Rückkehr der Rachegottheit

Götzendienst und Fetischfeier Nur die Abkehr vom Opfer- und Vergeltungsdenken macht aus der Religion ein friedfertiges Geschäft. Der Kapitalismus ist zu solcher Gewaltfreiheit nicht fähig

Nach den Angriffen auf das World-Trade-Center im vergangenen Jahr stand plötzlich auf jeder Tagesordnung: Religion. Völlig unvorbereitet musste uns das Thema allerdings nicht treffen, denn schon Mitte der neunziger Jahre war von einer "Wiederkehr der Religion" die Rede, war zu beobachten, dass Glaubens- und Kirchenfragen wieder an gesellschaftlicher Bedeutung gewannen. Und so schienen die Reaktionen auf die Ereignisse des 11. September nur deutlicher hervorzubringen, was sich langsam vorbereitet hatte. Die Freitag-Religions-Debatte stellt zwei Fragen: Wie verhalten sich Religion und Gewalt zueinander? Was ist aus der Säkularisierung unserer westlichen Gesellschaften geworden?

Ungeklärt ist, ob hinter den Vorfällen vom 11. September 2001 wirklich ein islamischer Fundamentalismus als Drahtzieher stand. Fest steht, dass damit eine archaische Form von Religion wieder ins Licht der Weltöffentlichkeit rückte, die durch eine schicksalhafte Verquickung mit Gewalt geprägt ist. Die Vorstellung von einem Heiligen Krieg schlägt schon länger traditionelle Widersacher in ihren Bann, das US-Imperium und seine arabischen Gegner, die Sharon-Regierung und die palästinensischen Intifada-Gruppen. Wie einst die Rettung des wahren Glaubens die Verbrennung der Ketzer rechtfertigte, so muss auch heute eine heilige Mission erfunden werden, die den Gegner zu dem Bösen, zum westlichen Teufel oder zum Terroristen und subversiven Element macht, um dann sein Menschsein ideologisch und physisch auslöschen zu dürfen. Die bange Frage drängt sich auf: Liegt in einer strukturellen Gewaltverfallenheit das geheime Verbindungsstück sowohl zwischen den monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam auch mit ihrem designierten Konkurrenten, den angeblich säkularisierten westlichen Gesellschaften? Auch die Aufklärung ging über Leichen (französische Revolution) und ihre bürgerlichen Erben ebenso. Gibt es einen Ausweg aus dieser beängstigenden Spiegelbildlichkeit? Dazu im folgenden zwei Gedankengänge.

Erstens: Was abstrakt als Säkularisierungsprozess der westlichen Gesellschaften umschrieben wird, ist konkret die globale Etablierung des Kapitalismus als Religion, die mit zunehmender Ausbreitung und Festigung den traditionellen Religionen nicht nur auf den Gebieten der Orientierung und der Sinnstiftung den Rang abgelaufen, sondern auch, was bisher noch nie so deutlich wurde wie jetzt, deren latente Gewaltbereitschaft in sich aufgesogen hat.

Als Walter Benjamin 1921 sein berühmtes Fragment Kapitalismus als Religion verfasste, äußerte er darin den Verdacht, dass er mit seinen Thesen wohl nicht auf breite Zustimmung hoffen dürfe. Heute wird ihm wohl noch kaum jemand widersprechen. Die Grundlinien eines Evangeliums des Marktes bei Friedrich August von Hayek, dem Papst der Neoliberalen, in dessen Zentrum die demütige Unterwerfung des Menschen unter die Vorsehung des Marktes und die Verurteilung der Hybris der Planung stehen, sollen hier nicht entfaltet werden. Denn als größere Herausforderung muss die in den Strategien der Vertreter eines Kultmarketing, wie beispielsweise bei Norbert Bolz und David Bosshart, stattfindende Übernahme der Grundeinsicht Walter Benjamins, dass der Kapitalismus eine reine Kultreligion sei, und deren affirmativ-aggressive Entfaltung angesehen werden.

