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A–Z Bei Merkel reichte ein (echt scheußliches) Kleid, um damit in den Klatschspalten zu landen. Über die Modefehltritte der Männer hingegen wird oft geschwiegen – bis jetzt.
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Kämpft verzweifelt gegen den eigenen biologischen Verfall: Silvio Berlusconi

Foto: Franco Origlia / Getty Images

A

Adonis „Ein echter Adonis!“, seufzt die metrosexuelle Frau von heute – und meint damit eigentlich nur: „Heißer Typ.“ Sie liegt damit nicht ganz falsch, denn schon in der griechischen Mythologie galt Adonis als das männliche Sinnbild für Schönheit. Noch heute räkelt er sich als Marmorstatue lasziv durch so manche Antikensammlung. Dabei besticht seine Darstellung stets durch stark ausgeprägte Abdominalmuskeln, die zu etwas führen, was seinem Schönlingsimage wenig gerecht wird: einem lächerlich kleinen Gemächt. Auch sein sogenanntes „archaisches Lächeln“ kann davon nicht ablenken. Moderne Adonisse hingegen müssen oft mit einem anderen Makel leben – einem Vorurteil nämlich, das Männer auch gerne geografisch unsicheren Schönheitsköniginnen nachsagen: Dumm ficke gut. Doch falls das Geschlecht bei einem zeitgenössischen Adonis tatsächlich ähnlich klein ausfällt wie beim archaischen Vorbild, stellt sich eine Frage, die mithin noch archaischer ist: Kommt es auf die Größe an? Sophia Hoffmann

Albert II. Er hat Geld, Macht und einen Stammbaum. Als 30. Fürst von Monaco herrscht er zwar nur über ein Reich von der Größe einiger Fußballfelder, doch der Glanz des Grimaldis strahlt weit über die hoheitlichen Grenzen hinaus. Kein Wunder, dass er gerne seinen fürstlichen Körper darin sonnt, auch wenn dieser zunehmend an Heinrich VIII. erinnert, bekanntlich auch kein Kostverächter mit Hang zur seriellen Monogamie. Doch der Ex-Athlet und Olympionike auf dem Thron Monacos weiß, dass er seinen Wohlstandsbunker nicht verstecken muss – schließlich sind hier Grace-Kelly-Gene am Werk. Überhaupt macht Hoheit gerade eine Transformation durch: weg vom Playboy-Image, hin zum wohlsorgenden Landesvater. Und apropos Vater: Für die nächste Generation hat der Souverän zwar schon mehrfach vorgesorgt, aber Adel verpflichtet: In Bälde erblickt der nächste Grimaldi das Licht der Welt – und diesmal sogar ganz offiziell. Julian Heißler

B

Berlusconi, Silvio Silvio Berlusconi lästert nur allzu gerne. Und nicht selten geht es dabei ganz klassisch ums äußere Erscheinungsbild. So soll Berlusconi sich auch über das Aussehen von Bundeskanzlerin Merkel fröhlich mokiert haben. Wer so austeilt, sollte seinerseits selbst auf sein Äußeres bedacht sein, und das ist Berlusconi, wenngleich die Ergebnisse nicht restlos überzeugen. Vielmehr hat es etwas Verzweifeltes, wie Silvio Berlusconi, ähnlich Don Quijote gegen die berühmten Windmühlenflügel, gegen den biologischen Verfall kämpft. Mehrmals begab sich Berlusconi unters Messer, ließ sich Falten entfernen, Haare auf das kahler werdende Haupt transplantieren, die Wangen straffen und die Lider fixieren. Das allein klingt schon nach Schinderei. Hinzu kommt jedoch, dass sich Berlusconi auch noch tagtäglich schminkte. Und all das dafür, dass am Ende ein kleiner Mann zu sehen war, dem man all seine Kämpfe gegen das Alter so schrecklich deutlich ansieht. Benjamin Knödler

Boehner, John Es gibt so eine Art Prototyp des Politikers der Republikaner in den USA: fit, perfekt sitzende Anzüge und strahlend weißes Lächeln. Mitt Romney ist so ein Typ, und eigentlich würde auch der Republikaner John Boehner, Sprecher des Repräsentantenhauses, in diese Aufzählung passen. Doch da ist eine alles überragende Sache: John Boehners Gesicht ist orange. Auf beinahe sämtlichen Fotos leuchtet Boehner heraus. Das brachte ihm unter anderen den Spitznamen „Agent Orange“ sowie zahlreiche Diskussionen darüber ein, ob er pro Woche drei oder vier Packungen Selbstbräuner verwende und zehn oder doch eher 20 Stunden auf der Sonnenbank verbringe. Zuletzt stieg auch Präsident Obama höchstselbst mit in die Sticheleien ein. Im Augenblick, so erklärte er, machten es die Republikaner im Repräsentantenhaus Boehner schwerer als ihm, Obama, selbst. Und mit Blick auf die Hautfarbe der beiden und in Anlehnung an eine erfolgreiche Serie in den USA sagte Obama: „I guess: orange is the new black.“ BK

