Tagebuch

DIE WENDE 89 Eine Hoch-Zeit des Erinnerns kommt über uns, die launische Tristesse der Jahreszeit lädt zur Gedächtnisarbeit und findet mit dem Herbst 1989 in der ...

Eine Hoch-Zeit des Erinnerns kommt über uns, die launische Tristesse der Jahreszeit lädt zur Gedächtnisarbeit und findet mit dem Herbst 1989 in der DDR ein lohnendes Objekt. "Dafür sind wir nicht auf die Straße gegangen" - heißt eine der im Nachwende-Osten nach wie vor gebräuchlichen Stereotype. Der Sog des Erinnerns garantiert verhaltenen Zorn und entschädigt durch heilsame Wirkungen. Denn Verklärung ist so unvermeidlich wie der gesicherte Abstand zu den Ereignissen. Bilder und Zitate aus der DDR jener Tage werden durch ein Bewusstsein gefiltert, das es damals noch nicht gab - dem vom Ende eines bis dahin omnipräsenten Staates. Ein jähes Ende, eines ohne Schrecken - beides durch das befördert, was immer noch "Wende" genannt wird. In diesem Wort steckt eine angedeutete Verbeugung vor der Logik und Zwangsläufigkeit von Geschichte. Vielleicht sogar eine vor dem heillosen Glauben, sie aufhalten zu wollen. Diese Hoffart kannte der Herbst '89 allemal. Die "Wende" war auch ein Niemandsland, das sich - seiner Vergänglichkeit bewusst - der Utopie bediente. Die auf den Seiten zwei und drei dieser Ausgabe geronnene Erinnerung erzählt davon. Was der Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 hörte, ist der Geschichte nicht ins Mark gefahren, den Menschen schon. - Glückwunsch an unsere Autorin Irena Brezna: Sie hat für die Anfang März im Freitag erschienene Rumänien-Reportage "Ein Blick von oben ist kein Frevel" in dieser Woche den Medienpreis der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat zugesprochen bekommen.

Schlussredaktion dieser Ausgabe: Lutz Herden

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