Terminator for Governator!

Schwarzenegger und die "Austricans" Wenn österreichische und amerikanische Idiotie zu einer einzigen kumulieren

Österreichische Exporte haben es nicht selten in sich. Nun ist "uns" wieder einmal ein Bravourstück gelungen. Einer von uns soll Landeshauptmann von Kalifornien werden. In Sacramento! Der Mix aus Reagan und Steierbua dürfte gut ankommen. Die Stoakogler, eine der berüchtigten alpenländischen Volksmusikgruppen, besangen das schon prophetisch vor mehr als zehn Jahren: "Steirermen san very good, very, very good for Hollywood/ Muskeln, Schönheit und a Hirn, des kannst exportier´n!"

A.E.I.O.U könnte man da jubeln - Alles Erdreich ist Österreich untertan, wie man uns in der Volksschule diesen lateinischen Spruch der Habsburger aus Zeiten Karl V. übersetzte. Hierzulande wächst jedenfalls die Zahl derer, die auf der Arnie-Welle surfen. Österreich ist im Wahlkampf, zweifellos. Nicht nur der hiesige Boulevard ist in guter Stimmung. Man klopft sich stolz auf die Brust.

Da Arnie für "Terminator 4" nun zu alt ist, spielt er fortan "Governator 1". Dies sollten auch die von der Kronen-Zeitung so betitelten "Neider" unter den Schauspielerkollegen nicht verhindern, die sich dezidiert gegen Schwarzeneggers Kandidatur ausgesprochen haben, Tom Hanks etwa oder Barbara Streisand. Dass jener gewinnt, dürfte ausgemachte Sache sein, außer es gelingt, ihm irgendeine kriminelle Machenschaft anzuhängen, ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis nachzuweisen. Aber auch da meint der Sohn eines österreichischen NSDAP-Mitglieds vorgesorgt zu haben. Das Holocaust Memorial Trust in Los Angeles wird ebenso wie das Simon Wiesenthal Centre in New York von ihm großzügig finanziell unterstützt. 1997 erhielt er von letztgenannter Institution den National Leadership Award. Arnie ist ein Antifaschist, zweifelsohne.

Gelegentlich erwartet man aber noch eine deutliche Distanzierung vom ehemaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim (1986-1992), der wegen seiner Kriegsvergangenheit 1987 auf die US-Watch-List gesetzt und mit Einreiseverbot belegt wurde. Arnie hatte noch 1986 dessen Wahlkampf unterstützt und ihn zu seiner Hochzeit mit Maria Shriver eingeladen. Darauf angesprochen, sagte er nun: "Ich hasse es darüber zu reden, weil das ist eine No-Win-Situation."

Für diese alten Geschichten hat Schwarzenegger jedenfalls nichts übrig, jetzt geht es doch um etwas anderes. Das weiß er, und so verhält er sich auch. Als guter Amerikaner ist er selbstverständlich gegen Haider, denn der ist ein "bad guy". "Da ich selbst Immigrant bin, bin ich beleidigt, wenn irgendwer ausländerfeindliche Erklärungen abgibt", sagt er.

Aber ist das mehr als eines dieser Stehsätzchen, die man halt absondert, um bei bestimmten Medien gut anzukommen? Abgesehen davon, dass Haider um einiges intelligenter ist, sind die beiden doch aus dem gleichen Kerbholz geschnitzt. Differenzen außerhalb der simulierten müssten erst erfunden werden. So gab es Kritik an Schwarzenegger, weil er 1994 einen Gesetzesvorschlag unterstützte, der illegalen Einwanderern den Zugang zu öffentlichen Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen verwehren wollte. Ausländerfeindlich sei das aber nicht, meint nun Arnies Wahlkampfleiter. Haider würde nichts anderes sagen, solcherlei falle unter die Rubrik: Kampf der Illegalität. Illegales darf nämlich, das wissen wir auch aus den Schwarzenegger-Filmen, nur mir legaler Deckung geschehen.

Die Auf- und Ausführungen des Arnold Schwarzenegger sind allesamt derb, primitiv, ja unerträglich und gefährlich. Eine Beleidigung für Verstand und Gespür der Menschen. Aber in Zeiten wie diesen hat man solches nicht zu äußern, was zählt, ist der kommerzielle und mit ihm der politische Erfolg. Was abläuft, ist die Verschärfung der Verblödungskampagne im öffentlichen Sektor.

Wenn österreichische und amerikanische Idiotie zu einer einzigen kumulieren, dann kommt so etwas wie Arnold Schwarzenegger raus. Der ist tatsächlich eine kulturindustrielle Panzerfaust sondergleichen. Auf der Homepage mit dem Motto "Arnold... a tribute" gibt es sogar eine Hitparade der Leichen, wo die Anzahl der von Conan Co. pro Streifen zur Strecke gebrachten vermerkt ist. Im Kindergarten Cop war es lediglich ein Toter, in Commando waren es 100, ansonsten sind es meist zwischen 20 und 50. "The death toll" nennt sich diese Seite.

In der Politik ist bei den angekündigten Rollkommandos wohl Ähnliches zu erwarten. Es ist das konkurrenzistische Prinzip, dem hier gehuldigt wird: Wer erledigt wie viel(e)? Im Film wie im Leben. Und immer wieder spricht aus unserem heroe der autoritäre Charakter: "Ein paar Watschen waren schon ganz gut. Danke, liebe Mutti", sagte Schwarzenegger 1994 bei der Präsentation von True lies in der Grazer Oper. Vielleicht waren es doch ein paar zuviel.

Wäre Schwarzenegger in den USA geboren, würde er sicher in Ronald Reagans Fußstapfen treten. Doch Präsident kann man auch woanders werden, etwa in Österreich, wo sich der Wahlhelfer Wolfgang Schüssels auf sein Altenteil zurückziehen könnte, wird es ihm an der Westküste zu heiß. In Graz, der derzeitigen Kulturhauptstadt Europas, hat man bereits vor vielen Jahren ein Stadion nach ihm benannt. Wenn er sich noch mit einem anderen Steirer namens Franz Strohsack, dem austro-canadischen Milliardär, der nun Frank Stronach heißt, zusammentut, könnten sie möglicherweise die ganze Republik kaufen. Und die würde sich durchaus freuen, das wäre schließlich keine ausländische Übernahme, sondern lediglich ein inländischer Untergang.

Arnold Schwarzenegger ist die Personifikation einer Ehe aus Amischinken und Heimatfilm, Hollywood und Musikantenstadel - der Beweis, dass es sie leibhaftig gibt: "the Austricans". Die Amerikaner, es steht zu befürchten, sind das größte österreichische Volk auf der Welt.

00:00 29.08.2003

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