Elmar Altvater
Ausgabe 4814 | 01.12.2014 | 06:00 60

Tödlicher Freihandel

Mexiko Als Richter am Basso-Tribunal war unser Autor auf der Suche nach den ökonomischen Ursachen des Massakers an 43 Studenten in Iguala

Tödlicher Freihandel

Mexikanische Landwirte sind heute immer noch oft wie Sancho Panza unterwegs

Foto: Yuri Cortez/AFP/Getty Images

Am Massaker von Ayotzinapa im Staat Guerrero erschüttert besonders die Kaltblütigkeit, mit der die 43 Studenten aus der Agrarhochschule Raúl Isidro Burgos Ende September ermordet wurden. Einmal mehr stellt sich die Frage nach den Motiven der Täter aus den Drogenkartellen und ihrer Auftraggeber aus dem politischen Establishment wie nach den strukturellen Ursachen. Dieser Fall steht für eine neue „Public-Private-Partnership“ und damit die Kollusion zwischen organisiertem Verbrechen und korrupter Staatsgewalt, die dazu führt, dass derartige Verbrechen bisher oft ungesühnt blieben.

Weil mit dem Staat als wirksamer Instanz der Rechtspflege nicht gerechnet werden kann, haben sich bereits 2011 etwa 50 Organisationen der mexikanischen Zivilgesellschaft an das Ständige Tribunal der Völker (auch bekannt als Basso-Tribunal) mit Sitz in Rom gewandt. Seine Richter sollten schweren, in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmenden Verletzungen von Menschenrechten nachgehen. Die Klagen richteten sich mit dem Basso-Tribunal an ein ethisches Gericht, das in der Nachfolge des Russell-Tribunals aus den sechziger Jahren steht und einst durch den römischen Sozialisten Lelio Basso gegründet wurde. Sein rechtlicher Fundus sind einschlägige UN-Dokumente zum Schutz der Menschenrechte und die Charta von Algier, die 1976 das Recht der Völker auf Unabhängigkeit und Entwicklung betont hat.

Maiskolben und Turbokühe

Das Tribunal besitzt keine politische Macht, keine juristische Vollzugsgewalt, kann weder Polizei noch Militär einsetzen, um seinen Urteilen Geltung zu verschaffen. Es kann aber mit seinem moralischen Gewicht Menschenrechts-, Frauen-, Umweltbewegungen oder Gewerkschaften in ihrem Widerstand gegen den mexikanischen Staatsapparat beistehen. Es handelt sich gewissermaßen um ein Gramscianisches Tribunal, das dem Prinzip gehorcht, eine weiche Vorform der harten Macht zu sein, um auf diese Weise den Rechten von Menschen und Völkern zu dienen.

Seit 2011 hat das Tribunal an verschiedenen Orten in Mexiko getagt und bald erkannt, was seine Richter vorrangig untersuchen mussten – den Zusammenhang von Freihandel, Gewalt, Straflosigkeit und Menschenrechten. Anders formuliert, die Folgen des Freihandels für Leben und Arbeit an der Schnittstelle zwischen zwei Subkontinenten. So gab es Anhörungen zu den „Achsen“ des Tribunals: eine zerstörte Umwelt, die Gewalt gegen Frauen, wobei die Feminizide (Massenmorde an Frauen) im Norden Mexikos besonders schrecklich sind, oder die verlorene Ernährungssouveränität durch den Verlust von Biodiversität. Letzteres ein Thema mit Symbolkraft, es ging um den Maiskolben, der durch von Saatgutkonzernen durchgesetzte genetische Manipulationen zur Hochertragssorte vereinseitigt wird, oder um Turbokühe, die einem unbändigen Fleischkonsum genügen müssen. Dabei wurde für alle sichtbar, welcher Naturreichtum eingebüßt wird, wenn Genmanipulation und Massenproduktion mit dem Freihandelsregime verwoben sind.

Weil die Spur der Verbrecher von Ayotzinapa nicht zuletzt zu den sozialen Einschnitten führt, die der NAFTA-Vertrag – er wurde 1994 zwischen den USA, Kanada und Mexiko geschlossen – bewirkt hat, untersuchte das Basso-Tribunal den mit NAFTA verbundenen Freihandel besonders intensiv. Das Mantra der Globalisierung wurde seinerzeit durch NAFTA beflügelt und wird 20 Jahre danach in gleicher Weise bemüht, um das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) beiderseits des Atlantiks durchzudrücken. Das Muster weist übrigens zurück ins 18. Jahrhundert und verdankt sich der damaligen Weltmacht Großbritannien – sein Versprechen der Wohlstandssteigerung wird bis heute geliebt. Die Welthandelsorganisation (WTO) nennt Freihandel auf ihrer Homepage „das wichtigste ökonomische Theorem“ überhaupt. Allerdings hat David Ricardo (1772 – 1823) – ein als historischer Kronzeuge gern zitierter Ökonom und hellsichtiger als seine Adepten in der Gegenwart – klar gesagt: Freihandel muss zu einer steigenden Profitrate führen, wozu es sinkende Löhne brauche. „Es kann aber keinen permanenten Fall der Löhne geben, wenn die notwendigen Güter, die mit den Löhnen gekauft werden, nicht billiger werden. Wenn daher infolge der Ausweitung des Außenhandels Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter zu niedrigeren Preisen auf den Markt gebracht werden können, werden die Profite steigen.“ Genau dies sei gut für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung, wird heute hinzugefügt und Ricardos Einschränkung verschwiegen, dass nicht irgendwelche Güter billiger werden sollten, sondern die zur Reproduktion menschlicher Arbeitskraft nötigen.

Freihandel muss daher erzwungen werden, da Grenzen und Schutzregeln nicht einfach verschwinden, sondern verteidigt werden, was freilich zu Lasten der Profitrate geht. Freihandel ist nur im Bilderbuch für Schulkinder die freundliche Öffnung zur großen weiten Welt. Tatsächlich ist seine Geschichte eine von Plünderungen und kolonialen Gewaltexzessen, um Märkte zu öffnen, und nicht nur zu öffnen, sondern von sozialen Bindungen und Rücksichten auf die Natur zu befreien. Nicht freie, sondern entgrenzte Märkte sind das Ziel der Abkommen von NAFTA bis TTIP.

Informalität und Kriminalität

Mit anderen Worten, was zählt, sind Freihandelsabkommen, die dafür sorgen, dass Handels- und Investitionsfreiheit zu einem suprastaatlichen Recht erhoben werden, das nationales Recht bricht. Der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek hatte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Parole ausgegeben, der die Neoliberalen unserer Tage weiter folgen: Man muss durch internationale Verträge verhindern, dass Durchbrüche bei der Marktliberalisierung irgendwann noch einmal rückgängig gemacht werden können.

So sind in Mexiko durch NAFTA viele der bis dahin geltenden Schutzrechte für die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen aufgehoben worden. Alle Regierungen des Landes haben sich nach 1994 diesem Kurs verschrieben, auch unter dem Druck schwerer Finanzkrisen. Bei der Aneignung der „komparativen Kostenvorteile“ aus dem Freihandel ging es insofern gleichsam um formelle Rechte, die es erlaubten, auf Rahmenbedingungen des Freihandels Einfluss zu nehmen. In der Konsequenz verlor die Demokratie ihre Seele, gewann das selbstsüchtige Einzelinteresse die Oberhand und schlug alle legalen Bindungen in den Wind.

Das passiert besonders dann, wenn der freie Handel nicht zu mehr Wohlstand führt, sondern zu einer wachsenden Kluft zwischen Einkommen und Vermögen. In Mexiko war es schon in den achtziger Jahren so, dass Schutzfunktionen des Sozialstaats entfielen, und die Arbeit informalisiert wurde. Den expandierenden informellen Sektor aber füllten nicht nur Straßenhändler oder Frauen mit den selbst gebackenen Tortillas oder schlecht bezahlte Arbeiter in kleinen Klitschen sowie den Maquiladoras der Weltkonzerne. Der informelle Sektor wurde derart dynamisiert, dass sich dort kriminelle Netzwerke etablierten – sei es durch einen florierenden Drogenhandel, eine Entführungsindustrie, um massenhaft Lösegelder zu erpressen oder Menschenschmuggel zu betreiben, durch den illegalen Transfer von Autos oder den Diebstahl von intellektuellem Eigentum. Da ließ sich besser und schneller Geld verdienen als unter den prekären Verhältnissen von Kleinproduktion und Kleinhandel. Dem Basso-Tribunal wurde klar, wie fließend der Übergang von der Informalität zur Kriminalität heute ist und in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch eine auf NAFTA zurückgehende Marktliberalisierung beschleunigt wurde.

Es kommt hinzu, dass aus krimineller Tätigkeit gewonnene Einnahmen in den formellen Geldkreislauf zurückgeschleust werden müssen, um durch Geldwäsche legalisiert zu sein. So wird auch das Finanzsystem unterminiert, was freilich nur funktioniert, wenn dies korrupte Politiker sanktionieren und den Geldgeschäften einen legalen Schleier überwerfen – das ökonomische Fundament für die Kollaboration zwischen organisierter Kriminalität und Staat. Diese Public-Private-Partnership ist auch Grundlage für die Kollusion von Drogengangs und Polizeiapparat in Ayotzinapa, der die 43 Studenten zum Opfer fielen.

„Kapitalismus tötet“, hat Papst Franziskus mehrfach erklärt, und ein Papst lügt nicht. Erst die Liberalisierung der Finanzmärkte hat auch die Bremsen an den Vehikeln der Geldwäsche gelöst. Wenn alles in Ware verwandelt wird, hat dies zur Folge, dass nur noch der Preis interessiert und auch Menschen entsprechend taxiert werden. Für die Natur trifft Ähnliches zu. Der Maiskolben gilt nichts. Was zählt, ist sein Preis.

Zweifellos sind die sozialen Kollateralschäden, wie sie ein durch den Freihandel entfesselter Kapitalismus verursacht, in Mexiko besonders drastisch, aber davon heimgesucht werden auch andere Weltregionen. Deshalb wurde während der Sessionen des Basso-Tribunals immer wieder von einer Neugründung der mexikanischen Republik gesprochen. Die nach der bürgerlichen Revolution von 1917 entstandene Verfassung ist seit den achtziger Jahren immer wieder mit neoliberalen Intentionen umgeschrieben worden, sodass es an der Zeit wäre, über eine neue Magna Charta nachzudenken. Es sollte einen Verfassungsprozess geben, der sozialer Sezession, systemimmanenter Korruption, ungehemmter Gewalt und Straflosigkeit von delinquenten Tätern ein Ende setzt.

Das Urteil

 Das Urteil des Permanenten Tribunals der Völker über die Menschenrechtsverletzungen in Mexiko schließt ein mehrjähriges Verfahren ab. An insgesamt 50 themenspezifischen und -übergeifenden Anhörungen waren seit 2011 einige Tausend Personen aus verschiedenen Bundesstaaten Mexikos beteiligt.

Auch ökonomische und soziale Rechte, die in der mexikanischen Verfassung und in vielen internationalen Verträgen gesichert sind, wurden in Mexiko vielfach verletzt: das Rechtauf Arbeit, auf Organisation, auf Bildung oder Nahrung, um nur einige zu erwähnen.

Im Urteil der Jury werden der mexikanische Staat als Hauptverantwortlicher, aber auch die in Mexiko aktiven transnationalen Konzerne und deren Mutterländer, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen, genannt. In erster Linie sind es Konzerne aus den USA, aber auch solche aus der EU, also auch aus Deutschland. Auch internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds, Weltbank oder Welthandelsorganisationen tragen Verantwortung für die Kriminalisierung der mexikanischen Ökonomie. Denn sie haben die neoliberale Öffnungspolitik in Mexiko erzwungen.

