Johanna Treblin
19.06.2011 | 09:00 85

Schlechte Scheine

Asylpolitik In Brandenburg müssen Flüchtlinge teils von Wertmarken leben. Selbstbestimmter Einkauf ist so nicht möglich. Nun protestieren die Betroffenen, sie boykottieren das System

Vor dem Bahnhof stehen zwei Frauen mit einem Megafon. „Wir wollen keine Gutscheine mehr“, ruft Maria*. „Selbstbestimmter Einkauf geht nur mit Geld!“ Die schwangere Frau wohnt im Flüchtlingsheim von Hennigsdorf, einem brandenburgischen Ort nahe Berlin. Auch andere Heimbewohner, vor allem Schwangere und Mütter mit Kindern, haben sich auf dem Platz versammelt. Zurückgezogen im Häuserschatten stehen Beamte in schwerer Montur. Auch auf dem S-Bahnsteig wartet Polizei. Rund 100 Menschen haben sich in der Nachmittagssonne im Halbkreis um die beiden Frauen gruppiert.

Den Grund für den Protest der Flüchtlinge aus dem Hennigsdorfer Heim sieht man jeden ersten Mittwoch im Monat. Dann verteilen Mitarbeiter des Sozialamts 40 Euro und 90 Cent in bar sowie 160 Euro in Gutscheinen an die Heimbewohner. Die Leistungen liegen damit 30 Prozent unter dem Satz für Langzeiterwerbslose. Die Gutscheine sind auf ein paar Geschäfte beschränkt. Sie gelten weder in allen Supermärkten und Drogerien noch in Apotheken. Will man ein Brot kaufen und zahlt mit einem Wertzettel in Höhe von fünf Euro, bekommt man den Restbetrag nicht voll ausgezahlt – generell werden nur zehn Prozent des Einkaufswerts als Rückgeld herausgegeben, das übrige Geld verfällt.

Keine Pampers, kein Spaß

„Mit Gutscheinen bekommen wir keine Pampers und keinen Kinderwagen“, sagt Maria auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Bons sind nur sechs Wochen ab Ausgabe gültig, Sparen für eine größere Anschaffung wie einen Kinderwagen ist undenkbar. Nicht einmal Fahrkarten für Busse und Bahnen bekommt man dafür. Wird Maria vom Sozialamt ins 20 Kilometer entfernte Oranienburg bestellt, geht das wenige Bargeld drauf. Auch Eintrittskarten für Theater, Kino oder Museen sind nicht vorgesehen. „Spaß“, sagt Maria, „ist verboten.“

1993 wurde das so genannte Sachleistungsprinzip bundesweit eingeführt. Zunächst bekamen die Flüchtlinge tatsächlich vielerorts Essen in eigens dafür vorgesehenen Kantinen. Doch mit der Zeit wurden die meisten Sachleistungen durch die ebenfalls erlaubten Gutscheine ersetzt. Weil aber der Verwaltungsaufwand sehr hoch ist, gehören die Wertmarken in vielen Teilen Deutschlands inzwischen auch schon der Vergangenheit an. Richtiges Geld ist für die Behörden viel billiger, ob die Flüchtlinge in bar ausbezahlt werden, entscheiden weder Bund noch Land, sondern jeder Landkreis für sich.

„Jeder Gang zum Supermarkt wird zum Kraftakt“, sagt Maria. „Wir schämen uns, auf Sozialleistungen angewiesen zu sein und dies auch noch zeigen zu müssen.“ Eigenes Geld erwirtschaften können die Flüchtlinge auch nicht: Während sie darauf warten, dass über ihren Asylantrag entschieden wird, dürfen sie nicht arbeiten.

Uneinheitliche Regelungen

Zwölf der 18 Landkreise Brandenburgs haben mittlerweile auf die Auszahlung von Geld umgestellt. „Wir haben kein Problem mit Barauszahlungen, aber wir können die Landkreise nicht anweisen, die Praxis zu ändern“, sagt Florian Engels vom Brandenburger Sozialministerium. Der Kreis Oberhavel, in dem Marias Flüchtlingsheim liegt, müsse selbst abwägen. Für die rot-rote Landesregierung sei die Ausgabe von Gutscheinen ein wichtiges Thema – bisher sei man aber mit einem Vorstoß auf Bundesebene nicht weit gekommen.

Nach Angaben des Flüchtlingsrats Berlin und des Bundessozialministeriums haben auch in Sachsen die Landkreise bisher uneinheitlich entschieden: Elf von 13 Kreisen gewähren Geldleistungen, in Thüringen sind es vier von 24 Kreisen. In Hamburg, Berlin, Bremen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden gar keine Gutscheine mehr ausgeteilt, in seltenen Fällen jedoch Sachleistungen. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vergeben fast alle Landkreise Bargeld. Restriktiver sieht es in den übrigen Bundesländern aus: Niedersachsen gewährt fast flächendeckend Gutscheine, ansonsten Sachleistungen. Im Saarland gibt es teilweise Essenspakete, teilweise Bargeld, in Baden-Württemberg eine Mischung aus allen drei Möglichkeiten. Einzig in Bayern bekommen die Flüchtlinge noch immer fast ausschließlich Sachleistungen.

Auch die UNO ist besorgt

Vor zwei Wochen haben Maria und die anderen Frauen aus dem Hennigsdorfer Lager die Annahme der Gutscheine verweigert. Mitarbeiter des Sozialamtes starteten zwei Tage später einen neuen Versuch: Schwangeren und Müttern wurden erneut Wertmarken über 20 Euro angeboten, mit denen sich die Flüchtlinge über das Wochenende mit Nahrungsmitteln versorgen sollten. Die Frauen lehnten ab.

Nach der Demonstration auf dem Bahnhofsvorplatz und einer Kundgebung vor dem Sozialamt in Oranienburg gibt es vage Hoffnung für die Flüchtlinge: Die Behörde zeigte Verständnis und versprach, die Proteste ernst zu nehmen. „Für uns ist das noch nicht befriedigend“, findet dagegen Jan Fließbach von der Hilfsorganisation United against Racism and Isolation.

Gerade erst hat der UN-Sozialausschuss „mit tiefer Besorgnis Kenntnis von der Situation der Asylsuchenden“ in Deutschland erhalten. Die Zahl der Kritiker wächst, meint der Flüchtlingsaktivist Wondu Wolka Wogasso – und besser vernetzen wolle man sich auch, weshalb am vergangenen Wochenende in Berlin zu einer Konferenz gerufen wurde. Die Aktion der Brandenburger Flüchtlinge fand dort Unterstützung. „Wir wollen den Streik fortführen“, sagt Maria aus Hennigsdorf.

* Die Namen der Betroffenen sind geändert

Johanna Treblin lebt als freie Autorin in Berlin und ist Redakteurin von klimaretter.info

Kommentare (85)

Mühlenkamper 19.06.2011 | 15:03

Wie schützt man eigentlich die Flüchtlinge davor, ihre Bargeldzuwendung direkt bei ihren Schleppern abliefern zu müssen? Möglicherweise setzt man die Flüchtlinge mit dem Bargeld nur anderen Bedrängnissen aus. Jedenfalls wäre es gut gewesen, sich bei den Landkreisen mal nach der Begründung für ihre Gutschein-Praxis zu erkundigen. Hätte mich interessiert.

Alien59 19.06.2011 | 16:28

Das wäre noch ein Argument - das ich aber von Flüchtlingen selbst nie gehört habe.

Wenn man dann berücksichtigt, dass die Möglichkeit, Gutscheine auszugeben, aus dem Asylverfahrensgesetz von 1981 stammt und neben anderen Maßnahmen dazu bestimmt war, Flüchtlinge abzuschrecken, ist die Neigung, positiv zu denken, sicher geringer.
Vor allem überwiegen die Nachteile, wie oben geschildert.

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rahab 19.06.2011 | 16:37

immer noch und immer wieder.... es ist zum kotzen!

