Totenschein für "John Dough"

Black Box Der 11. September 2001 und die Geheimdienste

Schon Hegel und Marx haben sich des öfteren über die "Ironie der Geschichte" mokiert. So pietätlos und zynisch es klingen mag - auch die Geschichte, die in der Katastrophe des 11. September 2001 kulminierte, entbehrt nicht der Ironie, wenn man die - jetzt immer kenntlicher werdende - Verstrickung der Geheimdienste in den folgenschwersten Anschlag der neueren Geschichte in Betracht zieht.

Der kürzlich veröffentlichte Bericht der Untersuchungskommission des US-Kongresses zu den "Hintermännern" des Terroranschlags belegt die Komplizenschaft des saudischen Geheimdienstes mit dem Terrornetzwerk al Qaida. Sowohl die Frau des Botschafters Saudi-Arabiens in Washington als auch ein Geheimdienstagent des Landes namens Omar al Bayoumi haben an zwei der Terrorpiloten erhebliche Geldmengen zwecks Finanzierung ihrer Flugausbildung in den USA überwiesen. Bayoumi selbst befand sich zum Zeitpunkt des Anschlages in Washington und konnte danach unbehelligt nach Riad zurückfliegen. Auch Mitglieder des saudischen Königshauses - der Innenminister inbegriffen - sollen 500 Millionen Dollar an al Qaida gezahlt haben. Robert Baer, ein ehemaliger CIA-Agent, kommentiert die Enthüllungen so: "Wenn man sich die angeblichen Beweise von Powell und Bush gegen den Irak ansieht und dies vergleicht mit dem neuen Kongress-Bericht, dann haben wir eindeutig das falsche Land angegriffen". Bekanntlich waren 15 der Terrorpiloten saudische Staatsbürger.

Gipfel der Ironie aber ist, dass just der US-Präsident, der den "Kampf gegen den Terror" zu seiner Lebensaufgabe erklärt hat, jene 30 Seiten im Untersuchungsbericht schwärzen ließ, aus denen die verdeckte Komplizenschaft der Saudis mit den Attentätern des 11. September hervorging. Die Rolle der Scheichs als Sponsoren des Terrors will die Bush-Regierung lieber vertuschen - gute Beziehungen könnten sonst gestört werden. Schließlich ist Saudi-Arabien der größte Erdölproduzent der Welt, es garantiert einen ziemlich stabilen Ölpreis und ist ein geschätzter Abnehmer von US-Waffen im Nahen und Mittleren Osten.

General Ahmed und Pilot Mohamed

Die - nunmehr bewiesene - Saudi-Connection verkörpert aber nur einen Strang der geheimdienstlichen Komplizenschaft mit dem islamischen Dschihad und den Attentätern des 11. September. Wie Michel Chossudovski in seiner Studie Global brutal anhand eines überwältigenden Quellenmaterials dokumentiert hat (das zum großen Teil aus veröffentlichten Dokumenten des US-Kongresses besteht ), "war es die CIA, die das militante islamistische Netzwerk schuf", das einen "integralen Bestandteil der verdeckten militärisch-geheimdienstlichen Operationen Washingtons bildete".

So bekennt der einstige CIA-Direktor Robert Gates in seinen Memoiren, dass die USA im Sommer 1979 mit verdeckten Hilfsaktionen für islamische Untergrundkämpfer die Sowjetunion zur Intervention in Afghanistan provoziert und damit das Umfeld der künftigen WTC-Terroristen bewaffnet haben. Auch Osama bin Laden und seine Mudschaheddin wurden von der CIA und dem pakistanischen Geheimdienst ISI trainiert, mit Waffen und reichlich Geld versorgt, das zum großen Teil (wie schon beim Iran-Contra-Geschäft) aus dem Drogenhandel stammte. Zbigniew Brzezinski, nationaler Sicherheitsberater von Präsident Carter, prahlte später: "Die Geheimoperation war eine glänzende Idee. Sie hatte den Effekt, die Russen in die afghanische Falle zu locken."