Das Tribunal hat nicht die Macht, ein Urtei verpflichtend durchzusetzen. Es hat daher 20 Empfehlungen ausgeprochen, an den mexikanischen Staat, an die internationale Gemeinschaft, an die sozialen und politischen Bewegungen Mexikos. Die wichtigste lautet: Eine Neugründung Mexikos steht an. Das erfordere ein Ende der Straflosigkeit, die das Verbrechen risikolos macht.

Nötig sei auch der Austritt aus der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA, das Abschütteln der neoliberalen Ideologie und das Eintreten für die Menschen- und Bürgerrechte, für den Schutz der Umwelt, für soziale und öffentliche Sicherheit. Das wäre 100 Jahre nach der mexikanischen Revolution eine neue Revolution des 21.Jahrhunderts.

Elmar Altvater ist Politikwissenschaftler und hat zuletzt für den Freitag über das Zeitalter des Geoengeneerings geschrieben

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 48/14.

Kommentare (60)

Oberham 01.12.2014 | 08:21

Es sollten viel mehr Studenten brennen!

Für jeden verhungerten Meschen eine brennende Fackel - am besten in den Parlamenten dieser ach so freiheitlichen demokratischen westlichen Hemisphäre!

Etwa alle drei Sekunden ein neues brennendes Fanal!

Ihr würdet euch doch nur weiter echauffieren - über den Gestank.

Nötig sei auch der Austritt aus der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA, das Abschütteln der neoliberalen Ideologie und das Eintreten für die Menschen- und Bürgerrechte, für den Schutz der Umwelt, für soziale und öffentliche Sicherheit. Das wäre 100 Jahre nach der mexikanischen Revolution eine neue Revolution des 21.Jahrhunderts.

Mich würde der Beitrag des Autors interessieren, den er zu dieser Revolution leistet!

Eure Worte kennen vor allem jene, die mit ihren Leben bezahlen!

Doch die leben nicht davon, altklug die immer gleichen Phrasen zu dreschen, die sterben an den Realitäten!

Ihr jedoch lebt wie die Maden in deren Elend und schreibt nur, ihr redet vielleicht von einem Podium, doch vor allem pflegt Ihr Eure Eitelkeit und lebt ihr in der Mitte des Konsumkarusells!

Ich lade den Autor ein - mal ein Monat ohne Eitelkeitspflege, ohne Vortragsreisen - mal ein Monat auf die Verlockungen des Systems verzichten!

Gerne darf er weiter schreiben, .............

DerIiMi

Barbara 01.12.2014 | 09:01

Erwiderung auf den Kommentar DerliMi: Ja, ich kann den Zorn verstehen, nur was soll denn Altvater machen, als dass, was Professoren immer tun, wenn sie es überhaupt tun, nämlich aufklären, Hintergründe beleuchten. Ich denke, das tut er mit diesem Artikel. Natürlich bleiben wir immer irgendwie ratlos zurück. Aber machen wir uns doch nix vor, auch mehr "brennende Studenten", führen nicht zu einer Weltrevolution, auch wenn Herr Altvater auf Konsum verzichtet, führt das nicht etwa dazu, dass es den Menschen in Mexiko besser geht. Wir können ja noch nicht einmal in unserem Lande die Verflechtungen mit den USA kappen und TTIP verhindern. Insofern ist Gegenöffentlichkeit ein kleiner Schritt, aber ein notwendiger und dann muss jeder für sich überlegen, was er zur Veränderung der Welt beitragen kann. Gewalt ist es jedenfalls nicht, aber ich gebe zu, auch ich bin oft hilflos.

Oberham 01.12.2014 | 11:06

Altvater hat eine lange Vita, er hat an der Uni viele Akademiker im Sinne des Systems konditioniert, hat sein Leben lang vom System gelebt und sich ihm angedient!

Mein Zorn richtet sich am meisten gegen jene, die zwar erkennen, die schon in jungen Jahren richtige Schlüsse zogen und für die richtigen Ideale eintraten, doch tatsächlich hinter der Fassade des vermeintlichen kritischen Geistes, die willige Kernerarbeit des Geistverbiegens und zwar ganz im Sinne der Mächtigen(!), vollbrachten und vollbringen.

Wir könnten hier und jetzt tausende von Namen auflisten!

Worüber klärt Altvater mich hier auf? Sorry, diese Zusammenhänge sind längst bekannt und wohl schon millionenmal von Millionen von Menschen in Worte gefasst, ins Netz gestellt oder auf Papier gedruckt - hinausgesprochen - als endlose Wellen in der Atmosphäre ins Leere sich bewegend - worden.

Jenen die Zeit haben sich zu informieren, ist die Realität von der Theorie her bekannt - jene, die in den Kellergewölben unserer unsäglichen menschlichen Fabrik kauern, von ihrer schrecklichen realen Wirkung!

Ich verlange von niemendem sich in den Keller zu begeben!

Doch für mich sind nur jene glaubwürdig, die das Gebäude verlassen und nicht von der Leistung der Kellersklaven profitieren - und - sorry - Elmar und Konsorten könnten sich selber von ihren Meriten frei machen, auf jegliche Leistungen des Staates verzichten und ostentativen Widerstand durch plakativen Minimalismus leben - das hätten sie seit jeher machen müssen!

Die Mähr vom Verändern, von der stetigen Vernunft die man ins System trage, die ist nichts weiter als eine bequeme Tafel, hinter der man seinen Opportunismus, seinen gelebten Opportunismus versteckt!

Für mich ist kein Mensch glaubwürdig, der predigt, doch niemals seine Predigt lebt - als ich die Überschrift las, kam mir sofort der aktuelle Papst in den Sinn - tatsächlich wurde er - genau in jenem Wortlaut zitiert, der auch mir - und wohl vielen von uns - durch die Axonen schimmerte "Kapitalismus tötet" - schon in seiner ersten Verlautbarung kam dieser Ausruf - aus den Mauern des Vatikans - wie verlogen dieser Papst agiert und wie schallend er die Hoffnungen jener verhöhnt, durch seine "würdevolle" Präsenz, auf diese Stufe der Misanthropie mag ein Professor nicht kommen, doch diese Stufe ist es, die sie sich erträumten!

Von all den Lügnern in unserer Zeit - da ist wohl der Papst der glänzendste - vor allem, seine Worte hallen durch die Ohren von Milliarden, jene von Elmar durch jene von Tausenden - einzig viele jener die dem Papst lauschen, schöpfen Hoffnung und Kraft (genau das ist ja der Sinn seiner Demagogie!), damit sie in den Sklavenfabriken noch einige Jahre länger ausharren bevor sie krepieren! - Elmar gibt dem Rezipienten ein gutes Gefühl, saturiert sich im Sessel räkelnd, gesteht man sich zu, die Umstände sind ekelhaft und verurteilenswert, hebt die Hand, zum Zeichen, der Kellner möge doch bitte noch ein Glas apportieren!

Nein, Leute, so geht es nicht - kürzlich starb Alexander

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Grothendieck

, nun - man kann sagen er erzielte keine Wirkung - nur Elmar erzielt auch keine Wirkung!

Vor Alexander habe ich Hochachtung, Leute wie Elmar, sind für ich schlicht eitle Egomanen, die ich angehe so ich etwas Zeit und Laune zum Dampfablassen habe.

Sich der Eitelkeit zu entziehen, das war schon vor 3000 Jahren das Thema - und die Eitelkeit ist wohl einer der kräftigsten Nägel im Sarg der menschlichen Existenz.

Oberham 01.12.2014 | 13:04

Sie haben doch schon öfter von mir gelesen, ich habe es schon zig-male erklärt.

Man kann mich besuchen - ich lebe meinen Minimalismus - und das I-Net ist mein Megaphon - natürlich völlig wirkungslos -nur sorry, dass ich meinen Frust aus den Fingern quellen lasse, dass gestehe ich mir nun einmal zu -

nun, natürlich bin ich lächerlich, dafür ist die Realität für die meisten Menschen so ganz und gar nicht zum Lachen.

Es ist seit jeher so, dass jene die als gewöhnliche Durchschnittsmenschen nicht mitspielen als lächerliche Spinner empfunden werden - Alexander war ein Genie - ich bin ein schlichter Geist ohne Esprit - nur - davon tummeln sich nun einmal 99,9999% der Menschen auf der Welt - und ich sehe die Wahrscheinlichkeit als sehr gering an, hier auf nur einen Artgenossen zu stoßen, der sich aus dieser Masse durch Brillianz und Aufrichtigkeit heraushebt, im Gegenteil - wir alle hier bilden einen lächerlichen Haufen von tippenden Wohlstandstrotteln!

Einzig ich spiel seit nunmehr 14 Jahren das Konsumentendeppendasein nicht mehr und leiste auch keine Lohnarbeit dafür.

Ansonsten bin ich genauso lächerlich wie sie und all die anderen Artgenossen hier (nun - vielleicht sind sie ja so ein Zehntausendstel von der Masse, das wirklich herausragende Talente aufweist und diese nicht nur zum eigenen Profit verwendet, sondern sie - wie Alex- nach gründlicher Überlegung zum Teufel schert, da er erkennt wie widerwärtig das Artgenossenheer darüber verfügt

Sikkimoto 01.12.2014 | 13:26

>Einzig ich spiel seit nunmehr 14 Jahren das Konsumentendeppendasein nicht mehr und leiste auch keine Lohnarbeit dafür.<

Und wen soll das jucken? Das System? Haben sie noch andere Witze auf Lager?

Bisschen weniger Butter auf dem Brot ist kein politischer Aktivismus. Das ganze hat in etwas die selbe Relevanz wie die Frage, wie sie ihren Kaffee trinken. Was ich ihnen auch nicht ankreide. Aber was mich fuchst ist, wie sie hier regelmäßig abgehen, wenn sich Menschen ernsthaft(!) der Politik bzw Politischer Arbeit widmen. Ihr Plüsch-Revoluzzertum wäre überhaupt nicht möglich ohne Menschen, die ihnen diesen Luxus erstritten haben. Aber das scheinen sie nicht zu raffen.

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Ehemaliger Nutzer 01.12.2014 | 15:22

Mexikos Schicksal vor Augen ist es unglaublich, dass hier ernsthaft noch eine sich sozialdemokratisch nennende Partei für CetaTTIP&TISA eintritt, ohne dass ihr nicht droht, auf einen Schlag die Mehrheit ihrer Mitglieder zu verlieren.

Wir Menschen müssen unser Leben von den Multis & den großen Finanzinstituten zurückerobern. Wir brauchen wieder mehr Wirkmächtigkeit in unserer eigenen unmittelbaren Umgebung.

Die immense Konzentration von Wirkmacht auf das Alltagsleben der Einzelnen in fernen Konzernzentralen wirkt sich inzwischen ebenso totalitär auf das Leben aus wie eine totalitäre Staatsmacht. Die, die die sich am unmittelbarsten als Exekutive der Multis aufführt, die der USA, hat dann auch folgerichtig den Kontrollanspruch über Individuen weltweit mit der Installation einer Totalausspähung eingeleitet. Die lokalen Despoten, seien es die der Mafia oder der Staatsmacht, agieren alle nur noch als zuarbeitende Zweigstellen.

Oberham 01.12.2014 | 15:42

.... und glauben sie Altvaters Sprüche hätte auch nur ein Jota mehr Relevanz GEGEN das System - im Gegenteil, er ist ein wirksamer Teil FÜR das System.

Gerade Muliplikatoren müssten sich ostentativ veweigern - bei ihnen hätte es zumindest den Hauch von Aufmerksamkeit.

Ich für meinen Teil, kann nur mich aus der Maschine nehmen, meinen Blog haben vielleicht enige gelesen, doch mehr ist mir nicht möglich - jeder Versuch aktiver Agitation scheitert - wie man so schön an ihrer Reaktion erkennen kann - die typische Art auf meine Kritik Spott zu schütten.

Und - sorry - gerde den Plüsch finden sie eben bei mir nicht-. was widerrum beweist,dass sie Gedanklich auf Stand-By schalten und nur mit billiger Polemik und Hohn daherkommen!

Würde Elmar nicht würdevoll von A nach B transportiert (und sorry wer zahlt die Reise.....), würde Elmar nicht im Tagesgeschäft willig und würdelos die geforderte Arbeit abliefern (.... von wem erhält er seinen Lohn?.....), er könnte kaum "ernsthaft" politische Arbeit verrichten - was sie ernsthafte politische Arbeit nennen, nenne ich ein Possenspiel zur Bemäntelung des Grauens!

Im Plüsch hockt Ihr, nicht ich - und die Plüschfraktion wird gut behütet - mir hat kein Mensch irged einen Luxus erstritten, da ich keinen Luxs annehme von dieser verfluchten Maschinerie.

Das ist ja gerade mein Widerstand, doch das nehmen sie ja nicht zur Kenntnis - sie kommen - wie viele andere nur zu dem Schluss - .... dann ab in ein Höhle .... nun - sie scheinen nichts raffen zu wollen.... -

Die Plüschfraktion seid ihr - nicht ich.

Oberham 01.12.2014 | 16:00

... für jeden verhungerten Menschen eine - da jeder Student der sich willig in dieses System integriert für die Elenden dieser Welt Mitverantwortung trägt!

... und ich spreche doch nur die Realität aus, da die Systematik des Systems längst den Horror nicht nur unter die Ärmsten streut.

Europa ließ im 19 Jhdt. zuerst die Menschen in den Kolonien wie billigen Rohstoff zu Tode komme - um dann die eigenen Kinder zu zerfetzen - glauben sie etwa, diesmal kommen unsere Kinder ungeschoren davon?

Die Globalisierung behandelt die Menschen nicht minder verächtlich, als der Kolonialismus - er ist schlicht eine Fortschreibung der Grausamkeit!

Nur wenn wir uns dem System verweigern, es von außen verändern - mit den Idealen eines uralten Humanismus - diesmal nicht als Schimäre, sondern als gelebtes Ideal, könnten wir die Fackeln löschen.

Sie haben Recht, die Realität zu schildern ist unmenschlich, sich der Systematik ist unmenschlich, zu partizipieren - desto erfolgeicher - desto besser - ist menschlich

Nur - menschlich ist in dieser unserer Gesellschaft, die gelebte und - in unseren Breiten - wohlgenossene Grausamkeit!

Da bin ich wohl ein Unmensch.

Sikkimoto 01.12.2014 | 16:06

>.... und glauben sie Altvaters Sprüche hätte auch nur ein Jota mehr Relevanz GEGEN das System<

Selbstverständlich, ja. Agitation ist wichtig. Und selbst wenn alle Informationen daraus schon hinreichend bekannt wären ist es wichtig diese zu wiederholen, damit sie in das kollektive Gedächtnis eingehämmert werden. Und selbst *wenn* sich Altvater innerhalb des Systems bewegen würde (wofür ich keinen schlüssigen Grund sehe*) gibt es keinen Grund so abzugeifern. Jeder politische Wandel braucht Verbündete, auch im System. Lesen sie einmal Gramsci, der wird nicht umsonst oben erwähnt. Großartiger Mann.

Sie nehmen sich nicht aus der Maschine. Sie geben ein bisschen weniger Geld aus und Leben auf Kosten anderer. Sie sind nicht nur Teil der "Maschine", sie sind auch noch direkt abhängig von ihr. Das ist Plüsch pur. Sie nehmen also keinen Luxus an, ja? Wie es scheint sind ihnen Strom und Internet wohl zugeflogen. Mit diesem Luxus(!) geht es ihnen schon mal besser als einem nicht geringem Teil der Menschheit.

Ernst nehmen würde ich sie, wenn sie tatsächlich versuchen würden die Verhältnisse zu ändern. Statt dessen kommen bei jeder Gelegenheit Hasstiraden gegen alle, die es versuchen. Sei es in Parteien, sei es wie hier als Wissenschaftler oder Schreiber. Und tut mir Leid, aber in meinen Augen ist das simpler Selbstbetrug. Sie kriegen ihren Arsch nicht hoch irgendetwas *produktives* zu machen, und um daran vorbeizuschwätzen heißt es dann man könne ja eh nichts erreichen. DAMIT zementiert man das System. Indem durch Dummheit und Faulheit jede Opposition ausbleibt oder gleich noch diskreditiert wird.

Die Plüschfraktion wird gut behütet, aha. Die "Plüschfraktion" arbeitet vllt für ihr Geld? Und wtf ist verkehrt daran wenn Herr Altvater für seine Arbeit entlohnt wird?! Wie geistig verquer muss man bitte sein um sich darüber zu echauffieren...

Oberham 01.12.2014 | 19:40

.... sie können mir nicht folgen, ...... - aber da sind sie nicht alleine... -

... wo behaupte ich - keiner solle mehr arbeiten?

Oder sind sie so uninspiriert, dass für sie Leben nur innert des Systems möglich scheint?

Welchen Anteil nimmt ihr Konsum des I-Net und der dazugeörigen Energiewandlung in ihrem Warenkorb ein?

Bei mir ist es so ziemlich die letzte Kollaboration!

Die Atemluft vesaut mir das System, die Böden versaut mir das System, das Wasser versaut mir das System............

Ich arbeite, um zu überleben - sorry ein kleiner Rest gegen Geld - da ich nicht auswandern will - ich lebe da wo ich geboren wurde - wenn man mich vertreibt - nun dann werde ich abhauen.

Von anderer Leute Geld lebe ich - ????

Wie kommen Sie darauf???

Faulheit??? Sind sie Sebstversorger?

Sie haben keinen Schimmer was es bedeutet ein Feld zu bestellen - Holz zu hacken, eine Hütte trocken und sauber zu halten, sich gesund zu erhalten - ja - sich über den Irrsinn der Welt zu informieren - Dinge zu reparieren, aus Schrott funktionsfähige Geräte zu basteln.

Wie sieht den ihr Alltag so aus? Da sie so viele dumme Dinge unerstellen und dabei ihre bornierte Art nicht einmal zu realisieren scheinen.

Ich bezahle maximal an die 40 Euro Umsatzsteuer im Monat - rechnen sie mal ihren Beitrag aus....

Ich beziehe vom Staat keinerlei Transferleistung und die Art der Verkehrswege ist mir zuwider! Sie vernichten die Landschaftsbilder und sind ein Ort des gelebten Wahnsinns!

Ich bin kein Wasserverschwender und spüle meine Exkremente nicht mit Trinkwasser in eine dümmlich ausgelegte Kanalisation (meine Hütte ist kein Wohngebäude im amtlichen Sinn).

Ich veachte unser Gesundheitssystem und bin mir bewßt, dass eine schwerere Krankheit fatal sein kann - nur - ich benötigte in den letzten 14 Jahren keinen Beistand.

Sie schildern nur ihre Unterstellungen, die tatsächlich Dummheit widerspiegeln!

Gramsci - verstehen sie was er schrieb?

Der Ideologe ist für sie natürlich passend, schließlich leitet er sie auf ihrem Weg, Scheuklappen inklusiv.

Eure Andacht macht euch zu Ameisen der Buchstaben, auf deren Spur ihr wie diese keinen Tierchen andächtg krabelt.

Ich nenne Euch Krabbelgeister - hörige Sklaven der ausgelegten Spur!

Nun, es ist schon schön in einem Ameisenstaat eine feste Gemeinschaft vorzufinden - bis ihr euch wieder gegenseitig die Leiber mit eure Zangen verbiegt -

lesen sie weiter - die "richtigen" Bücher und kaufen bei Aldi ihre Wurst! (ja - gemeine Unterstellung - ich könnte jedoch wetten, sie sind Allesfresser und Discounterkunde - haben wohl keine Gelegenheit zum Indoorgardening -oder wie wäre es mit einem guten alten ´Schrebergarten - gerne mit anderen Kaden gemeinsam - Tomaten - rot und lecker :-)))))).... - aber Vorsicht - die sind prätentiös - man möchte ja gesunde Früchte ernten - nicht wahr?

Oberham 02.12.2014 | 09:56

... und sie scheinen zu Glauben, der Intellekt des Menschen funktioniere nur, so er sich sklavisch einer grausamen Systematik unterordnet.

Wissen, Kultur, Fortschritt wären wohl schon um etliches weiter, würden wir Menschen schlicht gemeinsam und nicht gegeneinander agieren!

Doch davor gilt es einen Schritt zurück zu treten, Demut vor der Natur zu lernen, Demut vor allen die in der Samenlotterie Pech hatten zu zeigen und die Verlockungen unserer Welt zu hinterfragen.

Wer das als aussichtslos betrachtet, hat keine Hoffnung, der lebt eben seinen angezüchteten Ego aus, so gut er nur kann.

Was mir vorschwebt ist nicht irrational, es ist im Grunde das wahre Wesen des Menschen!

Ich darf wohl behaupten, sie lieben den Frieden und hassen den Krieg.

Nur was führt zum Krieg?

...... Zum Selbstversorger zu werden, ist schlicht meine Form des Protests, da ich die Bequemlichkeit (die ich Dank der Geburtskoordinaten geschenkt bekam....) unserer Systemwelt nicht annehmen kann - das I-Net nutze ich als Mittel - meinen Protest zu artikulieren - .... ich bin nicht alleine - diese Form des Widerstands ist fast so alt, wie die Zivilisation selbst - da die Gründe hierfür ja nicht erst seit gestern bestehen.

Wären wir nicht eine winzige Minderheit, hätte dieser Protest durchaus die Chance zu wirken - nur unsere Agitation besteht im Grunde nur in unserer Lebensart und wir pflegen keine Ideologie als Muster für die Zukunft, da - ich zumindest denke so - nur die Chance auf eine friedliche, sanfte und klug miteinander agierende menschliche Sozietät besteht, so wir einander vertrauen und uns respektieren.

Einzig den privilegierten fehlt jeglicher Respekt und jegliches Vertrauen gegenüber den Milliarden unterprivilegierter Artgenossen - und jene tragen meist ein ganzes Bündel von Verzweiflung und Wut durch ihre Lebenstage.

Würden die privilegierten Verzicht üben, hätten wir eine Chance auf Vertrauen - danach hätten alle mehr als davor -

vor allem - dauerhaften lebendigen Frieden.

tlacuache 02.12.2014 | 10:14

Schön hier wieder von der Front zu erfahren:

..."Das Tribunal besitzt keine politische Macht, keine juristische Vollzugsgewalt, kann weder Polizei noch Militär einsetzen, um seinen Urteilen Geltung zu verschaffen. Es kann aber mit seinem moralischen Gewicht Menschenrechts-, Frauen-, Umweltbewegungen oder Gewerkschaften in ihrem Widerstand gegen den mexikanischen Staatsapparat beistehen"...

