Single 2

Kehrseite I Ja, ich bin Single. - Nein, eigentlich noch nicht lange. - Und ja natürlich, ich bin unschuldig! ...

Ja, ich bin Single. - Nein, eigentlich noch nicht lange. - Und ja natürlich, ich bin unschuldig!

Sie hat damit angefangen. Sie wollte plötzlich häuslich werden. Sie nahm auf einmal Worte wie Kinderwunsch und Leben schenken in den Mund.

Ich sagte: "Aha."

Sie meinte, dass sie nun im richtigen Alter, ja dass es gar höchst an der Zeit wäre, so man keine Risiken eingehen wollte.

Ich sagte: "Okay."

Sie sprach zunehmend davon, dass sie gerne ein Eigenheim, ihre eigenen vier Wände hätte.

Ich sagte: "Ja eh!"

Sie fing an den IKEA-Werbeslogan zu lobpreisen und auf seine Trefflichkeit hin zu huldigen. Sie wolle endlich leben, sie habe lange genug irgendwie gewohnt, ja gar gehaust.

Ich sagte: "Wie bitte?"

Sie beteuerte ihre Freiheit genossen, sicherlich nichts ausgelassen zu haben, doch sie fühle sich jetzt reif, Verantwortung zu übernehmen.

Ich sagte: "Nur zu!"

Sie habe beschlossen, einen neuen Lebensabschnitt einzuläuten.

Ich sagte: "Ding-dong!"

Sie gab sich überzeugt, sich ihrer Entscheidung hundertprozentig sicher zu sein.

Ich sagte: "Gut so, du bist der Champion!"

Sie ließ mich wissen, dass sie sich von einem intelligenten, athletischen, richtigen Mann ein richtiges Kind machen lassen wolle.

Ich sagte: "Hier bin ich!"

Sie lächelte verlegen und sagte bestimmt, dass sie wisse, dass ich noch nicht so weit wäre, sie wolle darauf Rücksicht nehmen, mir nicht im Wege stehen, sich vorbeugend - zu unser aller Wohl - einvernehmlich von mir trennen. Beziehungsweise mich bitten, sie und ihr Eigenheim zu verlassen.

Ich sagte: "Bitte wie, bitte was?"

Ich sagte auch: "Verdammt, du willst dich von irgendeinem Arsch in unserem IKEA-Doppelbett anbumsen lassen, schickst mich in die Wüste, auf die Straße, in die Hölle, zurück zu meinen Eltern, suchst dir einen x-beliebigen Ficker, um dann in deinen eigenen vier Wänden Verantwortung übernehmen zu können und die voll geschissenen Windeln des von dir geschenkten Lebens ausräumen zu dürfen!"

Ich schrie außerdem: "Hallohallo! Time out! Und Einspruch!"

Sie sagte: "Abgelehnt."

Markus Köhle wurde 1975 in Nassereith geboren. Er lebt und arbeitet in Innsbruck und Wien.


Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden