Unsere Jahresendausgabe

Editorial Zum Ende des Jahres fragt der „Freitag“ in einer Doppelausgabe nach dem guten Leben – und was ihm entgegensteht
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Fotos [M]: Plainpicture (4), Getty Images (3), Ullstein, Imago

Liebe Leserinnen und Leser,

wir vom Freitag verstehen etwas vom guten Leben. Darauf können Sie sich verlassen. Weiter hinten habe ich das noch genauer ausgeführt. In dieser Ausgabe wollen wir Sie darum alle an unserer Expertise im Es-sich-wohlergehen-Lassen teilhaben lassen. Sie merken schon die milde Ironie? In Wahrheit sind wir hier natürlich auch nur auf der Suche. De vita beata heißt ein berühmtes Buch von Seneca und De beata vita dreihundert Jahre später die Antwort von Augustinus. Wenn wir in dieser Ausgabe mit gleichsam stoischem Gleichmut und geradezu christlicher Inbrunst versuchen, aus linker Sicht den Rahmen des guten Lebens auszuleuchten, steigen wir also ganz tief in die westliche Geistesgeschichte ein. Kürzeste Kurzfassung: Zum guten Leben gehören auch die anderen. Das unterscheidet Stoa, Christentum und den Freitag von Neoliberalismus, Trump und FDP (ein bisschen gründlicher hier). Das gute Leben ist nämlich nicht nur ein stoisches oder christliches Ideal – es ist auch ein linkes Ideal.

Und zum linken Leben gehören natürlich immer noch die Kunst (Michael Jäger über die Kunst im Zeitalter ihrer digitalen Konsumierbarkeit), und natürlich die Arbeit (Christian Baron über das Problem der endlosen Plackerei, und Pepe Egger über gute und schlechte Arbeit) – aber heute noch ein paar andere Sachen, wie zum Beispiel der Kampf gegen Google (von Nina Scholz besungen) oder die gelungene „Work-Life-Balance“, wie man das auf Neudeutsch sagt (meine Empfehlung: mal auf hier nachsehen). Gerade über die Feiertage kommt die Balance bekanntlich vielen Menschen abhanden. Zu viel Essen, zu viele Verwandte. Aus diesem Grund haben wir in diese Ausgabe sogar ein paar Rätsel eingebaut – und damit meine ich nicht, rätselhafte Thesen und Texte wie sonst, sondern echte Rätsel. Wenn die Gans gegessen und der Wein getrunken ist, kann die Zeit zwischen den Jahren ziemlich lang werden.

Und zuallerletzt, wenn man dann im Ohrensessel sitzt und der Kandis knistert im Kamin, dann sollte man den Text des Kollegen Strohschneider lesen und ausschneiden und an die Wand hängen. Der hat nämlich für alle Linken, die auf der Suche nach dem guten Leben sind, einen wichtigen Rat auf Lager: Redet mehr über das, was ihr erreicht habt – und nicht immer nur über das, was noch fehlt. Ihnen allen frohe Weihnachten und ein glückliches Jahr 2019

Ihr Jakob Augstein

Lesen Sie die ganze Ausgabe auf Papier oder digital

18:00 19.12.2018

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