So ein Schmarrn...

Der Gipfel kommt aber erst noch:

..."und ein Papst lügt nicht"...

Ich kann den Bock gleich zum Gärtner machen...

Ich zerrupfe den Artikel gerne noch, 5 Euronen die Zeile wenn erwuenscht...

Wissen Sie eigentlich, was die in der Provinz von den "Normalistas" halten?

Null, Störenfriede die Oxxos zerkloppen...

Das hat nix mit der Haltung von den Demonstranten in Mexiko City zu tun, das sind 30 Millionen, die anderen 90 Millionen geht das Thema auf den Sack...

;-)

Ratatörskr 02.12.2014 | 10:15

Na ja, soweit Sie dem Wortschatz mit dem "Begriff" Unmensch den Nazis nahestehen, schon. Zumal Sie keinen konkreten Bezug angeben, der Ihre Angriffe der unfeinen Art belegen könnte und ein Beitrag zur Diskussion wäre.

Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, sein Denken zu korrigieren, wenn er dies als falsch erkennt. Aber auch beim Wandern der Gedanken sollte man bedacht sein, sich nicht wieder auf einen Irrweg zu begeben.

D. h., dass Sie entweder einen konkreten Hinweis für Ihre Behauptungen schreiben, oder Ihre Beschuldigung zurücknehmen. Über das Verbrennen von Menschen ist nicht zu diskutieren, wer so denkt und "mit Bedacht so schreibt", ist keinen Deut besser als die Täter!

Sikkimoto 02.12.2014 | 10:55

Arbeitsteilung, Professionalisierung, Geldverkehr sind ihrem Wesen nach weder "sklavisch", noch "grausam".

Genauso können sie mir nicht schlüssig erklären was falsch daran sein soll, in Luxus zu leben. Ich habe nichts gegen Luxus und materielle Werte. Ich möchte, dass möglichst alle daran teilhaben können. Selbstversorgertum ist dagegen eher so der Weg zurück ins Frühmittelalter. Sie wissen schon, nachdem der Fernhandel gemeinsam mit dem römischen Reich zusammengebrochen ist und in Europa ein Massensterben durch Unterernährung einsetzte.

Sie reden davon wie viel Menschen gemeinsam erreichen können, und tun dann das genaue Gegenteil, sich abschotten, in einer vormodernen Lebensform verharren.

Sie reden von Demut vor der Natur. Ich verrate ihnen was: studierte Menschen haben Methoden der Wärmeerzeugung entwickelt, die die Natur erheblich weniger belasten als ihr verbranntes Holz.

Sie reden von Vertrauen und Respekt und lassen täglich Hasspredigten gegen alles und jeden ab.

Das ganze mag eine gewisse Pfadpfinderromantik ausstrahlen, ein stichhaltiges Konzept erkenne ich nicht.

kadinsky 02.12.2014 | 12:12

Ich stimme ja auch nicht mit allem überein, was oberham schreibt...aber die Frage, was falsch daran ist, in Luxus zu leben ist gelinde gesagt naiv...und ja, es gibt studierte Menschen, die ihr erlangtes Wissen in den Dienst der Allgemeinheit stellen, aber die sind verschwindend gering, wenn man sie mit mit den ganzen bwlern und jurastudenten vergleicht, die einfach nur, wie sagen sie so schön...im Luxus leben wollen....

Arbeitsteilung, Professionalisierung, Geldverkehr sind ihrem Wesen nach nicht sklavisch oder grausam aber sie werden dazu missbraucht solche Dinge zu tun...

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2014 | 12:27

Wie geil! Eine Empfehlung aus einem Freihandelsabkommen auszutreten.

Ich würde das sogar noch ausweiten: Freihandel sollte geächtet werden. Er tötet Demokratie und Menschenrechte und sorgt über die steigende Profitrate und sinkende Löhne für einen neuen Feudalismus.

Leider werden die mächtigen Profiteure und ihre korrupten politischen Handlanger nicht freiwillig weichen oder uns auch nur ernst nehmen. Am Ende läuft doch wieder alles auf Gewalt hinaus.

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2014 | 12:36

"Wissen Sie eigentlich, was die in der Provinz von den "Normalistas" halten? Null, Störenfriede die Oxxos zerkloppen..."

Was sind Normalistas? Oxxos sind irgendwelche Geschäfte, oder?

"in ihrem Widerstand gegen den mexikanischen Staatsapparat beistehen"

Moralischer Beistand ist auch Beistand. Wieso findest du das "Schmarrn"?

"Ich kann den Bock gleich zum Gärtner machen..."

Ja, die Papst-Aussage war unglücklich, aber der aktuelle Papst hat schon was.

Wenn du solche Insiderinfos hast, schildere du doch mal die Lage in Mexiko. Vom Ausland aus ist es immer schwierig sich ein Bild zu machen.

Sikkimoto 02.12.2014 | 12:47

Je naiver die Frage ist, desto einfacher sollte sie zu beantworten sein. :)

Bleiben wir beim Beispiel der Heizung. Was wäre zB schlimmer, wenn ich für meine Wärme eine moderne Kraft-Wärme-Kopplung oder Restwärme aus der Industrie verwende (beides sehr umweltfreundlich und praktisch) als täglich Holz zu hacken und dann haufenweise Smog in die Luft zu blasen?

Oder was wäre zB verwerflich daran, wenn ich meinen Kaffee lieber teuer als Fairtrade Produkt kaufe (ist ein Luxus!) als den billigsten mit den beschissensten Arbeitnehmerrechten im Anbauland?

Die Liste ließe sich lange fortführen. Materielle Werte pauschal zu verdammen ist was für Hohlroller oder Esoteriker. Es geht ums konkrete Produkt.

Oberham 02.12.2014 | 13:01

Ich möchte keine Menschen verbrennen!

Das System und die tägiche mahlede Maschine verbennt die Menschen.

Doch die Güter, die dieses System hervorbringt, fragen wir mit immer drängenderem Bedürfnis nach!

Dabei wird Bildung vom System nicht um des refletierens Willen gefordert, sondern um sich im Wettbewerb um "gut" bezahlte "Jobs" behaupten zu können, sprich ein entlohnungswürdiges Subjekt im Getriebe werden zu können.

Ach, der Begiff Unmensch ist viel älter als jeder Nazi es sein könnte - ihre Flucht in die Marginalie der Form, sie kann leider die Realität nicht weglamentieren - und meine drastischen Bilder - so leid es mir tut - sie können ganz konkret - fast täglich -irgendwo unter uns betrachtet werden - wenn sie sich den Armen zuwenden, sogar im Sekundentakt -

daher meine Klage, wer sich für dieses System ausbildet, um danach als Rädchen gut geschmiert zu werden, der ist Würdig die schlimmsten Auswirkungen am eigenen Leib zu verspüren.

.... sie scheinen mich als Personifikation des Bösen zu sehen, da ich die Grausamkeit in Worte kleide.

tlacuache 02.12.2014 | 13:04

Richtig,

ich bin von der Redaktion nie gefragt worden, nachdem Sie ein um's andere mal Guardian - Artikel übersetzt hatten, den ich mal leicht in der Luft zerissen hatte und danach wurde eben dieser Artikel aus dem Netz genommen.

;-)

Klaus Ehringfeld ist ja eine grosse Nummer im Spiegel, meinereiner koennten Sie billiger haben, will halt keiner.

:-)

Kann ich auch nicht helfen...

So Blogger sind halt doch nur Nachtlurchen, nee, schlimmer, die könnten glatt was erzählen, nicht wahr?

kadinsky 02.12.2014 | 13:14

Fairtrade-Produkte oder die Kartoffeln beim Bauern nebenan zu kaufen hat für mich nichts mit Luxus zu tun, das hat was mit Wertschätzung, Mitgefühl und "über den Tellerrand schauen" zu tun, das kann jeder, einfach weniger Kaffee trinken und dafür Fairtrade...der Witz ist nur, dass diese ganzen Label mittlerweile, dank des Gottes "freier Markt" ihres Sinnes beraubt worden, wie alles in einem System, in welchem Jeder und alles einen Preis aber keinen Wert haben....

Oberham 02.12.2014 | 13:32

Sie gehen völlig an meinen Ausführungen vorbei und kaprizieren sich an Allgemeinplätzen und unterstellen ständig neue Absurditäten. Wer sich im Widerstand befindet, der kann schlicht nicht das gewünschte Leben leben - geht das in ihren Verstand? Sich gewaltfrei dem System entgegenzustellen, bedeutet, sich ihm zu versagen - wobei sie ja dann nicht einmal mehr einen Kühlschrank, ein I-Net und etwas Energiewandlung gegen Bezahlung zugestehen würden - typischer ab in die Höhle Allgemeinplatz. Luxus ist nicht eine effiziente Energieversorgung, Luxus ist ein Verbrennungsmotor der eine Blechkiste mit mehr als einer Tonne Gewicht antreibt um ein Individuum mit ca. 70 kg Gewicht von A nach B zu transportieren - um ein Beispiel zu nennen. Ich mache für Sie hier nicht die Liste auf, doch es ist wohl sinnlos weiter Wörter zu tauschen, lesen sie in meinem Blog, dort ist alles ausführlich dargestellt! Oder - informieren sie sich über Transition - diese Bewegung ist nicht so radikal wie ich es bin, sie ist allerdings eine der wenigen, die konkret handeln - ohne nur zu bellen. (Mein Handeln begreifen sie nicht, und mein Bellen ist für sie ein naives Kläffen ----- ) Professionalisierung und Arbeitsteilung stellt hier niemand in Abrede - doch sie werden eben als Werkzeuge des gnadenlosen Wettkampfs missbraucht - über die Funktionen von Geld lässt sich trefflich streiten - in einer kooperativen, friedlichen Gesellschaft ist es nicht nötig (genauso wie sämtliche Kontroll.- Rechts- Verwaltungs- und Gewaltinstanzen überflüssig wären!) - Vertrauen stünde gegen Kontrolle und sorry - das ist nicht naiv, das ist die einzige positive Hoffnung die der Mensch je hegte - Utopia ist eben möglich - doch die Mehrheit glaubt an seine Unmöglichkeit und agiert sich immer tiefer in dystopischen Morast, der das Leben der meisten Menschen im Elend ertränkt!

Sikkimoto 02.12.2014 | 13:38

Wortklauberei. Wenn Herr Oberham seinen monatlichen Output an Umsatzsteuer zum Maßstab für Moral macht braucht man auch keinen Unterschied mehr zwischen Preis und Wert setzen. Das Denken in Preisen ist da bereits vollkommen verinnerlicht. Würde man dagegen anfangen anhand des Gebrauchswertes zu denken, wo käme man da hin? Ach ja, klassischer Marxismus, Materialismus, ernst zu nehmende Theoretiker.

:-P

Aldo 02.12.2014 | 13:44

Mexiko hat sich schon längst in einen failing state verwandelt.Banden kontrollieren den Verkauf und Anbau von Avocados in dem westlichen Bundesstaat Michoacán, Öl wird an den Pipelines angezapft und später ganz legal an den Zapfsäulen der Tankstellen verkauft, viele Kommunen müssen den Anweisungen der Cetas Folge leisten, wer von den dort Verantwortlichen dagegen opponiert, wird umgebracht.

Schon längst ist es nicht mehr der Drogenhandel, der den Banden große Gewinne bringt. Millionen von Dollars werden von der mexikanischen Tochterfiliale der HSBC Bank gewaschen und sichern dadurch zunehmend Einfluss und Macht, die weit in die mexikanische Gesellschaft hineinreicht.

