Wolfgang Michal
Ausgabe 2713 | 18.07.2013 | 06:00 21

Uns steht eine neue Netzguerilla bevor

Geheimdienste Erst jetzt wird der Zusammenhang deutlich – zwischen dem Buch Cypherpunks und den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden

Uns steht eine neue Netzguerilla bevor

Foto: Greg Wood / AFP / Getty Images

Erst jetzt wird der Zusammenhang deutlich – zwischen dem Buch Cypherpunks und den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Im März 2012 führten die vier Netzexperten Julian Assange, Andy Müller-Maguhn, Jacob Appelbaum und Jérémie Zimmermann ein Gespräch, das hierzulande als alarmistisch und „verrückt“ abgetan worden ist. Es kündete von einer Radikalisierung innerhalb der Netz- und Hackerszene, die gewisse Ähnlichkeiten zur Zerfallsphase der Studentenbewegung aufweist.

Mehrere Entwicklungen deuten in diese Richtung: Auffallend ist zunächst die seit der Demontage von WikiLeaks bei wichtigen Vordenkern stattfindende Desillusionierung in Sachen Internet. Aus dem „Paradies der Freiheit“ ist quasi über Nacht die „Hölle der Überwachung“ geworden. Es zeigt sich – zweitens – das aus der Desillusionierung hervorgehende Bewusstsein, dass man es mit einem „tendenziell totalitären“ militärisch-postindustriellen Komplex aus Geheimdiensten, Armee, Polizei und IT-Unternehmen zu tun hat. Und es findet sich – drittens – der aus dem politischen Bewusstsein abgeleitete Gedanke, möglichst schnell ein hermetisches Gegensystem aufbauen zu müssen, mit eigener Krypto-Kommunikation und eigener Geldversorgung.

Die Mobilisierungsfähigkeit der Bevölkerung wird dagegen distanziert betrachtet. Man hält die Menschen für manipulierbar und auch für tendenziell hilflos. Alle demokratischen Kontrollen scheinen zu versagen. Eine Lösung erblicken die Radikalen nur noch in der Militanz. Nur „eine Elite von High-Tech-Rebellen“, heißt es in Cypherpunks, sei in der Lage, sich dem „Moloch Überwachungsstaat“ zu entziehen.

Das klingt nun gar nicht mehr so abstrus. Mithilfe von Drohnen, Servern und Filtersoftware, heißt es weiter, werde ein „weltweites Spionage- und Zensurregime“ errichtet. Das Internet sei heute „eine riesige Spionagemaschine“.

Die nun enthüllte „Five Eyes electronic eavesdropping alliance“, bestehend aus den Geheimdiensten Großbritanniens, der USA, Kanadas, Australiens und Neuseelands, kommt dem vermeintlichen Zerrbild schon ziemlich nahe.

Das liest sich – wie gesagt – im Jahr 2013 anders als noch im Jahr 2012. Vielleicht müssen wir das Internetzeitalter künftig in eine Zeit vor und in eine Zeit nach Snowden einteilen. Die Zeit der Happenings und des spielerischen Umgangs mit dem Netz ist jedenfalls vorbei. Den Netzpolitikern, die seit Jahren mit zäher Kleinarbeit und demokratischen Mitteln für ein freies Internet kämpfen, erwächst daraus eine neue Verantwortung: Sie müssen den radikalisierten Gruppen – die sich mit Kleinkram nicht mehr abspeisen lassen werden – eine überzeugende Alternative anbieten. Das heißt: Die (europäische) Netzpolitik muss endlich liefern.

Prism und Tempora könnten sich als Geburtshelfer einer militanten Netzguerilla entpuppen – was die These bestärkt, dass unkontrollierte Geheimdienste immer genau das hervorbringen, was sie zu bekämpfen vorgeben.

Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden die ehemaligen Vertreter der Studentenbewegung häufig mit der unangenehmen Frage konfrontiert, warum sie die Abspaltung und das Abgleiten mancher Gruppierungen in den Untergrund nicht erkannt und verhindert haben. Möglicherweise stehen wir heute vor einer ähnlichen Weggabelung.

Wolfgang Michal ist Mitbegründer von carta.info

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 27/13.

Kommentare (21)

IronCandy 20.07.2013 | 12:52

"Prism und Tempora könnten sich als Geburtshelfer einer militanten Netzguerilla entpuppen – was die These bestärkt, dass unkontrollierte Geheimdienste immer genau das hervorbringen, was sie zu bekämpfen vorgeben."