Dabei wurde schon vor gefühlt hunderten von jahren vorgerechnet, dass es am allerunaufwendigsten und kostengünstigsten ist, bargeld auszuzahlen und in wohnungen unterzubringen.
so üppig, dass davon auch noch fluchthelfer (so heißt das!) finanziert werden könnten, ist der satz nach asylbewerberleistungsgesetz sowieso nicht.

Hans Dirk 19.06.2011 | 21:37

Die Wertscheinausgabe war zur Abschreckung gedacht. Praktisch sind diese Wertscheine nicht praktikabel, da nicht alles damit bezahlt werden kann. Sie bevormunden den Inhaber, sind so auch menschenunwürdig. Die Zeitung mit den vier Buchstaben fragte damals bei Aufkommen dieser Wertscheine." Wie können Flüchtlinge von dem was sie um Lebensunterhalt erhalten, noch Geld in ihr Heimatland schicken.
Tatsache ist, mit Aufkommen der Wertscheine sind zumindest vorübergehend die Zahl der Flüchtlinge zurückgegangen. Und das war gewollt.

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richard-der-hayek 19.06.2011 | 22:17

Im Gespräch mit einem bayerischen Beamten wurde mir gesagt, die Asylanten kaufen nicht mit den Gutscheinen ein, sondern bekommen Kataloge von Aldi, Rewe und noch ein paar Lebensmittelläden. Dort kreuzen sie ihre Wünsche an, bis zu einem gewissen Betrag.
Viele Männer führen sich ganz einfach deshalb auf, weil sie das Geld lieber in Alkoholika, Rauch und Glückspiele umsetzen.
Die Frauen sollen dann sehen, wie sie Essen herbringen: das sind sie von zu Hause oft so gewohnt.

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richard-der-hayek 19.06.2011 | 23:24

Dieser Mann behauptete, er arbeite als Beamter in diesem Bereich und komme dabei mit diesen Unterkünften in Berührung.

Ich saß im Cafe und laß die SZ, ein Artikel über die Haderthauer und das Asylthema war gerade sichtbar, er war am Nebentisch und bat mich, ihn das lesen zu lassen.
Anschließend ergab sich ein Gespräch, und er erzählte die Geschichte so.
Er bemängelte eine einseitige Berichterstattung: die Asylanten würden viel zu positiv dargestellt. Freilich wären nicht alle so negativ, aber ein nicht unbedeutender Prozentsatz eben schon, was grundsätzlich übergangen werde.

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richard-der-hayek 19.06.2011 | 23:49

Welche Erkenntnisse sind subjektiv und welche nicht ?
Ist die Annahme, daß gerade in der sog. Dritten Welt oft noch Patriacharlismus herrscht, subjektiv ?

Ist die Annahme, daß die Verhältnisse nicht so sind und alle Asylanten brave Lämmer sind, nicht auch sehr subjektiv bis blauäugig ?
Haben Sie Probleme mit solchen Aussagen ?

Für mich bedeutet das, daß ich mich nicht über jede solche Meldung gleich in die oh-du-schlimme-Welt-Wolke begebe und daß eine natürliche Mißbrauchsquote immer dabei ist.
Die ist aber auch nicht als Grund anzusehen, die Hilfen zu kürzen. Es geht nur um einen realistischen Blick.

In der Praxis würde das bedeuten, daß ein gewisser Teil des Geldes über solch ein Katalogsystem sichere Nahrung für jedenfalls die meisten bedeuten würde.
Ein Restbetrag könnte ja bar ausgegeben werden.

Solche geschilderten Gutscheine, auf die nicht herausgegeben wird, sind natürlich abzulehnen.

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richard-der-hayek 19.06.2011 | 23:52

Aus dem Slut-Walk Blog:
"Zudem machen die Teilnehmer/innen explizit darauf aufmerksam, dass die Situation von Frauen außerhalb der westlichen Welt, wo der Feminismus eine rechtliche Gleichstellung von Frauen und auch Gesetze zum Schutz vor sexueller Gewalt erkämpft hat, oft noch viel schlimmer ist, Männer auch noch formale Macht über Frauenkörper haben und diese kaum Handhabe, sich zu wehren. "

Man kann davon ausgehen, daß die formale Macht über die Frauen dann nicht nur auf den Körper auswirkt.

luzieh.fair 20.06.2011 | 00:41

"Haben Sie Probleme mit solchen Aussagen ?"

Es ging mir nicht darum, zu behaupten, andere (meine?) Aussagen seien nicht subjektiv...

Es ging mir schlicht um das, was ich gefragt habe: die Perspektive für die Praxis.

Ich könnte mir ein Program vorstellen, dass den Frauen, von denen Sie sprechen, Unterstützung anbietet.
Dass diese Frauen (und auch sonst jeder Mensch individuell) das Geld ausgezahlt bekommen und darin unterstützt werden, sich aus der Situation zu befreien.
Das wäre natürlich eine langfristige Geschichte, aber wenn durch Barzahlung viele Kosten wegfallen, könnte dieses Geld doch in solche oder ähnliche Projekte "investiert" werden.

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richard-der-hayek 20.06.2011 | 00:56

@luzie fair
Frauen unterstützen

Das ist in der Praxis nicht zu schaffen: wer soll das alles Fall für Fall überprüfen ?
Natürlich handelt es sich dann um Paare, Familien.
Wenn die Frauen gewohnt sind zu gehorchen, dann sagen sie natürlich auch falsch aus.
Das würde zuviel Geld kosten.

Manchmal werde ich bei Rahab persönlich, weil es immer die gleiche dumme Masche ist: sich als so oberschlau mit so billigen Tricks ausgeben, wir blicken hinter die Fassaden und sind ja so gerecht und aufgeklärt.
Ich beherrsche mich so gut ich kann.

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richard-der-hayek 20.06.2011 | 01:02

Wenn also die Frauen sich international gegen sexuellen Mißbrauch wehren und ausdrücklich betonen, daß es in der Dritten Welt besonders schlimm ist, da es dort noch keine Emanzipationsbewegung gab, ist das wohl nicht als chauvinistisch oder nationalistisch oder sowas zu sehen.
Das wird aber mit schalen Beispielen weggewischt.
So was nervt.

Rahab spielt immer die gleiche dumme Standartplatte, ohne jede Differenzierung und immer mit solchen Tricks.

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rahab 20.06.2011 | 01:10

richard
es ist einfach so, dass sich für eine paternalistische praxis jede menger dummer argumente finden lassen.
unter anderem, damit mann nicht drüber nachdenken muß, wie das wäre, wenn es auf die eigene gruppe angewandt würde (bildungsgutscheine z.b.)

meine erfahrung sagt mir übrigens: überprüfen, gar fall für fall, tut da überhaupt nicht nötig!
die bessere alternative: einfach so behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte!
verstanden?

luzieh.fair 20.06.2011 | 11:17

@RDH
"Das würde zuviel Geld kosten."

Haben Sie da eine Gleichung für mich? Zugegeben, meine Idee entspringt eher einem ideellen Anspruch, aber die Rechnung würde mich dann doch interessieren.
Was würde das denn kosten und wieso wäre das "zu viel" und für wen wäre das "zu viel"?
Wenn das Geld, das nun in die ständige Kontrolle dieser Menschen fließt, sinnvoll verwendet würde, wäre doch ne ganze Menge über, oder?

Nehmen wir die Residenzpflicht. Wenn die Leute sich frei bewegen könnten, müssten die Ämter ihre wertvolle Arbeitszeit nicht damit verschwenden, Menschen dafür zu verwarnen (oder anzuzeigen, denn die Verletzung der Residenzpflicht ist ja eine Straftat -die Sie und ich im Übrigen nie begehen könnten-), dass sie den Landkreis verlassen haben.
Oder das Arbeitsverbot. Wenn AsylbewerberInnen in der Lage wären, das Geld, was sie benötigen zu verdienen, oder wenigstens einen bestimmten Anteil dazu verdienen könnten, dann würden auch wieder Kosten wegfallen.

