Magnus Klaue
31.05.2012 | 14:13 7

Sind Autobahnen und Nichtraucherschutz vergleichbar?

Weltnichtrauchertag Nikotinprävention als Schlacht gegen eine Weltverschwörung: Im Kampf gegen die Tabakindustrie beruft sich ein US-Professor auf die Gesundheitspolitik der Nazis

Glaubt man der Bundesregierung und diversen Gesundheitsverbänden, ist es ein Zeichen fortgeschrittenen Bewusstseins, wie ernst die Bürger den Nichtraucherschutz nehmen. Nicht nur werde das Rauchverbot in Kneipen weitgehend widerstandslos „angenommen“. Auch machen die Deutschen viel Sport und ernähren sich „biobewusst“. Zum von der Welt­gesundheitsorganisation ausgerufenen 19. Weltnichtrauchertag, der an diesem Donnerstag begangen wird, laden Freiwilligeninitiativen unter Parolen wie „Vitamin statt Nikotin“ die ver­bliebenen Süchtigen ein, die Wonnen des Verzichts kennenzulernen.

Doch dass Nichtrauchen seit einiger Zeit „cool“ ist, wie es Projekte zur Nikotinprävention behaupten, beschert nicht nur der Gesundheitsindustrie Gewinne, sondern macht auch Gurus populär, die ihre Kritik an der „Tabakindustrie“ als Kampf gegen eine Welt­verschwörung betreiben. Einer der prominentesten unter ihnen ist der Stanford-Professor Robert N. Proctor, der als erster Historiker in einem Prozess gegen die US-amerikanische Tabakindustrie ausgesagt hat und sich mit dem Wandel gesellschaftlicher Vorstellungen von Gesundheit beschäftigt. In den neunziger Jahren hat er die Gesundheitspolitik der Nazis untersucht, darunter deren Anti-Raucher-Kampagnen. In seinem gerade erschienen Buch Golden Holocaust bezichtigt er nun absurder Weise ausgerechnet die Tabak­industrie eines der Shoa vergleichbaren Verbrechens und betreibt damit eine Angstpropaganda, die grotesk ist. Proctor aber konnte der Gesundheitspolitik der Nazis schon immer positive Seiten abgewinnen. Bereits in seinem Buch Blitzkrieg gegen den Krebs bescheinigte er ihnen eine „sozial verantwortliche“ Gesundheitspolitik, weil sie Rauch­verbote erlassen, den Gebrauch von Asbest eingeschränkt und vegetarische Ernährung gefördert hätten.

Was Proctor als Ausdruck einer Dialektik verharmlost, der zufolge auch repressive Regime den Fortschritt befördern können, ist heute Teil des Alltagsbewusstseins. Viele Menschen nehmen sich selbst allein als Stoffwechselsystem wahr, das regelmäßig entgiftet und regeneriert werden muss. Für den Weltnichtrauchertag wird seit seinem Be­stehen mit Plakaten und Slogans geworben, die diese Paranoia befördern. Das diesjährige Werbeplakat zeigt einen in ein Tabakblättchen eingerollten, von den Händen eines Finsterlings zerquetschten Menschen, darüber die Parole: „Lass dich nicht einwickeln! Rauchen kennt nur einen Gewinner: die Tabakindustrie.“ Dass auch Genuss ein Gewinn sein kann und Genuss und Gesundheit nicht das gleiche sind, wird dabei vergessen. Man sollte sich also nicht einwickeln lassen von den Gesundheitsschützern.

Magnus Klaue ist Germanist, er raucht nicht

Kommentare (7)

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2012 | 22:47

Die Gesundheitspolitik der Nazis hieß Eugenik, war aber natürlich eine Erfindung der Amerikaner!
Was steckt denn hinter der Antinikotinkampagne, der Feinstaub?
Die amerikanische Uranmunition ist verdampft und soll sich damit verbunden haben?
Ach ehe ich es vergesse, stornieren wir mal alle Gesetze die unter Herrn H. gemacht wurden, das wäre ein heutiger Spaß!