Das Kultmarketing als postmoderne Spielform der Säkularisierung betreibt gleich ein doppeltes Geschäft: Einerseits plündert es hemmungslos die Schätze der jüdisch-christlichen Tradition und beerbt ungeniert die "Werte und Güter" der Kirche wie Gemeinschaftsbildung, Sinnstiftung, Ästhetisierung des Lebens. Andererseits macht es aus der Kritik des Warenfetischismus bei Marx und Benjamin eine skrupellose Affirmation des Fetischcharakters der Ware. Der Kapitalismus wird zur stärksten aller Religionen erklärt.

Ob es um Jeans oder Bier geht, um Autos oder Parfüm, um Versicherungen oder Turnschuhe: Die Werbung ist voller religiöser Symbole und Motive. Das ist nicht neu, und die geschickten Appelle der Marketingstrategen an unser Unterbewusstsein sind auch denjenigen klar, die nie etwas von den Kategorien Bewusstseinsindustrie und Fetisch gehört haben. Die Konsumenten folgen diesen Appellen ohne Gegenwehr und fühlen sich wohl dabei, auch wenn es ihr Geld und am Ende unbemerkt auch das selbstbestimmte Leben kostet.

Neu ist allerdings die selbstbewusste Verkündigung des Kapitalismus als "ultimativer Religion", die nicht länger vorhandene religiöse Symbole nur aufgreift, sondern direkt die ungesättigten religiösen Bedürfnisse zu befriedigen beansprucht, wozu nach Auskunft der "Trendmagier" Bolz und Bosshart das Christentum zum Beispiel nicht länger fähig ist. Da kaum jemand es erträgt, ohne Sinn - und das heißt eben ohne Religion - zu leben, übernimmt die postmoderne Werbung die Funktion der Religion und entfaltet eine neue Spiritualität des Konsums.

Erstaunlich bis ärgerlich ist, dass ausgerechnet die Überlegungen von Marx entgegen ihrer ursprünglichen Intention benutzt werden, um der Religion der Absatzsteigerung und der Inthronisation des Geldes als des obersten Gottes dieser Religion einen Plausibilitätsrahmen zu liefern. Marx hatte, ausgehend von der Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert der Ware, gezeigt, wie sich über den Tausch eigenständige Verkehrs- und Lebensformen entwickeln, in deren Zentrum eine wesentliche Umkehrung aller Verhältnisse steht. Die Produkte der menschlichen Hand und des Kopfes herrschen über die Menschen, die damit vom Subjekt in ein Objekt der Verhältnisse verwandelt werden. Die Propheten des Kultmarketing ziehen daraus ihre Konsequenzen. Das Geheimnis der Ware zeigt, dass nicht ihr Gebrauchswert, sondern ihr Tauschwert entscheidend ist. Darüber hinaus verkörpern die Waren als Fetische die Erfüllung von über den unmittelbaren Konsum hinaus weisenden Sehnsüchten. Im Konsum wird das Übersinnliche als ansonsten unfassbarer Überschuss sinnlich greifbar und kann körperlich angeeignet werden. Die Vertröstung auf das Jenseits verwandelt sich in Erfüllung im Diesseits. Das Parfüm "Eternity for men" lässt grüßen. Gleichzeitig wird das Sichtbare, der zweckdienliche Gebrauchswert der Ware, ihre Funktionalität, unsichtbar und verschwindet immer mehr aus der Werbung und damit aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Als letzte Täuschung entlässt der Fetischcharakter der Ware aus seiner Zwiespältigkeit die Verheißung einer potentiellen Unendlichkeit. Indem er den Hunger nach mehr wach hält, stellt er sich selbst auf Dauer und verspricht, dass es immer so weiter geht.

Dies läuft letztlich auf eine zynische Affirmation der Entfremdung als höchstem Stadium menschlicher Glückseligkeit hinaus. Der fröhliche Einmarsch in die unwiderrufliche Konsumwilligkeit und der Zusammenschluss in Kultgemeinden unter dem Fetisch von Nike oder Kevin Klein könnte allerdings wirklich das oft herbeischwadronierte Ende der Geschichte bedeuten, weil es auch das Ende jeder Erlösungshoffnung wäre.