Mexiko ist ein Laboratorium unserer Zukunft geworden, eine enorme Gefahr für die westlichen Industrieländer. Dieser mafiöse Staat im Staat beherrscht schon einige Provinzen und breitet sich wie ein Krebsgeschwür immer weiter in diesem mittelamerikanischen Land aus

“It will destroy community, the enviroment and human valors generally, so warnte bereits vor mehr als einem Jahrzehnt Noam Chomsky in seinem Vorwort zu dem Buch: Juárez, the laboratory of our future.“

Wer meint, diese unheilvolle Entwicklung würde Europa nicht bedrohen, der irrt sich gewaltig. Schon haben diese Banden den Finanzplatz London betreten . Kein Nato-Stacheldraht, keine Infrarotkameras haben sie daran gehindert.

Wozu auch. Sie sind doch Teil des Systems, der für die Masters of Mankind, den Banken & Konzernen sowie einigen Hundert Familien gigantische Reichtümer geschaffen hat...

Sikkimoto 02.12.2014 | 14:03

Ich versuche nicht unbedingt sie ins Absurde zu ziehen. Ich picke mir Ungereimtheiten aus und harre einer Antwort. Jetzt schieben sie es auf ein Leben im Widerstand monieren aber gleichzeitig, dass ich ihnen auch einen Kühlschrank missgönnen würde. Letzteres ist falsch. Ich missgönne niemandem einen Kühlschrank. Ich verurteile aber auch keine Menschen, die Kühlschränke bauen. Das heißt mein Weltbild ist hier in sich schlüssig. Von ihnen hätte ich dann gerne eine Antwort: Wenn sie sich nicht "im Widerstand" befänden, würden sie dann bereitwillig auf einen Kühlschrank verzichten? Wenn nicht, was spricht dagegen Kühlschränke zu bauen und zu verkaufen? Erklären sie es mir, ich höre zu. :)

>Professionalisierung und Arbeitsteilung stellt hier niemand in Abrede<

na dann. Genau so klang es aber an.

Ansonsten gehen sie in ihren Ausführungen nicht von der Realität, sondern vom Wünsch-dir-was-Land aus. Kann mal fruchtbar sein. Aber bevor man erklärt was alles nicht gebraucht würde *wenn*, sollte man zuerst einmal erörtern, wie das *wenn* praktisch funktionieren soll, anstatt die Überflüssigkeit in der Ist-Realität notwendiger Instanzen zu postulieren.

Geld ist grundsätzlich eine ziemlich praktische Erfindung. Ich bin auch sehr froh über Rechtsinstanzen.

Verstehe ich sie richtig, dass sie glauben ein weniger an an Märkten organisiertem Wettbewerb würde quasi automatisch zu einem friedfertigem Miteinander führen?

tlacuache 02.12.2014 | 15:35

..."Hast du dich denn schonmal beim freitag beworben?"...

Ja bist du denn des Teufels geritten? Qualifikationen sind genug vorhanden, aber soll ich den hungernden Esel hinterherlaufen der nach einer Möhre schnappt so lange er Schnapsatmung hat?

Ich erinnere mich noch gut genug an den Abwerbungsversuch mich von der Freiberuflertätigkeit abzuwerben. Glatte 1000 € hat man mir geboten, im Monat wohlgemerkt...

;-)

Oberham 02.12.2014 | 15:59

Verstehe ich sie richtig, dass sie glauben ein weniger an an Märkten organisiertem Wettbewerb würde quasi automatisch zu einem friedfertigem Miteinander führen?

Falsch, da es in einer friedlebenden Welt eben keinen Wettbewerb gibt.

So der Mensch ein intellektuelles Wesen darstellt, das unterstelle ich schlicht, ist er meiner Meinung nach dazu fähig, einzusehen, dass Wettbewerb eben nicht die Wurzel allen Fortschritts darstellt, sondern die Wurzel allen Übels ist.

Es gilt schlicht unser Werteschema zu hinterfragen.

Sie gönnen mir den Kühlschrank (danke ;-)...) - (ich brachte diese Ausführung obig nur, da man natürlich noch viel konsequenter widerstehen könnte als ich es tue - wobei mir die letzten Prozent schlicht mein Leben wert sind - ins Elend möchte ich nicht gleiten, - werde ich ohnehin, so ich erkranken würde.... - aber das ist wieder off topic da es nichts mit den möglichen Utopien zu tun hat...) - ein Kühlschrank ist absolut begrüßenswert.

Nur - in einer wettbewerbsfreien globalen Welt hätten alle Haushalte immer die energieeffizientesten Geräte zur Verfügung - sobald sich graue Energie und im Betrieb verbrauchte Energie (ja korrekt - nicht Verbrauch sondern Wandlung....) zu Gunsten der Wandlung im laufenden Betrieb neigen.

In einer bedarfsgerechten menschlichen Ökonomie gäbe es keinen Hunger und würden nirgends Menschen als Rohstoff oder Betriebsstoff angesehen, den man beliebig erschöpfen und auspressen kann.

Es gäbe eine egalitäre Gesellschaft, in der sehr wohl die verschiedensten Neigungen und Talente ihre Entsprechung fänden, Toleranz und gegenseitiger Respekt wären völlig natürlich.

(Übrigens kann es Kommunismus nicht geben, solange eine Partei - ein Kadergremium -. die Macht inne hat und den Menschen zu tiefst misstraut, sie gängelt und ständig um die eigenen Priviligien Angst hat.)

Privilegien schaffen die Grundlage für den Vertrauensverlust und die notwendige anschließende Kontrolle aller Individuuen - auch die Rechtsnormen - Gesetze sind schlicht Ausdruck von Misstrauen - in unserer Gesellschaft schützen sie vor allem das Eigentum!

Eigentum ist jedoch eines dieser Privilegien!

Gerade heute, wo jeder Mensch in der Lage ist, sich über die technischen Möglichkeiten universell zu informieren, wo wir die ökologischen Probleme glasklar vor uns sehen, wo niemand mehr behaupten kann, er wüßte nicht dass täglich eine Kleinstadt an Hunger stirbt, wäre es möglich den Menschen eine neue Bedarfskultur vorzustellen, doch die kräftigen, multiplikativen Stimmen tun dies nicht, da sie sich ihrer Privilegien bewußt und anscheinend der Zukunft ihrer Kinder gegenüber zynisch eingestellt sind!

Daher meine Kritik an all den theoretisch brillianten Kräften, die doch nichts dazu tun, die Dinge grundlegend auf den Kopf zu stellen!

Am Anfgang steht kein Gott!

Am Anfang steht keine Partei!

Am Anfang stünde Vertrauen - doch dieses Vertrauen ist so verschüttet, so gründlich zerbrochen worden, dass man eben ostentativ die privilegiertesten unter uns bräuchte, ihre Pfründe abzutreten und den Menschen offen entgegenzukommen.

Es gilt die Mauern niederzureissen, die Zäune abzubauen und gemeinsam zu gestalten und zu leben - ohne Wettkampf, mit Vernunft, Intelligenz und Liebe - wir könnten es - davon bin ich überzeugt - den wir würden keine Dinge mehr hervorbringen - die Neid und Mißgunst schüren - vor allem, das Besondere, gäbe es, nur es würde nicht für wenige zum Gewöhnlichen, sondern es bliebe für alle das Besondere, etwas das man eben einem im Jahr oder auch nur einmal im Leben genießen und erleben kann.

Die WElt wäre keinesfalls langweiliger oder öder als heute, wahrscheinlich um ein vielfaches bunter und fortschrittlicher - nur - der Kitzel aus dem Elend herauskommen zu können und ohne Angst und Leid leben zu können, der entfiele, doch auf diesen Kitzel können jene, die ihn spüren und meist nur negativ erleben, sicher getrost verzichten.

Ich bin mir wohl bewußt wie naiv das in den Hirnen der meisten Menschen klingt!

Nur - jeder der behauptet er könne eine Vision entwickeln, und der da fordert wir möchten für unsere kommenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen, der müsste schlicht den Mut aufbringen radikale Veränderungen in der Gesellschaft zu fordern.

Diese müssen friedlich erfolgen! Sollten die Menschen lieber den Wettkampf bis zum Ende betreiben, so wird es auch so kommen - doch das darf in meinen Augen nicht bedeuten, dass ich in diesem Spiel mitmachen muss, so ich überzeugt bin, dass es mit jedem Tag mehr Elend über die Welt bringt!

Wie oben schon angesprochen - am Ende des Tages hätten alle Menschen und vor allem auch das ganze uns noch eine lebensfreundliche Lebensgrundlage bietende Ökosystem Erde eine gemeinsame Zukunft gewonnen.

Im Wettbewerb sehe ich eine winzige Gruppe von Menschen als Gewinner, die die letzten belebbaren Räume für sich beanspruchen und über ein total kontrolliertes Nutzmenschenheer verfügen - eine Dystopie, die so oder ähnlich schon tausendfach literarisch aufgearbeitet wurde.

Verwunderlich - Dystopien kann man praktisch 24/7/365 lesen sein Leben lang - Utopien scheinen völlig out zu sein - Vertraut der Mensch seinem eigenen Optimismus nicht?

Betrachten sie die Realität - bitte nicht die Ihre - wir sind privilegierte (das wissen sie - und sie denken eben anders darüber als ich....) Artgenossen, sondern jene von etwas mehr als der Hälfte der derzeit lebenden Menschen - diese Menschen leben hier und heute auf unserem Planeten in ganz realen Dystopien übelster Ausprägung - in Mexiko dürften sogar mehr als 50 % der dortigen Bewohner so einen Alltag mitmachen müssen.

Glauben sie, die derzeitigen Strukturen und Systematiken würden uns in eine positve Zukunft führen?

Costa Esmeralda 02.12.2014 | 20:16

Na, das ist ja eine "lustige", doch wichtige Auseinandersetzung hier. Das Freihandel tödlich ist, das das System Kapitalismus tödlich ist, wissen wir alle hier und ist keine Neuigkeit. Nur keiner leistet konkret wirklichen Widerstand gegen das System, mit Ausnahmen von Wenigen. Es zu kritisieren, über die Linke, über "linke"Akademiker u. a., das ist nichts weniger als systemimmanent und systemstabilisierend. Wenn der Kapitalismus sich nicht öffentlich kritisieren lassen würde, käme wohl die Mehrheit der Menschen nicht auf den Dreh, dieses sei ja noch das beste System unter lauter schlechten. Also stehen wir zu diesem "verdammten" System und wählen es immer wieder in Parlamente, selbst wenn wir dabei auch kollektiv zugrunde gehen.

Ich kenne Mexiko nur aus der nahen Ferne von Honduras, dem seit 2006 ersten Narco-Staat in Lateinamerika par excellence. und Mittelamerika. Als Mexiko auf Anraten der USA die Drogenkartelle begann, militärisch zu bekämpfen, schwappte ein Teil der Banden in die Nachbarstaaten hinein. Zusammen mit den ärmsten Bevölkerungsschichten, den afrodescendientes und indígenas, versuchte ich, Strategien aus dem Elend herauszuentwickeln. Das wurde innerhalb von ein bis zwei Jahren durch die Drogenmafia zur Makulatur. Nicht einmal 100 US$ reichen aus, um einen pistolero zu einem Mord anzustiften. Und 100 US$ reichen aus, um davon schon einmel einen Monat zu leben. Wäre ich noch heute in Honduras, wäre ich sicher nur noch unter der Grasnarbe zu finden. So einfach ist es, wenn man sich öffentlich gegen ein System der öffentlichen-privaten Korruption stellt.