Ja! Hoffentlich machen die dass, dann haben die Kontollfreaks wieder nen neues Feindbild. Al-Kaida und co sind ja so ziehmlich ausgebrand bzw. -gelutscht und selbst das dümmste Schaff merkt iwann dass wir diese Leute gerade mit Giftgas beliefern.

Hey Assange alter Hütchenspieler weißt du noch wer immernoch im Knast sitzt für des tolle Video?

Wie wärs mal mit nem Aufrüf zum politischen Widerstand? Ne Partei die den Willen dieser Netzguerilla auch real umsetzen will und zwar legal und vielleicht sogar... ähm demokratisch darüber abstimmt?

alterknacker 20.07.2013 | 13:45

Zitat aus dem Beitrag: “Die nun enthüllte „Five Eyes electronic eavesdropping alliance“, bestehend aus den Geheimdiensten Großbritanniens, der USA, Kanadas, Australiens und Neuseelands, kommt dem vermeintlichen Zerrbild schon ziemlich nahe.

Das liest sich – wie gesagt – im Jahr 2013 anders als noch im Jahr 2012. Vielleicht müssen wir das Internetzeitalter künftig in eine Zeit vor und in eine Zeit nach Snowden einteilen. Die Zeit der Happenings und des spielerischen Umgangs mit dem Netz ist jedenfalls vorbei. Den Netzpolitikern, die seit Jahren mit zäher Kleinarbeit und demokratischen Mitteln für ein freies Internet kämpfen, erwächst daraus eine neue Verantwortung: Sie müssen den radikalisierten Gruppen – die sich mit Kleinkram nicht mehr abspeisen lassen werden – eine überzeugende Alternative anbieten. Das heißt: Die (europäische) Netzpolitik muss endlich liefern.”

*Die Netzpolitik muss endlich liefern? – Wer? – Wo ist diese Netzpolitik? – Unsere Politiker??? – Mit #Neuland??? – Mit Verschweigen und/oder Ignorieren???*

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Ehemaliger Nutzer 22.07.2013 | 08:23

Solange den meisten Menschen egal ist, ob jeder ihrer Schritte überwacht wird, weil das ja keine direkten und spürbaren Konsequenzen hat, wird gar nichts passieren.

Das Internet war auch noch nie ein Ort der Freiheit, was jeder erfahren kann, der sich einmal mit der Relevanz der Suchergebnisse einer Suchmaschine beschäftigt hat. Google findet vorrangig das, wofür entweder gezahlt wurde oder Werbung generiert werden kann.

Das Internet in der Traumwelt der Menschen ist tot. Die Leichenfledderer der NSA sind da nur das Sahnehäubchen auf der Leiche.

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Ehemaliger Nutzer 23.07.2013 | 01:57

"Solange den meisten Menschen egal ist, ob jeder ihrer Schritte überwacht wird, weil das ja keine direkten und spürbaren Konsequenzen hat, wird gar nichts passieren."

Es ist den meisten aber nicht egal, sonst gäbe es derzeit nicht so einen Aufruhr. Ob unsere pseudodemokratischen Herrscher das beeindruckt? Vermutlich nicht. Und jeder der gegen Amiland aufsteht und denen auch nur auf die Finger klopfen will, wird bedroht. Ich zitiere mal Albrecht Müller:

"...riet mir aber dringend, davon abzulassen, weiter in der Sache herum zu bohren. Mein Grundrecht auf Unversehrtheit könnte beschädigt werden."

http://www.nachdenkseiten.de/?p=18041

Ungeheuerlich! Die Durchgriffsmacht und das Einschüchterungspotential der Amis ist gewaltig, überall sitzen geschmierte Lakaien und wer nicht spurt landet in geheimen Foltergefängnissen. DAS ist die Message und sie ist bei allen angekommen. Es ist die Message eines faschistisch-autokratischen Staates der die Welt beherrschen will. Eigentlich wissen wir das längst, aber Snowden stört den Verdrängungsprozess.

"Das Internet war auch noch nie ein Ort der Freiheit, was jeder erfahren kann, der sich einmal mit der Relevanz der Suchergebnisse einer Suchmaschine beschäftigt hat. Google findet vorrangig das, wofür entweder gezahlt wurde oder Werbung generiert werden kann."