Pakistan wurde für die treuen Dienste, die sein Geheimdienst (mit etwa 150.000 Mitarbeitern) als zentrale Schaltstelle und Vermittler der verdeckten CIA-Operationen leistete, reichlich belohnt, indem es nach dem 11. September flugs zum "neuen Verbündeten" der USA avancierte und Militär- und Wirtschaftshilfe erhielt. Dabei gab es eine verdeckte Kooperation zwischen dem am 7. Oktober entlassenen pakistanischen Geheimdienstchef General Ahmed und dem Terrorpiloten Mohamed Atta, wie ein Bericht in der Times of India schon am 9. Oktober 2001 enthüllte: "Ausgezeichnete Quellen bestätigen (...), dass der General seinen Posten aufgrund der ›Beweise‹ verlor, die Indien vorgelegt hatte, um dessen Verbindungen zu einem der Selbstmordattentäter zu belegen, die das World Trade Center in Schutt und Asche legten. Die US-Behörden verlangten seine Entfernung aus dem Amt, nachdem sie bestätigt fanden, dass Ahmed Umar Sheikh auf Veranlassung von General Ahmed von Pakistan aus 100.000 Dollar an Mohamed Atta überwiesen hatte." Der Artikel in der Times of India basierte auf einem offiziellen Geheimdienstreport der Regierung Indiens, der an Washington weitergeleitet worden war.

Die Enthüllungen dieses Textes belegten nicht nur eine Beziehung zwischen dem ISI-Chef Ahmed und dem Terrorpiloten Atta, sie legten schon damals den Verdacht nahe, "dass die Angriffe vom 11. September kein vereinzelter Terrorakt einer al Qaida-Zelle waren, sondern Teil einer koordinierten militärisch-geheimdienstlichen Operation, die vom pakistanischen Geheimdienst ISI ausging." (Michel Chossudovski). Dieser Verdacht wurde durch das Faktum bestärkt, dass der ISI-Chef Ahmed sechs Tage vor dem 11. September in Washington weilte und Geheimgespräche mit CIA-Direktor George Tenet führte.

Wenn aber die Anschläge von Mitarbeitern des pakistanischen und saudischen Geheimdienstes gesponsert und logistisch mit vorbereitet worden sind, stellt sich die Frage, warum die CIA, die doch beste Beziehungen zu den beiden befreundeten Diensten hatte, davon nichts wusste. Oder hatte auch sie die Finger im Spiel?

Kriegsmarketing und "dirty tricks"

Untersucht man die Geschichte amerikanischer Kriegseintritte, stößt man auf eine verblüffende Kontinuität: Viele dieser Kriege, vor allem jene, die zur Expansion des Empires oder zum Aufbau geostrategisch wertvoller Stützpunkte führten, sind von den jeweiligen US-Regierungen, Militärs und Geheimdiensten erst provoziert worden.

1898 wurde das amerikanische Schlachtschiff Maine im Hafen von Havanna versenkt - angeblich von Kubanern oder Spaniern. Das führte zum spanisch-amerikanischen Krieg, der den USA die Herrschaft über die ehemals spanischen Kolonien in Mittelamerika brachte. Niemand hat je gefragt, was die Maine in diesem Hafen zu suchen hatte. Erst Jahre später wurde bekannt, dass sie aufgrund eines "technischen Effekts explodiert" war.

Soeben erschien im Verlag 2001 die Studie des amerikanischen Journalisten Robert Stinetti über ein Ereignis, das sehr häufig mit dem 11. September 2001 verglichen wird: Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Auch hier findet der Autor Fakten und unterdrückte Beweise dafür, dass die damalige US-Regierung unter Präsident Roosevelt über den japanischen Angriff nicht nur rechtzeitig informiert war, sondern ihn auch provoziert hatte. Die - noch weithin kriegsunwillige - Bevölkerung der USA sollte dadurch bewegt werden, den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu billigen. Die 2.300 toten US-Bürger, die der japanische Angriff kostete, wurden offenbar kaltblütig in Kauf genommen.

