Berthold Seliger
10.05.2012 | 09:00 24

Schneiden wir den Kuchen neu an

Urheberrecht Beim Streit ums Urheberrecht geht es vor allem um die Interessen der Musik-Industrie. Aber eigentlich sollten die Rechte der Musiker gestärkt werden. Ein Fünf-Punkte-Plan

Die Auswirkungen für die Freizeitkultur, auf Musikproduktion und Musikgeschäft sind noch unübersehbar. Denn erstmals in der Geschichte ist der Klangkonsument von der Handelsware relativ unabhängig. Leichter war das Mitschneiden noch nie. Branchenkenner schätzen, daß in der Bundesrepublik rund 10.000 gewerbsmäßige Schwarzkopierer den Tonträgermarkt unterlaufen. Vor allem aber Piraten haben mit Billigangeboten in Millionenauflage im letzten Jahr die deutschen Tonträger-Firmen um ihre Rendite gebracht. Mehr als eine Milliarde ging der deutschen Musikbranche im vergangenen Jahr durch Leerkassetten und Piraterie verloren. (...) Das hat für die Musik-Szene fatale Folgen. Die Musikindustrie steht vor ihrer gefährlichsten Krise. (...) die Plattenfirmen (...) werden qualifizierte Mitarbeiter entlassen und ihr Repertoireangebot drastisch einschränken müssen. (...) Keine Aussicht, die Krise zu meistern: Die Lobby der Musikindustrie bemüht sich gegenwärtig um eine Novellierung des Urheberrechtsgesetzes.“

Die Klagen kommen Ihnen bekannt vor? Richtig und falsch. Das ist nämlich ein Zitat aus dem Spiegel vom 18. April 1977. Unter dem Titel Klang-Supermarkt zum Nulltarif klagte die Tonträgerindustrie wortreich über die Einführung der Leerkassette, dass sie „in eine Existenzkrise“ steuere und nur die Verschärfung des Urheberrechts das Überleben der Musikfirmen noch sichern könne.

Nun, wie wir alle wissen, konnte die Musikindustrie trotz Kassette und trotz kostenloser Überspielungen von Platte auf Kassette weitere Jahrzehnte überleben und sich entgegen allen Unkenrufen prächtige Profite sichern. Es ist gut, sich das in der aktuellen Debatte um das Urheberrecht vor Augen zu führen, denn erneut tischt die Musikindustrie der Öffentlichkeit etliche Märchen auf, um ihr profitables Geschäftsmodell abzusichern. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen und die beliebtesten Geschichten zu hinterfragen:

„Umsonstkultur“

Das „Ur-Märchen“ ist: Es gehe hier um die Interessen der Künstler. Und das Wort „Urheberrecht“ tut ja auch so, als ob es um die Rechte der „Urheber“, also der Künstler, der „Kreativen“, gehe. Nur leider ist das kaum der Fall. Natürlich verdienen Künstler mitunter am Urheberrecht. Vor allem aber verdient daran die Verwertungsindustrie. Wie etwa an Leistungsschutzrechten, deren Geltungsdauer jüngst auf 70 Jahre verlängert wurde. Abgesehen davon, dass etwa acht Prozent aller Aufnahmen nicht einmal ihre Herstellungskosten einspielen und die Künstler, bis diese eingespielt sind, keinerlei zusätzliche Beteiligung erhalten, liegt der Anteil an Einnahmen etwa aus Leistungsschutzrechten bei ausübenden Künstlern schon heute durchschnittlich bei unter 300 Euro jährlich (und das bei extrem ungleicher Verteilung zwischen den Künstlern).

Eine andere Mär ist die von der „Umsonstkultur“ im Internet, die entweder ideologischen Scheuklappen oder kompletter Ahnungslosigkeit geschuldet ist. Bezahlt wird im Internet immer, entweder direkt oder indirekt, entweder mit den Daten der Nutzer oder gleich bei Kim Dotcom von Megaupload – oder glaubt im Ernst jemand, die angeblich 180 Millionen Gewinn von kino.to seien dank eingeblendeter Werbebanner zusammengekommen? Nein, „sie sind den Optimierungszugängen geschuldet, die man für 14,99 Euro im Monat abonnieren sollte, damit der Stream mit den neuen Kinofilmen schneller kam und nicht abbrach“ (Tim Renner). Proprietäre Systeme etwa auf Smartphones oder iPads gaukeln eine „Gated Community“ (Christian von Borries) vor – die Nutzer zahlen gern und viel für Benutzerfreundlichkeit, diese Schimäre der digitalen Welt.

Es gibt die Mär von der Raubkopie – diese mächtige Metapher, die die Urheberrechtsindustrie so gerne nutzt, um einen angeblichen Rechtsverstoß zu geißeln. Nur: Das Bild ist eben eine Lüge. „Ein Raub ist im Grundsatz das gewaltsame Wegnehmen fremder Sachen. Es lässt sich schon darüber streiten, ob beim ungenehmigten Kopieren jemandem tatsächlich eine Sache weggenommen wird. Ganz sicher aber lässt sich feststellen, dass ihm dabei keine Gewalt angetan wird“ (Stefan Niggemeier).

„Raubkopie“

Nah am Kampfbegriff der „Raubkopie“ ist der Terminus des „illegalen Downloads“. Eine der bevorzugten Legenden der Musikindustrie besagt, dass durch illegale Downloads Plattenfirmen und Künstlern ein in die Milliarden gehender Schaden durch Umsatzverluste entstehen würde. Doch derartige Zahlen der Lobbyverbände sind nur Schätzungen und Mutmaßungen und können nicht belegt werden, während eine Studie der GfK über das Konsumverhalten von Nutzern sogenannter „Download-Börsen“ im Internet ein interessantes Ergebnis hervorgebracht hat. Vereinfacht gesagt: „Wer Filme herunterlädt, geht öfter ins Kino“ (FAZ) und kauft mehr DVDs als durchschnittliche Konsumenten.

Interessant ist, dass sich 2011 die Erlöse im Tonträgermarkt hierzulande stabilisiert haben, im digitalen Bereich konnten gar zweistellige Zuwachsraten verzeichnet werden. Kein Wunder, unlängst kam eine im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums vom Max Planck-Institut erstellte Studie zu dem Schluss: „Durch Piraterie verursachte Umsatzrückgänge der betroffenen Branchen lassen sich bei einer Betrachtung eines gesamten Industriezweiges kaum feststellen. (...) Die Urheberrechtsverletzungen wirken sich volkswirtschaftlich insgesamt kaum aus.“

Spätestens durch Sven Regeners Wutrede gewinnt der Mythos Plattenfirma wieder Zuspruch. „Zu glauben, man könne auf Plattenfirmen verzichten, ist ein großer Irrtum“, hatte Regener einem Reporter des Bayerischen Rundfunks erklärt, „wir machen Verträge mit Plattenfirmen, nicht weil wir doof sind, sondern weil wir sonst unsere Musik nicht machen können.“

„Illegale Downloads“

So ist das heutzutage – „Musikmenschen verbünden sich mit Konzernen, die ihnen vom Erlös ihrer Mühen bloß ein Taschengeld bezahlen“ (Dietmar Dath), und singen in der Öffentlichkeit das hohe Lied derer, die die Almosen verteilen. Die Plattenfirmen würden Geld investieren, um Künstler „aufzubauen“. Schon immer aber haben die großen Labels hauptsächlich ihren eigenen Gewinn im Sinn gehabt. Legende sind die Verträge, mit denen Künstler von Plattenfirmen über den Tisch gezogen wurden und werden. Glaubt denn allen Ernstes irgendjemand, dass der russische Oligarch, dem mittlerweile Warner Music gehört, oder die Investorengruppe, die EMI gekauft hat, oder der größte Musikkonzern der Welt, Universal Music, Philanthropen sind, die aus Nächstenliebe und aus kulturellem Interesse Künstler fördern?