Zu Ihrer Fehde: ich habe den Eindruck, dass das ein ganz spezielles Sender-Empfänger Problem ist.
Ich habe den Angriff (die Taktik), den Sie so echauffiert konstatiert haben wollen, nicht wahrnehmen können.
Allerdings habe ich@Rahab auch nicht wirklich verstanden, was gemeint war.
Macht aber erstmal auch nichts, denn ich habe ja ganz eigene Fragen.

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rahab 20.06.2011 | 11:27

war das so schwer zu verstehen?
es gibt für eine solche praxis hunderte von argumenten, eines dümmer als das andere.... und alle nur zu ein und demselben zweck ausgedacht: mann will rechte einschränken.

und wenn ein bayerischer beamter sich dann irgendwas für ihn sinnstiftendes zusammenreimt, dann hat das was mit dem beamten zu tun, zu allererst, und nur ganz vielleicht mit den menschen, über die er es sich zur begründung seiner eigenen/der von ihm gutgeheißenen praxis zusammengereimt hat.
jetzt klar?

und dass der richard zu alledem auch nur zusammengereimtes zu sagen hat, das ist doch nicht weiter verwunderlich. der sucht sich halt auf dem jahrmarkt der möglichkeiten das ihm grad zweckmäßig scheinende aus.

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Ehemaliger Nutzer 20.06.2011 | 11:37

In Brandenburg müssen Flüchtlinge teils von Wertmarken leben. Selbstbestimmter Einkauf ist so nicht möglich. Nun protestieren die Betroffenen, sie boykottieren das System
Aha, sie boykottieren das System? Und wovon leben die Babys, von denen später im Artikel die Rede ist?

Vor dem Bahnhof stehen zwei Frauen mit einem Megafon. „Wir wollen keine Gutscheine mehr“, ruft Maria*. „Selbstbestimmter Einkauf geht nur mit Geld!“
Interessant! Maria*, ihres Zeichens Flüchtling von woher auch immer (von wo ist sie denn nun geflüchtet) … beklagt in akzentfreiem Deutsch, dass sie und ihr Baby satt werden. War’s das? oder kommt noch mehr? Frau Treblin, jetzt mal eine Frage: hat die Bewegung nichts anderes zu tun, als sich darüber zu mokieren, dass Menschen die aus möglicherweise unsäglichen Verhältnissen geflohen sind, hier nicht wie Bürger des Landes behandelt werden? Haben Sie und Ihre seltsame Initiative nicht das Gefühl, mal selber daran etwas zu ändern (kostet natürlich) als die Kosten Ihrer Forderungen als für die Gesellschaft übrigbleibend einzufordern?

Dann verteilen Mitarbeiter des Sozialamts 40 Euro und 90 Cent in bar sowie 160 Euro in Gutscheinen an die Heimbewohner. Die Leistungen liegen damit 30 Prozent unter dem Satz für Langzeiterwerbslose.
Ja isses denn die Möglichkeit? Die Damen und Herren Flüchtlinge brauchen sich noch nicht einmal selber bemühen, die Erfordernisse für ihren Lebensunterhalt abzuholen? Und Ihre Rechnung stimmt auch nicht. die Leute bekommen 200 € im Monat. Heizung: geschenkt; Strom, Wasser: geschenkt; Telefon? Brauchen sie nicht, wenn ET nach Haus telefoniern wird das teuer, vorausgesetzt, es kann überhaupt jemand erreicht werden; Fernsehen: geschenkt; Internet: nicht notwendig. Und jetzt die finale Frage: Worüber reden wir hier überhaupt?

Keine Pampers, kein Spaß
Und auch die UNO ist besorgt? Ich werf mich weg. Im Kongo, in Ruanda, in Uganda werden, wie schon von anderen Kommentatoren angeführt, Frauen und Mädchen reihenweise vergewaltigt, ausgebeutet und genötigt, leben von der Hand in den Mund, müssen zuschauen, wie ihre Kinder an Krankheiten verrecken oder mangels Nahrung sterben, sind AIDS und anderen Krankheiten ausgeliefert und hier wird ein Mangel an Pampers beklagt? Ich kann einfach nicht verstehen, wie eine satturierte, gelangweilte und überkandidelte Suffragette die Öffentlichkeit mit solch einer definitiv überflüssigen Geschichte behelligen kann.

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rahab 20.06.2011 | 12:02

Kuni Kuni
dich ärgert doch nur, dass die "satturierte, gelangweilte und überkandidelte Suffragette" nicht das macht, was du willst. sonst hättest du sie nämlich nicht zum zwecke der beschimpfung 'suffragette' nennen müssen.

um deine finale frage zu beantworten: wir reden über ein kontroll-system. und zwar ein demütigendes.
demütigend ist es zu dem zweck, dass die nicht asylsuchenden und geduldeten sich freuen sollen, dass sie weniger geschuriegelt werden.
was deine detail-fragen angeht, so könntest du mit ein wenig bestimmungsgemäßen gebrauch des kopfes die antworten auch selbst finden:
auszahlung im lager - anwesenheitskontrolle und sparmaßnahme (wer nicht da ist, kriegt nix!)
gutscheine/wertmarken/freßpakete/lager-läden - steuerung des geldflusses (das geld für die überteuerten waren fließt in den Kunis ihre taschen)
miete/strom/wasser/heizung geschenkt - stimmt, dem lagerbetreiber und den energie-konzernen
telefon? -ha! wer mit handy erwischt wird, kriegt das von HLU abgezogen! das lagertelefon ist das vom lagerchef - nicht das der insassen.

du findest, die menschen sollten dankbar sein?
so was finden herrenmenschen immer. manchmal sogar, weil sie es schade finden, dass der Kongo nicht direkt vor der eigenen haustür leigt. also stellen sie (für andere, nicht für sich selbst) ein klein bißchen Kongo in Deutschland her.

deshalb noch mal zum anfang: dich schabt es, dass die 'suffragette' nicht mit dem schwer-für-sie-arbeitenden Kuni solidarisch ist sondern mit habenichtsen, dahergelaufenen hungerleidern und fremden frauen und fremden babies.

luzieh.fair 20.06.2011 | 12:15

de.wikipedia.org/wiki/Residenzpflicht_%28Asylverfahrensgesetz%29

Es gibt in der deutschen Asylgesetzgebung viele, nicht hinehmbare, Kontrollmechanismen, die Menschenverachend sind.
Hinzu kommen (für die ökonomischen unter uns) die immensen Kosten, durch den Bürokratischen Aufwand solcher Bestimmungen.
Dass es Menschen gibt, die sich in UnterstützerInnen-Gruppen engagieren ist zu begrüßen.
Es sollten viel mehr sein.

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Ehemaliger Nutzer 20.06.2011 | 12:46

Rahab schrieb am 20.06.2011 um 10:02

Rahab, Sie vergreifen sich, wie eigentlich immer, sowohl im Ton als auch im Inhalt. SIE stellen mich nicht in eine Ecke, in die ich nicht gehöre! Ich verbitte mir dies für die Zukunft.

Und was das angeht, was ich schreibe ... Nun Rahab, wir bevölkern diesen Planeten inzwischen mit ca. 7 Mrd. Menschen (7.000.000.000). Davon sind ca.1 Mrd. unmittelbar von Hungertod bedroht, 2 Mrd. leben in absolut prekären Verhältnissen. Etliche Hundert Millionen werden von politischen Systemen penetriert, die das Individuum brutaler Willkür aussetzt und es nicht weniger häufig mit dem Tode bedroht. Auch dies wird hier und anderswo massiv beklagt und Änderung der Verhältnisse eingefordert. SIE, Rahab, gehören ja auch zu denen, die massiv das Unrecht auf dieser Welt beklagt.