Dass der Kapitalismus als hemmungsloses Streben nach Profit gewaltförmig ist und ganze Völker dem Hungertode preisgibt, bedarf keines neuerlichen Nachweises. Dass er als Götzenreligion der Raffgier global präsent ist, sehen nicht nur die Globalisierungskritiker. Dass die Mehrung des Shareholdervalue das erste Gebot dieser Gierreligion ist, wird täglich durch das bekannte Band der Aktienkurse, das die Nachrichten begleitet, dokumentiert. Bedeutsamer ist allerdings, dass er sich in letzter Instanz gerade dort als Gewaltverhältnis und in doppeltem Sinne - physisch und geistig - als tödlich entpuppt, wo er das erfüllte Leben, eine diesseitige Stillung der transzendenten menschlichen Sehnsüchte verspricht, also gerade in seiner religiösen Funktion den Tod statt die Auferstehung bringt.

Die biblischen Propheten würden den Kapitalismus als Religion direkt und unverblümt als Götzendienst brandmarken und klarstellen, dass Fetische töten. Dieser Vorwurf dürfte den modernen Warenanbeter kaum stören. Gerade deswegen kann auf die Sichtbarmachung einer anderen religiösen Entwicklungslinie nicht verzichtet werden.

Zweitens: In Auseinandersetzung mit der erkennbaren Verschränkung von Religion und Gewalt fand in langen Zeiträumen im Rahmen der jüdisch-christlichen Tradition ein Prozess der fortschreitenden Reinigung des Gottesverständnisses und des Gottesglaubens von seinen archaischen Gewaltbezügen und Opfervorstellungen statt, die historisch in Praxis und Lehre des Jesus von Nazareth zu einem, wie ich glaube, bisher nicht überbotenen Höhepunkt gelangte. Gleichzeitig endet damit eine bestimmte Form von Religion.

Die biblische Auseinandersetzung mit der als unverfügbar erfahrenen Schicksalsmacht, Gott genannt, ist von Anfang an als Differenzierungs- und Lernprozess angelegt, der als "Befreiung von einem Gott der Gewalt", dabei alle drei großen monotheistischen Religionen einbeziehend, beschrieben werden kann. Einige Stationen dieses Prozesses sollen kurz angesteuert werden.

Die Paradiesesgeschichte, die den Ursprung des Bösen erklären will, ist geprägt von einer in der Doppelung des Gottesnamens in Jahwe und Elohim enthaltenden Spannung zwischen der liebend umsorgenden Schicksalsmacht des "Ich bin da (für euch)" einerseits und der älteren Vorstellung des gewalttätigen herrscherlichen El, einer titanenhaften, dem Kronos ähnlichen Allgewalt andererseits, die zudem im Gottesnamen als Plural "Elohim" auftritt. Im Garten Eden dominiert Jahwe, außerhalb regiert Elohim. Die todbringende List der Schlange besteht darin, dass sie die fürsorgliche Warnung Jahwes ("Tut es bitte nicht!") in ein Gebot Elohims zu verwandeln vermag, das zur Übertretung, zum Übertritt und Austritt, reizt. Der Mensch ahmt die Elohim nach und wird damit zum Götzen. Die Ursünde der Stammeltern geschieht als Machtergreifung. Sofern diese durch den Bruch mit Jahwe nicht mehr von innen, vom Paradiese her, legitimiert ist, wird sie zum todbringenden Fluch der Jahwe-Ferne, deren Früchte Zwietracht und Brudermord sind. Der erste Anlauf zu einer Befreiung von den Elohim ist misslungen. Wie Gott sein zu wollen, ist die regressive Fixierung auf ein mythologisches Gottesbild. Daher gibt es in Israel im strengen Sinne keine Hybris, sondern nur Abfall in die Idolatrie.

In der Geschichte von Abraham, dem Stammvater der drei großen monotheistischen Religionen, wird in der Verhinderung der Opferung des Isaak ein Schlusspunkt unter die brutale Praxis der Menschenopfer gesetzt. Fürderhin darf kein Mensch mehr geopfert werden, um die Götter gnädig zu stimmen. Überdeutlich sind in dieser Geschichte die Bemühungen um ein Tilgung aller Bindungen an den Typus der Raubtiergottheit, des Moloch, des Baal und anderer gefräßiger Urgottheiten der Israel umlagernden Hochkulturen.

