Schweiz gegen Deutschland in Basel

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Gegen kein anderes Team hat die deutsche Fußballnationalmannschaft so oft Fußball gespielt wie gegen die Schweiz. Am Mittwoch treffen in Basel die beiden Mannschaften abermals aufeinander, zum 50. Mal. Die Frage lautet also: Warum sind die Schweizer der Deutschen liebster Fußballgegner?

Die Antwort ist nicht nur in der gemeinsamen Sprache und der geografischen Nähe zu suchen, sie liegt begründet in der Geschichte, der des Fußballs wie der Europas.

Seit dem Jahr 1905 führt die Schweiz Länderspiele durch, bereits seit 1894 gab es gefestigte Fußballstrukturen. Der deutsche Fußball steckte da noch in den Kinderschuhen. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) war die "Nati", wie die Eidgenossen ihre Nationalmannschaft nennen, ein Steigbügelhalter, Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem für die Fußballentwicklung. Beim ersten offiziellen Länderspiel einer deutschen Mannschaft 1908 in Basel gewannen die Schweizer noch 5:3, vier Jahre später fuhr die DFB-Auswahl gegen die Schweiz mit 1:0 ihren ersten Länderspielsieg ein.

Das Match im Juni 1920 in Zürich hatte dagegen einen politischen Zweck. Es war das erste Länderspiel des DFB nach dem 1. Weltkrieg. Der Kick war schon für 1917 geplant gewesen, als die Schweiz dem DFB mitten im Krieg eine Einladung zu einem Freundschaftsspiel zukommen ließ. Doch mit dem Hinweis auf "Urlaubs- und Auflaufschwierigkeiten" hatten die Deutschen das Angebot abgelehnt. Drei Jahre konnte Schweiz kraft ihrer Neutralität gegen Deutschland antreten, was kein anderes Land auf der Welt zu diesem Zeitpunkt gewagt hätte.

Vor allem England und Belgien schimpfen gehörig auf die Schweizer, die mit dem Spiel den Sportboykott gegen Deutschland durchbrachen. Das konnte dank dieser 90 Minuten wieder in die internationale Sportgemeinschaft zurückkehren. Dabei wurde von deutscher Seite nichts dem Zufall überlassen. Nürnbergs Mittelläufer Hans Kalb wird zitiert: "Wir verzichteten im entscheidenden Moment lieber auf den Ball, nur um einen möglichen Zusammenprall aus dem Weg zu gehen". Der DFB war am Ende trotz der saftigen 1:4 Niederlage höchst zufrieden. Denn die rund 8.000 Zuschauer in Zürich spendeten für die biederen deutschen Kicker und Repräsentanten des Weltkriegsaggressors sogar Beifall.

Auch nach dem 2. Weltkrieg stellte sich die Schweiz schnell wieder als erster Gegner für die deutsche Nationalmannschaft zur Verfügung und machte den deutschen Fußball international wiederum salonfähig. Bereits vor dem ersten offiziellen Länderspiel einer DFB-Elf am 22. November 1950 in Stuttgart, galt die Schweiz als einer der wenigen Befürworter der Wiederaufnahme des DFB in die Fußballweltgemeinschaft FIFA. "Einmal muss doch eine Bresche in die Mauer geschlagen werden", erklärte der Schweizer Fußballverbandpräsident Gustav Wiederkehr 1949 und initiierte erste bilaterale Vereins-Freundschaftsspiele. Die niederländische Zeitung Het vrieje Volk schrieb damals: "Nein, Schweizer. Das war falsch von euch, das war geschmacklos. Europa blutet noch aus tausenden, durch die Deutschen geschlagenen Wunden, und in zehntausend Familien herrscht noch Trauer". Das Länderspiel im Stuttgarter Neckarstadion (vormalig Adolf-Hitler-Kampfbahn) vor 100.000 Zuschauern bedeutete dennoch das Ende der sportpolitischen Isolation Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg.

Nur vier Jahre später wurde Deutschland Weltmeister, in der Schweiz natürlich. Und dass der Gegner wieder einmal Schweiz hieß, als im Dezember 1990 ein Gegner für das erste Länderspiel einer gesamtdeutschen Auswahl nach der Wiedervereinigung gesucht wurde, verwunderte niemanden mehr. Es hatte ja Tradition.

00:00 20.03.2008

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