Die Band The Temptations hat dieser Tage Universal Music im Streit um Tantiemen-Zahlungen verklagt, weil sie statt der ihnen zustehenden 50 Prozent aus den Download-Einkünften ihrer Stücke von Universal nur zwischen 10 und 20 Prozent erhalten hat; zuvor waren bereits zahlreiche andere Künstler und Bands gegen den Konzern vor Gericht gegangen. Sony Music zahlte bereits 7,95 Millionen Dollar, um einen ähnlichen, bereits fünf Jahre anhaltenden Tantiemen-Streit mit Bands wie den Allman Brothers, Cheap Trick oder den Young­bloods zu beenden. Künstler können übrigens auch ohne Label existieren und sich selbst vermarkten. Bands, die nie einen Ton auf CD oder LP veröffentlicht haben, spielen mitunter ausverkaufte Tourneen (und, ja, es gibt sie immer noch und immer wieder, diese Musikliebhaber und Musikverrückten vor allem bei den vielen kleinen, unabhängigen Firmen, die mit Herzblut und Engagement Künstler aufbauen).

Und die Gema? Ob der taz-Redakteur, der früher mal in einer Band gespielt hat, die sich erfolgreich selbst vermarktende Künstlerin oder der Betreiber eines sympathischen Indie-Labels – neuerdings geht die Legende so: Die Gema sei zwar ein Moloch – nicht transparent, nicht flexibel und verlange zu viel Geld von den kleinen Konzertveranstaltern – aber von den Gema-Schecks könne man schließlich seine Miete bezahlen, was sei daran verkehrt? Als ob man Hartz IV gut finden müsste, bloß weil nicht wenige Menschen davon (mehr schlecht als recht) leben müssen. „Alle Verwertungsgesellschaften sind Diebe“, sagt der amerikanische Komponist Frederic Rzewski.

Die von den Nationalsozialisten „in den Jahren 1933/34 verfügte monopolistische Ausschließlichkeit der Wahrnehmung der Musikverwertungsrechte“ (Hans G Helms) ist bis heute erhalten geblieben: Ein bürokratischer Krake (allein 120 Millionen Euro jährlich verschlingt die Gema-Verwaltung), der mit aufwendig konstruierten Abrechnungsverfahren dafür sorgt, dass Großkünstler, die ohnedies bereits hohe Einnahmen erzielen, bevorteilt und kleinere Künstler und Bands benachteiligt werden. Die Gema teilt nicht etwa die vereinnahmten Gelder einer Veranstaltung an die jeweiligen Urheber auf, sondern nutzt dafür einen undurchschaubaren Verteilerschlüssel. Wenn Get Well Soon-Sänger und Songwriter Konstantin Gropper ein Konzert mit seinen eigenen Songs und ein paar Coverversionen spielt, dann verdient daran ein erfolgreicher Schlagerkomponist durch die Gema-Ausschüttung mit. Wenn Gropper seine eigenen Songs spielt, verdient also Dieter Bohlen.

Warum ich die Monopolbehörde „Gema“ so ausführlich schildere? Weil dieses Beispiel zeigt, wie wenig von einer „Kulturflatrate“ zu halten ist, die derzeit von Politik und Kreativindustrie als eine Art Deus ex Machina aus dem Hut gezaubert und propagiert wird. Mal abgesehen davon, dass man sich fragen muss, was in den Köpfen von Leuten los ist, die derartige Begriffe erfinden und verwenden – wollen wir wirklich einen weiteren bürokratischen Wasserkopf kreieren, der Riesenbeträge vereinnahmt und nach undurchschaubaren Kriterien und komplizierten Verteilungsschlüsseln ungerecht an Künstler verteilt? Es gibt längst die verschiedensten „Kulturflatrates“: Sie bezahlen Pauschalen zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Sie bezahlen Leermedienabgaben für Kassetten oder beschreibbare CDs, und Sie zahlen etwa 36 Euro Pauschalabgabe beim Smartphonekauf. Ist durch derartige Pauschalen, durch derartige „Flatrates“ eine größere Verteilungsgerechtigkeit entstanden? Wird über die Aufteilung berichtet, was von den Geldern bei den Urhebern landet und wie viel bei den Verwertern?

Tatsache ist: Weder die bestehenden Bezahlsysteme (Gema, Urheberrecht, Pauschalabgaben) noch die vorgeschlagenen (Kulturflatrate) sorgen dafür, dass die Künstler von ihrer Arbeit leben können. Während Dieter Bohlen oder Hansi Hinterseer immer reicher werden und der Gema-Vorstandsvorsitzende ein Jahresgehalt von 380.000 Euro erhält, beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Musikern in Deutschland laut Künstlersozialkasse 11.521 Euro, das der unter 30-jährigen Musiker sogar nur 9.525 Euro. Es hat alles zwei Seiten, es gibt auch in der Kulturindustrie ein Oben und ein Unten, es gibt auch hier die 99 Prozent und den Rest.

Hinweis aus China

Wer angesichts solcher Zahlen behauptet, das bestehende Urheberrecht schütze und finanziere „die Kreativen“, ist ein Scharlatan. Das sogenannte „Urheberrecht“ ist in seiner jetzigen Form ein „Verwerterrecht“, das vornehmlich der Verwertungsindustrie nützt, also den multinationalen Konzernen. Die Tonträgerindustrie ist in der Hand dreier weltweit operierender Konzerne, die knapp 80 Prozent des Weltmarktes bestimmen. Oder: Drei Verlagsgruppen bestimmen in Deutschland etwa 80 Prozent des Buchmarktes.

Der chinesische Literaturwissenschaftler und Philosoph Wang Hui hat darauf hingewiesen, dass im Westen Urheberrechte einen höheren Schutz genießen als Arbeitsrechte. Dabei gilt: „Wo nur Formen von Arbeit vergütet werden, die für irgendwen (traditionell: diejenigen, denen die Erzeugungs- und Kopiermittel gehören) profitabel sind, bleiben die interessantesten Arbeiten außerhalb der etablierten Tauschregeln“ (Dietmar Dath). Vielleicht wäre es endlich an der Zeit, hierzulande weniger auf die Interessen der Verwertungsindustrie zu achten und statt dessen die Interessen der Künstler zu stärken.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde gerade jungen und noch wenig erfolgreichen Künstlern eine Existenzgrundlage bieten, „die auch den Wert von künstlerischer Arbeit in der Gesellschaft neu definiert“ (Bernadette La Hengst). In Frankreich existieren gesetzlich festgeschriebene Mindestgagen pro Musiker und Konzert, es gibt eine soziale Absicherung für professionelle Künstler, die eine Mindestzahl von Auftritten haben. Ein ähnliches Modell existierte bis vor Kurzem in den Niederlanden, ein „Arbeits- und Einkommensgesetz für Künstler“, das Künstlern bis zu vier magere Jahre hindurch half, sofern diese eine künstlerische Ausbildung oder Einkommen aus künstlerischer Betätigung nachweisen konnten. Aber hierzulande, wo es nicht einmal verbindliche Mindestlöhne gibt, dürften derartige Modelle erst einmal Zukunftsmusik bleiben.