Jein. Ich kann mich noch an den rasanten Aufstieg erinnern und google ist aufgestiegen, WEIL es die überlegeneren Suchalgos verwendet hat. Das war damals ein richtiger Qualitätssprung. Auch war die Werbung da viel diskreter als bei anderen Portalen. Und alternative Suchmaschinen gibts nach wie vor, was ich manchmal noch benutze ist z.B. metager.

"Das Internet in der Traumwelt der Menschen ist tot. Die Leichenfledderer der NSA sind da nur das Sahnehäubchen auf der Leiche."

Das ist mir zu negativ. Das einzig stetige am Internet ist der Wandel. Und kein Zweifel: die Kryptoszene dürfte Aufwind bekommen. Echte Terroristen werden wieder auf geheime Briefkästen ausweichen und die anderen werden zumindest vorsichtiger, vielleicht doch mal TOR benutzen oder ein Alias, statt einem Klarnamen verwenden (i Abmahndeutschland sowieso dringend zu empfehlen).

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Ehemaliger Nutzer 23.07.2013 | 07:10

Fazit: Frau Merkel weiß zwar nicht, ob es eine flächendeckende Datenabschöpfung der Bundesbürger durch US-Geheimdienste gibt. Auch auf die Frage, wie eng deutsche Geheimdienste mit der NSA im Bunde sind, hat sie keine endgültige Antwort. Sie kann nicht ausschließen, dass unser grundgesetzlich garantiertes Brief- und Fernmeldegeheimnis permanent und flächendeckend verletzt wird. Aber sie weiß, dass wir nicht in einem Überwachungsstaat leben. Das ist ein Widerspruch in sich!

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/faktencheck-merkel-und-der-ueberwachungsstaat-a-912352.html

Ist euch mal aufgefallen, was das für ein Unterschied ist beim ehemaligen Nachrichtenmagazin, seit der Geheimdienst-Mascolo weg ist? Die werden auf ihre alten Tage regelrecht bellikos in der NSA-Sache. Besonders schockierend:

SPIEGEL ONLINE und die Dokumentationsjournalisten des SPIEGEL machen den Faktencheck

WHOA, es gibt beim Spiegel Journalisten, die Faktenchecks machen können?! Wo haben sie die denn all die Jahre gelagert?! In der Kryo-Kammer im Regierungsbunker? Gut, wenn man dann den Text liest, sind das eher "Journalisten" ala "Bild" und "Super-Illu". Currywurstjournalismus halt.

http://blog.fefe.de/

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Ehemaliger Nutzer 23.07.2013 | 07:14

Wisst ihr, was Big Data ist? Nee? Big Data ist, wenn man alle Daten mit dem großen Datenstaubsauger mitnimmt. Alles, was man kriegen kann. Jeder Fitzel wird mitgeschnitten und in die Datenbank getan. Und später kann man dann ja sehen, welcher Teil davon sich als nützlich erweist. Mit anderen Worten: Das ist das, was die NSA tut. Big Data ist ein Synonym für die NSA-Methode.

Das ist aber noch nicht so richtig bei der Bevölkerung angekommen. Big Data ist noch viel zu positiv besetzt. Es liegt an uns allen, das zu ändern.

Als ersten Schritt müssen wir mal anfangen, Big Data Projekte als solche zu benennen. Die "LKW-Maut" ist z.B. Big Data. Die Gesundheitskarte ist Big Data. Elena ist Big Data.

Hier wird die NSAisierung der Bevölkerung betrieben.

Und einen Punkt möchte ich noch machen: Lasst euch niemals so ein Projekt mit Effizienzsteigerung als Argument verkaufen. Es ist Absicht, dass unsere Regierung ineffizient ist. Das ist absichtlich tiefgehend in die DNA unseres Rechtsstaates eingearbeitet. Bei Computerprogrammen will man Effizienz, weil man die vorher testen kann, auch mit Livedaten. Eine Regierung kann man nicht testen, daher muss man dafür sorgen, dass die Dinge langsam ablaufen. So langsam, dass man im Notfall eingreifen kann, bevor jemand zu großen Schaden anrichtet.