Auch der Vietnamkrieg begann mit einer Lüge. Berichte über einen Überfall nordvietnamesischer Boote auf den US-Zerstörer Maddox im Golf von Tonking nahm US- Präsident Johnson 1964 zum Anlass, sich vom Kongress zu einer lange vorbereiteten Serie von Luftschlägen gegen Vietnam ermächtigen zu lassen - der Auftakt zu einer mörderischen Völkerschlacht, die 2,5 Millionen Vietnamesen und 58.000 GI´s das Leben kostete. Tatsächlich war der angebliche Überfall auf den US-Zerstörer von CIA-Agenten inszeniert worden.

Gut zehn Jahre nach der "verdeckten Operation" am Hindukusch, mit der die Amerikaner die Sowjets in die "afghanische Falle" lockten, stimmten sie mit schmutzigen Propagandatricks die eigene und die Weltöffentlichkeit auf die "Operation Wüstensturm" von 1991 ein. Wer kennt sie nicht, die TV-Bilder jener vermeintlichen Krankenschwester, die vor einem US-Kongressausschuss unter Tränen irakische Soldaten beschuldigte, Brutkästen in einer Entbindungsklinik von Kuwait-City geöffnet und kuwaitische Säuglinge massakriert zu haben? Die Lügen hatten kurze Beine: Eine amerikanische PR-Agentur - dieselbe war mit dem Kriegsmarketing für den jüngsten Irakfeldzug betraut - hatte die Geschichte frei erfunden. In der Rolle der Pflegerin war die Tochter des Botschafters von Kuwait zu sehen.

Dass die PR-Abteilungen des Pentagon die Wirkung ihrer Propagandalügen auch auf die spezifisch nationale Gemütslage ihrer Alliierten abzustimmen verstehen, zeigte ihr Vorgehen beim NATO-Krieg gegen Ex-Jugoslawien. Hätten zwei Redakteure des kritischen ARD-Magazins Monitor nicht vor Ort recherchiert, wäre der deutschen Öffentlichkeit wohl nie bewusst geworden, dass es sich bei etlichen "Dokumenten", mittels derer Rudolf Scharping bei seinen täglichen Pressekonferenzen der Öffentlichkeit zu suggerieren suchte, dass es im Kosovo darum gehe, ein "zweites Auschwitz" zu verhindern, um manipuliertes und getürktes Propaganda-Material der albanischen UÇK und ihr nahestehender Geheimdienste handelte. So war der sogenannte "Hufeisenplan", mit dem der serbische Diktator Milos?evic´, angeblich lange vor dem NATO-Krieg, die großflächig angelegte Massenvertreibung der Albaner geplant habe, eine Erfindung der Geheimdienste.

Den Gipfel geheimdienstlicher Perfidie aber bildeten jene Pläne für eine Geheimoperation mit dem Codenamen Northwoods, die der Chef des Vereinten Generalstabs der USA und späterer NATO-Oberbefehlshaber, General Lymann L. Lemnitzer 1962 hatte ausarbeiten lassen. Die "Top secret" gestempelten, mittlerweile freigegebenen Dokumente enthalten seitenweise Vorschläge für "dirty tricks", von deren Ausführung sich die Militärs viel öffentlichen Beifall für einen US-Überfall auf Kuba versprachen. Die Ideen reichten von der Ermordung unschuldiger Bewohner amerikanischer Städte bis hin zu Flugzeugentführungen, Bombenattentaten und vorgetäuschten Anschlägen auf US-Kriegsschiffe: "Wir können ein Schiff in der Bucht von Guantanamo in die Luft jagen und Kuba beschuldigen... Die Listen der Todesopfer in den US-Zeitungen würden eine hilfreiche Welle nationaler Empörung auslösen." (zit. nach Spiegel-online, 10. März 2003) Detailliert ist in den Northwoods-Papieren auch ausgeführt, wie sich mit Hilfe raffinierter Flugrouten, fingierter Flugzeugabstürze und präparierter Wrack-Trümmer der Eindruck erwecken lässt, ein US-Flugzeug sei durch kubanisches Militär abgeschossen worden. Dem Einspruch von Präsidenten Kennedy war es zu danken, dass diese verbrecherischen Pläne nicht ausgeführt wurden.