Nichtkommerzielles File-Sharing

Bleibt also nur ein pragmatischer Vorschlag, nämlich das bestehende Urheberrecht wenigstens zu modernisieren und an die Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen. Grundgedanke sollte die Förderung der Künstler, der „Urheber“, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der berechtigten Interessen der Nutzer, der „User“, sein. Der Rechtswissenschaftler Karl-Nikolaus Peifer weist darauf hin, dass „juristisch gesehen die Rechteinhaber, insbesondere die industriellen Vermittler der urheberrechtlich geschützten Werke, sehr viele Rechte haben, und die Nutzer haben sehr wenige.“ Hier muss endlich ein Ausgleich vorgenommen werden, denn aktuell „löst sich das, was wirklich passiert, von dem, was in den Gesetzen steht“ (Peifer).

Eine derartige Modernisierung des Urheberrechts muss dafür sorgen, dass die Absurditäten geltender Rechtsprechung aufgehoben und endlich die Realitäten des Internets anerkannt werden. Das Internet besteht im Kern fast ausschließlich aus Kopieroperationen – „das Internet ist Filesharing“ (Michael Seemann). „Man kann eben im Internet nicht filtern, ich kann einem Bit nicht ansehen, was es beinhaltet, ich kann nicht die Millionen von Youtube-Videos, die da sind, auf urheberrechtliche Lagen hin durchprüfen“, erklärt der Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren. Nur mit einem gigantischen Kontroll- und Überwachungsapparat und in einem autoritären Staat ließe sich das Internet verwertungsindustriekonform gestalten – das kann niemand ernsthaft wollen.

Es muss also endlich eine Unterscheidung zwischen Privatpersonen und Urhebern mit kommerziellen Interessen geben. Das unselige Abmahnungswesen muss gesetzlich gestoppt und der Verbraucherschutz im Netz verbessert werden. Nichtkommerzielles File-Sharing muss legalisiert werden, die Rechte der Künstler gegenüber den Verwertungsgesellschaften müssen gestärkt werden. Juristen und Praktikern werden noch viele kleine Verbesserungen einfallen.

Ein Fünf-Punkte-Plan

Ein zeitgemäßes Urheberrecht sollte aber vor allem folgende Forderungen erfüllen:

1. Die Schutzfristen für das Urheberrecht und angrenzende Rechte (Leistungsschutzrecht) sind viel zu lang. Die Dauer des Urheberrechts muss drastisch verkürzt werden – realistisch erscheinen 15 Jahre statt der bisher geltenden 70. Das ist nicht nur die Frist, die etliche internationale Studien für optimal halten, es ist auch die Dauer, die für Patente gilt (und zwar insgesamt, also nicht erst nach dem Tod des „Urhebers“, des Erfinders). Mit welcher Logik verlangt die Kulturindustrie eine Rechteeinräumung bis zu 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers? Es ist nicht einzusehen, dass wir eine technische Erfindung so viel niedriger bewerten als eine künstlerische Leistung.

2. Das Urheberrecht sollte, wie es der Internetaktivist Marcel Weiß (neunetz.com) fordert, von Opt-out zu Opt-in geändert werden. „Opt-in bedeutet in diesem Zusammenhang: Wenn ich mein Werk geschützt sehen will, weil ich damit Geld verdienen möchte, muss ich mich direkt dafür entscheiden. Ich muss mein Werk bei einer zentralen Instanz dafür registrieren. Dadurch wird sichergestellt, dass nur die Werke geschützt sind, an die ein direktes kommerzielles Interesse gekoppelt ist. Alle anderen Werke sind gemeinfrei und können demnach von der Gesellschaft nach Belieben genutzt werden“ (Weiß). Wer dagegen ein Foto auf Flickr hochlädt, erhält keine Verwertungsrechte, wenn man das nicht ausdrücklich will.

Die Registrierung der Werke sollte kostenpflichtig sein. Weiß schlägt vor, ein Werk für die ersten zwei Jahre günstig registrieren zu lassen, um möglichst vielen Personen die Registrierung ihrer Werke zu ermöglichen. Das ist sowieso der Zeitraum, in dem das meiste Geld mit einem neuen Werk verdient wird. Wer sein Werk darüber hinaus schützen möchte, muss den Urheberrechtsschutz für jeweils zwei weitere Jahre für eine höhere Gebühr erneuern (was nur dann sinnvoll ist, wenn weiter mit diesem Werk Geld verdient werden kann). Erfreulicher Nebeneffekt: Die künstlerischen Werke sind zentral registriert (wie Patente), es ist einfach zu recherchieren, ob ein Werk frei ist oder nicht oder wer der Urheber ist.

3. Der Urheber, der sein Werk angemeldet hat, kann die Rechte an diesem Werk wie gehabt an einen Verwerter verkaufen, etwa an eine Plattenfirma. Allerdings: Die Rechte an dem Werk fallen zum Ende jeder zweijährigen Schutzfrist automatisch an den Urheber zurück – der es dann, eine Erneuerung seines Urheberrechts vorausgesetzt, erneut verkaufen kann. Ziel: eine deutliche Stärkung des Urhebers gegenüber dem Verwerter. Für erfolgreiche Künstler ändert sich wenig. Ausgeschlossen sind allerdings hiermit die nicht seltenen Fälle von Übervorteilung von Künstlern durch die Verwertungsindustrie. Die Künstler erhalten eine bessere Verhandlungsposition, die bei den Verwertern so beliebten „Buy-out-Verträge“, also die Abtretung aller Nutzungsrechte an den Verwerter, gehören der Vergangenheit an. Da die Verwertungsindustrie in ihren Sonntagsreden ständig vorgibt, die Interessen der „Kreativen“ im Auge zu haben, dürfte es ihr leicht fallen, dieser Forderung zuzustimmen. Schon Moses verlangte übrigens, dass alle 50 Jahre, im sogenannten „Jubeljahr“, dass also „alle Jubeljahre“ die verkauften oder verpfändeten Felder an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden (und am Rande: alle sieben Jahre wurden sämtliche Schulden erlassen).

4. Das bestehende System, nach dem die gesamte Verwertungs- und Kulturindustrie arbeitet, ist auf Menge tariert. Je häufiger ein Song im Radio gespielt wird, desto höher die Gema-Ausschüttung. Auch modernere Abrechnungssysteme bedienen sich dieses Schlüssels, seien es Streamingdienste, seien es die etwas hilflosen Modelle einer sogenannten „Kulturflatrate“ – Kultur wird im Spätkapitalismus nach Quote, nach Erfolg abgerechnet. Wie fantasielos. Dabei stellt sich gerade in Bezug auf die kulturellen Ressourcen die Frage: „Welche Diversität wird es morgen geben?“ (François Jullien) Verkürzt gesagt: Wer bringt die Welt weiter – Dieter Bohlen oder Frederic Rzewski? Wen sollte unsere Gesellschaft also fördern – diejenigen, die Tanz- und Unterhaltungsmusik betreiben, die dazu beiträgt, „die ganze Gesellschaftsordnung mit ihrer Warenwirtschaft, ihrem Markt und ihrem Profit, mit ihrer Not und ihrem Elend, mit ihren Krisen und Kriegen, mit ihrer Oberflächlichkeit und Seichtheit zu festigen“ (Georg Knepler)? Oder diejenigen, die etwas Neues wagen, die Kunst produzieren, die uns irritiert und verändert?