Warum gelingt es, in Gesellschaftssystemen mit hoher Armutsrate und fehlender Perspektive für mehr als die Hälfte der jungen Menschen scheinbar aus dem Nichts ein Kartell aus öffentlicher und privater Korruption zu zimmern? Es ist das kapitalistische System, das Verelendung in grösstem Stil produziert und Menschen dazu bringt, alles zu versuchen, um das materielle Überleben zu sichern, auch wenn es Mord oder Prostitution sein muss. Der gute alte Marx hätte sich Verelendung und Entfremdung nicht fürchterlicher vorstellen können. In Lateinamerika hilft entweder nur die bewaffenete Revolution (Cuba) die Lebensverhältnisse zu verbessern oder eine sogenannte demokratische Revolution über Wahlen (ALBA-Staaten), um die Macht des Kapitals (nationale Oligarchien einschl. Drogenkartelle) zu brechen. Allerdings laufen diese Staaten ebenfalls Gefahr, neue, diesmal kleinbürgerliche Eliten an die Macht zu bringen. Und die können zwar oft eine minimale materielle Basis der Menschen sichern, das aber auf Kosten der Freiheit.

Das Geheimnis einer gerechten Gesellschaft beruht auf der Errichtung von konkreter Entscheidungsmacht der Zivilgesellschaft. Gelingt es nicht, diese herzustellen, wechselt die Gesellschaft von aus dem Pest-Zustand in den Cholera-Zustand.

Freihandelszonen nicht zuzulassen ist nur Kosmetik, gut, ein erster Schritt. Wesentlich ist:

Der Kapitalismus darf nicht zugelassen werden.

Das ist der Knackpunkt. Eine antikapitalistische Revolution muss nicht gewaltmässig sein, nur muss sie stetig vorangetrieben werden durch eine Regierung, besser noch, durch die Zivilgesellschaft selbst, die die Lebensverhältnisse der Mehrheit der Menschen (Arme und untere Mittelschichten) im Auge hat und nicht die der vermögenden Mittel- und Oberschichten.

Nur ein kurzer Seitenblick auf unsere hoch gelobte deutsche Republik: So wenig sich ein junger Mensch in Lateinamerika mehrheitlich ein würdiges Leben ausrechnen kann, so können sich auch bei uns junge Menschen mehrheitlich kein nicht-entfremdetes Leben erträumen; in vielen südeuropäischen Staaten sowieso nicht, allenfalls noch ein Leben mit Smartphone.

Ergo, schieben wir intellektuelle systemimmanente Kritik, auch wenn gut gemeint, einmal beiseite und besinnen uns auf konkrete Schritte der Abschaffung des menschenverachtenden Systems, das da heisst, Kapitalismus. Das gilt für Mexiko wie für Deutschland. Der mexikanische Präsident wie auch unsere sorgende "Mutti" und der hinterhertrottende "Erzengel", sie sollten sich schon einmal warm anziehen. Der nächste Winter kommt bestimmt.

LG, CE

Costa Esmeralda 02.12.2014 | 20:22

Na, das ist ja eine "lustige", doch wichtige Auseinandersetzung hier. Dass Freihandel tödlich ist, dass das System Kapitalismus tödlich ist, wissen wir alle hier und ist keine Neuigkeit. Nur keiner leistet konkret wirklichen Widerstand gegen das System, mit Ausnahmen von Wenigen. Es zu kritisieren, über die Linke, über "linke"Akademiker u. a., das ist nichts weniger als systemimmanent und systemstabilisierend. Wenn der Kapitalismus sich nicht öffentlich kritisieren lassen würde, käme wohl die Mehrheit der Menschen nicht auf den Dreh, dieses sei ja noch das beste System unter lauter schlechten. Also stehen wir zu diesem "verdammten" System und wählen es immer wieder in Parlamente, selbst wenn wir dabei auch kollektiv zugrunde gehen.

Ich kenne Mexiko nur aus der nahen Ferne von Honduras, dem seit 2006 ersten Narco-Staat in Lateinamerika par excellence. und Mittelamerika. Als Mexiko auf Anraten der USA die Drogenkartelle begann, militärisch zu bekämpfen, schwappte ein Teil der Banden in die Nachbarstaaten hinein. Zusammen mit den ärmsten Bevölkerungsschichten, den afrodescendientes und indígenas, versuchte ich, Strategien aus dem Elend herauszuentwickeln. Das wurde innerhalb von ein bis zwei Jahren durch die Drogenmafia zur Makulatur. Nicht einmal 100 US$ reichen aus, um einen pistolero zu einem Mord anzustiften. Und 100 US$ reichen aus, um davon schon einmel einen Monat zu leben. Wäre ich noch heute in Honduras, wäre ich sicher nur noch unter der Grasnarbe zu finden. So einfach ist es, wenn man sich öffentlich gegen ein System der öffentlichen-privaten Korruption stellt.

Warum gelingt es, in Gesellschaftssystemen mit hoher Armutsrate und fehlender Perspektive für mehr als die Hälfte der jungen Menschen scheinbar aus dem Nichts ein Kartell aus öffentlicher und privater Korruption zu zimmern? Es ist das kapitalistische System, das Verelendung in grösstem Stil produziert und Menschen dazu bringt, alles zu versuchen, um das materielle Überleben zu sichern, auch wenn es Mord oder Prostitution sein muss. Der gute alte Marx hätte sich Verelendung und Entfremdung nicht fürchterlicher vorstellen können. In Lateinamerika hilft entweder nur die bewaffenete Revolution (Cuba) die Lebensverhältnisse zu verbessern oder eine sogenannte demokratische Revolution über Wahlen (ALBA-Staaten), um die Macht des Kapitals (nationale Oligarchien einschl. Drogenkartelle) zu brechen. Allerdings laufen diese Staaten ebenfalls Gefahr, neue, diesmal kleinbürgerliche Eliten an die Macht zu bringen. Und die können zwar oft eine minimale materielle Basis der Menschen sichern, das aber auf Kosten der Freiheit.

Das Geheimnis einer gerechten Gesellschaft beruht auf der Errichtung von konkreter Entscheidungsmacht der Zivilgesellschaft. Gelingt es nicht, diese herzustellen, wechselt die Gesellschaft von aus dem Pest-Zustand in den Cholera-Zustand.

Freihandelszonen nicht zuzulassen ist nur Kosmetik, gut, ein erster Schritt. Wesentlich ist:

Der Kapitalismus darf nicht zugelassen werden.

Das ist der Knackpunkt. Eine antikapitalistische Revolution muss nicht gewaltmässig sein, nur muss sie stetig vorangetrieben werden durch eine Regierung, besser noch, durch die Zivilgesellschaft selbst, die die Lebensverhältnisse der Mehrheit der Menschen (Arme und untere Mittelschichten) im Auge hat und nicht die der vermögenden Mittel- und Oberschichten.

Nur ein kurzer Seitenblick auf unsere hoch gelobte deutsche Republik: So wenig sich ein junger Mensch in Lateinamerika mehrheitlich ein würdiges Leben ausrechnen kann, so können sich auch bei uns junge Menschen mehrheitlich kein nicht-entfremdetes Leben erträumen; in vielen südeuropäischen Staaten sowieso nicht, allenfalls noch ein Leben mit Smartphone.

Ergo, schieben wir intellektuelle systemimmanente Kritik, auch wenn gut gemeint, einmal beiseite und besinnen uns auf konkrete Schritte der Abschaffung des menschenverachtenden Systems, das da heisst, Kapitalismus. Das gilt für Mexiko wie für Deutschland. Der mexikanische Präsident wie auch unsere sorgende "Mutti" und der hinterhertrottende "Erzengel", sie sollten sich schon einmal warm anziehen. Der nächste Winter kommt bestimmt.

LG, CE

tlacuache 02.12.2014 | 20:52

..."antikapitalistische Revolutionen" wurden sowohl in Kuba, als auch in Honduras, Nicaragua, Ecuador etc. angezettelt, um einige Masterminds noch ein bisschen reicher zu machen. Bei "kapitalistschen Revolutionen", siehe Chicago Boy's und Reagan, wurden die gleichen Familien NOCH ein bisschen reicher.

Es spielt für diese Familien weder in Chile, noch in Argentinien, noch in Uruguay noch in Bolivien eine Rolle, wer gerade an der Macht ist, ob die gerade mal "demokratisch" gewählt ist (Staatssender mit Soap - Operas und Handkuss vom Papst) oder gerade mal als Staatsstreich (Opposition Killen wie Monopoly spielen) spielt für die Global - Player in Lateinamerika keine Rolle.

Wenn ich jetzt mal einen Tag bezahlt bekommen würde um rauszurecherchieren welche Familien, incl. Brasilien in den letzten 30 Jahren 100 000% Zuwachs hatte kämen wir immer auf die gleichen Nachnamen, "Matamoros", "Guerrero", etc. etc. etc.

Das hat extrem geschichtliche Hintergründe die so 495 bis 522 und mehr Jahre zurückliegen, und der Vatikan im Rom vor der Aufklärung hat einen sehr grossen Anteil daran.

Navas de Tolosa 1212 reconquista fase III?

Gruss

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2014 | 10:32

Danke für deinen Beitrag.

"im Auge hat und nicht die der vermögenden Mittel- und Oberschichten."

Ja, aber muss das zwangsweise "antikapitalistisch" sein? Oder anders gefragt: wie soll die Wirtschaft dann organisiert sein?

Eine Form von Warenaustausch wird es ja geben müssen. Auf dem Land kann ich mir ein "nicht-entfremdetes" Leben auch noch einigermaßen vorstellen, aber wie würde man mit einem Moloch wie Mexiko-City umgehen?

"systemimmanente Kritik, auch wenn gut gemeint, einmal beiseite und besinnen uns auf konkrete Schritte der Abschaffung des menschenverachtenden Systems"

Die da wären? Und wie gesagt, die Abschaffung ist nur die eine Seite. Niemand hat Bock auf nochmal 40 Jahre zentral gelenkte Planwirtschaft. Das hat es irgendwie auch nicht gebracht.

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2014 | 11:08

Wenn ich mich in die Diskussion reindrängeln darf?:

"So der Mensch ein intellektuelles Wesen darstellt, das unterstelle ich schlicht"

Eine sehr gewagte These, ich würde behaupten die Realität belegt genau das Gegenteil ;-)

"Wettbewerb eben nicht die Wurzel allen Fortschritts darstellt, sondern die Wurzel allen Übels ist."

Ich denke das ist zu sehr schwarz-weiß. Menschen messen sich durchaus gern miteinander, auch setzt das uU ungeahnte Kräfte und Ideen frei. Es muss nur der Rahmen stimmen und sollte nicht gleich ums Überleben gehen.

"In einer bedarfsgerechten menschlichen Ökonomie"

Wie genau soll die organisiert sein? Hast du da konkrete Ideen?

"auch die Rechtsnormen - Gesetze sind schlicht Ausdruck von Misstrauen"

Nun ja, Menschen sind nunmal nicht perfekt. Ganz ohne Gesetze wird es vermutlich nie gehen.

"Eigentum ist jedoch eines dieser Privilegien!"

Solange alle dieses Privileg haben können, ist es keines. Zum Privileg wird es nur durch extreme Anhäufung desselben, bei gleichzeitig steigender Not auf der anderen Seite...

"Daher meine Kritik an all den theoretisch brillianten Kräften, die doch nichts dazu tun, die Dinge grundlegend auf den Kopf zu stellen!"

