Anne Haeming
04.08.2010 | 16:55 103

Väter dürfen Väter sein

Urteil Sorgerecht Das BVerfG hat Vätern unehelicher Kinder ein Recht auf Sorge zugestanden. Ein überfälliges Urteil – dem leider immer noch ein veralteter Familienbegriff zugrunde liegt

Väter dürfen jetzt auch Väter sein: Seltsam, dass das BVerfG-Urteil als Meilenstein gefeiert wird. Es symbolisiert schließlich keine Avantgarde, sondern gleicht lediglich die ewiggestrigen Strukturen an die Realität an: Wie schön, dass die Rechtsprechung – und hoffentlich auch bald die Gesetzgebung – in der deutschen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ankommt.

Bei aller Genugtuung: Das Bild von Frauen und Familie, das damit transportiert wird, hängt dennoch im Gestern fest. Um es noch einmal ausdrücklich zu sagen: Das Urteil ist überfällig – aber bei genauerem Hinsehen, muss man sich über das Fundament der Argumentation schon wundern. Etwa über das zugrundeliegende Frauenbild: Eine „nicht unbeträchtliche Zahl Mütter", so die offizielle Begründung, verweigere „allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge, [...] weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen". Misogyner geht es kaum. Mütter, heißt das, sind in der Regel machtversessene Furien, die ihren Narzissmus auf Kosten der Kinder austragen und nur aus Prinzip dem Vater eins auswischen wollen. Man müsste die Urteilsbegründung an die Herren des Ersten Senats zurückschicken und wegen Frauenfeindlichkeit um Nachbesserung bitten.

Ehepaare höher gestellt

Und dann wäre da noch die Vorstellung von Familienleben. Auch wenn es sich im vorliegen Fall um einen Vater handelte, der das alleinige Sorgerecht für seinen unehelichen Sohn wollte, geht es nicht nur um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern auch, mal wieder, um die rechtliche Gleichstellung von Ehen und sogenannten alternativen Familienformen. Das BVerfG folgte zwar dem Spruch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der im vergangenen Dezember zu Recht erklärte, das aktuelle Gesetz diskriminiere ledige Väter. Aber das BVerfG erklärte eben auch für verfassungsgemäß, dass das Sorgerecht für uneheliche Kinder nach der Geburt automatisch zunächst der Mutter zugesprochen wird. Nicht beiden Elternteilen, wie das bei verheirateten Paaren der Fall ist. Genau das muss sich ändern.

Die Pflege und Erziehung der Kinder sei das „natürliche Recht“ der Eltern – und ihre „obliegende Pflicht“, heißt es in Artikel 6 des Grundgesetzes. Derzeit muss die Mutter eines unehelichen Kindes aktiv zustimmen, dass der Vater sorgeberechtigt ist. Gegen den Willen der Mutter geht nichts. Diese Regel hat das Bundesverfassungsgericht nun für nichtig erklärt. Jetzt muss es die Koalition nur noch schaffen, den Urteilsspruch in ein zeitgemäßes Gesetz umzuwandeln. Es gibt zwei mögliche Varianten: Entweder, der Vater kann „auf Antrag“ bei Gericht das gemeinsame oder alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen. Oder die Mutter legt „Widerspruch“ ein gegen das gemeinsame Sorgerecht. Der Unterschied ist signifikant. Im ersten Fall wäre die Mutter automatisch alleine verantwortlich, im zweiten wären es standardmäßig beide Elternteile. Die einzig zukunftsweisende Variante ist, eheliche und nichteheliche Kinder gleich zu behandeln. Sorgerecht und Sorgepflicht gehören zusammen und sollten für alle Eltern gleichermaßen gelten. Außerdem würden die Hürden somit auch für jene getrennt lebenden Väter höher, die sich, wie es immer so schön heißt, um ihre Unterhaltszahlungen drücken.

