Einwanderer in Deutschland: „Wir brachten euch Musik, Politik und Arbeitskampf“

Interview Seit 61 Jahren leben türkeistämmige Einwanderer*innen und ihre Nachkommen offiziell in Deutschland. Ein Gespräch über „Gastarbeiter“, ihre Feierkultur und die Ignoranz der Mehrheitsgesellschaft
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 43/2022
Arbeitsniederlegung von migrantischen Arbeiter:innen beim Autozulieferer Pierburg in Neuss (links); überwiegend türkeistämmige Arbeitnehmer bestreiken das Kölner Werk des Autoherstellers Ford im August 1973 (rechts)
Arbeitsniederlegung von migrantischen Arbeiter:innen beim Autozulieferer Pierburg in Neuss (links); überwiegend türkeistämmige Arbeitnehmer bestreiken das Kölner Werk des Autoherstellers Ford im August 1973 (rechts)

Foto: Hanns J. Hemann/dpa (links), Klaus Rose/dpa (rechts)

Vor 61 Jahren wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland unterzeichnet. 900.000 türkeistämmige Gastarbeiter*innen kamen in den folgenden Jahren zum Arbeiten in die Fremde. Was verbinden Türkeistämmige heute noch mit den ersten Einwanderer*innen? Drei prominente Vertreter*innen der nachfolgenden zweiten und dritten Generation über Arbeit, Leben und Tod in Almanya.

der Freitag: Das Anwerbeabkommen mit der Türkei jährt sich am 30. Oktober zum 61. Mal. Eine ungerade Zahl. Trotzdem ein Tag zum Erinnern?

Sevim Aydin: Mich erinnert es daran, wie ich mit sechs Jahren nach Deutschland kam, in der Schule saß und kein Wort Deutsch konnte. Welche Angst ich hatte, beim Sprechen Fehler zu machen. Meine Mutter konnte nicht lesen und schreiben,

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