Status: verheiratet

A-Z Ehepaare Priscilla und Mark Zuckerberg haben geheiratet. Wie wird die Ehe glücklich? Marie und Pierre Curie, Charles und Camilla und die Schwankes zeigen es. Das Lexikon der Woche

Abschied

„Noch ein paar Jahre unser Glück genießen, mehr brauchen wir nicht,“ sagt Nadja Tiller 2006 anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit. Ein Jahr später geben sie und ihr Mann Walter Giller das Haus im Tessin auf, um in eine luxuriöse Seniorenresidenz in Hamburg zu ziehen. Sie wohnen dort Tür an Tür, im Modell Betreutes Wohnen. Die für sie einzig richtige Entscheidung trafen beide schon Jahre zuvor, nachdem Nadja Tillers Mutter infolge eines Schlaganfalls lange pflegebedürftig war. Den Kindern oder dem Partner zur Last zu fallen, kam für das Schauspielerpaar nicht infrage, also gingen sie nach ihrer Krebsdiagnose in die Offensive, um im Pflegefall versorgt zu sein. Es war ein nüchterner Schritt, ohne Resignation und Melodramatik, aus der Erkenntnis heraus, dass ein neuer Lebensabschnitt begann. Noch vier Jahre konnten sie sich ihre Liebe bewahren. Walter Giller starb im Dezember 2011. Jutta Zeise

Ewigkeit

Phileomon und Baucis, das greise Pärchen aus der griechischen Mythologie, muss man sich als zwei glückliche Alte vorstellen. Sie haben ihr Leben gelebt, immer zusammen, haben sich stets gegenseitig hochgeholfen, wenn es mal eng wurde, und sitzen nun gemeinsam auf einer Gartenbank, blinzeln in die Sonne und haben nur noch einen einzigen Wunsch: dass keiner vor dem anderen sterben möge. Kurt Tucholsky hat den beiden in seinem Gedicht „Stationen“ die letzte Strophe gewidmet, als Finale einer erfüllten Beziehung, die keine Worte mehr braucht. Bertolt Brecht dienten sie als Vorlage für sein Stück Der gute Mensch von Sezuan. In der Sage schenken die Götter Phileomon und Baucis als Lohn für ihre Gastfreundschaft den gemeinsamen Tod und verwandeln sie in zwei Bäume, die ineinander verwachsen. Ein schönes Symbol für die ewige Liebe. Zu schön, um wahr zu sein. Mark Stöhr

Homo

Wie Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas blieb die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Liaison vielen Homosexuellen nicht nur versagt, sie waren der Verfolgung ausgesetzt. Es sollte noch lange dauern, bis Toleranz, manchmal sogar Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Beziehungen in kleinen Teilen der Welt einzogen. Bei der Aktion Standesamt beantragten 1992 rund 250 Lesben und Schwule in Deutschland das Aufgebot. Bekannt wurde die Aktion durch das Mitwirken Hella von Sinnens und Cornelia Scheels – bis heute sind sie nicht verpartnert.

In Deutschland firmiert die sogenannte Homo-Ehe juristisch als eingetragene Lebenspartnerschaft, eine Art Schrumpfform der Ehe. Das Ja-Wort gaben sich 2002 etwa Rosenstolz-Musiker Peter Plate und sein Partner Ulf Leo. Außenminister Guido Westerwelle lebt seit 2010 mit dem Manager Michael Mronz in eingetragener Partnerschaft. Nur einen Tag nachdem in Kalifornien das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen gekippt wurde, verkündete Moderatorin Ellen DeGeneres am 16. Mai 2008 in ihrer Sendung, die Schauspielerin Portia de Rossi ehelichen zu wollen. Die Trauung erfolgte noch im gleichen Jahr. Tobias Prüwer

Inszenierung

Ihr „Stückerl heile Welt“ ist erst kürzlich zerbrochen und die Projektionsfläche von Millionen Fans gleich mit. Im Herbst 2011 trennte sich das „schönste Traumpaar der Volksmusik“ (Stern). Stefanie Hertl und Stefan Mross waren 17 Jahre lang ein Paar und fünf Jahre verheiratet. Damit ist die watte-weiche Welt des Schunkelns und Schenkelklopfens um eine Illusion ärmer. Doch hinter der perfekten Familieninszenierung soll es schon länger gekriselt haben, Geraune von Seitensprüngen machte auf dem Boulevard die mediale Runde. Die Vorstellung von Harmonie haben Hertl und Mross aber lange aufrechterhalten, wohl auch deswegen, weil sie weiterhin zusammen auf der Bühne standen. Nun will man aus Imagegründen auch von einem Rosenkrieg nichts wissen, die Ehe sei eine tolle Lebensphase gewesen und man noch immer miteinander befreundet. Sie leugnet ein Ehe-Scheitern – und er hat mittlerweile eine neue. TP