Grundlegendes auf-den-Kopf-stellen funktioniert nicht. Die Leute lachen einen nur aus, das lernt man recht schnell.

Eine Änderung wird dann am besten und stabilsten, wenn sie von einer Mehrheit mitgetragen wird. Eine Mehrheit für etwas zu begeistern ist aber unendlich schwer, erst recht ohne entsprechende finanzielle Mittel. Und es geht langsam, vielleicht zu langsam um die starken destruktiven Kräfte von der Zerstörung des Planeten abzuhalten.

"ostentativ die privilegiertesten unter uns bräuchte, ihre Pfründe abzutreten und den Menschen offen entgegenzukommen."

Nun es gibt historische Beispiele wo einzelne Menschen das getan haben. Es sind aber extreme Einzelfälle. Die Oberschicht ist eben deshalb Oberschicht, weil sie nicht übermässig zu Altruismus neigt. Oder anders: Priviligierte sind priviligiert, weil sie sich einfach die Privilegien nehmen und sie entsprechend verteidigen. Es sind also genau die, die man eigentlich nicht priviligiert haben will. Wenn wir da was ändern wollen, müssen wir auf derselben Ebene agieren...

"gemeinsam zu gestalten und zu leben - ohne Wettkampf, mit Vernunft, Intelligenz und Liebe - wir könnten es - davon bin ich"

Auf den ein- und weitsichtigen, liebenden und auch noch intelligenten Menschen, haben schon ganz andere gehofft.

Ich behaupte mal: (fast) jeder Mensch hat die Anlage dazu, entwickelt ist sie nicht bei allen und um sie aufrecht zu erhalten, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. So rum wird ein Schuh draus.

"schlicht den Mut aufbringen radikale Veränderungen in der Gesellschaft zu fordern."

Fordern kann man viel, was nicht bedeutet, dass man es auch bekommt. Und: die allermeisten Menschen wollen einfach nur ihr Leben leben, das geht idR nicht mehr, wenn man eine revolutionäre Karriere anstrebt.

"Gewinner, die die letzten belebbaren Räume für sich beanspruchen und über ein total kontrolliertes Nutzmenschenheer verfügen"

So ist es doch schon. So ähnlich war es auch schon immer.

"sein Leben lang - Utopien scheinen völlig out zu sein - Vertraut der Mensch seinem eigenen Optimismus nicht?"

Nicht ganz zu Unrecht. Die großen Utopien des letzten Jahrhunderts sind allesamt krachend gescheitert.

Es ist außerdem viel schwieriger eine positivere Welt zu denken, das erfordert viel mehr System- und Menschenkenntnis, als einfach Fehlentwicklungen zu extrapolieren.

Oberham 03.12.2014 | 12:41

... na schön zerpflückt ...... - und ich kann dir nicht widersprechen.

Das waren die pragmatischen Anmerkungen - die täglich in mir spucken - und mir klar machen, dass ich nur träume.

Heute schrieb ich erstmals seit Langem wieder einen kurzen Blog hier.....

Ich hock auf meiner Insel und schau -

wissend, ein lächerlicher Troll zu sein

wissend, dass auch Transition scheitern wird

(es ist meine eingebildete Konstante, die mich das Wort "wissen" nutzen lässt.....)

meine Theorie lautet schlicht -

sich verweigern und Vernunft in das Zentrum seines Handelns zu stellen, bedeutet überleben, ohne zu morden.

würden es viele tun, man fände sich.

Die Menschen hätten die Chance auf eine - sagen wir - positive Welle - der nicht ein Führungsdogma vorsteht, sondern die Einsicht aller.

Repression gäbe es nicht! Der Plutokrat hätte am Ende keinen der die Waffe bedient. Er stünde alleine, gerne in seinem Schloss, gerne auf seiner Yacht - nur - ganz ohne Personal.

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2014 | 12:59

Ja, ich verstehe was dich treibt, ähnliche Vorstellungen und Wünsche haben ja viele, inklusive mir. Verständlich, wo doch die Realität manchmal so frustrierend ist, dass man weinen möchte.

Aber es schadet ja auch nichts in der eigenen kleinen Welt für eine Verbesserung zu kämpfen, im Gegenteil, es kann den Weg bahnen für globale Veränderungen, kann große Leute hervorbringen oder Weltbilder ganzer Gruppen verschieben.

Und selbst wenn es scheitert, so hat man doch Wissen hinzugewonnen. Sofort und erfolgreich am großen Rad drehen, können nur die allerwenigsten...

Costa Esmeralda 03.12.2014 | 16:05

Lieber TL,

Wir wissen, dass die Staaten mit dem "Sozialismus des 21. Jh." (ALBA) die Einkommenspyramide nicht vollkommen auf den Kopf gestellt haben oder in Zukunft stellen. Aber sie haben die nationale Oligarchie (vorerst?) aus der politischen Macht verdrängt und einige Sozialprogramme aufgelegt (besonders Ausbildung und Gesundheit), die langfristig die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern werden. Die Herausbildung einer neuen kleinbürgerlichen bürokratischen Elite ist wohl zwangläufig gegeben (siehe auch die ehemaligen sozialistischen Staaten), da die Zivilgesellschaft (noch) nicht die Stärke hat, sich neuer Herrschaftsformen zu widersetzen, sie jedoch materiell besser als vorher gestellt ist. Für mich ist das Beispiel Bolivien das herausragende Ergebnis einer Umkehrung von Mestizen-Herrschaft (wirtschaftlich und politisch) zu einer einer politischen Indigenen-Macht. Das wird mit der augenblicklich forcierten Ausbildung der Indigenen mittel- und langfristig Konsequenzen haben.

Du hast recht mit der verheerenden Rolle der katholischen Kirche. (Dank für Link "Navas de Tolosa") Die ist nach wie vor gesellschaftlicher Kitt und Unterjochungsinstrument. Jedesmal, wenn ich Versammlungen begann, musste vorher "Gott" angerufen werden, um das Gelingen möglich zu machen. Bei den Indigenen wurde allerdings immer mehr auf ihre Traditionen zurückgegriffen. Ich habe das selbstverständlich mitgemacht. Oft wurde ich auch gebeten, selbst die feierlichen Worte zu sprechen. Aber als Nicht-Christ habe ich ermuntert, auf die eigene Kraft und die der Natur zu setzen. Die religiösen Riten sind selbstverständlich bei Menschen, die jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen müssen. Die Spiritualität wird dann ins Positive gewendet, wenn sie zur Befreiung statt Unterjochung führt. Und das geht auch nur über die befreiende Tat, wenn der Einzelne oder die Gemeinschaft sich der eigenen Kraft und des eigenen Wertes im Kontext mit der Natur bewusst wird.

Die Menschheit hat einen langen Weg zu gehen, wenn sie nicht selbst den kollektiven Selbstmord zelebrieren will. Die erste Strecke dieses Weges ist die Zerschlagung des politischen (sog. pluralistische Demokratie, bei uns BT-Parteien-Diktatur) wie wirtschaftlichen kapitalistischen Systems durch Einstieg in nachhaltige Solidar-Wirtschaft. Der Kapitalismus darf nicht am Ende der menschlichen Geschichte stehen, sonst wird der ökologische Niedergang der Welt nicht aufzuhalten sein.

LG nach Mexiko, CE

Costa Esmeralda 03.12.2014 | 16:41

Lieber Rupert,

m. A. n. muss das antikapitalistisch sein. Das System wird nicht von einem Tag zum anderen über den Haufen geworfen werden können. Das zu denken, wäre völliger Quatsch. Aber was machbar ist, ist der sukzessive Einstieg in alternative, selbstbestimmte Produktionsformen (Solidar-Wirtschaft), der den Kapitalismus Stück für Stück zurückdrängt. Für solche Experimente bekommt man leider bisher in Deutschland nicht einen müden Euro vom Staat. In Brüssel hat man schon vor einigen Jahren eigesehen, dass da eine Förderung einsetzen muss, vor allem auch dort, wo der Kapitalismus glatt versagt. Ganze Regionen liegen mit ihren Ressourcen brach, weil die kapitalistische Massenproduktion alles kurz und klein schlägt. In meiner alten Heimat versuchte ich, etwas auf die Beine zu stellen. Werde es in 2015 ebenfalls versuchen. Aber Politiker wie Behörden wittern sofort Morgenluft, wenn etwas Selbstbestimmtes aus der Region entstehen sollte. Stattdessen wird bspw. in einer vorher sehr diversifizierten Region mit genetischer Vielfalt und Handwerk nur noch Mais und Raps für Biodiesel produziert, und das Handwerk durch Import von Massenware zerstört. Alle Arbeitslosen der Region könnten Arbeit finden und die regionale Wertschöpfung wieder flott machen. Aber das Kapital schickt BT-Parteien-Politiker vor, um das zu verhindern. Es ist ein Trauerspiel.

Selbst in Mega-Städten wäre der Aufbau von Solidar-Wirtschaft möglich, in den Entwicklungs-Ländern sogar viel leichter als bei uns. Die Menschen sind viel erfinderischer in selbstbestimmten Tätigkeiten als bei uns. Leider lässt man ihnen zumeist nur den informellen Sektor des Kleinhandels und der Nahrungsproduktion. Wer da nicht unterkommt, wird von der Drogenmafia abgeschöpft. Aber staatliches Eingreifen durch Ausbildungsprogramme und massenhaft Kreditvergabe für Kooperativen (nach vorheriger Ausbildung) im Textilgewerbe, Bausektor, Möbelherstellung, usw. usf. würde Lebensperspektiven in sicheren Nachbarschaften ermöglichen. Wie Tlacuache richtig sagt, das muss auch einhergehen mit Zurückdrängen der Kirchen, auch protestantische Sekten, und Ersetzen durch eine Spiritualität, die auf Befreiung setzt und auf den Kampf für allgemeine Durchsetzung der universalen Menschenrechte.

Mit Deinem letzten Satz bezüglich der Planwirtschaft hast Du völlig Recht. Die ist wohl endgültig der Geschichte anheimgegeben. Aber aus meinen Ausführungen wirst Du gesehen haben, in welche Richtung meine Gedanken gehen. Und sie sind nicht einfach Utopie. Davon konnte ich mich selbst im Laufe meines Berufslebens an der Basis in vielen Ländern überzeugen.

LG, CE

Manfred Fröhlich 03.12.2014 | 19:18

Freihandel & Kapitalismus töten "die Menschenrechte der Vereinten Nationen“


In seinem Artikel - "Freihandel tötet“ - beschreibt Elmar Altvater (Richter) die Auswirkungen und Ursachen einer fragwürdigen Marktliberalisierung am Beispiel Mexico. Soziale Kollateralschäden werden von Politikern ebenso in Kauf genommen, wie militärische Kollateralschäden. Für sie zählen nur die Wirtschaftserfolge der Konzerne.


Die Demokratie wird den Interessen des Kapitals geopfert. Mit den Freihandelsabkommen wächst nicht nur global die Kluft zwischen Arm und Reich, sondern auch innerhalb der Länder. TTIP und CETA werden diese Katastrophe global extrem beschleunigen. Unsere Politiker haben sich - wider besseren Wissens - gegen die Demokratie, gegen unsere soziale Marktwirtschaft und gegen die Achtung der Menschenwürde (Hartz4) entschieden.


Noch mehr Freihandel - in unserem "entfesselten Kapitalismus“ - bedeutet: immer weniger Sozialsaat, immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse, mehr Schwarzarbeit und immer mehr Kriminalität: Drogenhandel, Erpressung, Diebstahl, Finanzbetrug, Unterschlagung, Bestechung, Urheberrechtsverletzungen, Rechtsbeugungen durch die Justiz und den Staat - Die Würde des Menschen wird in unerträglicher Weise angetastet.


