Neue Verfassung in Chile: Der Zeitgeist hinkt seinen Erwartungen hinterher

Referendum Das demokratische Experiment einer neuen Verfassung in Chile droht zu scheitern. Dies wäre eine schmerzhafte Niederlage für Präsident Gabriel Boric
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 35/2022
Das Maskottchen, welches die kommende chilenische Verfassung darstellen soll, ist in den Straßen von Santiago beliebt
Das Maskottchen, welches die kommende chilenische Verfassung darstellen soll, ist in den Straßen von Santiago beliebt

Foto: Javier Torres/AFP/Getty Images

Anderthalb Jahre lang hat sich ein Konvent in mühevoller Arbeit um eine neue Verfassung verdient gemacht. Nur sind die Aussichten, dass die 388 Artikel dieser Charta am 4. September per Referendum angenommen werden, alles andere als ermutigend. Obwohl 2020 gut 80 Prozent der Wählerinnen und Wähler fast euphorisch der Erarbeitung einer neuen Konstitution zugestimmt haben, deuten die meisten Umfragen Tage vor dem Votum auf einen Einbruch bei den Befürwortern hin. Die Erhebungen signalisieren einen Sieg des „Rechazo“, also der Absage an den vorliegenden Entwurf. Die optimistischste Prognose billigt dem Pro maximal 47 und einem Contra 53 Prozent zu. Ausgerechnet jetzt hat die Popularität des seit einem halben Jahr regierenden linken Präsidenten Gabriel

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