Aber ich habe weder von Ihnen noch von anderen gelesen, wie diese Verhältnisse geändert (von verbessern wollen wir erst mal nicht reden) werden können, außer dass massive Auseinandersetzungen mit den regionalen Machthabern die Böden und die Flüsse mit Strömen aus Tränen und Blut färben. Wir sind nicht in der Lage all diese Leute aufzunehmen, ihnen Wohnung, Nahrung und Würde zu geben, das überfordert die Gesellschaft um ein Mehrfaches. Dass diese Leute hier satt werden, sauber gekleidet sind und einen gewissen Mindeststandard leben können, ist eine Leistung unserer Gesellschaft und ich halte es in Anbetracht der Not von Menschen, die hier im Lande jahrzehntelang einer Arbeit nachgegangen sind, ihre Steuern und Abgaben gezahlt haben und nunmehr in einer durchaus vergleichbaren Situation ihr Dasein fristen müssen schlicht und ergreifend für niederträchtig, was SIE, Rahab, hier an mich adressiert haben, ggf. wäre der Terminus infam oder widerwärtig ebenfalls zutreffend.

Und den Begriff Suffragette habe ich mit Absicht gewählt, um zum Ausdruck zu bringen, was ich von Leuten halte, die sich darum bemühen die Geschenke der Gesellschaft an Menschen die hier aufgenommen, gekleidet und genährt, die bedrohungslos leben und überleben können, dreist abzulehnen und Wohltaten einzufordern, für die Andere arbeiten gehen.

Es bleibt dabei: Dieser Artikel ist so überflüssig wie ein Kropf und die Autorin geriert sich als saturierte, gelangweilte und überkandidelte Suffragette.

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rahab 20.06.2011 | 13:00

es wird nix ausgelassen!
nun also der welthunger, aids hatten wir ja schon, und der arme das dasein-fristende rentner nach ausgesaugt und steuern gezahlt ... und rahab von all dem keine ahnung und immer nur am rumheulen und geschenke verteilen ... und niederträchtig ist sie wie gehabt...

als kleine draufgabe: erst selber im ton vergreifen und hinterher beklagen, wenn's nachgespielt wird?

aber auch das: geschenkt, Kunibert, geschenkt!

luzieh.fair 20.06.2011 | 13:01

"in Anbetracht der Not von Menschen, die hier im Lande jahrzehntelang einer Arbeit nachgegangen sind, ihre Steuern und Abgaben gezahlt haben und nunmehr in einer durchaus vergleichbaren Situation ihr Dasein fristen müssen"

Ja, Kunibert. Das Menschen, die auf den Staat angewiesen sind die A****karte gezogen haben, will hier doch keiner bestreiten.
Trotzdem kann es nicht sein, dass "wir" uns anmaßen, andere Menschen fremd zu bestimmen und zu kontrollieren.
Zumal es, wie es auch oben im Artikel steht, billiger wäre, einfach Bargeld auzuzahlen.

anderes wäre auch billiger, wenn der bürokratische Aufwand wegfallen würde (kontrolle der Bewegungsfreiheit, z.B.)...

So, ich geh jetzt mal arbeiten. Das würde ich mir einerseits leiber sparen, andererseits bin ich froh, dass ich es darf.
Es gibt nämlich Menschen, die haben nicht einmal die theoretische Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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Ehemaliger Nutzer 20.06.2011 | 13:22

luzieh.fair schrieb am 20.06.2011 um 11:01

Liebe Luzieh ... fremdbestimmt?
Soll ich Ihnen mal eine kleine Geschichte vom Viehnanzamt erzählen, aus eigener Anschauung?
Oder die Geschichte von Harry, dem Gitarrenbauer, die immer noch nicht ausgestanden ist ... als unmittelbar Beteiligter?
Ich denke, die Menschen hungern und frieren hier nicht, sie unterliegen keiner Bedrohung; sie werden, so kann man sagen, versorgt. Das ist für diese Menschen schon mal ein Anfang. Und wie Sie sagen: Sie dürfen, die dürfen noch nicht oder werden bald wieder abgeschoben, weil sie mit falschen Angaben sich den Zugang erschlichen haben. Einige tun es nicht unter etlichen Mrd. (siehe Griechenland), Andere um satt zu werden ... und werden satt

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rahab 20.06.2011 | 13:31

Kuni,
knutsch deine lebensgefährtin oder deinen hund.

statt hier deinen petit-bourgeois-unmut durch die gegend zu müllen - tu halt was. außer anderen den mund zu verbieten, auf die übliche herabsetzende tour.

und guck mal in den spiegel. vielleicht findest du dann ja ne erklärung dafür, warum flucht so viel scheiß-geld (und nicht nur das) kostet.

das, was du da ausgespuckt hattest, das war die übliche häme. kenn ich schon, hab ich nen gut teil meines beruflichen lebens mit verbringen müssen... mit diesem rand-debilen zeug.

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rahab 20.06.2011 | 14:04

@technixer

die zahl der flüchtlinge geht nicht zurück sondern nimmt immer noch zu
sie, die flüchtlinge, verteilen sich nur etwas anders als vor xx jahren
das hat vielfältige gründe - und die sind immer mal wieder anders gemischt...

ich fragte aber nach dem direkten zusammenhang zwischen gutschein-system und flüchtlingszahl
und sage dazu: den gibt es belegbar nicht, sondern der ist eine fromme lüge.

gern von denen gebraucht, die den anschein erwecken und/oder glauben, auch glauben machen, wollen, eine solche politik sei effektiv.
daran zu glauben ist nichts anderes, als sich selbst in die tasche zu lügen.

na ja ... wer's braucht!

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rahab 20.06.2011 | 15:21

Kunibert, es gibt in diesem lande kein argument, mit gutscheinen (wert sind sie nicht mal das, was drauf steht) zu operieren außer den folgenden:
1. macht und kontrolle macht spaß
2. diese art von macht und kontrolle zeigt allen anderen, wo's lang geht, wenn sie nicht parieren
3. das macht auch spaß

alles andere, von fürsorge über welthunger bis zur bekämpfung der organisierten kriminalität ist vorgeschoben, theaterdonner

nicht mal dein argument mit dem milizen-chef zieht. so wie ich den laden kenne, flog er dann auf, nachdem er genügend 'abgeschöpft' war.

bussi für's hunderl!

Die 20.06.2011 | 15:37

Entschuldigen Sie, ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass die Bezeichnung: NEGER beleidigend und herabsetzend auf mich wirkt. Allein durch diese Verwendung, darf man Ihre weiteren Ausführungen wohl kaum noch ernst nehmen.

Meine Eltern kommen aus Rwanda, ich bin in Deutschland aufgewachsen und habe in diesem Land offenen, subtilen und positiven Rassismus erlebt.

Meine Strategie ist es, offen darauf hinzuweisen, was ich hiermit tue: Afrikaner, schwarz, Afroamerikaner, bzw. entsprechende Nationalität sind Bezeichnungen, die Sie gebrauchen können, aber auf keinen Fall: NEGER!

eFeN 20.06.2011 | 16:42

Aber da stellt sich schon die frage, ob dieses nicht ernst nehmen zu etwas führt, oder? Ich habe auch immer so meine Probleme mit solchen Leuten, aber es ist denke ich falsch ihnen das Feld zu überlassen. Vor allem wenn mensch sich den weit verbreiteten Alltagsrassismus und auch tiefergehenden Rassismus anschaut.

Reicht es vor diesem Hintergrund, sich einfach zurückzulehen und zu denken, naja ich habe ja eh recht?

eFeN 20.06.2011 | 17:07

Sehr geehrter Herr Hurtig,

natürlich können Sie so argumentieren, wie sie es tun. Ihre Gegner so wie sie es ihrerseits tun. Vielleicht sollten sie sich aber die Frage stellen, ob ihre Position wirklich der Wahrheit letzter Schluss ist.

(1) Wenn ich ihre Aussagen betrachte und Sie richtig verstehe, argumentieren Sie vor allem damit, dass es den Leuten hier ja nun besser gehe als in ihrem Heimatland, wo sie verfolgt und bedroht wurden.
Ich stimme Ihnen insofern zu als, dass die unmittelbare Bedrohung hier wohl geringer sein wird als in Bürgerkriegsgebieten.

Aus meiner Sicht hat ihre Argumentation jedoch einen entscheidenden moralischen Haken:
Nur weil die frühere Situation X im Vergleich zur jetzigen Situation Y besser erscheint (in diesem Fall wegen der geringeren Bedrohung für Leib und Leben) heißt dies nicht, dass die Situation Y moralisch gut sein muss.

