Bert Rebhandl
Ausgabe 2017 | 18.05.2017 | 06:00 10

Solange das Geld in Strömen fließt

Fifa Die Welt wird zunehmend oligarchisiert. König Fußball macht da keine Ausnahme

Solange das Geld in Strömen fließt

Gianni Infantino hat wie sein Vorgänger Blatter vor allem eines im Blick: Geld

Foto: Valeriano Di Domenico/Getty Images

Seit 2006 gibt es für die Fußballfans in Deutschland einen kalendarischen Stimmungswechsel. Er findet immer Ende Mai statt, wenn der Bundesliga-Alltag sich zum Pokalfinale aufschwingt. Was danach kommt, wird im Idealfall zu einem Sommermärchen.

Nun gut, in diesem Jahr reicht es gerade einmal zu einem Confed Cup. Das ist ein völlig unnötiges Turnier zwischendurch, das in den 1990er Jahren unter saudi-arabischer Schirmherrschaft als Interkontinental-Meisterschaft begann – und mit dem die FIFA in den 2000er Jahren ihre Expansionsstrategie vorantrieb. Der Übergang vom Liga-Alltag zu den „Sommermärchen“ bedeutet auch, dass der Fußball für eine Weile den nationalen Verbänden und der Dachorganisation FIFA gehört.

Dieser vorgeblich gemeinnützige Verein mit 211 Mitgliedern hat gerade wieder einmal demonstriert, dass sich an seinem dubiosen Gebaren nichts geändert hat. Im Handstreich hat Präsident Gianni Infantino den Austausch der beiden Vorsitzenden der internen Ethikkommission organisiert. Das kann man in etwa mit der Entscheidung von Donald Trump vergleichen, den FBI-Chef zu feuern. Die Ethikkommission ist dafür zuständig, dass die vielen Funktionäre der FIFA sich nicht über die ohnehin beträchtlichen Apanagen hinaus bereichern. Gelegenheit dazu gibt es zur Genüge in einer Organisation, die mit ihren Turnieren und deren Übertragungsrechten eines der begehrtesten Güter der Welt verwaltet.

Als weltweit tätiger Verband kommt die FIFA um die geopolitischen Realitäten nicht herum. Der Confed Cup 2017 und die WM 2018 finden in Russland statt – einem Land, in dem Korruption endemisch ist. Die Ethikkommission hat die Vergabe der Turniere an Russland untersucht, leider waren zum entsprechenden Zeitpunkt die relevanten Computer schon „zerstört“, sodass es aus Mangel an wesentlichen Informationen zu keinem aussagekräftigen Ergebnis kam. 2022 findet die WM dann in Katar statt, einem Emirat, das bei der Finanzierung des fundamentalistischen Islam ein bedeutendes Drehkreuz ist.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Oligarchisierung der Welt wäre es umso wichtiger, dass die FIFA sich ernsthaft um Good Governance bemüht. Das Gegenteil ist der Fall, wie die aktuellen Entscheidungen zeigen. Unter dem Vorwand einer stärkeren Beteiligung der nationalen Verbände, auch der vielen kleinen, baut Infantino die Machtkonzentration, die sein Vorgänger Blatter in die Wege geleitet hat, noch aus. Er macht den Verband zu einer Organisation, die zwischen Diktatoren und Demokraten keinen Unterschied macht, solang nur das Geld in Strömen fließt.

Der DFB hat sich wieder einmal zum Büttel dieser Politik gemacht. Und in der Schweiz, wo die FIFA ihren Sitz hat und es Bemühungen gibt, ihr über die Rechtsform beizukommen, blockiert die rechtsnationalistische SVP alle Bemühungen, den Status des Weltverbands so zu verändern, dass er sich der internationalen Jurisdiktion nicht vollständig entziehen kann.

Wenn Deutschland demnächst gespannt darauf schaut, wen Jogi Löw zum Confed Cup entsendet, sind es aber häufig auch dieselben Fans, die hierzulande einen Dietmar Hopp auf das Übelste verunglimpfen, die dann inbrünstig auf Fortsetzungen der Sommermärchen von 2006 und 2014 drängen. Dass dies unter Rahmenbedingungen stattfindet, die dem Fußball eine lukrative Alibifunktion für Bad Governance zuweisen und ihn auf diese Weise grundsätzlich korrumpieren – das ist die Politik der FIFA.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 20/17.

Kommentare (10)

MotzKnochen 18.05.2017 | 11:11

Das Herr Hopp mehr für den deutschen Fußball getan hat, und immer noch tut, als die FiFa (s. Blatter, Infantini et al.) oder der DFB (s. Beckenbauer et al.) ist mehr als erwähnenswert. Aber Korruption und "in-die-eigene-Tasche-wirtschaften" gibt es ja nicht nur in Russland, Saudi-Arabien, Quatar oder Brasilien. Da brauchen wir nur mal nach Kitzbühl schauen oder an den Tegernsee.
Da ist einfach zuviel Geld im Umlauf (s. Versuchung) und zuwenig Kontrolle (s. Öffentlichkeit).

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Ehemaliger Nutzer 18.05.2017 | 18:29

Maßgeblich an den Geldströmen sind öffentlich-rechtliche Sender beteiligt. Es ist längst überfällig, dass diese Ströme auf andere Sportarten umgelenkt werden.

Es ist an der Zeit, dass auch Handball, Eishhockey & Co. eine adäquate Plattform erhalten und nicht nur mehr die Kassen der FIFA und einiger Spritzenclubs, ihrer Funktionäre und Kicker gefüllt werden.

Es ist ein Trauspiel, dass man überall nur Fußball und im Sommer gedopte Radler zu sehen bekommt.