Und wenn man eine durch und durch kriminelle Regierung hat, die sich dieser durch Ineffizienz erzwungenen Transparenz entziehen will, bleiben ihr nur offensichtlich hintertriebene Schurkenmethoden wie einfach alle relevanten Handlungen als geheim zu erklären und Journalisten zu verfolgen, die trotzdem darüber berichten. Die Designer unseres Rechtsstaates haben nicht für möglich gehalten, dass jemals jemand so tief sinken würde. Die kannten halt die Merkel noch nicht.

http://blog.fefe.de/

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Ehemaliger Nutzer 23.07.2013 | 13:58

Wenn man den Fehler macht und nur sein direktes Umfeld betrachtet, könnte der Eindruck entstehen, dass "alle sich aufregen". Das ist nicht so. Ein ehemaliger Kollege, studiert, klug, welterfahren, mit dem ich darüber sprach, sah mich während des Gespräches an wie die aus Geschichten kolportierte Kuh beim Donnern. Der hat, obwohl er intelligent ist, keinen Bezug zu sich selbst hergestellt. Dem habe ich dann gezeigt, live und in Farbe, was ich über ihn herausfinden kann, wenn er mir nur 5 Minuten sein Telefon und sein Notebook aushändigt.

Die Bedrohung ist zu abstrakt und deshalb für einige Menschen nicht greifbar.

Meine Aussicht ist leider nicht zu negativ. Ist es denn wirklich eine Alternative sich verstellen zu müssen, sich neue Namen ausdenken zu müssen, um im Internet frei zu sein, einen Browser zu nutzen, den auch Kinderficker nutzen, damit sie nicht erwischt werden ??? Nein, als Bürger, so ist der Deal in einer Demokratie, verzichte ich auf die Ausübung von Macht und Gewalt und übertrage dieses dem Staat, der es zum Schutz aller und zur Wahrung der Würde, der Freiheit und der Unversehrtheit aller in diesem Staat lebenden Menschen quasi als Treuhänder verwaltet. Staaten, die ihre Bürger derart überwachen, haben diesen Vertrag mit dem Bürger aufgekündigt.

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Ehemaliger Nutzer 24.07.2013 | 23:48

Umfeld-Eindrücke sind zwangsweise subjektiv. Tatsache ist, dass die Medien hyperventilieren und das obwohl die meisten traditionell amerikafreundlich sind.

Die Überwachung an sich ist dabei ebensowenig ein Problem, wie die gespeicherten Daten. Das Problem liegt darin, dass imkompetente Behörden unter Erfolgsdruck darauf Zugriff haben:

http://www.heise.de/ct/artikel/Globaler-Abhoerwahn-1913829.html

"Die Bedrohung ist zu abstrakt und deshalb für einige Menschen nicht greifbar."

Ja, das Thema ist sperrig, deshalb wiegen sich Amis und Merkel auch in Sicherheit. Nichtdestotrotz wird die Snowdensache Folgen haben und wenn sie nur in einer weiteren Erosion des Vertrauens in politische Instanzen und ins amerikanische Empire bestehen.

Die überwachungsgefährdeten Bevölkerungsteile werden sich jetzt mit Sicherheit auch mehr vorsehen und generell ist es ein riesiger Gewinn, wenn die Geheimdienstsachen aus der VT-Ecke ans Licht geholt werden. Manche Sachen sind so unglaublich, dass man selbst mit sicheren Zeugen Probleme hat sie zu glauben, was wiederrum Auswirkungen hat, wenn Geheimdienstopfer sich z.B. juristisch wehren wollen.

"Staaten, die ihre Bürger derart überwachen, haben diesen Vertrag mit dem Bürger aufgekündigt."

Also quasi alle? Ist nicht schon diese Erkenntnis Gold wert?

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Ehemaliger Nutzer 25.07.2013 | 19:07

Ob das Gold wert ist, werden wir sehen. Auf der einen Seite gibt es ein Rumoren, das, wenn es langsam anschwillt, dazu führt, dass das Internet ganz generell verliert. Das wäre für junge Start-ups eine Katastrophe.

Es ist gut, dass den Leuten bewusst wird, dass das Internet unsicher ist, aber was ist mit Smart Grids, ohne die keine alternative Energiesicherung möglich ist, was ist mit virtuellen Kraftwerken, was ist mit all den Steuerungsfunktionen der modernen Haustechnik, die man eigentlich, wenn man das Ausmaß der Enthüllungen ernst nimmt, nicht mehr nutzen dürfte??? Die NSA verbaut durch das paranoide Verhalten die Zukunft und ein sicheres Internet sehe ich nicht realisierbar. Was also tun?