Mose, der Vater der Thora, und damit der eigentliche (fiktive?) Begründer des spezifisch israelitischen und später jüdischen Gottesverhältnisses, ringt in direkter Auseinandersetzung mit seinem Gott diesem ab, dass er sich an menschliche Gesetze - im doppelten Sinne - zu halten hat. Der Dekalog ist ein Kontrakt. Israel unterwirft sich nicht der Schicksalsmacht, sondern geht auf sie zu, in dem festen Glauben, dass Gott sich im Dialog ändert. Auch das ist nicht Hybris, es ist eine in der Tiefe des Gottesglaubens waltende Zuversicht, Anspruch auf Gleichberechtigung. Größeres wurde in der Religionsgeschichte nirgendwo gedacht. Diese dem Judentum eigene Dialogorientierung durchzieht auch die Schriften der Propheten bis hin zu dem Rabbi Jesus aus Nazareth.

Es darf hier nicht unterschlagen werden, dass auch das Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn" in der jüdischen Religion eine Rolle spielt. Gesicherte Erkenntnisse sprechen dafür, dass in ihm eine Domestizierung maßloser Rachegedanken und ihrer Generationen begleitenden Aufrechterhaltung vorliegt und es daher zu Recht in die Bibel gelangte. Auf die Dauer aber führt auch diese Regelung dazu, dass alle blind und zahnlos werden, was nicht als vernünftig anzusehen ist. Jesus hat die tödliche Logik des Vergeltungsdenkens in den Maximen der Bergpredigt überwunden. Auch wenn nur wenige in der Geschichte der Kirche und des Abendlandes die neue Logik der Gewaltüberwindung zu einer gültigen Praxis werden ließen, führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass die schier unüberwindlich scheinende Aggressionsbereitschaft des Menschengeschlechts nur so eingedämmt und schlussendlich überwunden werden kann.

Die Deutung des Kreuzestodes Jesu als Sühnopfer wirft die Frage auf, ob ein blutiges Opfer die endgültige Versöhnung bringen kann, und kann nach einigem Nachdenken als Fehl-Interpretation verworfen werden. Jesus lässt sein eigenes Leben los und damit alle Gewalt der Selbstbehauptung hinter sich. Er zeigt uns damit exemplarisch den Weg der Erlösung als Befreiung vom Zwang, das zerstören zu müssen, was unsere Identität bedroht. Wer Jesus auf seinem Weg nachfolgt, wird ein höheres Leben gewinnen, weil er es nicht als Ich-AG krampfhaft bewahren will.

Mit Tod und Auferstehung Jesu konstituiert sich endgültig das letzte Stadium der Transformation der Schicksalsmacht in einen menschgewordenen und leidensfähigen und leidensbereiten Gott. Gott verhängt nicht Gewalt, sondern erleidet Gewalt, um die Gewalt für immer zu beseitigen. Wenn die unmenschliche Gewalt nach dem Tode Jesu trotzdem bleibt, heißt dies nicht, dass dieses Gottesbild falsch ist, sondern dass das, was ist, noch nicht alles oder das Ende ist. Eine der unaufgebbaren Errungenschaften der jüdisch-christlichen Tradition ist eine Vermittlung von Glauben und Denken, die eine neue Qualität des Wissens geschaffen hat: das leidvolle Wissen. Damit tritt ein neuer Typus von Religion auf, der es nun schwer macht, weiterhin univok von Religion zu reden. Dieser neue Typus ist gekennzeichnet durch die Negation des Bestehenden, durch den Protest gegen das Elend, durch die "Unterbrechung" des ewigen "Es geht immer so weiter".

In der Jesusbewegung hat sich lange das Bewusstsein erhalten, dass es keinen Kompromiss mit den Gewaltstrukturen des römischen Reiches geben darf. Kriegsdienst und Todesstrafe wurden einhellig abgelehnt. Nach den Zeiten der Verfolgung und der berühmt-berüchtigten konstantinischen Wende wurde das Christentum staatstragend und damit - im engeren Sinne - erst zu dem Typus von Religion, der damals wie heute mehrheitlich nachgefragt wurde und wird. Gemeint ist Religion als ritualisierter Umgang mit unverfügbaren Mächten.