Ansonsten teile ich die Auffassung, dass jeder weiß, wo der Aus-Knopf am Fernseher ist.

weinsztein 19.05.2017 | 01:36

"Der Confed Cup 2017 und die WM 2018 finden in Russland statt – einem Land, in dem Korruption endemisch ist."

Kann sein, das sagen ja viele und ich habe es auch gelesen. Der bisher spektakulärste Fall von Korruption im Fußball betrifft wohl die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland. Auch hier sind viele beweiskräftige Dokumente leider nicht mehr auffindbar. Nach öffentlichem Druck mussten einige Spitzenfunktionäre gehen. Der Manipulations-und Korruptionsskandal um die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland wird vermutlich niemals aufgeklärt. Auch von Beckenbauer hört man kaum noch was, obwohl er doch nicht nur dabei war, sondern mittendrin.

Selbst die deutsche Wirtschaft, wer hätte das gedacht, steckt auf allen Ebenen tief in den Sümpfen von Betrug und Korruption (Deutsche Bank, VW, Siemens & so weiter), wie man hört. Zig Milliarden Euro an Strafen wurden locker gezahlt.

Auch die größte deutsche Regierungspartei war 1999/2000 so sehr von einem Schwarzgeldskandal betroffen, dass sie sich auf rasch herbei gelogene "Jüdische Vermächtnisse" berief. Kann man alles nachlesen, auch die Sumpfgebiete der FDP.

Mag sein, dass es in Russland so ähnlich ist oder schlimmer, aber das weiß auch Bert Rebhandl nicht. Er wurde um einen Kommentar zur FIFA gebeten, las Beiträge im Spiel und in der Süddeutschen und schnurrte los, etwa so: "Im Handstreich hat Präsident Gianni Infantino den Austausch der beiden Vorsitzenden der internen Ethikkommission organisiert. Das kann man in etwa mit der Entscheidung von Donald Trump vergleichen, den FBI-Chef zu feuern."

Bert Rebhandl darf, und er tut es, das FBI mit einer Ethikkommission vergleichen, aber es ist nicht sehr klug.

2018 findet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland statt. Wie vor den Olympischen Spielen in Peking oder den Winterspielen in Sotschi werden in einflussreichen Medien rechtzeitig die Messer gewetzt.

Beim Confed Cup im Sommer wird es zu einigen Provokationen kommen, danach zu Boykottaufrufen aus aller Welt, also auch im Freitag, und 2018 findet die Fußball-WM in Russland statt.

SigismundRuestig 20.05.2017 | 08:43

Ob FIFA, UEFA oder IOC, Geld regiert auch die Sport-Welt, juchhe! Insofern kann ich es nur begrüßen, wenn ARD und ZDF diese mafiösen Organisationen nicht mehr unterstützen!
Die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports in Verbindung mit der Hofierung schlimmster Despoten und allen daraus resultierenden Auswüchsen (Korruption, Bestechung, Schiebung, Doping,...) wie z.B. dem Fall des illegalen Tickethandels des IOC-Funktionärs Patrick Hickey oder auch den "ahnungslosen" Geldflüssen rund um das Fußball-Sommermärchen in Deutschland ist ein unumkehrbarer Prozess. Das hat schon der Philosoph Sloterdijk richtig analysiert! Und dementsprechend schreitet die Gigantomanie munter voran: Ausdehnung der Fußball-WM auf 48 Mannschaften, Ausweitung der Spieltermine in der deutschen Fußball-Bundesliga zu Lasten der Amateurvereine,... Offensichtlich wird hier das Motto "schneller, höher, weiter" umgemünzt in "mehr $, mehr €, mehr Macht".
Ansonsten waren die letzten Olympischen Spiele:
Unsportlich! Dann lieber Pokémon Go!
Durchsichtige Politik des Aussitzens! Null Toleranz mit heuchlerischen Funktionären!
Die Heuchel-Sportler und die Heuchel-Sport-Funktionäre haben jeglichen moralischen Maßstab verloren. Dem Fass schlägt den Boden aus, dass sich die Funktionärselite auch noch als "härtest mögliche Aufklärer" gebärdet! Aber die Doping-Whistle-Blowerin Julia Stepanowa von den Olympischen Spielen ausschließen! Als Vorbilder höchstens noch für Drogenabhängige, Drogendealer und Mafiosi geeignet.
Entlarvend, dass sich die Politik nicht vehement distanziert! Bleibt nur, dass sich die anständigen Bürger angewidert abwenden! Boykottiert die olympischen Spiele und die nächsten Fußball-Weltmeisterschaften im Fernsehen! Und geht auf die Barrikaden, wenn das staatliche Fernsehen weiterhin diesen Schurken eure Gebühren-Millionen/Milliarden hinterherwirft! Boykottiert die Sponsoren, solange sie diese unwürdigen Spiele unterstützen! Und: spielt lieber Pokémon Go!
Postfaktische Welt?
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Viel Spaß beim Anhören!

Und im übrigen: IOC- und FIFA/UEFA-Top-Funktionäre erfüllen nicht einmal die selbst gestellten ethischen Anforderungen!

Wie kann es weitergehen? Z.B. durch Neuaufbau entsprechender alternativer Sportverbände, die sich wieder auf sportliche Ideale und olympische Traditionen besinnen! Das könnte auch heißen, dem Amateursport wieder breiteren Raum einzuräumen. Ein weites Feld für innovative, motivierte und idealisierte Sportler und Sportbegeisterte! Ob sich Politik, Medien (ARD und ZDF: her mit den eingesparten Millionen!), Sponsoren darauf einlassen? Skepsis ist angebracht!