Wie Sie sehen, stehen wir erst am Anfang der Probleme, die uns die NSA eingebrockt hat.

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Ehemaliger Nutzer 26.07.2013 | 11:52

"Es ist gut, dass den Leuten bewusst wird, dass das Internet unsicher ist, aber was ist mit Smart Grids, ohne die keine alternative Energiesicherung möglich ist, was ist mit virtuellen Kraftwerken, was ist mit all den Steuerungsfunktionen der modernen Haustechnik, die man eigentlich, wenn man das Ausmaß der Enthüllungen ernst nimmt, nicht mehr nutzen dürfte?"

Inwiefern betrifft das SmartGrids? Und die moderne Haustechnik wird seit Jahren gehypt und trotzdem hat sie niemand: zu teuer und zu fehleranfällig und idR überflüssig.

"Die NSA verbaut durch das paranoide Verhalten die Zukunft und ein sicheres Internet sehe ich nicht realisierbar."

Absolute Sicherheiten gibt es nie und die Amis werden immer abhören. Was D tun könnte:

1) Verschlüsselung fördern (Störerhaftung abschaffen, schnelle TOR-Server aufbauen, verbesserte Standards für Mobilfunk etc.)

2) Keinen Austausch mit anderen Geheimdiensten mehr (das unterwandert nationale Regelungen komplett)

3) Die NSA rauswerfen. Nein, nicht darum bitten, dass sie geht, sondern die vor die Tür setzen. Die USA sind derzeit historisch schwach, wir sollten das nutzen und uns endlich befreien.

4) Dem parlamentarischen Kontrollgremium einen Bürgerauschuß zur Seite stellen.

5) Aktivitäten von BND und Verfassungschutz und was es sonst noch an Untereinheiten gibt, nach einer gewissen (nicht zu langen) Zeit verpflichtend öffentlich machen (siehe USA)

6) Verbot von Geheimgesetzen und Geheimverträgen (des Staates mit Dritten).

7) Einschränkung der Tätigkeit von BND und Verfassungschutz, bzw. Prüfung was nötig ist und inwiefern die bisherige Arbeit überhaupt was gebracht hat. Da bin ich aber kein Spezialist. Ich halte die Grundrechte verletzende Geheimdienste generell für problematisch.

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Ehemaliger Nutzer 28.07.2013 | 16:36

Erstens bedingt eine dezentrale Energieversorgung die Kommunikation über Internet oder Intranet und damit eine exakte Abbildung dessen, was in einem Haus oder Wohnung vorgeht. Schauen Sie sich einmal an, was Sie bekommen, wenn Sie alle Daten des Smartphones, alle verfügbaren Daten des Internetverkehrs und alle Daten über die Nutzung der Haustechnik miteinander verknüpfen. Damit in Summe ist jeder Mensch komplett berechenbar und der Mitarbeiter der NSA wüsste bereits um 9 Uhr, was die Zielperson um 10 Uhr tun wird.

TOR ist fein, nutzt aber nichts, weil die Metadaten und alle vom Nutzer übertragenen Daten wie Grafikkarte, Rechner, Betriebssystem etc. komplett ausreichen, um einen Menschen zu identifizieren. Dem entgehen Sie nur, wenn Sie mit einem Komplettavatar surfen, wobei die Hardwarekomponenten sich ständig (virtuell) ändern müssen.

Wollten Sie beispielsweise anonym telefonieren, dürfen Sie auch nur jede (anonym vorangemeldete) SIM-Karte einmal nutzen, aber eben auch, was viele vergessen, die Hardware nur einmal nutzen! Im Netz identifizieren Sie sich mit beidem.

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Ehemaliger Nutzer 29.07.2013 | 15:39

"Erstens bedingt eine dezentrale Energieversorgung die Kommunikation über Internet oder Intranet und damit eine exakte Abbildung dessen, was in einem Haus oder Wohnung vorgeht."

Das hängt von deren Granularität ab, man muss nicht zwingend Wohnungen vernetzen, man kann es auch mit Blöcken oder Straßenzügen tun. Was dann keine nutzenswerten Rückschlüsse mehr erlaubt.

"TOR ist fein, nutzt aber nichts, weil die Metadaten und alle vom Nutzer übertragenen Daten wie Grafikkarte, Rechner, Betriebssystem etc. komplett ausreichen, um einen Menschen zu identifizieren."