Aktenzeichen 11/9 ungelöst

Angesichts der ungebrochenen Tradition US-provozierter Kriegseintritte sowie der offenkundigen Propagandalügen, mit denen die Bush-Regierung ihren Präventivkrieg gegen den Irak zu legitimieren suchte, hat man wohl allen Grund, auch die offizielle Version hinsichtlich der Ereignisse des 11. September in Zweifel zu ziehen. Dies umso mehr, als die Bush-Administration schon damals eine lückenlose Aufklärung verweigerte und - unter Berufung auf die "nationalen Sicherheitsinteressen" - wichtige Beweisstücke des monströsen Verbrechens noch immer unter Verschluss hält.

Infolgedessen hat sich nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt eine täglich größer werdende Gemeinde von Skeptikern gebildet, die ihre eigenen Nachforschungen betreiben und diese in dem internationalen Netzwerk unanwsered question.org zu koordinieren suchen. In ihrer alarmierenden Film-Dokumentation Aktenzeichen 11.9 ungelöst. Lügen und Wahrheiten zum 11. September (vom WDR/ Phönix, ausgestrahlt am 20. 6. 2003) haben Willy Brunner und Gerhard Wisnewki ein vorläufiges Resümee dieser weltweit betriebenen Recherchen gezogen.

Hier einige der vielen offenen Fragen, die bislang unbeantwortet blieben: Wie konnten mäßig begabte Flugschüler, die an kleinen einmotorigen Maschinen und ein paar Stunden am Flugsimulator ausgebildet worden waren, Präzisionsflüge mit schweren Yumbo-Jets auf die Twin-Towers durchführen? Wie konnten vier gekaperte Maschinen die vorgeschriebenen Flugrouten verlassen und sich bis zu einer Stunde - unbehelligt von der US-Air-Force - im amerikanischen Luftraum bewegen und die halbe Ostküste entlang fliegen? Und wie war es möglich, dass ein gekapertes Flugzeug just das Pentagon als den best bewachten Gebäudekomplex der Welt, der über eine eigene Luftverteidigung verfügt, im Tiefflug geradewegs ansteuern konnte, ohne vorher abgefangen zu werden?

Wie konnte überhaupt der größte Geheimdienst der Welt von der Vorbereitung eines Attentats dieser Größenordnung nichts mitbekommen haben und doch schon wenige Stunden später der Welt eine komplette Täterliste präsentieren? Es war jedenfalls erstaunlich, wie schnell das FBI die Fotos der Täter vorweisen konnte. Dabei waren die Namen der Todesflieger auf den Passagierlisten der United Airlines nicht zu finden. Auch die Identität der 19 Terrorpiloten ist mindestens ebenso fragwürdig und unbewiesen wie die Behauptung des FBI, sie seien die Todespiloten gewesen. Einige der angeblichen Entführer meldeten sich Tage nach dem Attentat aus Saudi-Arabien.