D

Diekmann, Kai Es muss irgendwann in Palo Alto passiert sein, dass der stets durchgestylte Kai Diekmann, Bild-Chefredakteur auf Inspirationstour im Silicon Valley, seinen Stil zu ändern begann. Nicht so sehr inhaltlich, optisch dafür umso rigoroser. Dem jahrelang nach hinten gegelten Haar entwich das Gel, das Hemd ward nicht mehr zugeknöpft, sondern offener getragen, an den Armen baumelten Armbänder. Und das war noch nicht einmal das Ende einer höchst irritierenden Entwicklung: Der anfängliche Dreitagebart hat sich inzwischen zu einem veritablen Vollbart ausgewachsen, dessen Träger sich politisch normalerweise nicht im Chefredakteursbüro der Bild-Zeitung verorten, sondern möglichst weit davon entfernt. Etwas weniger politisch erinnert Diekmann aber auch an eine gut frisierte Version des TV-Hexenmeisters Catweazle. Nur, warum sieht er denn so aus? Will er sich optisch von seinem Prä-USA-Ich distanzieren, oder ist es am Ende einfach nur Tarnung? Und wenn ja, für was bloß? BK

G

Guardiola, Pep Was für ein smarter Sunnyboy, der Pep. Man könnte fast denken, das HD-Fernsehen wäre nur für ihn erfunden worden. Während Jürgen Klopp tobt wie das Tier aus der Muppet Show, ist Pep bei allem verhaltener, ruhiger, leidenschaftlicher. In den Interviews nach dem Spiel schießt sich der Katalane mit den tiefbraunen Augen und dem süffisanten Akzent regelmäßig in das Herz meiner sonst königsblauen Mutter. Und dann ist er auch noch so gut gekleidet – mal im maßgeschneiderten Anzug, mal im beigen Pullover, aber stets gleichermaßen stil- wie ballsicher. Anfang des Jahres hat eine große Boulevardzeitung sogar einen Bastelbogen herausgegeben. Titel: „So Pepp ich meinen Mann auf!“ Fußball? Welcher Fußball? Simon Schaffhöfer

L

Lichter, Horst Das Bild des charmanten Quotengaranten mit dem Zwirbelbart trübt nicht einmal der Medienpreis „Saure Gurke“ für einen „besonders frauenfeindlichen Fernsehbeitrag“, den sich der TV-Koch einhandelte, als er Frauen als „nugatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen“ bezeichnete. In der TV-Satiresendung Switch reloaded kommentierte der falsche Horst Lichter das später mit „Hat die Batterien? Dann schenk ich die meiner Frau“ und schoss damit gar nicht sonderlich weit am echten Lichter vorbei. Der „Belle Moustache“ e. V. kürte ihn zum Bart des Jahres 2009, und auch jenseits der Küche lässt Lichter nichts anbrennen: 2006 bewarb er sein eigenes Bier, später eine Tütensuppenlinie und eine Tabak- und Pfeifenkollektion. Na dann, guten Hunger. SIS

Lippe, Jürgen von der Bei den Recherchen zu diesem Beitrag wurde mir schlagartig bewusst, wie ähnlich Jürgen von der Lippe und ich uns mal waren. Beide wollten wir Journalisten werden, beide studierten wir Germanistik, beide waren wir Tutoren, beide unterrichteten wir Deutsch für Ausländer, beide wurden wir Sänger in einer Punkgruppe, seine hieß „Gebrüder Blattschuss“, meine „Attacks“. Dann trennten sich die Wege. Von der Lippe ging mit seinen Millionen Hawaiihemden ins Fernsehen, wo er selbige zu seinem „Markenzeichen“ machte, ich blieb an der Uni und trug mein einziges Hawaiihemd, das ich 1985 gekauft hatte, um einen guten schlechten Geschmack zu demonstrieren, immer seltener. Mit meinem Hemd wollte ich dem coolsten Hawaiihemdenträger aller Zeiten nacheifern, Robert Mitchum, wie er es auf dem Cover von Calypso-Is Like So trägt. Aber ich sehe gerade, dass mich meine Erinnerung täuscht, Mitch trägt darauf überhaupt kein Hawaiihemd. Michael Angele