Nansy 01.06.2012 | 10:05

Schon auf der dritten „Weltkonferenz Rauchen und Gesundheit“ unter der Leitung des britischen Mediziners George Godber (WHO-Direktor) hat man die Strategien entwickelt, mit denen unsere Gesellschaft heute auseinanderdividiert wird (Nichtraucher gegen Raucher). Eingeleitet wurde dort eine Erziehungsdiktatur, die Raucher zunehmend ins Abseits der Gesellschaft verbannt. Die Taktik, Tabakrauch als Gefährdung für die Gesundheit und das Leben der Nichtraucher darzustellen, wurde auf dieser Konferenz weiter entwickelt . Und schon damls war abzsehen, dass man in der Wahl der Mittel nicht zimperlich sein würde.
Als Ziele wurden u.a. genannt:

- Ein soziales Umfeld sollte geschaffen werden, in dem Rauchen nicht akzeptiert wird (Create a social environment in which smoking is unacceptable),

- Rauchen sollte in der Öffentlichkeit immer mehr erschwert werden (..we can and should make it more and more difficult for the individual to smoke cigarettes in public),

- Das Personal im Erziehungs- und Gesundheitswesen sollte einer Gehirnwäsche gegen das Rauchen unterzogen werden (Those in education and public health will be the first to be brainwashed into antismoking)

- Die Tabakindustrie sollte verteufelt werden (Demonize the tobacco industry)

- Sogar die Frauenemanzipationsbewegung sollte für die Zwecke der Antiraucherbewegung eingespannt werden (The utilization of the women's liberation movement to encourage rebellion against the old social systems by the act of not smoking ).
Nachzulesen hier: www.rampant-antismoking.com/

Die Methoden der Angstmacherei, der Lügen, Wahrheiten und Halbwahrheiten sind also nicht neu. Schleißlich ist das von der WHO selbst vorgegebene Endziel, eine "tabakfreie Welt" zu schaffen. Da darf man dann auch nicht zimperlich sein....

Omikron1 01.06.2012 | 12:38

Mal ehrlich: es ist doch geschmacklos, hier die Bemühungen um konsequenten NIchtraucherschutz mit "Nazi-Methoden" zu vergleichen! Zu lange hat die Tabakindusrtrie erfolgreich bis in höchste Ebene Lobbyismus betrieben - und tut es noch!

Rauchen schadet nicht nur den Rauchern, sondern allen Menschen, die den Qualm einatmen müssen!

Komischerweise sind auch die meisten Neo-Nazis Raucher - Hitler war übrigens selber Raucher (auch wenn das nur wenige wissen!).

Niemand "dividiert" eine Gesellschaft auseinander, indem Raucher einfach vor der Tür rauchen! Leider braucht es aber strikte Gesetze, um den Sumpf aus Rücksichtslosigkeit, Lobbyismus, Profit, Sucht und Ignoranz trocken zu legen und damit sich das Bewusstsein wandelt!

carsten plaug 01.06.2012 | 12:58

Interessant an solchen Debatten bleibt: Antiraucherdebatten werden nichtzuletzt auch von nichtrauchenden Automobilisten geführt, die keinerlei Probleme damit zu haben scheinen, die Abgase ihrer Automobile ungefragt ihren Mitmenschen in die Lunge zu blasen.
Einen Schutz vor Automobilisten anregen zu wollen würde jeden, der so etwas versuchte, unweigerlich der Lächerlichkeit preisgeben - mal eben aus der Stadt zu gehen, um Auto zu fahren - wie sähe das aus.
Schließlich ist Rauchen ja ebensowenig eine Notwendigkeit, wie das Auto zu besteigen, um eben mal Brötchen zu holen.

Dass Nichtraucherschutz in den USA z.B. sozusagen als Einstiegsdroge für evangelikal orientierte Bevormundungsstrategen gilt fällt dabei schon kaum mehr auf.

Interessanter gerät da schon allerdings die Frage, wie Menschen in einem Gemeinwesen generell mit (eigener) Lust und mit der Lust anderer umgehen.

para 01.06.2012 | 15:59

Lieber Omikron1, glaubst du wirklich, dass das alles zur Bekämpfung der Tabak-lobby dient? wenn in allen Lokalen das Rauchen verboten ist, kannst du mir dann sagen, warum überall in den Kneipen und aller 3 Meter auf der Straße noch Zigarettenautomaten hängen?

und zum Thema "auseinanderdividieren": solange der Nichtraucherschutz unsere furchtbar scheinheilig gesundheitsorientierte Gesellschaft noch nicht so unter der Fuchtel hatte, wäre kein Raucher auf die Idee gekommen, einen Nichtraucher aus einem Lokal zu verbannen, weil er sich an seiner gerümpften Nase stört. Die empfindlichen Nichtraucher konnten sich dann in speziellen Nichtraucheretablissements zusammenfinden - und alle waren zufrieden.
Den Rauchern will man diese Lösung jetzt aber, wo es umgekehrt ist, nicht zugestehen. wenn das nicht Diskriminierung ist, weiß ich auch nicht...