(2) Weiterhin ist Ihr Argument, dass unser Land nicht reich genug ist um Asylanten ein lebenswürdiges Dasein zu garantieren schlichtweg falsch, wenn erstens das gesellschaftliche Gesamteinkommen betrachtet wird und zweitens die für Abwendung von Wirtschaftskrisen ad-hoc aufgebrachten Mittel.

(3) Selbst wenn mensch lediglich von einem libaralen negativen Freiheitsberiff (d.h. die Freiheit von etwas ausgeht) ist die Verteilung von Gutscheinen und weitere Restriktionen wie die Residenzpflicht ein Einschnitt in diese negative Freiheit, da der Staat massiv in das Selbstbestimmungsrecht der Individuen eingreift. Dieses Problem besteht bei Asylbewerbern genauso wie bei Hartz-IV-Empfängern.
Geht mensch von einem pos. Freiheitsbegriff (Freiheit zu etwas) aus, dann sage ich sowieso: Gute Nacht!

(4) Hilfspflichten gegenüber den Asylbewerber_innen bestehen meiner Einschätzung aus zwei Begründungen: 1 - Es gibt eine positive Hilfspflicht, die sich darin begründet, dass mit relativ wenig Aufwand unsererseits (und der finanzielle Aufwand ist in diesem Fall im Vergleich zu anderen Ausgaben wie die oben genannten lächerlich) Leid gemindert werden kann. 2 - Die westlichen Staaten sind durch die Förderung eines rücksichtslosen globalen Kapitalismus und der unterstützung korrupter und diktatotrischer Eliten an der Produktion des Leids in Entw.ländern massiv beteiligt. Daher ist die erste Pflicht diese unterstützung zu unterbinden und aus der bisher erfolgten Unterstützung entstandenes Leid zu kompensieren (auch durch die Aufnahme von Asylbewerbern).

(5) Das Gutscheinsystem ist m.E. nach durch den bürokratischen Aufwand sogar teurer (!) als die Auszahlung von Bargeld.

(6) Die Annahme, dass Asylbewerber_innen eventuell mit dem Gesetz in Konflikt kommen (da sie z.B. wegen Arbeitsverbot kein Einkommen erwirtschaften dürfen und in illegale Bereiche ausweichen müssen) ist kein Argument gegen die Auszahlung sondern beschreibt lediglich die durch die restriktive und rassistische Ausrichtung der Asylpolitik entstehenden Missstände.

Zwei Fragen zum Schluss: Waren Sie jemals in einem Asylbewerber_innen-Lager? Kennen Sie die zustände dort?

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Ehemaliger Nutzer 20.06.2011 | 17:52

Rahab schrieb am 20.06.2011 um 13:21

Liebste, manchmal muss ich Dich einfach beschimpfen, es ist wie eine Zwangshandlung, schrecklich, ich komme da einfach nicht heraus.

Mir ist das alles klar, oder meinen Sie ich komme aus dem Hinterwald? Aber ein Blick über den Tellerrand (Für's Ganze sozusagen) zeigt, dass wir die Probleme nicht lösen werden, sondern dass die, die hier angekommen sind und hier bleiben, das bessere Los gezogen haben. Wenn ich mal die andere Seite aufrühre (wie hier) treten dutzende Gutmenschen auf, die sich an der Rettung nur insofern beteiligen, als sie die Unflätigen beschimpfen (Nein, nicht Sie) und sich ob ihrer Großtat auf die Schultern klopfen.

Was mich ankotzt ist diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Proklamation gegenüber der tätigen und aktiven Hilfe ... Na ja, vielleicht ist das hier auf dem Lande etwas einfacher, weil überschaubarer und nicht so hochkonzentriert.

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Ehemaliger Nutzer 20.06.2011 | 18:09

eFeN schrieb am 20.06.2011 um 15:07

Ich danke für Ihre ausführliche, höfliche Einlassung, die ich aber ebensowenig für zielführend halte.

Dem ökonomischen Argument ist entgegenzusetzen, dass die aufgeführte Praxis wohl vor allen in den neuen Gauen stattfindet. Dem kann (muss nicht) jedoch eine - sagen wir einmal - rudimentäre Mentalitätsverschleppung aus alten Zeiten zu Grunde liegen, die

1. nie in der Lage war, okönomisch sinnvoll zu handeln und

2. sich immer dazu aufschwang, den Menschen zu kontrollieren und die Wohltaten des Volkes kontrolliert zu verteilen, um Dankbarkeit heischend den Taler in der einen und die Knute in der anderen Hand zu halten.
Der administrative Unterbau hat sich dort wohl gehalten ... aber das kennen wir ja auch aus den Zeiten, als das 1000-jährige Reich nach 12 Jahren ein schmäliches Ende fand.

In einem Asyllager war ich noch nicht, hatte jedoch in China Gelegenheit Armen- und Elendsviertel einzusehen. War auch nicht gerade pralle und schlimmer wird es in Asyllagern wohl auch nicht sein.

Die Kontrolle - auch wenn sie als menschenunwürdig apostrophiert wird - halte ich jedoch für eine gewisse Zeit für durchaus angemessen, denn es wäre einfach dumm, anzunehmen, dass jeder, der hier einfällt auch das ist, was er vorgibt zu sein (siehe weiter oben: einwand an Luzieh, Kriegsverbrecher aus Ruanda, der jetzt an das UNO-Tribunal überstellt wurde). Nein, ich denke, wir, die Bevölkerung haben ein Recht auf Sicherheit und die reflexisive Proklamation von schreiendem Unrecht dient nicht unbedingt dem Rechtsfrieden.

eFeN 20.06.2011 | 22:33

Ihr Argument unter 2. erscheint mir leider etwas kryptisch.

Sie schreiben "Die Kontrolle [...] halte ich jedoch für eine gewisse Zeit für durchaus angemessen, denn es wäre einfach dumm, anzunehmen, dass jeder, der hier einfällt auch das ist, was er vorgibt zu sein."
Dem setze ich entgegen, dass ich kaum, glaube, dass Menschen unter widrigen Bedingungen aus ihrer Heimat fliehen und dabei teilweise ihr Leben riskieren, weil sie bei uns "einfallen" um hier Schaden anzurichten. Mir scheint, Sie haben ein bisschen zu viel sarazzineske Panikmache gelesen. Ich glaube, die Leute, die diesen weiten Weg auf sich genommen haben, machen dies nicht um uns zu schaden, sondern weil Sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher sind. Den Generalverdacht, den Sie da formulieren finde ich höchst bedenklich.

eFeN 20.06.2011 | 22:54

Achso und bezüglich der Frage ob meine Meinung "zielführend" ist: Es gibt keine einfache Wahrheit und daher wird meine Meinung BESTIMMT keine klare Lösung des Problems sein, ihre aber auch nicht.

Ich gehe allerdings von einem eher positiven Menschenbild aus und verdächtige nicht gleich ALLE mir schaden zu wollen. Von Einzelnen auf die Gesamtheit zu schließen ist nicht nur gefährlich, sondern schlichtweg dumm. Oder ist es etwa berechtigt unsere polnischen Nachbarn alle als Diebe zu titulieren? Das würde zum Vorurteil passen, entspräche aber nicht der Realität.

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rahab 20.06.2011 | 22:54

Kunibert!

ich vergleiche ein lager in brdistan nicht mit einem lager/elendsviertel woanders. sondern mit dem, was in brdistan möglich wäre - also an den eigenen standards.

ich habe meinen mandant_innen immer wieder nahegelegt, das vergleichen nicht zu übertreiben. denn aus der art und weise, wie asylverfahren durchgeführt wird, ergibt sich sowieso auch ohne den ganzen zusätzlichen klimbim eine starke kontrolle. außerdem wären die sonst wegen heimweh allesamt abgekippt! und heimweh ist ne ganz schlimme krankheit - kann ich dir sagen.

die ökonomie spielt für diesen ganzen klimbim überhaupt keine rolle. Bayern praktiziert den klimbim flächendeckend!
die stinkende wahrheit ist vielmehr: der ganze klimbim ist ein zweig der ökonomie, und zwar ein einträglicher!

spar dir so geschichten wie:
einfallen, strom, tsunami, recht auf sicherheit...

und glaub mir: beim allergeringsten hinweis sind die dienste am abschöpfen, manchmal schon bevor der mensch hier eingetroffen ist.

luzieh.fair 20.06.2011 | 23:52

Guten Abend Kunibert,

"Ich möchte nicht wissen, wie viele andere von solchen hier noch unerkannt leben und offen gestanden möchte ich mich nicht mit solchen auseinandersetzen."