S

Ströbele, Hans-Christian Männer und Schals – eine Geschichte voller Missverständnisse. Auch der grüne Polit-Outlaw Hans-Christian Ströbele schreibt an dieser Geschichte mit. Es gilt nämlich, je nach Saison, Schals verschiedener Farben und unterschiedliche Bindetechniken geschmackssicher miteinander zu kombinieren. Doch Ströbele, der alte Sparfuchs, hat sich vor Jahren offenbar leider nur ein einziges Zehnerpack langer, roter Schals gekauft, die seitdem ungebunden und lieblos an ihm herabhängen, wie man es eigentlich nur von pastoralen Gewändern und Talaren kennt. Eine Typberatung könnte eventuell weiterhelfen. (Schwarze Schals beispielsweise lassen Augenbrauenwuschel deutlich schlanker wirken.) Aber gut, das ließe sich auch noch alles verkraften, müsste man sich nicht ständig fürchten, dass das rote Unding eines Tages in die Speichen seines Fahrrads geraten könnte, mit dem er unablässig durch Berlin-Kreuzberg kurvt. Da muss man sich dann schon fragen: Sieht so ein Vorbild aus? Florian Buchmayr

T

Trittin, Jürgen Über den Sexappeal deutscher Politiker ist ja vergleichsweise wenig zu lesen, während der von Politikerinnen eigentlich immer und sogar parteiübergreifend mitverhandelt wird. Ich sage nur: Angela Merkel, Sahra Wagenknecht oder Andrea Nahles. Wenn Trittin eine Frau wäre, hätte er sicher keine Mühe, in die Schlagzeilen zu kommen. Der Mann sieht, seit er sich vor mehr als zehn Jahren von seinem Schnauzbart getrennt hat, relativ gut aus. Er könnte auch Sozialdemokrat, Biologielehrer oder Fußballtrainer sein. Also rein äußerlich jemand, den die Leute mögen und der mit allen kann. Aber offenbar ist der Politikbetrieb keine mitteldeutsche Kleinstadt, denn, nun, zu den sympathischsten Politikern gehörte Trittin nie. Ich sage nur: Gregor Gysi, Frank-Walter Steinmeier und Christian Lindner. Jana Hensel

W

Wulff, Christian Diese Osnabrücker Sahneschnitte fühlt sich ganz oben und ganz unten zu Hause. Frei von aller Schuld, frei von Gewissensbissen, frei von allen überflüssigen Kilos trägt unser ehemals erster Mann im Staat seine Anzüge heute tailliert und lässt einen Body durchblitzen, den man dem jungen Christian aus der Schülerunion unter seiner Pullover-Hemdkragen-Kombi gar nicht zugetraut hätte. Dazu experimentiert er neckisch mit verspielten Brillenmodellen, wie Optiker (und eigentlich nur Optiker) sie lieben. Für ein Foto posierte er jüngst sogar oben ohne. Da sind ihm die Titelseiten der Hamburger Klatschmagazine sicher. Jetzt startet unser junger Altpräsident noch einmal richtig durch. Neue Kanzlei, neues Buch, neues Leben. Und aufgepasst, Ladys: Er ist Single. pjh

Z

Zuckerberg, Mark In seiner Biografie erzählt Steve Jobs, wie er zu seinem Trademark, dem schwarzen Rollkragenpullover von Issey Miyake, kam: Er suchte eigentlich eine schlicht-elegante Uniform nach japanischem Vorbild für seine Mitarbeiter. Es zog aber keiner mit. (Wie zur Strafe trägt das Personal im Apple-Store heute unförmige blaue T-Shirts mit Firmenlogo.) Wie die Mitarbeiter von Mark Zuckerberg aussehen, will man da lieber nicht wissen, fällt doch dem Chef schon nichts Besseres ein als das ewig gleiche graue T-Shirt und ein schwarzer Kapuzenpulli. Dass der heute Hoody heißt, ändert nichts daran, dass er das erste Mal out war, als Zuckerberg gerade in die Pubertät kam. Sucht man ein Bild, auf dem der Mann halbwegs anständig gekleidet ist, muss man ihn aus seinem Hochzeitsfoto herausschneiden. Christine Käppeler

06:00 27.08.2014
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