Sie töten ihn langsam

Julian Assange Die Lage ist ernst, aber wir nehmen sie nicht ernst. Wer über den Whistleblower nicht reden will, sollte über Menschenrechtsverletzungen weltweit schweigen
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 40/2020
Assanges Fall ist eine juristische und moralische Katastrophe
Assanges Fall ist eine juristische und moralische Katastrophe

Foto: Leon Neal/Getty Images

Es gibt einen alten Witz aus dem Ersten Weltkrieg über den Austausch von Telegrammen zwischen den Hauptquartieren der deutschen und der österreichisch-ungarischen Armee. Berlin schickte folgende Nachricht nach Wien: „Die Lage auf unserer Seite der Front ist ernst, aber nicht katastrophal.“ Zurück kam: „Bei uns ist die Lage katastrophal, aber nicht ernst.“ Die Antwort aus Wien scheint ein Modell dafür zu sein, wie wir heute auf Krisen reagieren, sei es die Corona-Pandemie oder die Waldbrände (nicht nur) im Westen der USA: Ja, wir wissen, eine Katastrophe steht bevor, die Medien warnen uns die ganze Zeit schon, aber irgendwie sind wir nicht bereit, die Lage ernst zu nehmen …

Ähnlich verhält es sich mit dem Schicksal von Julian A