Die Einhaltung der UN-Menschenrechte sollte als Grundbedingung für alle zwischenstaatlichen Beziehungen gelten. Wer oder was hindert uns daran, diesen Weg konsequent zu gehen?

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2014 | 21:01

Danke für die Antwort.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass du zumindest eine Marktwirtschaft (gehen wir mal davon aus, dass dies qualitativ etwas anderes ist als Kapitalismus) schon noch aktzeptieren würdest. Das Problem eher in Billig-Massenproduktion, Geld- und dadurch Perspektivmangel, sowie in Dominanz durch globale Kartelle siehst. Und in einer generellen (undemokratischen und bürgerfernen) Fehlausrichtung der Politik. Schätze ich das richtig ein?

Ich sehe das durchaus sehr ähnlich.

Costa Esmeralda 04.12.2014 | 01:55

Lieber Manfred,

es ist nicht nur der Freihandel, der tötet. Er ist nur das I-Tüpfelchen auf dem Kapitalismus, den er braucht, um 'tabula rasa' mit allen Ressourcen auf der gesamten Erdkugel zu machen. Handel hat es immer gegeben, selbst, wenn er nur innerstaatlich stattfindet. Die Antriebskraft des Kapitalismus, der ungezügelte Akkumulationstrieb der Kapitaleigner, die die Welt als einziges Warenlager betrachten, ist das Menschenverachtende, das im Kern über eine "wehrhafte" (im Sinne von bewusst, und wie Du sagst mit Zielsetzung auf Verwirklichung der Menschenrechte) Zivilgesellschaft mit allen Mitteln verhindert werden muss. Nur Freihandelsverträge kappen ist bessere Kosmetik. Die weltweite Ausbeutung ging ja seit WKII schon wunderbar und ungezügelt ohne diese Verträge über die Bühne (sicher, es gab Verträge in "softeren" Varianten schon vorher, besonders im Rahmen der "internationalen Zusammenarbeit", sprich Entwicklungshilfe, besser gesagt: Ausbeutungshilfe).

Der Ansatz, internationale Zusammenarbeit unter Einhaltung der universalen Menschenrechte zu gestalten, ist genau der richtige Weg. Und dieser, wenn man sich die UN-Charta einmal genau ansieht, ist klar anti-kapitalistisch sowie auch anti-kommunistisch (im Sinne eines bürokratischen Kommunismus/Sozialismus bekannter Sorte, von dem wir die Schnau....e gestrichen voll haben.)

LG, CE

Costa Esmeralda 04.12.2014 | 02:26

Rupert, Markt an sich ist wertfrei. Er ist notwendig, um Güterversorgung herzustellen. Das Problem liegt im Wesen der Marktteilnehmer. Sind diese ausschliesslich Kapitaleigner, werden sie den Markt zur Verwertung ihres Kapitals, zur Akkumulation ausnutzen, auf Kosten der Produzenten und Konsumenten. Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Massenproduktion von einer Reihe von Gütern von heute auf morgen einstellen können. Aber dahin muss es langfristig gehen. Im ersten Ansatz sollte bspw. innerhalb der EU in Regionen wieder mit nachhaltiger, selbstbestimmter Produktion auf Basis lokaler Ressourcen, (Menschen und natürliche Ressourcen) begonnen werden. Diese Produktion wird zu Beginn teurer sein als die importierte Massenproduktion. Aber bei weitgehender Vollbeschäftigung und gerechter Einkommen wird ein Bewusstseinsprozess soweit gedeihen, die lokale Produktion anzunehmen. Stell Dir einmal vor, eine Stadt erlaubte einen Kiosk in McDonald-Nähe aufzustellen, der einfache Essen aus lokaler ökologischer Produktion anbietet. Ich bin mir sicher, dass es keine 5 Jahre braucht, bis der McDonald Pleite macht und der Kiosk in das Gebäude umsiedelt und ein Schnellrestaurant aufmacht, der ausschliesslich lokale Ressoucen ausnutzt. Ikea ist ein anderer Fall: Lokal hergestellte Möbel von lokalen Handwerkern gefertigt können die Ikea-Möbel nach und nach ersetzen, vor allem, wenn die Handwerker Wohnungen und Häuser einrichten. Mein Sohn hatte jetzt bei der Wohnungseinrichtung auf Ikea gesetzt, um Kosten zu sparen. Aber letztendlich kam es teuerer, als lokale Handwerker, bspw. in einer Kooperative organisiert, zu engagieren und lokale Materialien zu benutzen. Anderes Beispiel: Würde aggressiv auf den Ausbau von Nahverkehr gesetzt, wäre das eigene Auto nicht mehr nötig. Eventuell noch Car-sharing, was auch in Form einer Kooperative organisiert werden könnte. Kurz und gut: Es gibt Tausende von Möglichkeiten, in Nischen der kapitalistischen Produktion einzudringen und diese zu ersetzen.

Das wichtigste Beispiel, dass es unserer Generation nicht gelang, den Kapitalismus zu bändigen, ist das Mitbestimmungsgesetz. Das ruft bei mir immer noch Schamgefühle hervor. Wir hatten uns ein tatsächliches Mitbestimmen in grossen Kapitalgesellschaften vorgestellt. Was herausgekommen ist, kennst Du so gut wie ich. Da kann man nur sagen: Schande über die Gewerkschaften und SPD. Letzte tritt immer als Retter des Kapitals auf, wenn es einmal brenzlich werden sollte. Ursache für die Entfremdung der Sozialdemokraten von ursprünglichen Wertvorstellungen ist immer wieder die "condición humana, in diesem Fall das eigene Hemd und die gesicherte Alterversorgung dem gesellschaftlichen Gesamtwohl zu opfern. Das ist Wesensmerkmal des Bürokraten.

LG, CE

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2014 | 03:29

Es wird wohl keine Lösungen für die Welt geben, wie die Welt so zu machen wäre, dass automatisch die Menschen darin auch glücklich sind. Und erst recht keinen Weg für alle von hier nach dorthin. Wir sind ja so entsetzlich viele mittlerweile.


Oberhams Leidenschaft hat mich ja sehr beeindruckt, weil ich es ja auch befürchte, dass auf dieser Welt die meisten empörenden Dinge stattfinden, ohne dass diese Vorgänge von berufsmäßigen Weltverbesserern auch nur bemerkt geschweige denn verändert werden.
Trotzdem, grade weil jeder selbst daran arbeiten muß, glücklich zu werden, muß ein Weltverbesserer eben seine Arbeit machen, an dem kleinen Stückchen Welt an dem man ihn arbeiten lässt, und für das man ihm Kompetenz zubilligt. Und zwar möglichst gut. Mir erscheint der Altvater-Ansatz im obigen Artikel eigentlich ganz gelungen, was mögliche Gesellschaftsveränderungen durch Professoren betrifft.

Aber, wenn Leute wie Oberham kein Remidemi machen, dann werden Leute wie Altvater gar nicht erst um Rat gefragt.

Manfred Fröhlich 04.12.2014 | 20:27

Ja, die UN-Menschenrechte sind der bisher beste gemeinsame Nenner, auf den sich die Völkergemeinschaft verständigt hat.

Diese Ansicht vertrete ich im Prinzip seit 1970. Damals verweigerte ich aus denselben Gründen den Kriegsdienst, die heute noch genauso für mich gültig sind.

Und als "Willy-Wähler“ hatte ich gemeinsame politische Vorstellungen, die ich mit "FDP-Freunden“ teilte, wobei die Inhalte der „Konvergenz-Theorie“ (Stand 1972) mit den Vorstellungen und Hoffnungen von "Michael Gorbatschow“ (Stand 1990-2014) übereinstimmten. - Diese einmalige Chance, für "ein gemeinsames Haus Europa“ hätte auch ein globaler Weg für eine neue, menschenwürdige Weltwirtschaftsordnung sein können. - Sozial, demokratisch und freiheitlich gerecht! - Der offensichtlich völlig entfesselte Kapitalismus ist ausser Kontrolle und mit seiner Dekadenz unerträglich. Der Siegeszug "dieses Kapitalismus“ macht seine Anhänger übermütig, unberechenbar und manche zu Kriegstreibern mit unterschiedlichen Interessen.

Da die SPD zu dumm war, ihren politischen Irrweg 2013 zu beenden, habe ich gehofft, dass unsere Kanzlerin Merkel zeigt, wie "die notwendige Kurskorrektur" zum Vorteil aller Menschen aussehen muss. - Aber das war eine Illusion.

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2014 | 16:29

Ich denke, dass sich demokratische Politik vor allem durch Konkurrenz entwickelt. Durch die Konkurrenz der Systeme. Es ist für den Westen bedauerlich, dass der Realsozialismus weggebrochen ist. Aber ein konkurrierendes System muß es eben zumindest fertigbringen, die eigenen Insassen zu überzeugen. Gleiches gilt auch für andere konkurrierende Systeme. Auch eine kleine Gruppe oder Bande kann ein Subsystem sein, dass dem herrrschenden System eine ganze Anzahl von Menschen entführt. Und damit ihre Stimmen. Sie muß aber wenigstens ihre eigenen Leute belohnen können, wenn sie länger bestehen will, obwohl auch ein kurzes Bestehen die Menschen aus Denklöchern reißen kann, in die sie später nicht mehr zurückfallen können, jedenfalls nicht durch Gelaber und Anpassungsdruck. Gibt es viele kleine Subsysteme mit konträrem Gedankengut, so kann dies für das herrschende System, solange es Demokratie zumindest vorgeben will, durchaus gefährlich werden. Brutalisiert sich das Herrschaftssystem, dann brutalisieren sich natürlich auch die Subsysteme, denn in allgemeiner Verrohung macht es keinen Sinn zimperlich zu sein. Je brutaler, desto primitiver, desto mehr Leute sind intellektuell in der Lage, sich am Aufstand zu beteiligen. Der Versuch Herrschaft durch rohe Gewalt zu zementieren wird deshalb auf die Dauer scheitern. Zumindest ist dies ein wichtiger Faktor.
Eine Strategie für Regierungspolitiker muß nicht unbedingt die richtige Strategie für kleine Grüppchen sein. Einen offensichtlich sehr klugen und von mir respektierten Mann herzlich über einen RAF-Mord lachen zu hören, war für mich ein Erlebnis, das damals dazu geführt hat, Grüne zu wählen statt SPD. Er hatte ja recht, der Lacher: Es gab nichts außer Hörensagen in meinem Leben, womit ich das herrschende System hätte verteidigen können, auch wenn ich zu viel Angst zum Lachen gehabt hätte. Das ist die Funktion kleiner Grüppchen.
Das war zu der Zeit, als Joschka bei der Putztruppe war.
Ganz alleine kann man natürlich auch nichts machen.

In Mexiko sind die Subsysteme dann wohl gewachsen und haben sich vernetzt bis sie Kapital angezogen haben und bis sie zu einem Staat im Staate geworden sind. Offensichtlich sind sie noch in der Lage, ihre Mitglieder zu belohnen. In einem Staat, in dem die Ermordung einer Studentengruppe, von welcher Seite auch immer, ein Argument oder eine Strategie der Drohung oder gar Enthauptung sein kann, muß das Herrschaftssystem wohl extrem korrupt sein.
Da mal einen hinzuschicken um vor Ort zu recherchieren war doch keine schlechte Idee des Basso-Tribunals.