Wie soll denn die Residenzpflicht dabei helfen?
Was ist denn mit den deutschen Leuten, die im gleichen Landkreis leben, wie ein verbrecherischer Asylant? Die sind doch dann im Umkehrschluss durch die Residenzpflicht dauerhaft mit besagtem Verbrecher konfrontiert, oder?

Die Sache in Frankfurt: Onesphore Rwabukombe hatte nach meiner Kenntnis ein Bleiberecht und somit fällt die Residenzpflicht weg und hätte auch nicht dabei geholfen, ihn von irgendwo fern zu halten.
Die Menschen da oben in dem Artikel sind Berwerber und leben Jahrelang in der Situation keine Möglichkeit zu haben, eine Perspektive zu entwickeln. Sie schlittern von Duldung zu Duldung.
An meiner Schule gab es früher zwei Geschwister. Kurz vor Beginn der Sommerferien und der erfolgreichen Versetzung in die 11. bzw. 12. Klasse (die beiden waren maßgeblich in der BRD aufgewachsen), bekam die Familie den Abschiebebescheid: Kosovo und ab dafür. Durch zähe Auseinandersetzungen mit Landkreis und Lokalpolitprominenz gelang es dann durchzubringen, dass die beiden bis zum Abitur (ja, hervorragend integriert, die beiden) bleiben durften.
Tja, danach sollten sie dann aber auch: ab dafür: Kosovo.
Die kannten da aber niemanden. Die hatten mit diesem Land nichts zu tun...achja: außer natürlich die abgeschobenen Eltern.
Was da (Asylgesetzgebung) mit Menschen gemacht wird, ist einfach nur pervers.

Zurück nach Frankfurt:
"Deutschland ist seit 2002 die neue Heimat Rwabukombes, seiner Frau und der mittlerweile drei Kinder. Ende April 1994 flüchteten sie nach Tansania, dann nach Zaire, in die heutige Demokratischen Republik Kongo, zunächst ins Flüchtlingslager Mugunga und dann in die Stadt Kisangani, von dort durch den Dschungel nach Brazzaville, der Hauptstadt der benachbarten Republik Kongo. 2002 flogen sie nach Frankfurt.

Der Ingenieur Rwabukombe spricht fließend Deutsch, er studierte dank der Ruanda-Partnerschaft des Landes Rheinland-Pfalz und mithilfe eines Stipendiums 1982-85 Straßenbau in Trier. Rwabukombe stellte nach seiner Einreise für sich und seine Familie einen Asylantrag. Zunächst lebten sie im Asylbewerberheim Gerolzhofen bei Würzburg. Ihr Antrag wurde abgelehnt, das Gericht zweifelte an der Echtheit der Geburtsurkunde der Tochter. Die Familie zog weiter - nach Bayreuth, nach Schweinfurt, schließlich nach Erlensee bei Frankfurt am Main.

Dort bekam sie 2007 Asyl. In Erlensee hat sich die Familie gut integriert. Solina - jetzt Celine - absolvierte im Kindergarten ein Praktikum. Mit ihren türkischen Nachbarn verstehen sie sich gut. Die Bedienung der Eisdiele an der Hauptstraße nickt den Rwabukombes freundlich zu."
www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw=2011%2F01%2F18%2Fa0092=d80ea994ff

Es wurde sich auch nicht versteckt, nur dass der Haftbefehl erst ab 2007 galt.

Dieser Einwurf war also *entschuldigung* reine Polemik.

Und zu politischen Zusammenhängen, sagt dieser Artikel (der mir nicht gefallen hat) einiges:

www.fr-online.de/kultur/blutiger-stabilitaetsfaktor/-/1472786/3277568/-/index.html

"Die Frage ist, warum die Bundesrepublik sich ausgerechnet in diesem Augenblick solidarisch erklärt mit einer Militärregierung, die Menschenrechte mit Füßen tritt und sich von der autoritären zur totalitären Diktatur gemausert hat? Die Antwort liegt auf der Hand: Es geht um Schadensbegrenzung, nachdem bestellte Demonstranten vor der deutschen Botschaft in Kigali den Unmut des Regimes bekundet und - ein Wink mit dem Zaunpfahl - an den Holocaust erinnert hatten. Berlins Botschafter musste Ruanda verlassen, die diplomatischen Beziehungen wurden suspendiert, und Staatschef Kagame flog demonstrativ nach Frankfurt, um seiner dort inhaftierten Kampfgefährtin einen Besuch abzustatten.

Das Bundesgericht ist kein verlängerter Arm der Regierung, gewiss, aber das Timing der fast zeitgleich erfolgten Festnahme von Onesphore Rwabukombe ist suspekt. Langfristig, so ist zu hören, gehe es um viel versprechende Perspektiven politischer, ökonomischer sowie militärischer Kooperation mit Ruanda, über dessen repressives Regime man sich keine Illusionen mache."

Zu den UnterstützerInnen:

Ich finde es ganz gut, dass in diesem Artikel die Betroffenen zu Wort kommen und nicht deren Stellvertreter.
Auch bezweifele ich, dass bei den knapp bemessenen Mitteln ein solches Handeln (Gutscheine verweigern) ohne Unterstützung von außen (also UnterstützerInnengruppen) möglich wäre.
Deshalb werden Papiere-für-Alle Kampagnen (u.ä.) ja auch mit so viel Argwohn betrachtet: weil sie den Betroffenen ein Stück Autonomie zurückgeben.

So, das war jetzt der halbe Abend. Bitte erstmal durch den Kopf gehen lassen, bevor der "Abwehrknopf" gedrückt wird.

Luzieh

luzieh.fair 21.06.2011 | 12:09

Guten Morgen Kunibert,

eine Frage habe ich noch:

Ist damit
"die dürfen noch nicht oder werden bald wieder abgeschoben, weil sie mit falschen Angaben sich den Zugang erschlichen haben."
gemeint, dass nur Leute abgeschoben werden, die sich irgendetwas "erschlichen" haben?
Umgekehrt: glauben Sie wirklich, dass die die Hilfe brauchen, diese immer bekommen und auch noch menschenwürdig behandelt werden?

Wenn Rahab Sie einmal an die Tafel eines solchen Lagers wünscht, würde ich noch einen Schritt weiter gehen.
Wie wäre es, wenn Sie sich erst als Günther Wallraff und dann als Asylbewerber verkleiden und dann mal gucken, wie es sich so lebt, im Lager.
Dazu noch: zu den schon genannten Kontrollmechanismen, die die Menschen von der "sauberen" Gesellschaft fern halten sollen, sind diese Lager regelmäßig am A**** der Welt, schlecht ans ÖPNV-System angebunden, so dass 1. Die LagerbewohnerInnen schlecht weg (z.B. in die Stadt) kommen und 2. die "deutsche" Bevölkerung nicht mit der Anwesendheit der ungeliebten Gäste konfrontiert wird.
Was halten Sie denn davon, Kunibert, dass es so viele Menschen gibt, die aufgrund dieser ganzen Bestimmungen jahrelang nicht in der Lage sind, die Zukunft zu planen?
Weil sie es eben nicht dürfen, denn dazu müsste es Bewegungsfreiheit und die Erlaubnis einem Erwerb nachzukommen geben (mindestens).

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Ehemaliger Nutzer 21.06.2011 | 16:18

eFeN schrieb am 20.06.2011 um 20:33

Ihr Argument unter 2. erscheint mir leider etwas kryptisch.
Warum? Ist doch klar ausgedrückt, oder nicht?

