Sommerregen

Kehrseite I "Das ist er." "Quatsch." Der Kai-Uwe-Kohlschmidt-Verschnitt dreht sich eine Zigarette. "Der hat doch in dieser Band gespielt." ‚Flüstern und ...

"Das ist er." "Quatsch." Der Kai-Uwe-Kohlschmidt-Verschnitt dreht sich eine Zigarette. "Der hat doch in dieser Band gespielt." ‚Flüstern und Schreien´ hieß der Film. Dieser Kai-Uwe hat mich damals an jemanden erinnert, eloquent und ein bisschen überheblich. Ich war verliebt. Ich bin verliebt. Nicht derselbe.

Ich sitze mit einem Freund gegenüber vom ‚Für immer und ewig´ in der Schreinerstraße, wir geben uns die Kante. "Ich glaube, er liebt eine andere." "Ich glaube, du bist dumm." Das kann ich so nicht stehen lassen und ziehe ihn weiter, der Abend ist noch lau.

In einer Erdgeschosswohnung wechselt ein Mann die Bettwäsche, die Frau, die in den Blumen lag, hatte das auch nicht verdient. Kreutziger Straße: es folgt der obligatorische Tritt in die Hundkacke, ich gebe die Ballerina am Bordstein: Hacke Spitze Hacke Spitze. Der Freund lacht, soll ja Glück bringen. Ich bin mir nie sicher, wie er das meint. Die Metro-Tram bringt uns zur Greifswalder Straße, Kellerkonzert einer hippen Nachwuchsband, wir treffen auf Paul von Rammstein. Er tut so, als ob er uns nicht kennt. Die Bar besteht auf abgeschrammelte Cocktails. Beim vierten Song schreie ich dem Freund ins Ohr: "Es könnte ja auch mal einfach sein." "Was?". "Einfaaach!!!". "Ach so." Er nickt. Die Beats werden schneller. Ein Mädchen mit Kniestrümpfen wirft einen Liebesbrief beim Ordnungsamt ein, sie kann nicht schlafen. Eine Frau, die aussieht wie Meret Becker, nur mit Brille, verlässt die Location. Zu viel Latin Lover, zu viel Bloody Mary. Ich brauch jetzt frische Luft und wen zum Festhalten. Wir streunen durchs Scheunenviertel. Ein Mann mit blickdichten Augen führt eine rollige Katze an der Leine. Zwei übermütige Jugendliche torkeln uns entgegen. Late Night. Hunger. In der Nähe des Muddclubs gibt es Sitzplätze und Handgreiflichkeiten vor dem Lokal. Ich küsse raue Hände. Es fängt an zu regnen. Egal. Der Kellner kommt, mit Suppe und "Fanta 4".

Synke Köhler erblickte 1970 in Dresden das Licht der Welt. Sie lebt, schreibt und züchtet Rosen in Berlin.


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00:00 07.07.2006

Ausgabe 43/2021

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