Unser Feminismus-Knigge

Gender Frauen verlangen zu oft zu wenig Gehalt. Selbst Annegret Kramp-Karrenbauer könnte bald ohne Einkommen dastehen. Zeit, das sich was ändert
Unser Feminismus-Knigge
Eine Demonstrantin beim „Women's March“ in Berlin

Foto: Adam Berry/Getty Images

Feminismus ist eine Falle. Alles macht man falsch, nichts darf man mehr. Zum Glück beantworten wir die drängendsten Gretchenfragen jetzt hier. Im Knigge steht, der Feminismus sei ein System, dem „Moral und Weltklugheit“ zugrunde lägen – da haben sie etwas gemeinsam. Los geht’s:

Geschafft. Sie sind Feministin und haben es im Haifischbecken des Spätkapitalismus trotz aller Widrigkeiten zu Personalverantwortung gebracht. Mit dem knappen Budget kommen Sie erstaunlich gut hin: denn die Bewerberin für die neue Stelle verhandelt mal wieder nicht. Moment mal: Dürfen Sie schlecht zahlen, wenn die Frau nun einmal nicht mehr verlangt hat?

Die gute Nachricht: Sie dürften. Schon Sartre meinte, Frauen seien halb Opfer und halb selbst schuld. Warum also sollte es Ihre Verantwortung sein, den Gender-Pay-Gap auszuräumen? Bereinigt liegt der ohnehin nur bei sechs Prozent. Sie könnten so nett sein, einen Link zu hilfreichen Artikeln hinterherzuschicken: drei Zahlen, die man beim Gehaltsgespräch im Kopf haben sollte (tz), sechs Wörter, die man vermeiden sollte (Merkur), oder zu einem Artikel aus dem Business Insider, wonach es ohnehin völlig egal ist, was man im Gehaltsgespräch sagt, weil Chefs nur interessiert, was man nicht sagt.

Die schlechte Nachricht: Sie sollten nicht. Miese Verhandlungen kommen in den besten Karrieren vor: Weil der CDU-Vorsitz ein Ehrenamt ist, könnte Annegret Kramp-Karrenbauer bald ohne Gehalt dastehen. Verlangt hat sie bisher noch nichts, und damit ist sie in guter Gesellschaft. Vor zehn Jahren erschien die Studie Frauen fragen nicht der Uni Princeton. Demnach verlangten Frauen ebenso selten Gehaltserhöhungen wie Hilfe im Haushalt. Ein Forscherteam aus Harvard hat gerade eine gegenteilige Studie vorgelegt: Frauen fragen zwar, kriegen aber nichts.

Beides ist ähnlich deprimierend – und da kommen Sie ins Spiel. Eine lose Anfrage an Chefinnen auf Facebook zeigt: Feminismus sticht Kapitalismus. Bewerberinnen verlangten „viel zu wenig“, erzählt eine. Eine andere hört statt Gehaltswünschen oft: „Was würdet ihr denn zahlen?“ Eine dritte erzählt: „Eine junge Frau verlangte mal knapp mehr als ihr Azubigehalt – und entschuldigte sich noch dafür.“ Was hat die Chefin gemacht? Sie gebeten, zu erklären, warum sie das vorgesehene, deutlich höhere Gehalt wert sei. Feminismus kostet – macht Sie aber nicht arm. Und im Stil der Karrierebibeln: Er ist ein Team-Effort – tragen Sie was bei. Bieten Sie einen zweiten Termin an, zahlen Sie mehr und legen Sie einen Verhandlungskurs obendrauf.

06:00 09.01.2019

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