Die meisten Fragen stellen sich im Zusammenhang mit der dritten Maschine, die ins Pentagon krachte, und der vierten, die sich in Pennsylvania nahe der Stadt Shanksville (Flug UA-93) in die Erde bohrte. Schon die ersten Augenzeugen, die spontan zur Unfallstelle eilten, unter ihnen der Bürgermeister von Shanksville, standen vor einem Rätsel: Sie sahen nur ein etwa sechs Meter tiefes Loch - und sonst nichts. Keine Wrackteile, keine Leichenteile. Als habe sich die Boeing 757 samt Insassen in Luft aufgelöst. Lange bevor die ersten Reporter zur Unfallstelle gerufen wurden, war diese weiträumig abgesperrt: Zutritt verboten! Die US-Regierung gab hierzu keine Erklärung ab, sie hat auch keine wirklich gründliche Untersuchung eingeleitet.

Zum brennenden Pentagon gibt es ebenfalls viele offene Fragen. Die Fassade des getroffenen (gerade restaurierten) Pentagon-Flügels stürzte nachweislich erst später ein, das heißt, offenbar nicht als unmittelbare Folge eines Aufpralls. Und wie in Shanksville hatte sich auch die ins Pentagon krachende Maschine samt allen Passagieren erstaunlicherweise in Luft aufgelöst. Auf den vom Pentagon später freigegebenen Bildern waren weder Wrack-, noch Leichenteile zu sehen. Anders dagegen beim WTC.

Trotz der viel größeren Wucht der Zerstörung fand man in den Trümmern der Twin-Towers etliche Flugzeug-Wrackteile. Andere Informationen, die vielleicht Licht ins Dunkel hätten bringen können, ließ das Pentagon noch am Unglückstage konfiszieren. So zum Beispiel alle Videoaufzeichnungen einer Kamera, die sich auf dem Dach des nahen Sheraton-Hotels befand. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf das Pentagon, auch auf jene Seite, die getroffen wurde. Aus einem der Zimmer des Hotels wurde jedoch ein Amateurvideo aufgenommen, das den Behörden durch die Lappen ging: Das Bild des angeblichen Flugzeugabsturzes zeigt eine nur mäßige Rauchentwicklung - und die Fassade weist keinerlei Einschlaglöcher auf, wie wir sie vom World Trade Center kennen.

Nicht ein Tropfen Blut

Auch von dem mysteriösen Absturz bei Shanksville gibt es eine kurze Aufzeichnung. Sie zeigt eine pilzförmige Rauchsäule, wie sie auch von anderen Augenzeugen beobachtet wurde. Erstaunlicherweise zeigen Bilder von US-Bombeneinschlägen in Afghanistan haargenau dieselbe pilzförmige Rauchsäule wie beim angeblichen Crash von Shanksville.

Stutzig macht auch die Identifizierung der Toten aus dem Pentagon wie der von Shanksville. Durchgeführt wurde sie nicht von zivilen Labors, sondern unter der totalen Kontrolle des Militärs. Die Pathologen veröffentlichten eine umfangreiche Broschüre über die Identifizierung der Toten und Pressemitteilungen mit erstaunlichen Ergebnissen. Erstens: Obwohl man keine Leichenteile von Terroristen fand, hat man trotzdem Totenscheine ausgestellt, alle mit dem Namen "John Dough", was soviel wie "unbekannt" heißt. Zweitens wurden in Shanksville nur etwa fünf Prozent der sterblichen Überreste der Insassen gefunden, die meisten kaum größer als ein Stück Knochen. "Und nicht ein einziger Tropfen Blut. Kein Tropfen!", wie der Leichenbeschauer Wally Miller, der die Leichenteile für das FBI einsammelte, verwundert zu Protokoll gab. Trotzdem wollen die Pathologen ohne Ausnahme alle Toten identifiziert haben.