Immer mehr "Paarfamilien"

„Wir wollen nicht, dass die Mutter sich in der schwierigen Phase nach der Geburt auch noch mit einem Widerspruch auseinandersetzen muss“, wird die CSU-Frau Dorothee Bär, familienpolitische Sprecherin der Union im Bundestag, zitiert. Gut, in Süddeutschland mag die Lebenswirklichkeit der Familien statistisch gesehen noch anders aussehen als im Norden oder Osten der Republik, dennoch: Fakt ist, dass heute über 30 Prozent der Kinder in eine Familie hineingeboren werden, in der die Eltern nicht standesamtlich verbürgt zusammen sind. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren waren es gerade einmal neun Prozent.

Fakt ist außerdem, dass immer weniger geheiratet wird: Seit 1950 ist die Zahl der Eheschließungen über die Hälfte zurückgegangen. Daraus automatisch zu folgern, wie Bär insinuiert, dass die unehelichen Kinder in erster Linie Unfälle von One-Night-Stands, Affären und anderen eher unverbindlichen Geschichten sind, grenzt an eine Frechheit. Die Ehe als ewiggültiges Allheilmittel hat ausgedient, das wissen heute sogar Bundespräsidenten. Und was einst als „wilde Ehe“ verunglimpft wurde, ist doch längst gesellschaftliche Realität, immer mehr Paare leben ihr Familienleben unverheiratet. Die Standardoption bei Geburt eines Kindes sollte daher lauten: Die Eltern teilen sich das Sorgerecht. Soviel Gleichberechtigung muss sein.

„Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern“, heißt es im Grundgesetz. Eindeutiger geht es doch gar nicht. Kinder haben zwangsläufig Mutter und Vater, egal ob mit oder ohne Trauschein, unbefleckte Empfängnis gibt es nur im Märchen. Übrigens: Das Statistische Bundesamt ist da längst einen Schritt weiter. Dort spricht man standardmäßig von „Paarfamilien“.

Kommentare (103)

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Ehemaliger Nutzer 04.08.2010 | 19:55

Was nützen all die Gesetze wenn Frau sich nicht mit mit ihren Expartner
auseinander setzen will dann findet sie Wege.
Ich habe 2 Gerichts Urteile die mir mein Umgangsrecht zusprechen.
Jugendamt ist aber immer auf der Seite der Kinder und deren Wohlergehen
und bei Umgangs Streitigkeiten geht es immer um Probleme zwischen Zwei Erwachsene die all den Streit auf die Kinder Proezieren und sie massiv Belasten.
Weil das nich gut ist beschloss das Jugendamt den ewigen Streit so zuschlichten das Wenn es kein Umgang gibt,dann gibt es auch kein Streit.
Da wir Exorbitante Scheidungsraten haben mit der Verpflichtung des Lebenslangen Unterhalt für sie und ihr(e) Kind(er) bis zum18 Lebensjahr.
Hat sich eine Scheidungsindustrie aufgebaut ein ganzes Herr von Alleinerziehenden Frauen bestreitet ihren lebensunterhalt mit Unterhaltszahlungen für sie und ihr(e) Kind(er) + Hartz 4 + Wohnung
+ Strom Gas Wasser und die Rechtsanwälte leben auch nicht schlecht.
BEZAHLEN JA UMGANG NEIN.
69% aller Kinder Leben bei Alleinerziehenden FAKT
45% der Kinder Haben Hartz4 davon.
In Mecklenburg Vorpommern gibt es Statistik bei den Geburten wo Raus hervorgeht ob Ehelich oder Alleinerziehend.In 2009 waren 12% die in einer Intakten Ehe zur Welt kamen.Quelle TAGESZEITUNG JUNGE WELT.
Deutsche Frauen werden von klar Denkenen Männer nicht oder Kaum noch geheiratet seit 1991 bis 2009 haben 3,5 Millionen Deutsche Männer eine Ausländerin Geheiratet.
Quelle Bundes Amt für Migration TRIER
Die Scheidungskinder kommen jetz selbst in das Heiratsalter sie wissen am besten was Ehe Bedeutet Streit,Wut,Schläge aus Hilflosigkeit herraus
und immer geht es Um Geld das Fehlt bzw die Armut der Verlust
des Hauses mit dem Schönen Spielplatz und nun 3 Zimmer Küche Bad
im Problem Bezirk.
Sie wären mit dem Klammerbeutel gepudert wenn sie sich das antun würden.
Meine Nachbarin unter mir Lebt als Alleinerziehende Frau Heiraten
NIEMALS warum auch Offizell getrennt Lebend in Wirklichkeit wohnt sie mit ihm zusammen.Sie Bekommt Hartz4 + Wohnung + Strom+ Gas +Wasser+Müll + Gez Gebühren muss sie auch nicht Zahlen.
Er Wohnt ganz Offizell zu Hause bei Muttern auch mit Hartz 4 da kann er ja dann kein Unterhalt Zahlen das macht das Jugendamt und Zahlt dann Unterhaltsvorschuss.
Nebenbei gibt sich die Caritas und die Lebenshilfe Verein die Klinke in die Hand. Da muss mann doch Helfen.Die Arme Frau.
Das ist Die Realität in Deutschland Tausendfach vorgelebt das es Funktioniert Kinder lernten von ihren Eltern die es schon vorgelebt haben.
Das Gesetz ist an der Realität vorbei gemacht Ein Kind das aus einer One Night Stand Hervorgegangen ist und die Mutter jetz in einer Neuen Beziehung Lebt wird sich nicht den Rest ihrer Zeit damit belasten wollen Nein das möchten Frauen nicht sich mit Fehlern auseinander setzen und schon gar nicht mit der Vergangenheit weil die ein Fehler für sie war.