Wie wäre es also, wenn man das bestehende Abrechnungssystem der Kulturindustrie dergestalt ändern würde, dass man das Neue ungleich stärker fördert als die Masse? Einer jungen Band, die monatelang ein neues Stück erarbeitet hat, wäre mehr geholfen, wenn die Erstausstrahlung dieses Stückes im Radio deutlich höher honoriert würde als die häufige Wiederholung des Stückes. Eine Komposition, die das erste Mal öffentlich aufgeführt wird, sollte hoch bezahlt werden, für die unzähligen Wiederholungen von Musikstücken im Formatradio dagegen sollte es deutlich weniger Geld geben. Der zu verteilende Kuchen kann gleich bleiben, nur erhalten alle Künstler für die Erstveröffentlichung ihres Werkes einen hohen Betrag (sagen wir: 1000 Euro?), während sie für die Wiederverwertung einen deutlich niedrigeren Obolus erhalten. Die Gema-Großkünstler werden es kaum spüren, den innovativen Künstlern wird’s helfen. Geht nicht, sagen Sie? Im dänischen Rundfunk wurde ein ähnliches Modell bereits praktiziert. Neue und innovative Musik muss stärker gefördert werden als die schiere Menge.

5. Das Urheberrecht darf nicht länger zur Zensur von Kunst missbraucht werden. Ob Hip-Hop-Künstler, denen Plattenfirmen nicht die Rechte an Samples der von ihnen vertretenen Künstler einräumen, oder die Brecht-Erben, denen nach eigenen Aussagen „besonders an Werktreue“ (also an musealer Darstellung) der Stücke gelegen ist und die noch im sechsten Jahrzehnt nach Brechts Tod festlegen, wer die Werke des Meisters wie aufführen darf (was besonders pikant ist, wenn man sich Brechts laut Eigenaussage „grundsätzliche Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“ vergegenwärtigt). Wir benötigen ein Urheberrecht, das Kunst ermöglicht, statt sie zu verhindern. Ein Urheberrecht, das die kulturgeschichtlich seit Jahrhunderten gängige Praxis der Weiterverwendung und Weiterverarbeitung von Kunstwerken ermöglicht. „Samplen“ zum Beispiel sollte dem „Fair Use“ der US-Urheberrechtsdoktrin unterliegen und generell unbeschränkt erlaubt sein.

Der Streit um Urheberrechte ist eine Auseinandersetzung um Besitzrechte, und „wie wir wissen, steht der Dienst an den Gütern im Dienst derer, die Güter besitzen“ (Alain Badiou). Das digitale Urheberrecht steht am Abgrund – es wird höchste Zeit, endlich die Ziele für eine Modernisierung des Urheberrechts neu zu formulieren und auf dieser Grundlage ein zeitgemäßes Rechtssystem zu entwickeln, das die Rechte der Künstler stärkt und der ganzen Gesellschaft dient.

Berthold Seliger ist Tourneeveranstalter (etwa von Calexico, Lambchop, Lou Reed, Patti Smith, Tortoise), Autor und lebt in Berlin

Kommentare (24)

rago42 10.05.2012 | 15:40

Was für ein Text, eine Melange aus Halbwahrheiten und Verdrehtem,jedenfalls bis zu diesem Satz. (weiter habe ich dann nicht gelesen)

"Wenn Gropper seine eigenen Songs spielt, verdient also Dieter Bohlen."

Nein und nochmals nein, Bohlen verdient nur mit, wenn Gropper Bohlen Songs spielt.
Ah, verstehe, das spielt auf den undurchschaubaren Verteilungschlüssel der GEMA an. Wenn's den eigenen Interessen dient, kann man den Verteilungsschlüssel, der ja undurchschaubar sein soll, plötzlich doch wiedre so genau durchschauen?

Uwe Theel 10.05.2012 | 15:47

Zur Unsinnigen Forderung die Urheberrechteschutzfrist von 70 Jahren auf 15 zu verkürzen:

Der Autor verkennt, dass die Urheberrechte und die daran hängenden Verwertungsrechte Teil des Erbes eines Künstlers an seinen Failie, die Nachkommen darstellt.

Warum sollte der Erbe eines Künstlers schlechter gestellt sein, als der eines Nichtkünstlers: Der kann ein Stück Eigentum seines Vaters auch erben, wenn der Vater dies früher als 15 Jahre vor dessen Tod erworben hat und es weitere 70 Jahre als sein Eogentum betrachten.

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dice 10.05.2012 | 16:30

Die Forderung ist nicht unsinnig. Wenn ich ein Beispiel für verfehlten Urheberrechteschutz suche, dann fallen mir immer sofort die Beatles ein. Warum soll ich, wenn ich eine Beatles CD kaufe, eine Gebühr an die Erben von Michael Jackson zahlen? Weil der zu Lebzeiten mal die Rechte gekauft hat? Es ist doch eine Schande, dass ein Kulturerbe, wie die Aufnahmen der Beatles, auch heute noch von irgendwelchen sowieso schon reichen Leuten mit Gebühren belegt wird. Das ist Ausbeutung! Schließlich sind die Beatles auch nur durch die Fans zu dem geworden, was sie waren.
Meinetwegen soll man seine Rechte an direkte Nachkommen vererben können, aber der Verkauf sollte verboten werden, spätestens nach 15 Jahren.

Zweibein 10.05.2012 | 17:57

Nein, ich finde diese Forderung nicht nur nicht unsinnig sondern sogar ganz wichtig und zentral. Abgesehen davon, dass ein Patent zwanzig und nicht, wie angegeben, fünfzehn Jahre gültig ist, - in beiden Fällen handelt es sich um unikate geistige Leistungen, die der Menschheit nutzen. Bei Kunstwerken auf kulturellem, bei Patenten auf technischem Gebiet. Bei Patenten räumt der Gesetzgeber dem Erfinder ein zwanzigjähriges Monopolrecht ein, um ihn für seinen Beitrag zum technischen Fortschritt der Menschheit zu belohnen. Nach zwanzig Jahren erlischt dieses Monopolrecht, damit die Menschheit von diesem Beitrag als ganze profitieren kann. Dies stellt einen Interessenausgleich zwischen dem Anspruch des Erfinders auf finanzielle Kompensation und dem Anspruch der Gesellschaft auf Nutzung des Erfundenen dar.
Ich glaube, es ist nicht zu viel verlangt, eine ähnliche Regelung auch im Urheberrecht zu treffen. Jeder Künstler schöpft aus dem Geschaffenen vorhergehender Generationen. Von daher ist es völlig legitim zu verlangen, dass auch sein Werk nach einem angemessenen und nicht nach einem völlig hirnrissigen Zeitraum in Gemeineigentum übergeht.

Uwe Theel 10.05.2012 | 18:00

@ Dice am 10.05.2012 um 14:30

Tja, lieber Dice,

da sind wir dann ganz schnell bei der Systemfrage:

Solange der Eigentumsbegriff und die unbedingt frei Verfügbarkeit über das Eigentum mit Hauptgrundlage der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft ist und Vertragsfreiheit genauso unbedingt gilt, wäre da wohl nichts zu machen und der schwarze Peter läge dann bei den Beatles: Die waren wohl nicht gezwungen, ihre Rechte an Verleger und Michael Jackson(s Erben) zu veräußern?!