Ja, der Fingerabdruck des Browsers. Gab es gerade heute einen guten Artikel von TP, in dem das auch erwähnt wird:

http://www.heise.de/tp/artikel/39/39575/1.html

Nichtsdestotrotz nur eine Frage der Software und Browser gibt es ja genug und Problembewusstsein (jetzt) auch (zumindest auf Seiten der Entwickler).

"Wollten Sie beispielsweise anonym telefonieren, dürfen Sie auch nur jede (anonym vorangemeldete) SIM-Karte einmal."

Ja, telefonieren ist noch sehr hardwaregebunden. Die Lösung wäre allerdings einfach: anonyme Prepaid-SIM-Karten. Die hat man bewusst abgeschafft, weil abgeblich kriminelle Banden die benutzt haben. Die kann man auch mehrmal benutzen, solange man dich nicht zuordnen kann, ist das recht sicher, allerdings lassen sich natürlich Rückschlüsse auf deine Identität schliessen, wenn du öfter damit telefonierst.

Da bestimmt 99% der Telefongespräche aber ohnehin national sind, könnten wir das durchaus auch national lösen, zumindest solange wir die anderen Geheimdienste weitgehend draußen halten.

Ich habe nichtmal was gegen Vorratdatenspeicherung, wenn der Zugriff wirklich streng reguliert wäre und ich den Instanzen vertrauen würde. Tue ich aber nicht. Nicht in diesem undemokratischen Lügenstaat.

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Ehemaliger Nutzer 30.07.2013 | 14:51

National kann man eben nichts lösen, genau das ist ja das Problem. Auf Gesetze zu vertrauen, hilft nicht viel, wenn Dienste sich daran nicht gebunden fühlen oder Befugnisse so auslegen, wie sie es selbst für richtig halten. Es gibt keinen Schutz der Privatheit mehr, und genau das ist das Problem.

Dabei ist es eben nicht egal, ob junge Menschen aus Unerfahrenheit oder Exibitionismus auf Facebook ihre Seelen und ihre Psyche entblättern, weil sie selbst oft gar nicht wissen, was sich daraus in 10, 20 oder 30 Jahren entwickeln kann. Die Privatheit ist ein Schutzraum für jeden Menschen, und genau der wird ihm entweder genommen oder er entblösst sich selbst, weil es cool ist. Die Folge ist Stress, Druck, Angst, und das in Summe und Steigerung zerstört jede Gesellschaft. Der Zusammenhalt von Gruppen ist nur dann möglich, wenn eben nicht jeder alles über jeden weiß, sondern Menschen auch ihr Gesicht bewahren können.

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Ehemaliger Nutzer 30.07.2013 | 23:20

"National kann man eben nichts lösen,"

Wieso nicht? Ob der Ami Daten erhebt, muss mich nicht jucken, wenn die Daten nie in D aufschlagen und das CIA hier verboten ist. Nur eine Gesetzesfrage.

"Auf Gesetze zu vertrauen, hilft nicht viel, wenn Dienste sich daran nicht gebunden fühlen oder Befugnisse so auslegen, wie sie es selbst für richtig halten."

National nur eine Frage der Gesetze und Kontrolle (die derzeit nicht ausreicht). Die sind ja keine Mafia, sondern hängen komplett am Staatstropf (zumindest unsere Dienste, das CIA hatte wohl auch Drogeneinnahmen).

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2013 | 10:01

Nun, die Daten suchen sich einen Weg. Das Internet besteht ja nicht aus einer Ordnung, die mit dem Reinheitsgebot der deutschen Brauer zu vergleichen ist. Wenn Sie Pech haben, sucht sich eine Mail von Deutschland nach Frankreich den östlichen Weg und vagabundiert einmal um den Globus, nur um von Kehl am Rhein nach Straßburg zu kommen.

Gesetze bringen gar nichts. Denken Sie doch einmal nach: Trotz einer Totalüberwachung der NSA (und aller anderen) gibt es Drogenhandel, Geldwäsche und Organisierte Kriminalität. Warum wohl? .... weil die ausschließlich Brieftauben für die Kommunikation nutzen? Der Autor Mario Puzo (Der Pate) hat es einmal wie folgt auf den Punkt gebracht: "Politik und Organisierte Kriminalität sind ein und dasselbe".