Intellektuell

Den Frauen aus den „geistig führenden Schichten“ empfahl sie die „Überwindung der Tradition“, um sich frei zu machen für „Berufs- und Kulturarbeit“; alle Übrigen wollte sie durch eine „höhere Bewertung der Mutterschaftsarbeit“ zu ökonomischer Selbständigkeit verhelfen. Solche Auffassungen galten 1906, als Marianne Weber diese Zeilen schrieb, in bürgerlichen Kreisen fast schon revolutionär. Ihre eigenen ehrgeizigen Pläne stellte sie auf Wunsch ihres Mannes, des Soziologen Max Weber, indessen zurück.

In Heidelberg führte Marianne Weber einen berühmten Salon, der Ort des gepflegten Austauschs, aber wohl auch erotischer Anbahnungen war. Im Bett mit ihrem Max, der „jeder benennbaren Leidenschaft Gefolgschaft“ verweigerte, scheint es allerdings weniger lebendig zugegangen zu sein. Und so lebten Marianne und Max Weber eine von ihnen so genannte intellektuelle „Gefährtenehe“ vor, die noch viele Nachahmer finden sollte. Ulrike Baureithel

Politik

Wie eine Ehe war, verrät oft ihr Ende. Die von den Ex-Bundeskanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl endete gleichermaßen mit dem Tod ihrer Ehefrauen. Loki Schmidt starb mit 91 Jahren als hochrespektierte Person, sie ließ sich auch in ihrer Rolle als erste Frau des Staates ihre Schrulligkeit nicht nehmen und erwarb sich großes Renommee als Naturschützerin. Bei einem Staatsbesuch in Japan in den Siebzigern erzählte Helmut Schmidt kurz vor ihrem Tod, habe sie sich einmal über das Verdikt, den Tenno anzusprechen, hinweggesetzt und den Kaiser in ein Gespräch über Pflanzen verwickelt. Sie scherte sich nicht um Hierarchien. Hannelore Kohl dagegen trat hinter ihren Mann zurück. Er machte Karriere, sie kümmerte sich um die Kinder. Ihr öffentliches Lächeln war eine Maske, ihr Ende: einsam. Sie brachte sich 2001 um. MS

Psycho

Die Ehe von Martha und George hat mich tief geprägt. In der Zeit des großen Zweifels und des notwendigen Umbruchs lasen wir uns – meine erste Freundin und ich, auf dem Klappbett sitzend – das Theaterstück von Edward Albee vor, das fünf Jahre zuvor in den USA am Broadway uraufgeführt worden war. Wer hat Angst vor Virginia Woolf erhellte den Abgrund der ehelichen Normalität in einer furchteinflößenden Präzision und Härte. Wie kann es passieren, dass Menschen, die sich einmal in freiem Willen und oft sogar aus Liebe zusammengetan haben, eine derart zerstörerische Energie gegeneinander entwickeln – und trotzdem zusammenbleiben? Was ist die erste Re­spektlosigkeit, die beide hinnehmen und damit den slippery ground betreten, der in den Krieg führt? Und ab wann weiß man, dass es kein Zurück mehr gibt aus dem Gemetzel? Wie erhält man sich die Empfindlichkeit für Böses, wenn die Boshaftigkeit einen umkreist? Wir leben heute beide ohne Partner. Michael Pickardt

Royal

Prinz Charles wirkte mit Lady Di nie richtig happy, trotz Königin der Herzen und zweier Söhne. Schon ihre Hochzeit 1981 fand unter dem aufmerksamen Blick der Weltöffentlichkeit statt und schlimmer kam’s immer. Nach der Scheidung 1996 – beide hatten Affären eingestanden – und dem Unfalltod Dianas musste sich Charles noch gedulden, um öffentlich sein neues altes Glück zu zeigen. Erst ab 2000 trat er gemeinsam mit seiner Jugendliebe Camilla Parker Bowles in der Öffentlichkeit auf. Im Jahr 2005 heirateten sie, und trotz medialer Schmähungen seiner Camilla sah Charles glücklich aus. Davon haben mittlerweile auch die Untertanen Notiz genommen. TP

Tragik

Früher taugte das Fremdgehen des weiblichen Ehepartners noch für große Dramen und tragischen Erzählstoff. In Form von Frauennamen ist dieser in Weltliteratur gegossen worden: Anna Karenina, Effi Briest, Madame Bovary sind die klingenden Namen der Sittengemälde vom Ehebruch. Wer erinnert sich schon an den Staatsbeamten Karenin, Baron von Innstetten oder Charles Bovary? Es ist das männliche, die bürgerliche Welt bestimmende Subjekt, dessen Ego den Bruch des Treue-Gelübdes nicht verkraften kann und sich mitunter in tödliche Abenteuer stürzt.