h.yuren 04.08.2010 | 20:27

liebe anne, dein artikel hätte es verdient, nicht unter die räuber zu fallen.
deine argumentation ist blitzgescheit. du sagst genau das, was hier zu sagen not tut. ohne die europäische nachhilfe, wäre es wahrscheinlich noch nicht soweit.
gleichberechtigung mal andersrum. auch ok.
aber eines geht bei soviel fortschritt doch ein bisschen unter: ändert das neue gesetz, wenn es denn beschlossen und abgesegnet ist, ändert das neue recht etwas zum wohl der kinder?
wo bleibt der führerschein für beide elternteile?
denn durch gerichtsbeschlüsse werden keine eltern zu vorbildern in sachen erziehung.

THX1138 04.08.2010 | 21:10

"Fakt ist, dass heute über 30 Prozent der Kinder in eine Familie hineingeboren werden, in der die Eltern nicht standesamtlich verbürgt zusammen sind. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren waren es gerade einmal neun Prozent."

Ein sehr guter Artikel! Woher haben Sie die oben aufgeführten Zahlen- die Quelle(n) würden mich ernsthaft interesieren.

Endlich einmal ein gut recherchierter Artikel- bis auf die Passage mit der Mysogenie: Eine „nicht unbeträchtliche Zahl Mütter", so die offizielle Begründung, verweigere „allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge, [...] weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen". Das ist in der Tat wahr, allerdings sind die im folgenden Link vorgebrachten Zahlen bereits schon 10 Jahre alt:

www.mann-als-opfer.com/downloads/falschermissbrauchsvorwurf.pdf

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smith 05.08.2010 | 00:40

"Mütter, heißt das, sind in der Regel machtversessene Furien, die ihren Narzissmus auf Kosten der Kinder austragen und nur aus Prinzip dem Vater eins auswischen wollen."

Ich will ein Kind aber keinen Kerl + + + Eine Frau braucht den Mann wie der Fisch das Fahrrad + + + Ob Kinder oder keine entscheidet Frau alleine + + + ...