Dem setze ich entgegen, dass ich ...
Dann darf ich doch die Frage stellen, wieso viele, um nicht zu sagen die Meisten, einige tausend $$ aufbringen (können) um ins gelobte land zu kommen? Zu Hause sind sie damit recht wohlhabend und könnten etwas auf die Beine stellen, wie man so sagt. Warum also geben sie soviel Geld aus, um die Heimat zu verlassen?

Und bitte keinen Schnack, sondern eine richtige, ergründete Antwort, ich könnte mich sonst dazu versteigen, von meinem Bekannten Demba zu erzählen, einem ehemaligen Bewohner Sambias, der mir, nachdem ich mit ihm einige hinter die Binde gegossen hatte, recht freizügig über seine Motive berichtete ... und ja, ich habe ihn abgefüllt, damit er erzählt; ich weiß es war gemein, aber unglaublich aufschlussreich

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Ehemaliger Nutzer 21.06.2011 | 16:33

eFeN schrieb am 20.06.2011 um 20:54

und daher wird meine Meinung BESTIMMT keine klare Lösung des Problems sein, ihre aber auch nicht.
Ich habe keine Lösung angesprochen, sondern darauf verwiesen, dass es keine geben wird. Die Erde ist überbevölkert und die Katastrophen mehren sich. Es wird keine Lösung geben! das ist eigentlich alles, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Und wenn die, deren grausames BRD Schicksal hier so vehement beklagt wird, zu Millionen herkommen, bin ich gespannt, was dann los ist.

Oder ist es etwa berechtigt unsere polnischen Nachbarn alle als Diebe zu titulieren?
Wo habe ich das denn zum Ausdruck gebracht? Aber Versicherungen haben einige Zeit durchaus in Polen nach teuren Autos gesucht, die hier Beine bekommen hatten. Schon vergessen? Oder seinerzeit nicht mitbekommen? Oder möchten Sie eine Inventurliste eines Bekannten, der für teure, wirklich teure Werkzeuge für eine Werkzeugmaschine mit Einzelpreisen > 2.500€, auf dem Flohmarkt zwischen 20 und 40 € bezahlt hatte?, bei Polen die die staatlichen Betriebe und Werkstätten geplündert hatten?

Kommt ein Deutscher in ein polnisches Waffengeschäft und will eine Pistole kaufen.
"Haben Sie Pistolen?"
"Nein, keine da."
"Haben sie eine Schrotflinte?"
"Nein, auch nicht."
"Können Sie mir denn einige Handgranaten verkaufen?"
"Nein, habe ich auch nicht."
"Sagen Sie mal, haben Sie etwas gegen Deutsche?"
"Na klar. Pistolen, Schrotflinten, Kalaschnikows und Handgranaten."

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rahab 21.06.2011 | 16:45

und nun sind alle Demba?

da könnte ich von Silou erzählen, der von seiner mamme mit schöner regelmäßig darüber unterrichtet wird, welche reichtümer er genießen könnte, hätte er in Syrien bleiben können. konnte er aber nicht, weil ... kurde und verbindung zur falschen partei und dummerweise auch noch eine pipeline über ein stück seines landes lief/nachdem er ein mal die erfahrung gemacht hatte, welche behandlung dazu führt, dass seine gattin sagen konnte "er sah aus wie ein affe", war klar: selbst wenn er das stück mit der pipeline an die syrische regierung verschenkt hätte, hätte ihm das nix mehr genutzt, der nächste vorwand hätte sich gefunden....

davon, dass ich von Silou erzählen könnte, sind nicht gleich alle Silou. weiß ich. und ich behaupte auch nicht, dass alle Silou wären.
sondern habe gelernt, dass ich mir die mühe machen muß, jede einzelne fluchtgeschichte, jedes einzelne verfolgungsschicksal (sorry, terminus technicus, mußte mal sein) sehr genau zu hören.

das zum ersten.
zum zweiten: wenn du dir die mühe machen wolltest, mal in den jahresbericht UNHCR für 2010 zu gucken (link findest du unten), dann könntest du leicht errechnen, dass die wenigsten exorbitant viele dollaren ausgeben, um in ein "gelobtes Land" zu kommen, sondern einfach zusehen, dass sie da, wo's brenzlig wird, wegkommen. nach möglichkeit ausreichend weit weg.

wenn du - ad drei - im weiteren die letzten jahrzehnte aufmerksam verfolgt hättest, was sich so tut auf dem gebiet der flüchtlingsabwehr, migrationssteuerung ... (nenn es wie du willst), dann wäre dir klar, warum einige, welche aus den unterschiedlichsten gründen nach Europa, speziell nach deutschland, wollen, so exorbitant viele dollaren ausgeben müssen.

und schließlich, auch das sei - ad vier - gesagt: selbst von denen, die in deutschland landen, wollten garnicht alle nach deutschland!

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Ehemaliger Nutzer 21.06.2011 | 16:51

luzieh.fair schrieb am 21.06.2011 um 10:09

Umgekehrt: glauben Sie wirklich, dass die die Hilfe brauchen, diese immer bekommen und auch noch menschenwürdig behandelt werden?

Umgekehrt: glauben Sie wirklich, dass Sie die Menschenwürde dort einführen können, wo sie erforderlich ist? Glauben Sie wirklich, dass Sie alle, die es bitter nötig haben, hier aufnehmen können? Glauben Sie wirklich, dass die Menschen, die hier leben, Ihrem Gedanken mit Begeisterung folgen werden? Glauben sie wirklich, dass ich keinerlei Erfahrungen mit Behörden und staatlich alimentierten und beamteten Parasiten hier habe?

Nein, Luzieh, das verfängt nicht. Ich denke ich weiß, wovon ich spreche und werde in Kürze mal wieder einen Blog aus China reinsetzen, in dem dann steht, wie Immigration aus China dort stattfindet, organisiert wird, wer daran verdient und was dafür bezahlt wird.

luzieh.fair 21.06.2011 | 17:34

Kunibert, die Fragen, die sie da (Kunibert Hurtig schrieb am 21.06.2011 um 14:51)
stellen, habe ich weiter oben teils doch schon beantwortet.
Es sagt doch keineR, dass staatliche Behörden, die deutschen, die auf sie angewiesen sind, bemerkenswert besser behandeln würden. Das macht aber das, was hier angeprangert wird, keinen Deut angenehmer.

Es geht auch nicht um alle.
Es geht um die, die hier ankommen und Hilfe brauchen.
Und sicher ändert das nichts am Elend in der Welt.
Aber wer hat diesen Anspruch geäußert?
Ich nicht.
Den unterstellen Sie, weil sie an den "Gutmenschen" denken.
Es geht beim Unterstützen von Menschen, die Probleme haben (welcher Art auch immer) doch vor allem erstmal darum, die akuten Probleme zu beheben, oder?
Und dann kann man auch weiter gucken.

Gucken, sollten wir im Übrigen auch mal dahin, wo entschieden wird.
Wie kann es sein, dass Europa den Gadafi (nur so als Beispiel) jahrelang hofiert, dann mit stürzt, um Angstverzerrte Blicke auf die Küsten zu werfen? Weil die Furcht vor der Flut immer stärker wird.
Dann heiß es: Frontex sei dank. Grenzen dicht.

Die Zusamenhänge sind groß, Kunibert und das wissen Sie auch.
Da hilft es aber nichts, sich die Hilfesuchenden als lästigen Pickel vorzustellen, der da eigentlich nihct hingehört.

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Ehemaliger Nutzer 21.06.2011 | 18:33

luzieh.fair schrieb am 21.06.2011 um 15:34

Wie kann es sein, dass Europa den Gadafi (nur so als Beispiel) jahrelang hofiert, dann mit stürzt, um Angstverzerrte Blicke auf die Küsten zu werfen?