Priester gelten ursprünglich als Experten im Umgang mit solchen Mächten. Sie wissen, was man tun muss, um diese Mächte gut zu stimmen, zum Beispiel wie sie durch Opfer zu besänftigen sind. So antwortete auch das Christentum der vergangenen Jahrhunderte ziemlich erfolgreich auf die Grundfragen: Was muss man tun, um dem als Herrn über Leben und Tod, über Natur und Geschichte begriffenen Gott zu dienen und um Unheil zu vermeiden? Wo diese Fragen verstummen, werden auch die Antworten obsolet. Wie soll es weitergehen?

Gerade im Kontext der unverhohlenen Gewaltbereitschaft der Religion des amerikanischen Imperiums und seines Widersachers, sowie des sie verbindenden Glaubens an die gewaltsame Durchsetzung des Guten erhalten die Überlegungen von Dietrich Bonhoeffer zur Möglichkeit eines "religionslosen Christentums", die er wohl nicht ohne Grund in einer gewaltverseuchten Zeit entwickelte, neue Brisanz und eine zusätzliche Bedeutung. Thomas Ruster (Der unverwechselbare Gott) hat gezeigt, dass das Christentum als Religion gegenwärtig nicht mehr zu leisten vermag, was das Publikum seit jeher von Religion erwartet: den Umgang mit unverfügbaren Mächten zu regeln, das heißt sie verfügbar zu machen. Diese Aufgabe erfüllt der Kapitalismus besser, der uns zeigt, wie man mit dem neuen Gott/Götzen, der alles bestimmenden Macht des Geldes, umzugehen hat. Im Umgang mit dieser Macht versinkt das Christentum immer mehr in sprachloser Ohnmacht, seitdem es nach dem Scheitern des Zinsverbotes darauf verzichtet hat, seinen Machtbereich einzugrenzen.

Misserfolg und Chance des gegenwärtigen Christentums hängen daher davon ab, ob es zu lernen im Stande ist, ein in dem Sinne religionsloses Christentum zu sein, dass es einer endgültigen Entflechtung von Glauben und gewaltförmiger weltlicher Macht zustimmt. Das Christentum, für den Islam kann ich keine analoge Prognose formulieren, hört dann zwar auf, eine Religion des dominanten Typus zu sein, wird aber unter Vergewisserung seiner jüdischen Wurzeln zur Verkündigung eines "unverwechselbaren Gottes", der nicht ein Begriff ist, sondern einen anrufbaren Namen hat, weil er für eine Befreiungsgeschichte steht.

Der Kapitalismus als Religion vollendet das Verhängnis der Neuzeit und erweist sich als die inverse Größe zum jesuanischen Liebesgebot. Der Raubtierkapitalismus spielt im Kapitalismus als Religion die Rolle, die der Fundamentalismus in den alten Religionen spielt. Die Rachegottheit kehrt zurück, einmal als der Moloch des totalen Marktes, zum andern als fundamentalistischer Rückfall der traditionellen Religionen in ihre Vorgeschichte eines von Strafe, Opfer und Vergeltung geprägten Gottesverständnisses.

Kuno Füssel, Dr. theol., ist seit 1998 Lehrer für Mathematik, Physik und katholische Religionslehre an der BBS-Wirtschaft in Koblenz. Letzte Veröffentlichung: Der verschwundene Körper, Neuzugänge zum Markusevangelium (gemeinsam mit Eva Füssel), Edition Exodus, Luzern 2001.

Bisher in der Religions-Debatte:

Michael Jäger: Gott und die Katastrophen; über Religion und Revolution
00:00 04.10.2002

Ihnen gefällt der Artikel?

Dann lesen Sie noch mehr Beiträge und testen Sie die nächsten drei Ausgaben des Freitag kostenlos:

Abobreaker Startseite 3NOP plus Verl. ZU Baumwolltasche

Kommentare