Teufelszeug Zinsschub

Finanzpolitik Beim Treffen der Notenbanker in den USA bleibt alles beim Alten: Die Politik des lockeren Geldes wird nicht korrigiert
Teufelszeug Zinsschub
Als Präsidentin der US-Zentralbank FED ist Janet Yellen hauptsächlich verantwortlich für die Geldpolitik des Landes

Foto: Jim Watson/Getty Images/AFP

Immer wieder treffen sich die Notenbankchefs vieler Staaten in einem kleinen Ort in Wyoming. Das Treffen in Jackson Hole gibt es seit 1978, und es gilt als eine Art Davos für Zentralbanker. In dem kleinen Zirkel von Bankern, Unternehmern, Wissenschaftlern und wenigen Journalisten wurden schon wichtige Weichenstellungen verkündet. Im August 2014 etwa deutete Mario Draghi als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) an, sein Institut werde demnächst beginnen, in großem Stil Staatsanleihen der Euroländer aufzukaufen.

Auch diesmal war man gespannt auf Draghi, ebenso natürlich auf Janet Yellen, die Chefin der US-Zentralbank FED. Sie hat ihre Wende von einer ultralockeren zu einer etwas restriktiveren Geldpolitik schon eingeleitet – wenn auch bisher nur mit vorsichtigen Trippelschritten. Im Unterschied dazu setzt die EZB ihren Kurs unverdrossen fort. Sie hält einen Zinsschub für Teufelszeug, so dass der im September tagende EZB-Rat kaum eine Zinswende einleiten wird. Nur ihr Ankaufprogramm für Staatspapiere, das im Dezember ausläuft, ist seit dem Frühjahr auf ein Volumen von etwa 60 Milliarden Euro pro Monat zurückgefahren worden.

Mario Draghi beließ es in den Rocky Mountains bei sanften Andeutungen. Den leichten Konjunkturschub in der Eurozone dürfe man nicht den Risiken einer wieder restriktiveren Geldpolitik mit steigenden Zinsen aussetzen. Von einem „starken Euro“ sprach er gar nicht erst. Dreht Europas Zentralbank an der Zinsschraube, dürfte der Eurokurs schneller steigen, als das bereits der Fall ist – zum Verdruss der europäischen Exporteure. Im Augenblick jedenfalls ist der Euro erheblich unterbewertet.

Mario Draghi überging das und verwies lieber auf die Inflationsrate, die weiter viel zu niedrig sei. Wer Ohren hatte, konnte die Botschaft in vielen Beiträgen dennoch hören: Die Zentralbanker haben getan, was sie konnten, und ihren legalen Spielraum ausgereizt. Besonders die EZB wollte den Euroländern viel Zeit kaufen, und hat es getan. Zeit, die sich Austerianer mit den Weltökonomen Angela Merkel und Wolfgang Schäuble an der Spitze mit einer rigiden Sparpolitik vertrieben haben.

Vor zehn Jahren begann eine Weltfinanzkrise, in der die Zentralbanken der kapitalistischen Welt erstaunlich gut kooperiert haben. Der Hang zu Niedrigst- wie Nullzinsen und zum Fluten der Kapitalmärkte mit extrem billigem Geld war allenthalben stark, auch wenn die EZB hinterherhinkte. Bis dahin hatte der geldpolitische Dogmatismus, der Markenkern des Eurolandes Deutschland, der Währungsunion erheblich geschadet. Dann aber konnten die Zentralbanken den befürchteten Kollaps in Gestalt einer schweren Geld- und Kreditkrise verhindern, freilich keinen Aufschwung herbeizaubern oder die Ursachen der damaligen Eruptionen beseitigen. Eine weitere Finanzkrise ist insofern jederzeit wieder möglich. Zentralbanker haben weder Befugnis noch Instrumente, die Banken- und Börsenwelt neu zu ordnen, die faulen Kredite abzuräumen, die Schattenbanken einzuhegen und die alltägliche Zockerei außerhalb der Börsen zu unterbinden.

Yellen gegen Trump

Das Arsenal der ultralockeren Geldpolitik ist inzwischen ausgereizt. Wie sollten Null- und Negativzinsen noch übertroffen werden? Dafür hat sich die Bilanzsumme der wichtigsten Zentralbanken der Welt – Fed, EZB, Bank von England, Bank von Japan, Schweizerische Nationalbank – dank einer andauernden Liquiditätsschwemme drastisch erhöht. Es geht inzwischen um weit über 15 Billionen Dollar. Allein die Bilanzsumme der EZB überschreitet derzeit die Marke von vier Billionen Euro (4.000.000.000.000 Euro). Nichts würden die Zentralbanker lieber tun, als diesen Geldberg abzutragen. Nur ist ihnen das wegen der Gefahr einer erneut schwankenden Einheitswährung verwehrt.

Janet Yellen äußerte sich beim Meeting in Jackson Hole als entschiedene Gegnerin der von Präsident Trump favorisierten Deregulierung, die in eine partielle oder vollständige Aufhebung des Dodd-Frank-Acts münden soll, mit dem 2010 die Re-Regulierung der Wall Street begann. Allerdings kommt auch Janet Yellens Ende 2015 eingeleitete Zinswende nicht voran. Der Aufschwung in den Vereinigten Staaten bleibt zu fragil.

06:00 03.09.2017
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