Das ist relativ einfach zu beantworten:

Desertec

Kann man nach googeln oder bei Wiki schauen. Es geht darum, dass die Münchener Rück 2003 mit den Spitzen der europäischen Wirtschaft und Industrie ein Programm angeschoben hat, das mit vorläufig 400 Mrd. !!! € Investitionsvolumen veranschlagt wird. Es geht dabei um die Gewinnung von Wasserstoff und elektrischem Strom, Gleichstrom!, der wohl irgendwann über supraleitende Kabel (mit flüssigem Stickstoff gekühlt) nach Europa transportiert werden wird. Es geht, mit anderen Worten darum, den Lebensstandard und die industriellen Standorte in Europa zu erhalten.

Wenn man die 8 Jahre berücksichtigt die seit dem vergangen sind, hat man eine ungefähre Vorstellung davon, was in der Zwischenzeit in Nordafrika geschehen ist. Denn dass in wenigen Wochen so genannte Demokratiebewegungen die Potentaten wegfegen, ist unwahrscheinlich. Ich denke man wird die Zielsetzung haben, mehr oder weniger willfährige Regime einzusetzen, damit sich dort die entsprechenden Industrien etablieren und halten können. Das geht nicht mit einem Gadafi oder anderen Stammeskriegern, die nicht nur ihr eigenes Volk bestehlen, sondern auch die angesprochenen Energiegewinnungssysteme zerstören oder besetzen, mithin Westeuropa erpressen könnten.
Da wird an einem ganz großen Rad gedreht; die Rettung der lybischen Bevölkerung mittels massivem Militäreinsatz gehört wohl mit in die Strategie ... mit allen Konsequenzen. Dass Leute wie Gadafi ihre Position und ihre Pfründe nicht freiwillig aufgeben, kann man beobachten. Dass Öl in diesem Kalkül keine herausragende Rolle in der Zukunft spielt, wird damit ebenfalls deutlich. Man kann es auch als eine neue Form von Kolonialismus betrachten

Magda 21.06.2011 | 19:50

Diese Gutscheinlösung hat was ungut Deutsches. Es erinnert mich an den wohlsituierten Herrn, der einem Bettler was gibt und jovial anmerkt: Aber nicht für Alkohol ausgeben. Diese ganze Kontrollsucht, dieses Leute klein und abhängig halten - es ist zum Kotzen, zum Kotzen.

Oder reine Stilfrage, wie meine alte Mutter immer sagte: Sowas tut man nicht. Man lässt die Leute ihre beschissene Lage nicht noch unnötig spüren, man macht ihnen nicht mit jedem Verwaltungsakt deutlich, wie sehr sie an der Leine einer deutschen Bürokratie hängen.

Würg, würg...

luzieh.fair 21.06.2011 | 21:14

Und ich stelle fest: der (mir) wichtigste Teil meiner Frage ist irgendwo auf der Strecke geblieben.
denn eine Ihrer "mit allen Konsequenzen"-Konsequenz sind ja die Fluten, die mit dem Frontex-Damm gestoppt werden sollen.

Supraleitungen, nur nebenbei, finde ich sehr faszinierend. Meine Mitbewohnerin hat da für ihre Abschlussarbeit Versuche zu gemacht und teils fotographiert...spannend.

Vadis 21.06.2011 | 21:32

Die Bürokratisierung des Elends steht in unrühmlicher deutscher Tradition und stellt in heutiger Zeit offensichtlich einen Wert dar, der aktionistisch von struktureller Hilflosigkeit ablenkt - das mag dem einzelnen Verwalter (w/m) durchaus ein verinnerlichtes, physisch relalisierbares und tragendes (Macht-)Gefühl generieren: Je ziselierter die Bevormundung desto hochgradiger die Satisfaktion mittels distanziert objekthafter Schicksale.

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rahab 21.06.2011 | 21:40

ich vermute nicht falsch, weil:
diese praktiken (gutscheine, wertmarken, naturalverpflegung) gibt es seit 1981 (weiß ich so genau nicht, da war ich nicht im lande) aber zumindest seit mit dem arbeitsverbot für asylantragsteller die zwangsweise sozialhilfe für selbige eingeführt wurde.
nehmen wir also an seit 1981 oder kurz danach.
seither war die zahl der menschen, die in der BRD asyl beantragten, ständig angestiegen (bis mitte der 90-ger ungefähr).

das bedeutet nichts anderes als dieses: falls wirklich irgendjemand geglaubt hatte, mittels gutscheinen statt bargeld flüchtlinge von der asylantragstellung in der BRD abhalten zu können, so war der bereits mit dem tag, an dem das entsprechende gesetz in kraft trat, widerlegt.
weil nämlich die zahl der asylsuchenden zu- und eben nicht abnahm, noch am selben tag und jeden weiteren tag immer weiter.

dass ab mitte der 90-ger die zahl der asylsuchenden abnahm, hat wiederum nicht seinen grund in 'kein bargeld', sondern darin, dass die grenzen immer dichter gemacht wurden. entweder tatsächlich - mit hohem grenzschützeraufgebot - oder rechtlich. und heute nennt sich das frontex und dublin2.

wer also heute, dreißig jahre nach einführung dieser praxis immer noch an diese intention und/oder deren wirksamkeit glaubt, die-der-das .... siehe oben.

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Ehemaliger Nutzer 21.06.2011 | 22:30

luzieh.fair schrieb am 21.06.2011 um 19:14

Konsequenzen? ... ich habe keine Lösung, nicht einmal ansatzweise. Aber gestern kam in den Nachrichten (nur 1 mal !!!) dass Desertec die ersten 3 Mrd. investieren wird ... in Lybien. Meine Prognose kann so falsch nicht sein, auch wenn ich in China war.

Supraleitung:
www.dpma.de
Patentnummer: DE102007012008A1

Die Fotographien interessieren mich, kann frau die irgendwie senden? oder die Diplomarbeit, ist die einsehbar? Ich habe Megabyte an Daten ...
Wenn's interessiert:
Bei google videos nach
Evgeni Podkletnov suchen ... spannend

Zum Thema:
Was Magda unten schrieb beschreibt das Problem im Grunde erschöpfend. Es ist eine Mentalitätsfrage.
Der Rest ist Provokation (von mir) ... alles easy? hat mal wieder funktioniert lächelt

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Ehemaliger Nutzer 22.06.2011 | 12:55

Rahab schrieb am 22.06.2011 um 07:11

Dann lächeln Sie mal weiter, ist nur die Frage, ob es Ihnen über kurz oder lang zu einer Fratze erstarrt:

www.scinexx.de/wissen-aktuell-13599-2011-06-22.html

Und ob es dann noch etwas auf Wertmarken gibt, steht selbstverfreilich auch in Frage. Und ein kurzer intensiver Blick in die USA relativiert den Einwand ebenfalls, ein Blick in mein geliebtes China fällt in diesem - wie im letzten Jahr - auf gurgelnde Bächlein:

www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-06/fs-china-hochwasser-2

Möchten Sie noch mehr Anlass zu Depressionen, liebste Rahab? Ich kann Sie zusch.... mit Info, (fast) ohne Ende.

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helena-neumann 25.06.2011 | 17:28

N'est pas?
Geschätzte Magda,
ich finde den Artikel gut und habe ihn auch verschickt an die eine oder andere Adresse, der das Thema unter den Näglen brennt, jedoch mit einer Distanzierung gegenüber Bild.
Wer so gegen Ausländer hetzt wie Bild, in vulgärster Manier gegen Griechen, Hartz IV Empfänger, Migranten jeglicher Couleur pöbelt, der hat auf meiner Seite nichts zu suchen.

Nein, ich echoviere mich nicht über die Preisverleihung der Quandt Stiftung an Bild und Blome. Denn da kommt doch zusammen, was zusammen gehört: ein gerader Scheitel und ein Hemd so zuköpft, eine Krawatte so zugezurrt, das es mir glatt die Hacken zusammenschlägt und jenen, die tief in unserer unheilvollen Vegangenheit verstrickt sind wohl Genugtuung bereitet.

Solange meine Hauspostillen sich nicht von solchen Preisverleihern umarmen lassen, so lange es eine Vielfalt an Meinungsmachern gibt, geht mir die Springer Presse links vorbei...