Auch die Cockpit-Tonbänder der bei Shanksville abgestürzten Maschine mit den letzten Handy-Botschaften der Insassen und den Tonspuren ihres "Kampfes mit den Terrorpiloten" (der in den US-Medien zum nationalen Heldendrama stilisiert wurde), wurden der Presse bis heute vorenthalten. Dabei sollen sie angeblich gefunden worden sein. Jedenfalls wurden sie den Angehörigen, zur Identifizierung der Toten, von Regierungsbeamten privatim vorgespielt. Doch mussten erstere sich verpflichten, darüber völliges Stillschweigen zu wahren.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um bei so vielen mysteriösen Vorgängen und ungelösten Fragen die offizielle Version der US-Regierung in Zweifel und stattdessen eine andere Version ernsthaft in Erwägung zu ziehen: Dass es sich bei den Havarien im Pentagon wie in Shanksville nicht um veritable, vielmehr um fingierte Flugzeugabstürze gehandelt haben könnte - sprich: um Explosionen von Geschossen oder Raketen ohne jegliche Beteiligung von Flugzeugen.

Und damit sind wir wieder bei der "Operation Northwoods" aus der Zeit des Kalten Krieges. Lieferte sie vielleicht die Vorlage für den 11. September? Mit Terrormaschinen als ferngesteuerten Dummys und präparierten Unfallstellen? Eine böse Ahnung, die sich einem besonders im Fall Shanksville aufdrängt. Für den Leichenbeschauer Wally Miller jedenfalls sah die Absturzstelle aus, "als habe jemand einen Mülllaster genommen, ein frei Meter tiefes Loch gegraben und den ganzen Inhalt da hineingekippt!" Und die Passagiere? Sind sie womöglich gar nicht dort ums Leben gekommen, wo man bisher glaubte? - Fragen, die einen frösteln lassen und auf die bislang eindeutige Antworten ausstehen.

Bei aller gebotenen Skepsis gegenüber konspirativen Theorien - die in der "Operation Northwoods" niedergelegten Attentatspläne haben jedenfalls eine frappierende Ähnlichkeit mit der Handschrift der Attentäter des 11. September. Solange die US-Regierung diesbezüglich eine lückenlose Aufklärung verweigert, bleibt der Verdacht bestehen, dass die US-Geheimdienste und womöglich hohe Regierungsvertreter bei dem monströsesten Attentat der Geschichte die Hand mit im Spiele hatten.

Im Cockpit Asiens

Die Frage nach dem cui bono - wem haben die Anschläge genützt? - lässt sich heute schon beantworten. Bereits in der Ära Clinton ersehnten die Vordenker der heutigen Bush-Regierung in den neokonservativen, von Öl- und Rüstungskonzernen geförderten "Think Tanks" eine auf Dauer angelegte Vorherrschaft Amerikas über Eurasien- besonders mehr Einfluss auf Afghanistan, das "Cockpit Asiens", und einen Zugriff auf die Erölvorkommen des Irak. Unter Federführung von Paul Wolfowitz wurde 1997 das Project for The New American Century (PNAC) gegründet, das laut Statut für "Amerikas globale Führerschaft" kämpfte und die Blaupause für einen Präventivkrieg gegen den Irak lieferte. Die Nummern der zehn wichtigsten PNAC-Mitglieder stehen mittlerweile im Telefonverzeichnis der Bush-Administration: unter ihnen Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Richard B. Cheney, Lewis Libby (Stabschef), Richard Armitage (Vize-Außenminister) und Richard Perle (Chef des American Defense Policy).

Um für den weiteren Ausbau des American Empire gerüstet zu sein, verlangte die Lobby-Organisation des PNAC eine zig Milliarden teure "Transformation" des US- Militärs in eine jederzeit global einsetzbare Kriegsmaschinerie: "Dieser Umwandlungsprozess wird wahrscheinlich sehr lange dauern", hieß es noch in einem PNAC-Strategiepapier vom September 2000, "es sei denn, ein katastrophales Ereignis tritt ein, das als Katalysator dient - wie ein neues Pearl Harbor."

Am 11. September 2001 trat jenes "katastrophale Ereignis" ein, das den PNAC- Strategen "als Katalysator diente".

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00:00 15.08.2003

Ausgabe 38/2020

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