Sozialquark in der Suppenküche

Tatort Den Kölner Kommissaren geht das Herz auf, als sie unter Obdachlosen ermitteln und auf lauter herausragende Gestalten treffen. Am Ende wird alles gut

Der WDR-Tatort, wenn der Eindruck nicht täuscht, ist der pädagogischste von allen. Da werden die Themen durchgenommen, als sei, wie schon mehrfach bemerkt wurde, die Bundeszentrale für politische Bildung am Werk. Vielleicht tut man der Bundeszentrale für politische Bildung auch unrecht. Thema von "Platt gemacht": Obdachlosigkeit. Für einen Moment wird man daran erinnert, was für ein Skandal Obdachlosigkeit eigentlich ist in einer wohlständigen Gesellschaft wie der unseren, wenn Freddy Schenk (Dietmar Bär) am Anfang in die Szene der Obdachlosen eingeführt wird. Die Obdachlosen haben alle so putzige Spitznamen: Beethoven, Django, Elster. Sie lassen leicht auf herausragende Eigenschaften der Menschen, die sie tragen, schließen.

Aber eigentlich dann tut "Platt gemacht" dann alles, um genau diesen Skandal wieder vergessen zu machen: Sozialquatsch mit Soße, die besonders in der letzten Szene dick ausgeteilt wird. Da dürfen nicht nur alle Beteiligten beim Benefiz-Konzert der unsäglich pathetisch posierenden kölschen Hausrocker "de Höhner" ("Se nenne sich Berber – verachtet vum Rest der Welt/dobei litt et Schicksal nit immer en de eijene Häng/janz schön fädisch – heiß noch lang nit am Eng!") auflaufen (die Kommissare, der verdächtige Schönheitschirurg, der frischreiche Millionenerbe), sondern auch Lokalprominenz aus der Realität (Peter Millowitsch). Wat sull dat?

Der Fall, er geht so seinen Weg, und man spürt doch rasch, dass mit dem einstigen Polizistenkollegen von Freddy, dem so genannten Stefan Meutsch, was nicht stimmt, zumal ihn Michael Schenk spielt, der meist den Bösen spielt. Außerdem sind einstige Polizisten natürlich immer dubios, vermutlich auch dann, wenn sie Hardcore-Sozialarbeiter sind. Schönheitschirurgen sind indes, das ist eine beunruhigende Wendung, schon so dubios, dass sie eben das im "Tatort" nicht mehr sind. Dass die Anwältin schließlich unbedingt den von Udo Kier gespielten Beethoven umbringen muss, der, also Udo Kier, für die Rolle eines gewöhnlichen Obdachlosen natürlich viel zu prätentiös gewesen wäre, hier sich also spät entpuppt wie eine Larve, die ein Schmetterling wird, und erst am Ende auf dem schrecklichen Konzert mit "de Höhner" zu seiner wahren Bestimmung gefunden hat (Geld haben, auch etwas dubios sein) – dass dieser von Udo Kier gespielte Cousin, der plötzlich auftaucht und das Erbe vermiest, umgebracht werden muss, das ist doch nicht nötig! Hätte nicht auch die Hälfte, ein Drittel oder wie viel auch immer von sehr viel Geld gereicht, um die Schulden der Anwältin zu decken? Stattdessen mordet sie munter rum. Naja.

Buddy Giovinazzo, der Regisseur des Streifens, von dem die Presseinfo in ironischstem Ernst sagt: "den Sprung vom internationalen Kinofilm zum deutschen Fernsehfilm wagte Giovinazzo", Giovinazzo hat ein paar Tricks vom internationalen Kinofilm mitgebracht, wenn etwa bei der Anwältin vergebliche Anrufe um Rechnungsbegleichung beziehungsweise Schuldenaufschub aneinander geschnitten werden. Aber das ist irgendwie ein bisschen fett, für den deutschen Fernsehfilm, diese Krise im Schnitt.
Will sagen: "Platt gemacht" verkettet wieder einmal alles (Schönheitschirurgie-Obdachlosigkeit-Hochkultur-Anwaltsmisere), ist aber alles nit ganz so schlimm, weil die Darsteller doch irgendwie sympathisch sind.

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21:45 04.10.2009

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