Stockhausen

Kommentiert III Nach dem Tod des Komponisten Karlheinz Stockhausen wird sein Kommentar zum 11. September 2001 wieder zitiert: "Dass Leute zehn Jahre üben wie ...

Nach dem Tod des Komponisten Karlheinz Stockhausen wird sein Kommentar zum 11. September 2001 wieder zitiert: "Dass Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch, für ein Konzert und dann sterben: Das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos." Da es üblich ist, Toten nichts Schlechtes nachzusagen, kann jetzt vielleicht eine unhysterische Erörterung dieses Satzes beginnen. Ein Buch der Kunsthistorikerin Verena Krieger hat kürzlich daran erinnert, dass es die Idee eines Gesamtkunstwerks ohne Grenze zwischen Kunst und Realität, das den "Kosmos" verändern soll, schon im russischen Symbolismus gegeben hat, zum Beispiel bei Skrjabin. Dessen Plan, ein "Sieben-Tage-Mysterium" zu komponieren, hat statt seiner Stockhausen ausgeführt. In dessen siebenteiliger Oper Licht geht es um die Erlösung der Welt und zuletzt auch - der Kirchenvater Origines lässt grüßen - des Teufels. Der 11. September wurde von Stockhausen als Kunstwerk des Teufels bezeichnet. Er meinte sicher nicht, des schon erlösten Teufels. Was ist nun die Moral von der Geschichte? Dass man Künstler besser verstünde, wenn sie sich beim Parlieren des Politikerkauderwelschs bedienten?

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