Nicht sein kann, was nicht sein darf und ist doch unausweichlich – das macht die ganze Tragik dieser Eheerzählungen aus. Heute ist es wohl nicht mehr das Nähkästchen, das den Ehemännern die Untreue verrät, glaubt man zumindest den Suggestionen des Vorabendprogramms. Hier lassen Privatdetektive und Treuetester die Herrn der Schöpfung vor verletzter Ehre schäumen. TP

Wissenschaft

Als sie sich treffen, ist sie 28, heißt noch Sklodowska, lebt von Tee und Butterbrot in ihrer Pariser Mansardenwohnung und absolviert ihr Studium in Physik und Chemie. Er ist 35, anerkannter Physikprofessor und hat schon die Entdeckung der Piezoelektrizität hinter sich. Ihre Eheschließung ein Jahr später ist der Beginn einer der wissenschaftlich fruchtbarsten Beziehungen der Geschichte. Marie und Pierre Curie entdecken gemeinsam Polonium, kurz darauf Radium. Ihre Beständigkeit wird 1903 mit dem Nobel-Preis für Physik gekrönt. Pierre kann den Erfolg leider nicht lange genießen, drei Jahre später stirbt er bei einem Unfall. Marie flüchtet sich in die Arbeit, der Verdienst ist ein zweiter Nobel-Preis, diesmal aber in Chemie. Aus der Ehe geht eine weitere Nobel-Preisträgerin hervor: Irène Joliot-Curie. Agnes Szabó

Wunder

Die Frage bewegt die christlichen Gemüter seit über 2000 Jahren: Haben Maria und Josef es jemals getan? Also, so richtig? Darüber, dass Jesus ein wundersames Kuckuckskind ist, mit Spiritus gezeugt und nicht mit Sperma, herrscht weitgehend Einigkeit. Doch lagen die Gottesmutter und der Zimmermann danach bis ans Ende ihrer Tage wie Geschwister nebeneinander im Bett? Gemeinsame Kinder hatten sie, glaubt man den biblischen Zeugnissen, keine. Dagegen spricht auch Jesus’ typisches Einzelkindverhalten, immer und überall im Mittelpunkt stehen zu wollen. Klar ist: Josef kommt nicht besonders gut weg in diesem Patchwork-Konstrukt. Er steht als gehörntes Weichei da, gar als sexueller Versager. Die christliche Ikonografie eilte ihm zur Hilfe und stellte ihn häufig als alten Mann dar, als der er auch gar nicht mehr bringen müsse. Zudem erfand man das Label „Josefsehe“, das die Flaute im Bett zur quasireligiösen Lebensalternative stilisierte. Zum Idol einer Bewegung wurde Josef jedoch nie. Kein Wunder. MS

Zeremonie

Noch unorigineller, als die Augen zu verdrehen, wenn Passagiere nach der Landung klatschen, ist es, über Ehepaare zu lästern, die im Partnerlook auftreten. Denn unter den vielen Techniken und Zeremonien, die ein Auseinanderleben in der Ehe verhindern sollen, scheint das farblich abgestimmte Kleiden eine der unterschätztesten zu sein. Der Beweis: Mel und Joey Schwanke aus Nebraska. Seit 65 Jahren verheiratet, immer 24 Stunden am Tag zusammen – und seit über 36 Jahren im Partnerlook gekleidet. Typischerweise passt seine geblümte Krawatte zu ihrem geblümten Kleid, eine Reminiszenz an den Blumenladen, den sie 60 Jahre lang führten. Die beiden sehen wirklich toll aus. Auch glücklich. Was also ist – neben Partnerlook – das Geheimnis ihrer Liebe? Joey Schwanke: „Wir haben eine Regel: Von 8 bis 17 Uhr ist er der Boss, von 17 bis 8 Uhr ich“. Mikael Krogerus

12:00 09.06.2012

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