„Schreibt mir schnell, wenn er wieder da ist"

Sequel Ein Verlag hat das Ende von Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“ als Aufruf verstanden und „Der Kleine Prinz feiert Weihnachten“ vorgelegt. Wir finden: Da ist mehr drin
„Schreibt mir schnell, wenn er wieder da ist"

Illustration: Ira Bolsinger für der Freitag

Der Kleine Prinz bei Pegida

Hängt ihn auf!“, schrien sie. Der Kleine Prinz schloss die Augen und versuchte die Meute mit dem Herzen zu sehen. Doch es blieb dunkel. „Prinz muss weg!“, rief eine Stimme, dann gröhlte der ganze Platz. „Die Menschen haben keine Phantasie“, dachte er, „sie wiederholen, was man ihnen sagt.“ Einer von ihnen riss ihm die Rose aus der Hand und warf sie zu Boden. „Die großen Leute sind wirklich sonderbar“, dachte der Kleine Prinz. Warum können sie sich nicht am Fremden freuen? Weil sie es nicht schaffen, sich über sich selber zu freuen? „Ich werde aussehen, als sei ich tot, doch es wird nicht wahr sein“, dachte er noch. In Dresden schrien sie weiter, am Himmel sah der Prinz seinen Asteroiden strahlen, im Schatten einer Gasse den Fuchs, die Schlange und den fremden Piloten. Sie schwiegen, als der Boden unter seinen Füßen sich öffnete. Axel Brüggemann

Illustration: Ira Bolsinger für der Freitag

Der Kleine Prinz will Kanzler werden

Es ist in der Tat lange her, dass ich zuletzt bei Ihnen war“, sagte der Kleine Prinz zu den Menschen in der Bundespressekonferenz. Er war auf die Erde zurückgekehrt, um Kanzler zu werden, denn für die CDU kandidierte der Geschäftsmann (Wahlkampfslogan: „Ich bin ein ernsthafter Mann!“), dessen Taten ihm nie besonders nützlich erschienen waren. Sein Generalsekretär König (Qualifikation: Alleinherrscher über Asteroid 325) setzte auf Personenkult, also hieß die neue Partei Der Kleine Prinz (DKP). Ach, Kleiner Prinz, sagten die Journalisten, wie sieht dein Rentenkonzept aus, dein Masterplan Migration, dein Fahrplan für die Digitalisierung? Er nahm ein Blatt Papier und zeichnete eine Kiste: „Was ihr wollt, ist da drin.“ Am nächsten Tag war in den Zeitungen zu lesen, für die DKP kandidiere ein Schaf. Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst. Christine Käppeler

Illustration: Ira Bolsinger für der Freitag

Der Kleine Prinz im Tropical Island

Wenn er doch nur geglaubt hätte, was der Herr am Eingang erzählt hatte: Dass sich in diesem Ei irgendwo im Nirgendwo Rutschen, Pools, eine Sauna verbargen, „wie auf Hawaii“. Genauso gut hätte man ihm eine Kiste für ein Schaf verkaufen können. „Einen Hammer-Mai-Tai gibt’s im Bali-Pavillon, wie in Benidorm“, sagte der Herr, was dem Kleinen Prinzen zwar spanisch vorkam. Aber all das war zu schön, um es nicht mit eigenem Herzen zu sehen. Er bekam ein Armband „zum Bezahlen“. „Die Menschen haben komisches Geld“, dachte er beim ersten Mai Tai, der echt Hammer war, fand den Herrn am Eingang nett und dachte bald gar nicht mehr. Welch böses Erwachen an der Kasse, denn komisch war, dass man nun viel echtes Geld wollte, Geld, das er nicht hatte. So kam es, dass der Kleine Prinz einen neuen Job bekam, in einem Ei, irgendwo im Nirgendwo. Mladen Gladić

Illustration: Ira Bolsinger für der Freitag

Der Kleine Prinz im Görlitzer Park

Lange war der Kleine Prinz durch Asphaltwüsten und Häuserschluchten gewandert, als er einen Park entdeckte. Darin sah er einen Mann auf einer Bank sitzen. „Guten Tag“, sagte der Kleine Prinz höflich, „wollen wir spielen?“ Der Mann blickte ihn verwundert an. „Die meisten Menschen glauben, dass ich schlecht bin.“ – „Warum?“ – „Weil sie denken, dass ich Dinge verkaufe, die Menschen schaden.“ – „Was für Dinge?“ – Auf einer Wiese entdeckte der Mann einen anderen, aus dessen Hand es dampfte. „Etwas, was dieser Herr dort benutzt.“ – „Das ist der Hut eines Mäusezauberers, der an der Krempe Feuer gefangen hat“, sagte der Kleine Prinz. „Verkaufst du denn solche Hüte?“ „Nein“, sagte der Mann. Er lächelte. „Ich erfreue mich nur an den Wildrosen. Aber wer auf Bänken sitzt, ist verdächtig.“ „Seltsam“, sagte der Kleine Prinz. „Die Menschen sind seltsam.“ Klaus Raab

Illustration: Ira Bolsinger für der Freitag

Der Kleine Prinz tindert

Du hast ein Match!* So beginnt eine der größten Liebesgeschichten der Moderne. Der Kleine Prinz (1,50 m, aber großes Herz, 3.453.967 km entfernt) swipt sich durch die Galaxie, immer auf der Suche nach der Liebe im Kapitalismus – oder wenigstens einem Auberginen-Emoji. Aber auch für Prinzen ist die digitale Liebe nicht einfach: unnahbare Geschäftsfrauen, traurige Säuferinnen, langweilige Geografinnen. Gerade als der blaublütige Single zu Elitepartner wechseln will, pingt die App:

*Rose hat dir ein Superlike gegeben!*

– Hi. ONS?

– Ich bin für dich ein Prinz unter Hundertausenden von Prinzen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen.

– Äh, okay?

*Rose hat das Match aufgelöst*

– Rose? Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast! Thembi Wolf

06:00 06.12.2018
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