ordentlich zur Sache zu gehen.

Wie kurzweilig dieser Sport sein kann, kann man demnächst live im eigenen Lande erleben. In Nürnberg und Amberg findet bereits zum zweiten Mal die IIHF-Inlienhockey-WM statt. Vom 12. bis zum 19. Juli 2003 treten die Besten der besten Inline-Hockeyspieler dort an, um einen Weltmeister zu ermitteln. Diese WM findet einmal jährlich statt und bietet nicht nur den Abklatsch einer Eishockey-WM, die in den heißen Monaten gespielt wird, denn auch Nationen, die man nicht unbedingt mit Eishockey in Verbindung bringt, wie zum Beispiel Australien, Brasilien, Südafrika und Neuseeland, sind mit von der Partie und versprechen eine interessante Mischung. Selbstverständlich gibt es dort auch "Klassenunterschiede" zwischen den großen Eishockey-Nationen wie USA und Finnland, Länder, die wohl kaum wie die brasilianische Mannschaft ihren eigenen Aufenthalt finanzieren müssen und die zehn bis 15 Tore pro Spiel erzielen. Es gibt eben einseitige Angelegenheiten, aber durchaus auch Hochspannung und Kurzweiligkeit. Und man darf gespannt sein, was passiert, wenn die Nicht-Eishockey-Nationen sich voll auf die Variante ohne Kufen konzentrieren. Bei der letzten WM fanden sich auf den vorderen Plätzen noch weiterhin die eishockeyerfahrenen Nationen; ein Intervall von einem Jahr bietet jedoch allen Chancen.

Und genau diese Diversität und Verbreitung des Sportes könnte es sein, die den Inline-Spielern dazu verhilft, sich nicht nur mit einer WM einen Traum zu erfüllen, sondern auch den ultimativen Traum zu verwirklichen: olympisch zu werden.

00:00 11.07.2003

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