JoHe 10.05.2012 | 20:42

Lieber Herr Seliger,

vielen Dank für diesen, in seinen abschießenden Forderungen jedenfalls sachlichen Beitrag zu einem im Übrigen sonst sehr polemisch und oberflächlich geführten Diskurs.

Der kurze Rückgriff auf die fair-use doctrine des US-amerikanischen Urheberrechts ist valide und sollte mehr diskutiert werden.

Ihr Vorschlag zu den Verteilungsschlüsseln lässt sich auch hören. Wer mit Blick auf das Jahrbuch 2011/2012 der GEMA S. 291ff den Verteilungsplan versteht, der soll sich melden.

Ich möchte aber zweierlei zu bedenken geben:

1. Verwertungsgesellschaften sind keine "Behörden", sondern private Vereine, die laut Gesetz einem Wahrnehmungs- und Abschlusszwang unterworfen werden. Es ist keineswegs so, dass sie Produkte historischen Zufalls oder gar das Ergebnis eines Triumphs obrigkeitlichen, bürokratischen Schaffens der NS-Zeit wären. Die erste Verwertungsgesellschaft wurde in Deutschland im Jahre 1901 gegründet, nachdem das unkörperliche Aufführungsrecht erstmals geschützt wurde. Man muss dabei berücksichtigen, dass ihr Entstehen dem Phänomen prohibitiver Transaktionskosten geschuldet war. Die Informationsbeschaffungskosten für Nutzer und Rechtsinhaber waren zu hoch, als dass sie ihre urheberrechtlichen Ansprüche wirksam geltend machen konnten. Die Verwertungsgesellschaften sind also ein Kind von Marktnotwendigkeiten gewesen.

2. Hinzu kommt, dass das heutige Wahrnehmungsrecht auch keinesfalls eine Monopolstellung etwa der GEMA normiert. Vielmehr könnten jederzeit konkurrierende Gesellschaften gegründet werden, die Ihren Forderungen besser genüge tun könnten. Es erscheint aber ideologisch, wenn man die Ursache dafür, dass dies bislang nicht geschieht allein bei geldgierigen Verlagen und Labels sähe. Der Markt ist gesund, dass er neue Gesellschaften im Bereich der Musikrechte nicht hervorbringt liegt vielmehr an dem Geschäftsmodell der gewerblichen Nutzer, die mittels "one-stop-shop" Verfahren möglichst umfangreiche Lizenzen erwerben wollen. Eine Zersplitterung der Lizenzanbieter würde das konterkarieren.

Ihr Vorschlag Nr. 2 beschäftigt sich letztlich mit diesen beiden Punkten und ist auch deshalb interessant. Die Frage ist nur, ob es sich für gewerbliche Nutzer rentiert Einzellizenzierungen mit jedem Urheber über jenes Register auszuhandeln oder ob dies nicht doch auch wieder zu einer zentralen Verwaltungsstelle führen wird, die mit einer sog. Aktivlegitimation zur umfassenden Geltendmachung der registrierten Verwertungsrechte ausgestattet werden müsste. Dann beißt sich die Schlange in den Schwanz.

Ich bin abschließend der Auffassung, dass jedenfalls dort die Verwertungsgesellschaftspflichtigkeit von Urheberrechtsansprüchen seine Grenzen finden muss, wo den Rechtsinhabern geeignete Instrumentarien zur eigenen Rechtswahrnehmung zur Verfügung stehen. Dahin gehen ihre Vorschläge. Deshalb nochmals danke für ihren Beitrag.

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dice 10.05.2012 | 21:04

Nein, das ist keine Systemfrage. Eigentum ist in der Regel physisch. Das heißt es handelt sich um Dinge, die man anfassen kann. Ich möchte auch nicht, dass mein Auto nach 15 Jahren plötzlich nicht mehr mir gehört. Eigentum soll Eigentum bleiben. Wer seine Kompositionen nicht veröffentlicht, sondern die Original-CDs in seinen Tresor legt, kann sie meinetwegen die nächsten 500 Jahre behalten, das heitßt weitervererben oder auch verkaufen.

Das ändert sich aber, wenn er die Musik veröffentlicht. Dadurch wird aus privatem Eigentum eine Art öffentlichen Eigentums. So kann für eine einmal veröffentlichte CD nicht mehr generell das Abspielen verboten werden. Der Komponist kann zwar verbieten, dass sie für Werbung eingesetzt wird, nicht aber, dass sie privat oder auch im Radio gespielt wird. Er hat durch die Veröffentlichung einen Teil seiner Eigentumsrechte abgetreten und bekommt dafür Geld. Die Frage ist doch nur, wie lange. Keiner verlangt im Ernst, dass die Urururururenkel von Beethoven noch Tantiemen bekommen.

Ullrich Läntzsch 10.05.2012 | 21:06

Lieber Berthold Seliger

das Problem liegt sicher wie so oft daran, daß es keine Eindeutigkeiten gibt. Daß gewertet und abgewogen werden müßte. Daß Widersprüche in Einklang zu bringen wären. Wer das sicher reformbedürftige Urheberrecht angreift, sollte sich aber dann nicht wundern, wenn der Schuß nach hinten los geht und statt dem Künstler zu helfen, es eben der Künstler sein wird, der in Mehrzahl eben arme Künstler, der die Zeche in Zukunft zu bezahlen hat.

Nichts anders erwarte ich von einem geänderten Urheberrecht in einer Gesellschaft, in der Künstler aus der KSK herausgeworfen werden, weil sie zu wenig verdienen. Da hat dann eben so einer im Zweifelsfall keinerlei soziale Absicherung. Dies ist die Tendenz unserer Gesellschaft. Alles andere sind Traumtänzereien.

Und sorry, wer da mal eben so von einer Pauschale für ein Werk spricht, ohne Angabe von möglichen Unterschieden. Da sollte Sie schon ein wenig mehr Sorgfalt aufwenden. Werk ist Werk? Schlager ist Oper? So alber sehen Sie das sicher nicht. Aber wie können Sie dann von Pauschalen sprechen?

Die Schutzfristen für das Urheberrecht und angrenzende Rechte (Leistungsschutzrecht) sind viel zu lang. Ach ja? 70 Jahre nach dem Tod. Verdammt lang ... Uwe Theel wies auf das allgemeine Recht an Eigentum hin inklusive der Vererbung – in dieser nun – leider – bestehenden Gesellschaftsordnung. Ich vermag den Unterschied zwischen geistigem und materiellem Eigentum nicht zu ziehen. Man möge mir dies erklären.

Und mich als Künstler interessiert das Patentrecht nicht einmal peripher. Was bitte habe ich da einzusehen?

@ Opt-out vs Opt-in.

Okay, warum nicht. Nur warum dafür Gebühren, und noch dazu horrende Gebühren, die sich eine armer Künstler eben nicht leisten kann. Gebühren vor ab bevor er auch nur einen Cent verdient hat. Gebühren in fürs Registrieren sind ein Witz.

Ein Werk bei einer zentralen Instanz zu registrieren – gut. Das geschieht digital per Netz. Wozu da bitte sehr Gebühren.

