Schweigt Kohl?

CDU-SPENDEN Warum macht er das? Warum demontiert sich ein Denkmal selbst? Wer waren die Spender? Solange keine Namen auf dem Tisch liegen, darf spekuliert ...

Warum macht er das? Warum demontiert sich ein Denkmal selbst? Wer waren die Spender? Solange keine Namen auf dem Tisch liegen, darf spekuliert werden.

Würde sich Kohl all das antun, wenn die Koffer von ehrenwerten Geschäftsleuten stammten, die ihre Namen nicht gern auf einer CDU-Spendenliste sehen. Was sollen das für Geschäftsleute sein? Und vor allem: Welche Gründe gäbe es, dass die Spender auf ihre Steuerbefreiung und die CDU auf zusätzliche Mittel aus dem Staatssäckel verzichten. Gibt es doch für jede Spendenmark fünf Groschen vom Fiskus oben drauf. Die Antwort liegt nahe: Schwarzgeld. Demnach hätte Kohl von Steuerbetrügern Geld für seine Partei erhalten. Damit diese die Steuerschlupflöcher weiter offen hält? Das tut weh. Aber nicht so weh, wie vom gefeierten Kanzler der Einheit zum Deppen der Nation abzusteigen.

Also könnte es doch auch sein, dass die Kofferträger gar nicht so ehrenwert waren, und dass Kohl dies sehr wohl wusste. Was fällt uns da ein? Russenmafia, Drogenbosse und Jelzin-Clan zum Beispiel. Aus Osteuropa sind Milliarden Dollar an ehemaligem "Volksvermögen" in "dunkle Kanäle" verschwunden. Bereichert haben sich in erster Linie heimische Ganoven. Doch dieses moderne Raubrittertum konnte nur mit tatkräftiger westlicher Hilfe erfolgreich sein. Hat Kohl seiner CDU von der osteuropäischen Beute etwas zukommen lassen, um - ausgerechnet! - die ostdeutsche PDS wirksamer bekämpfen zu können? Das wäre eine bitterböse Ironie der Geschichte, die kein Denkmal überlebt. Dafür könnte es sich lohnen, den Mund zu halten.

Was aber, wenn die Koffer aus dem Osten schon kamen, bevor dort die Mauern fielen? 300.000 Deutsche Mark als illegale CDU-Parteispende, persönlich überbracht - von oder im Auftrag von, sagen wir, Herrn Dr. Schalck-Golodkowski an Herrn Dr. Helmut Kohl - das hätte Markus Wolf sicherlich als lohnende politische Investition betrachtet. Verschwörungstheorie? Natürlich. Aber wie verschwörerisch ist erst der beschauliche Lebensabend des Devisenbeschaffers am Tegernsee. Und wer hätte Mitte der achtziger Jahre geglaubt, dass Kohl und Honecker einen Handel "Reisefreiheit gegen Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft" vorbereiten hatten? Wer will heute noch wahrhaben, dass der Deal damals nicht am Bundeskanzler scheiterte? Es wurde geklingelt, und Kohl schweigt.

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00:00 07.01.2000

Ausgabe 41/2021

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