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2013 | 12:36

"Nun, die Daten suchen sich einen Weg. Das Internet besteht ja nicht aus einer Ordnung, die mit dem Reinheitsgebot der deutschen Brauer zu vergleichen ist. Wenn Sie Pech haben, sucht sich eine Mail von Deutschland nach Frankreich den östlichen Weg und vagabundiert einmal um den Globus, nur um von Kehl am Rhein nach Straßburg zu kommen."

Ich wiederhole mich: Ob der Ami Daten erhebt, muss mich nicht jucken, wenn die Daten nie in D aufschlagen und das CIA hier verboten ist.

"Gesetze bringen gar nichts."

Wie pessimistisch. Und natürlich so pauschal nicht richtig. Gesetze bringen nur dann was, wenn sie gut gemacht sind und umgesetzt werden (können). Dieser Formulierung würde ich eher zustimmen.

Daher sehe ich das ganze internationale Verhandlungstheater als nichts weiter als eine Vorstellung fürs dumme Publikum. Im Zweifel kann man dort getroffene Vereinbarungen weder richtig kontrollieren noch sanktionieren. Wir müssen es national machen, denn nur dort haben wir eine wirkungsvolle Exekutive.

"Politik und Organisierte Kriminalität sind ein und dasselbe".

In dem Fall müssen wir nicht weiterdiskutieren. Ein Rückzug ins Private wäre der einzige sichere und sinnvolle Weg. Aber natürlich ist auch das zu pauschal, Politik wurde immer auch von Idealisten weitergetragen. Unverkennbar hat sich seit dem Mittelalter doch einiges getan (wenn auch depremierend langsam), die positiven Kräfte überwiegen die negativen langfristig offenbar leicht...

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2013 | 14:15

Sie verkennen, dass nicht nur die Amerikaner abhören, scannen und mitlesen, sondern alle, die technisch dazu in der Lage sind, tun das. Es ist in dieser Logik bei der Konstruktion des Internets tatsächlich egal, wo ein Gesetz gilt und wo nicht. Die Fokussierung auf die "Amis" bringt Ihnen die Privatheit nicht zurück.

Gesetze, und dies habe ich in diesem Leben oft genug gelernt, sind allein für die Masse gemacht, von denen sich meist diejenigen ausnehmen, die sie machen. Ich kenne nicht ein Land auf der Welt, und ich kenne viele, in dem allgemeingültige Gesetze auch auf jeden angewandt werden. Der Satz "vor dem Gesetz sind alle gleich" bringt mich nicht einmal zum schmunzeln.

Ins Private wollte ich mich nicht zurückziehen, weil man aus dem Alltag heraus mehr mehr ändern kann, als man glaubt. Politiker brauche ich dazu nicht, wozu auch? Wenn ich mich mit Dummheit und Korruption umgeben will, sehe ich mir ein Interview der FIFA an.

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2013 | 15:15

"Sie verkennen, dass nicht nur die Amerikaner abhören, scannen und mitlesen, sondern alle, die technisch dazu in der Lage sind, tun das."

Was nicht so viele sind, Knotenpunkte an Tiefseekabeln zu belauschen, schafft nicht jeder.

Im nationalen Rahmen kann man derartige Belauschung wenigsten rechtlich und technisch erschweren. Deinen pauschalen Kulturpessimismus mag ich so nicht teilen. Man erreicht nie einen wünschenswerten Optimalzustand, aber man sollte auch nie aufhören darauf hinzuarbeiten. Tut man es nicht mehr, hat man schon verloren...

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2013 | 16:53

Ich will Sie nicht enttäuschen, aber als ich im Jahre 2004 in einem Internetcafe mitten in Beijing die drei Suchbegriffe "Sex", "Trotzki" und "Betrug" eingegeben habe, war die Internethühnerbatterie, so sahen Internetcafes damals aus, innerhalb von 7 Minuten an allen vier Ausgängen mit 2 Polizisten besetzt und etwa 100 Nutzer mussten sich ausweisen und wurden verhört. Die Chinesen dürften heute eher besser geworden sein. Ähnliches habe ich in allen Ländern gemacht, die wenig mit Freiheitsrechten anzufangen wissen und die Ergebnisse waren identisch in der Wirkung.

Machen Sie sich davon frei, dass ein Text im Internet auch nur in rudimenten einen Schutz genießt und nicht jedem offen ist, der es darauf anlegt.