Herr Weiß macht sich zu nichts anderem, als zum Anwalt der User, die alles for nothing wollen. Selbst im Sozialismus würde immer noch gelten Eigentum ist Eigentum. Der Sozialismus schafft das Eigentum nicht allgemein ab – da geht es um das Eigentum an Produktionsmitteln. Also noch einmal: Eigentum ist Eigentum. Es ist so schlicht und simpel. Es sei denn man ist ein Dieb. So nennt sich nun einmal das altmodische Wort für den der stiehlt.

@ Der Urheber, der sein Werk angemeldet hat, kann die Rechte an diesem Werk wie gehabt an einen Verwerter verkaufen, etwa an eine Plattenfirma.

Ja, so weit so gut.

Nur - nicht weil ich das schlichte bürgerlicher Recht der Vertragsfreiheit nun als Monstranz in die Höhe halten möchte, aber nun kommt der Pferdefuß: Die Rechte an dem Werk fallen zum Ende jeder zweijährigen Schutzfrist automatisch an den Urheber zurück – der es dann, eine Erneuerung seines Urheberrechts vorausgesetzt, erneut verkaufen kann. Ziel: eine deutliche Stärkung des Urhebers gegenüber dem Verwerter.

Tres chic hört es sich an, soll es sich wohl in den Ohren der Künstler, der armen Künstler anhören. Doch auch dies fällt sicher in die Rubrik illusionär. Kein Künstler erhielte so eine bessere Verhandlungsposition, da die Profitgier der Verwerter nicht eingegrenzt wird. Wie auch? Sie werden neue Modelle ersinnen.

Die die Interessen der „Kreativen“ existieren, wie sie richtig bemerken nur in Sonntagsreden. Weshalb also sollten die Verwerter dieser Forderung zustimmen?

Sehr richtig stellen sie Die Frage, : Wer bringt die Welt weiter – Dieter Bohlen oder Frederic Rzewski? Wen sollte unsere Gesellschaft also fördern ..

Ja der Spätkapitalismus entwickelt nur Phantasien, zur Profitmaximierung. Es gehört zur systemimmanenten Logik eben diejenigen, die etwas Neues wagen, die Kunst produzieren, die uns irritiert und verändert nicht zu fördern.

Gaukeln Sie diesen Künstlern also nicht vor, es könnte sich irgend etwas daran ändern.

Das Urheberrecht darf nicht länger zur Zensur von Kunst missbraucht werden. Hört sich gut an. Stark. Gegen Zensur. Nur! Wenn ein Hip-Hop-Künstler es nicht draufhat etwas selbst zu kreieren, geht es mir überall vorbei, wenn er dann etwas für die Rechte abtreten muß. Wären diese Samples etwas derart wertloses, warum schaffen diese Herren Künstler sie dann nicht selbst. Weil sie es nicht drauf haben. Ergo müssen sie dem dafür löhnen, der es draufhat.

Eine ganz andere Geschichte ist der Ärger mit den von Ihnen angesprochenen Brecht-Erben. Der Erhalt von Tantiemen ist sicher etwas anderes, als das Recht der Erben, also nicht des Künstlers, auf Werktreue zu achten. Ich sage nur, eine wirklich gutes Stück kann durch keine noch so schlechte Inszenierung etwas anhaben.

Aber. Nicht nur bei Brechts hätte ich nichts gegen eine Überprüfung, wie weit „grundsätzliche Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“ im Einzelfall geht. Eindeutige Verstöße des Künstler sollten auch posthum zum Rechteentzug bzw. ihrer Verlagerung führen. Gerade bei Brecht ein interessantes Feld ...

Mit dem Satz: Wir benötigen ein Urheberrecht, das Kunst ermöglicht, statt sie zu verhindern. Pardon, aber da liegt ein grobes Mißverständnis von Kunst vor, das was ein Urheberrecht heute meist verhindert ist nicht neue Kunst, sondern bestenfalls Kunsthandwerk. Wer glaubt, allein dadurch weil er geringfügige PC-Kenntnisse und fleißiges paste bereits zum Künstler reifte, der muß sich sagen lassen, das es dem nicht so ist.

Der Streit um Urheberrechte ist in der Tat einer um Besitzrechte, und „wie wir wissen“ leben wir im Spätkapitalismus. Nicht das digitale Urheberrecht steht am Abgrund – Künstler leben am Rande des Existenzminimums. Nicht wenigen bleibt zum Leben weit weniger als Hartz IV. Es wäre an der Zeit für ein neues Urheberrecht, das die Rechte der Künstler stärkt und der ganzen Gesellschaft dient - nur das werden wir nicht bekommen. Ihre wenigen richtigen Punkte schwimmen wie einzelne Fettaugen auf einem Sud aus der Gier verwöhnter Wohlstandskids in dem illusionäre Happen für Künstler schwimmen, delikate aussehende Happen, die sich aber als unerreichbar herausstellen und nur den klaren Blick auf die traurige Wahrheit verstellt. Die traurige Wahrheit: Es wird sich nichts zum Guten ändern, so lange wir nicht diese Gesellschaft verändern.

Das Urheberrecht ist kein Hebel, um den Kapitalismus zu überwinden.

Allerbeste, Ullrich

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dice 10.05.2012 | 21:39

"einem Sud aus der Gier verwöhnter Wohlstandskids"

So ein Unsinn. Das ist genau der gleiche Unsinn, den Berthold Seliger geschickt aus dem Spiegel von 1977 zitiert hat. Damals war ich Kid, und ich habe mir Schallplatten von Freunden ausgeliehen und auf Cassette überspielt, um überhaupt diese Musik hören zu können. Was hätte ich denn machen sollen? Von meinem Taschengeld habe ich ca. 30 LPs zusammen bekommen. Bis zum Abitur. Und davon waren mindestens die Hälfte Fehlkäufe, also Platten die ich nur ein paar mal gehört habe. Das heißt ich hätte am Musikleben gar nicht teilhaben können, ohne mir andere Platten zu kopieren.

Man stelle sich das einmal vor. All die bösen Kids, egal ob 1977 oder 2012, würden aufhören Musik zu kopieren bzw. herunterzuladen, Youtube würde abgeschaltet werden. Das Ergebnis wäre, dass der gesamte Markt für moderne Musik zusammenbrechen würde. Einfach weil das Interesse der Kunden abflauen würde.

Es ist nämlich sehr gut möglich, auch ohne Musik zu überleben. Viele meiner Freunde von damals und auch von heute hören einfach gar keine Musik. So einfach ist das. Der Markt lebt davon, dass die Musik einen gewissen Verbreitungsgrad erreicht. Wer CDs unverhältnismäßig teuer verkauft, Downloads unterbindet, den Fans Gier und böse Absichten unterstellt, gleichzeitig aber ein Video nach dem anderem voller Goldketten und teurer Autos und halb nackter Frauen veröffentlicht, kann im schlimmsten (besten) Fall mit einem rechnen: Desinteresse.

Ullrich Läntzsch 10.05.2012 | 22:10

Lieber Dice,

fordern sie nun auch die Abschaffung von Tempo 50, in geschlossenen Ortschaften, weil sich so gut wie niemand daran hält?

Nicht der der Terrabitweise Musik downloaded ist der wahre Musikfreund.

Ich habe auch kein Segelboot, würde so gern segeln?

Es gibt doch wirklich genug Musik, Bilder, Videos, Kulturgut, daß frei verfügbar ist.

