So kommen Sie ganz groß raus!

Die Ratgeberin Unsere Autorin entschuldigt sich dafür, in der Vergangenheit ein Härtefall in Sachen Kontakterhalt gewesen zu sein. Ab jetzt gibt es Networking – aber richtig
Susanne Berkenheger | Ausgabe 38/2016
So kommen Sie ganz groß raus!
Katze vor Networking
Foto: Zuma Press/Imago

Liebe Netzwerker, ich muss mich bei euch entschuldigen. Es tut mir sehr leid, dass ich bis heute ein so elendig schwer zu pflegender und total verknarzter Kontakt war. Was habt ihr nicht alles getan, um endlich eine ertragreiche menschliche Beziehung zu mir aufzubauen. Und was nur tat ich im Gegenzug dafür? Nichts!

Oder sogar: weniger als nichts! Wenn zum Beispiel meine Sparkasse sich mir sehr emotional mit den Worten „Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit im letzten Jahr“ nähern wollte, heulte ich innerlich auf und fluchte verächtlich vor mich hin: „Zusammenarbeit? Pfff!“ Anstatt dass ich eine „große Freude“ empfunden hätte, wie es Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader in ihrem Ratgeber Networking beschreiben. Ähnlich widrig reagierte ich, wenn jemand zu mir sagte: „Das Blau Ihres Kleids passt sehr gut zu Ihrem Teint“, ein von Gudrun Frey in ihrem Ratgeber Kontakte knüpfen und beruflich nutzen empfohlener Satz. Beleidigt lachte ich auf, statt einfach ein herzliches Gegenkompliment zu starten, etwa: „Das Rot Ihrer Schuhe passt einfach herrlich zu dem Pickel auf Ihrer Nase“, womit ich den Grundstein für eine tragfähige, lebenslange Beziehung hätte legen können.

Tja, hätte! Auch wer mir regelmäßig Links zu interessanten Artikeln zumailte, wozu Dieter L. Schmich in Entdeckt werden statt Bewerben. Sicherheit und Karriere durch Networking rät, wurde von mir sehr schlecht behandelt. In dem Fall geschah das nicht mal mit Absicht. Ich las die empfohlenen Artikel gründlich durch, guckte die Youtube-Filme an. Einmal, zweimal, manche noch öfter, manisch auf der Suche nach einer Antwort auf die Fragen, die sich euch oder mir selbst dazu stellten: „War der Artikel über das neue Fünf-Sekunden-Zeitmanagement für mich interessant?“, „Werde ich die geniale Methode zur Verwaltung zugeschickter Links anwenden?“, „Wieso denken Leute an mich, wenn sie Videos von Grumpy Cat sehen?“ Hm. Statt mich zu bedanken, grübelte ich. Wochen, Monate, Jahre.

Währenddessen schicktet ihr mir weitere Links. Ich geriet in Verzug. Bekam ein schlechtes Gewissen. Spätestens vom dritten zugesandten Link von ein und derselben Person an verschob ich die entsprechenden Mails in einen Ordner mit dem Titel Vielleicht für mich interessant. Natürlich werde ich diesen noch abarbeiten. Irgendwann.

Obwohl ich mich also über Jahre hinweg nur ignorant und unfähig zeigte, gaben mir viele von euch immer neue Chancen, mit immer neuen Freundschaftsanfragen in immer neuartigeren Netzwerken. Kalt und herzlos ließ ich auch diese Angebote unbeantwortet – mit fadenscheinigen Ausreden. Mailte mich jemand zum Beispiel plötzlich nicht mehr auf Deutsch, sondern auf Englisch an, dachte ich finster: „Vielleicht kann ich ja gar kein Englisch, you son of a bitch!“ Dabei war ich lediglich von einem Kontakt der Kategorie A oder B zu einem der Kategorie C oder zu einer bloßen Kontaktidee herabgestuft worden, was in meinem Fall mehr als verdient war. Bei Kontakten der Kategorie C oder noch schlimmer kann man nicht auch noch sortieren, mit wem man die Muttersprache teilt. Das ist nur logisch. Es ist nichts Persönliches. Endlich habe auch ich das kapiert.

Liebe Netzwerker, nun aber wird alles anders! Pflegt mich! Egal wie ihr es macht, erfreut werde ich denken: „Ach wie nett, ich werde genetzwerkt!“ Und zurücknetzwerken, vielleicht mit einem freundlichen Hilfsangebot nach Tim Templeton aus Networking, das sich auszahlt: „Alles gut? Kann ich irgendetwas für dich tun? Sag es mir einfach!“

Susanne Berkenheger verteilt als Die Ratgeberin regelmäßig für den Freitag gute Ratschläge

06:00 24.09.2016

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