Und können Sie sich vorstellen wie groß mein Desinteresse an einem Video nach dem anderem voller Goldketten und teurer Autos und halb nackter Frauen ist.

Auch ist es mir herzlich schnurz, wovon "der Markt" lebt. Mir liegt Kunst und Künstler am Herzen und last but not least eine gerechtere Welt. Gier hift nicht weiter.

Allerbeste, Ullrich

Uwe Theel 11.05.2012 | 00:23

@ Dice am 10.05.2012 um 19:04

Ich redete nicht von irgend einer Systemfrage, sondern von DER Systemfrage, die dem kapitalistischen Sytem zu stellen wäre, zu stellen ist.

Solange diese Frage nicht gestellt wird und zwar gegenüber zur Waren gewordenen gegenständen materieller, wie geistiger Art gleichermaßen, ist Ihre Argumentaion nicht stichhaltig.

Bekanntlich ist es dem Kapital vollkommen gleichgültig, welcher Beschaffenheit die Ware sei, die es unter sich subsumiert.

Vielleicht lesen Sie für den Anfang einmal hier

www.mlwerke.de/me/me40/me40_533.htm

Karl Marx
Ökonomisch-philosophische Manuskripte

[Privateigentum und Kommunismus]

Ich zitierte nur eine zentralen Passus daraus:

"Der Mensch eignet sich sein allseitiges Wesen auf eine allseitige Art an, also als ein totaler Mensch. Jedes seiner menschlichen Verhältnisse zur Welt, Sehn, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken, Anschauen, Empfinden, Wollen, Tätigsein, Lieben, kurz, alle Organe seiner Individualität, wie die Organe, welche unmittelbar in ihrer Form als gemeinschaftliche Organe sind, sind in ihrem gegenständlichen Verhalten oder in ihrem Verhalten zum Gegenstand die Aneignung desselben. Die Aneignung der menschlichen Wirklichkeit, ihr Verhalten zum Gegenstand ist die Betätigung der menschlichen Wirklichkeit ; menschliche Wirksamkeit und menschliches Leiden, denn das Leiden, menschlich gefaßt, ist ein Selbstgenuß des Menschen.

Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, daß ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben, also als Kapital für uns existiert oder von uns unmittelbar besessen, gegessen, getrunken, an unsrem Leib getragen, von uns bewohnt etc., kurz, gebraucht wird. Obgleich das Privateigentum alte diese unmittelbaren Verwirklichungen des Besitzes selbst wieder nur als Lebensmittel faßt und das Leben, zu dessen Mittel sie dienen, ist das Leben des Privateigentums Arbeit und Kapitalisierung."

Ihr "Veröffentlichungsbegriff" mit dem Sie verscheidenen Arten des Eigentums unter der herrschaft des Kapitals generieren wollen ist ein kruder, ein falscher. Er würde angewendet auf alle Menschen bedeuten, dass jede "veröffentlichte" Regung von Ihnen für mich zum Objekt der Aneignung durch mich werden könnte, was im übrigen genau der Anspruch des Kapitals gegenüber Geist und Materie ist. Daher würde ich ihn nicht so propagieren, wie Sie es tun, im systemimmanenten Sinne übrigens.

Gemeineigentum im nichtkapitalistischen Sinne entstünde anders.

Aber das Thema führe ich jetzt nicht auch noch aus.

Zweibein 11.05.2012 | 11:57

Bezüglich des Unterschiedes zwischen geistigem und materiellem Eigentum und insbeondere dazu, wie der Nutzer über beide verfügen kann:
www.golem.de/news/urheberrecht-mein-rad-1205-91711.html

"Und mich als Künstler interessiert das Patentrecht nicht einmal peripher. Was bitte habe ich da einzusehen?"
Vielleicht sollten Sie einsehen, dass die Welt an manchen Stellen schon Lösungen bereit hält, die auf Probleme passen, die sich Ihnen gerade neu stellen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie bereit sind, über Vorschläge nachzudenken und Unbekanntes überhaupt erst einmal aufzunehmen.

j.kelim 11.05.2012 | 12:32

Künstler? - Was bedeutet das?

Songtexte zu schreiben ist ein Beruf!
Musikkomponieren ist ein Beruf!
Ein Roman schreiben nach vorgegebenen Inhalt ist ein Beruf!
Ein Drehbuchschreiben ist ein Beruf!
Schauspieler ist ein Beruf!
Krankenschwester ist ein Beruf!
Maurer ist ein Beruf!
Maler ist ein Beruf!
usw.

Der Berufene schöpft aus sich selbst
Wer aus sich selbst schöpft:

“erzeugt und besitzt nicht.
wirkt und behält nicht.“

Ist das Kunstwerk vollbracht, so bleibt er nicht dabei.
Und eben weil er nicht dabei bleibt, bleibt er nicht verlassen…

Der wahre Künstler hat kein eigenes Herz.
Er macht das Herz der Menschen zu seinem Herzen.

Meyko 11.05.2012 | 12:49

Ullrich Läntzsch schrieb am 10.05.2012 um 20:10:

"fordern sie nun auch die Abschaffung von Tempo 50, in geschlossenen Ortschaften, weil sich so gut wie niemand daran hält?"

Ihr Beispiel hinkt zwar ein wenig und bleibt somit unter 50km/h, aber bleiben wir mal dabei. ;-)

Ich hinke also etwas unbeholfen weiter in die Zukunft: Falls es demnächst technisch angesagt, politisch gewollt und zudem von der Autoindustrie als Service angeboten würde, dass ihr Auto in geschlossenen Ortschaften selbsttätig die Geschwindigkeit reduziert und als Höchstgeschwindigkeit, sagen wir, 49,5 Km/h erreichen könnte, würden sie dann auch dafür plädieren, das weiterhin allerorts 50km/h- Schilder aufgestellt und gewartet, gepflegt und ersetzt werden? Das ist immerhin ein hart umkämpftes Geschäft, bei dem ordentlich Geld verdient wird. Und ich argwöhne, alle beteiligten Firmen würden die „Gefährdung der Arbeitsplätze“ in den Vordergrund rücken. Die Metallarbeiter, Maler/Drucker, die Monteure und Aufsteller würden sich natürlich für eine Beibehaltung der Beschilderung aussprechen. Weitergesponnen gäbe es vermutlich eine Lobby-Initiative „pro 49,5“, die nun logischer Weise ALLE 50er-Schilder gegen 49,5er-Schilder ersetzen möchte. Usw. usf. ...

Nach meinem Eindruck, geht es für Einige in dieser Diskussion schlicht um eine sinnvolle Neuregelung, weil sich die technischen Voraussetzungen geändert haben, für Andere geht es vorrangig um eine eventuelle Marktausweitung oder auch um den Erhalt der Geschäftsgrundlage, bis hin zur Firmenexistenz.

GEMAdialog 11.05.2012 | 13:03

Guten Tag Herr Seliger,

gerne würden wir auf die im Artikel getroffenen Aussagen hinsichtlich des Verteilungssystems der GEMA eingehen.

Die angesprochenen „aufwendig konstruierten Abrechnungsverfahren“ lassen sich durch das lange Bestehen der GEMA erklären. Das über 100 Jahre gewachsene Regelwerk, welches durch die Mitgliederversammlung aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen Nutzungszusammenhänge ständig angepasst und differenziert wurde, hat im Laufe der Zeit zwangsläufig an Komplexität gewonnen. Ähnliches gilt für die Verteilungsschlüssel. Mit der vorgestellten Vereinfachung der Tariflandschaft trägt die GEMA den Forderungen nach einer ausgewogeneren, transparenteren und nachvollziehbareren Tarifstruktur Rechnung.

Mit der Verteilung der Einnahmen soll sichergestellt werden, dass Urheber erfolgsgerecht vergütet werden. Die Behauptung, „dass Großkünstler […] bevorteilt und kleinere Künstler und Bands benachteiligt werden“ ist zu pauschaler Natur. Wird beispielsweise das Werk eines Musikurhebers populär und dem entsprechend oft gespielt, so liegt es nahe, dass jenem Urheber eine verhältnismäßig höhere Vergütung zukommt, als einem Urheber, dessen Werk weniger oft gespielt wird.

Zur Anmerkung, die GEMA sei eine „Monopolbehörde“ lässt sich lediglich sagen, dass kein Urheber gezwungen ist dem wirtschaftlichen Verein GEMA beizutreten. Urheber können für sich entscheiden, welchen Weg der Lizenzierung sie gehen möchten (z.B. Creative Commons), sofern sie darauf Wert legen. Darüber hinaus steht es jedem frei, alternative Verwertungsgesellschaften oder Lizenzmodelle zu gründen bzw. einzuführen.

Genaue Informationen zum Verteilungssystem sind auf der GEMA Website in der Rubrik GEMAwissen bereitgestellt und zu finden unter:

https://www.gema.de/presse/publikationen/gemawissen.html (Übersicht)

Mit freundlichem Gruß,

Franco Walther, GEMA

shamrock 11.05.2012 | 15:47

Lieber Herr Walther,

Ihre historischen Ausführungen zur Intransparenz des Abrechnungsverfahrens sind Erklärungen, allerdings keine Rechtfertigung derselben. Kurz: Historischer Wildwuchs muss eben aktualisiert werden. Auch das BGB musste ist seiner über 100-jährigen Geschichte mehrmals novelliert werden.

Zum Modell "erfolgsgerechter Vergütung": Grundsätzlich besitzt das GEMA-Modell eine positive Verstärker/Rückkoppler-Funktion, d.h. ohnehin erfolgreiche Künstler werden noch weiter erfolgreich zu Lasten von Newcomern - das ist unbestreitbar. Das dahinter stehende Denken ist genauso ungerecht, weil unfair. Vergleichbar ist es mit einem System der Förderung von Kindern erfolgreicher und reicher Eltern.
Deshalb geht es Ihnen nicht um die Förderung von Künstlern, sondern um die Aufrechterhaltung eines Systems, das den ohnehin Erfolgreichen belohnt und den noch nicht Erfolgreichen bestraft - ein seltsame Logik.

Die Häufigkeit des "Spielens" ist dabei das Definiens für Erfolg. Dabei ist der Begriff des "Erfolgs" in Ihrem Modell primär angebotsorieniert und nicht marketgerecht nachfrageorientiert: Wer oft gespielt wird (Radio, Konzerte usw.), verdient viel, egal ob das viele hören (wollen) oder nicht. Auch hier entscheiden also wiederum Distributoren und Anbieter (Verlage, Anstalten, Veranstalter, Anbieter) über den Erfolg eines Künstlers. Dabei ist die Kumpanei zwischen der GEMA und den Distributoren mehr als auffällig. Ob auch Manipulationen im Spiel sind, bleibt ebenso spekulativ wie im Benzinmarkt.

Sie reden dabei ständig von einem "Vergütungsmodell", obwohl es ein solches gar nicht ist. Vergütet wird der Künstler für eine aktive Leistung: das Schreiben, das Kreiieren, das Auftreten usw. Das Abspielen von Songs durch Dritte ist keine aktive Leistung und muss ergo schopn prinzipiell nicht "vergütet", sondern höchstens verwertet werden.

Zum Monopolbegriff: Sie haben recht; niemand ist gezwungen, sich der GEAM anzuschließen. Allerdings können Sie auch nicht bestreiten, dass die GEMA gegenüber anderen Rechteverwertern bevorteilt ist, weil ihnen Geldern aus Quellen zufließen, die anderen Rechteverwertern nicht zugänglich sind.

Ullrich Läntzsch 13.05.2012 | 16:08

Lieber Zweibein,

folgte dem Link, las den gut geschriebene Text. Dieser macht sich auf ironische Weise lustig über die Dummheit der Aussage des CDU-Abgeordnete Siegfried Kauder, geistiges Eigentum ist wie ein Fahrrad.

Nur gibt der Text nun wirklich nicht das geringste her, um den zentralen Unterschied zwischen geistigem Eigentum und materiellem Eigentum herauszuarbeiten.

Wenn ein Autor nicht auf die Argumente seiner Kommentatoren eingeht, schalte ich mich aus dem Thread aus. Wir können uns aber gern hier weiter austauschen:

www.freitag.de/community/blogs/rick/wer-bitte-verteilt-welchen-kuchen---eine-kleine-replik

Allerbeste, Ullrich

Ullrich Läntzsch 13.05.2012 | 16:27

Lieber Meyko,

mit meinem Beispiel wollte ich nur auf den Umstand weisen, das ein Unrecht nicht automatisch dadurch zu neuem Recht wird, weil es in Permanenz ausgeübt wird.

Ihre Fortsetzung des Beispiels widerlegt doch nicht dies, sondern zeigt auf schöne Weise die Macht der Ökonomie.

ABER wenn ein Autor nicht auf die Argumente seiner Kommentatoren eingeht, schalte ich mich aus dem Thread aus. Wir können uns aber gern hier weiter austauschen:

www.freitag.de/community/blogs/rick/wer-bitte-verteilt-welchen-kuchen---eine-kleine-replik

Allerbeste, Ullrich

blue61 15.05.2012 | 14:34

Hallo Herr Seliger, hallo Kollegen,

es sind interessante Gedanken zu Verwertungsrechten genannt. Von Urheberrechten möchte ich dabei explizit *nicht* sprechen, denn es geht m. E. in dieser Debatte insgesamt weniger um die Rechte von Kreativen

Und da komme ich zu einem Punkt, der mich an der Diskussion hier ungemein stört: die Verengung dessen was schützenswert ist auf Dinge die gemeinhin als 'Kunst' betrachtet werden. Kreativität ist aber viel mehr als der etablierte Kunstbetrieb.

Als Software Entwickler sehe ich meine Arbeit ebenso zu einem erheblichen Teil als eine kreative Tätigkeit. Deren Ergebnisse aber gleichwohl kein Mensch für schützenswert hält. Bis auf einen Haufen von problematischen Grossfirmen der IT-Industrie, die per eigener "Patent"-Abteilung einfach alle Ideen der Communities abfischen, zu Patenten verarbeiten und danach deren eigentliche Urheber (hier passt der Begriff) zu Lizenzzahlungen klagen wollen. Das ganze in Komplizenschaft mit einer politisch verrückten Patentbehörde.

Und ähnlich geht es kreativ denkenden in anderen technischen Disziplinen.

Das europäische Patentrecht bedroht die Lebensgrundlage ganz vieler technisch Kreativer ebensosehr wie die Klau-Börsen die Lebensgrundlage von Musikern in Frage stellen.

Gruss aus Unna,
Thomas Nagel