"Das unerträgliche Primat der Mutter" nennt es Bettina Röhl im "Spiegel":

"Wie groß die Zahl der betroffenen, nicht ehelichen Väter war, die in erheblichem Maße darunter litten, dass ihnen die väterliche Sorge von den Müttern begründungslos verweigert wurde, lässt sich zwar nicht feststellen. Aber die Zahl war keineswegs klein. Von der gesetzlichen Regelung tangiert waren jährlich 100.000 nicht eheliche Väter. "

www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,710159,00.html

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rahab 05.08.2010 | 01:04

höchste zeit, dass die jungs nicht nur ein recht kriegen sondern die sorge noch dazu.
entscheiden, welche schule das mini-fuzzy besucht? geschenkt! hausaufgaben, nachhilfe, ehrenamt in der schul-mensa (für besonders schlaue in der schul-bibliothek), sporthosen flicken, vokabeln abfragen, blasen kühlen, die passenden tampons aussuchen... viel spaß mit dem "unerträglichen Primat". zum eingewöhnen ins primat: windeln, füttern, schleppen, kinderarzt und spielplatz absitzen, elternabend im kindergarten, faschingskostüme nähen, windpocken, masern, mumps, scharlach geht bis zu vier-fünf mal, nächtliche wadenwickel gehören regelmäßig erneuert, läuse auskämmen nicht vergessen!

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rahab 05.08.2010 | 14:09

die kommentare sind, für den moment jedenfalls, völlig uninteressant.
erst mal geht es nämlich darum, zu verstehen, was das BVerfG mit diesem beschluß (www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html) einerseits befördert und andererseits behindert.
beispielsweise in einem absatz wie diesem
"Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Eröffnung einer gerichtlichen Übertragung der Alleinsorge auf den Vater zwar einerseits dem Elternrecht des Vaters Rechnung trägt, aber andererseits schwerwiegend in das Elternrecht der Mutter eingreift, wenn dem väterlichen Antrag im Einzelfall stattgegeben wird. Denn anders als beim Zugang des Vaters zur gemeinsamen Sorge mit der Mutter muss diese die Sorge für das gemeinsame Kind nicht lediglich mit dem Vater teilen, was Art. 6 Abs. 2 GG als Regelfall schützt, der die Pflege und Erziehung der Kinder nicht einem Elternteil, sondern den Eltern als natürliches Recht zuweist. Der Mutter wird vielmehr die bisher von ihr ausgeübte Sorge gänzlich entzogen, und zwar nicht, weil sie bei ihrer Erziehungsaufgabe versagt hat und dadurch das Kindeswohl gefährdet ist, wie dies § 1666 BGB voraussetzt, sondern weil in Konkurrenz zu ihr der Vater sein Recht reklamiert, an ihrer Stelle für das Kind zu sorgen. Dabei ist auch von Gewicht, dass der Gesetzgeber zunächst einmal den Müttern nichtehelicher Kinder die Sorge für diese ab deren Geburt zuweist. Damit erhalten sie nicht nur das Recht zur elterlichen Sorge, sondern sind auch gesetzlich dazu verpflichtet, für ihr Kind zu sorgen. Anders als Väter nichtehelicher Kinder haben sie nicht die Wahl, sich für oder gegen ein Sorgetragen für ihr Kind zu entscheiden. Ein Entzug der ihnen auferlegten Elternverantwortung trotz nicht zu beanstandender Ausübung der elterlichen Sorge wiegt deshalb schwer und stellt einen tiefen Eingriff in ihr Elternrecht dar."

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smith 05.08.2010 | 14:30

"Anders als Väter nichtehelicher Kinder haben sie nicht die Wahl, sich für oder gegen ein Sorgetragen für ihr Kind zu entscheiden."

Quatsch mit Soße, warum wohl existieren Babyklappen?

Zudem zeigt sich ja deutlich, dass ein obligatorisches Sorgetragen von Vätern mit Geburt des Kindes wohl auch erst noch gegen den Widerstand des allgegenwärtigen, mütterlichen Primats vor Gericht gebracht werden muss.

derDonnerstag 05.08.2010 | 15:38

"Eine „nicht unbeträchtliche Zahl Mütter", so die offizielle Begründung, verweigere „allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge, [...] weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen". Misogyner geht es kaum. Mütter, heißt das, sind in der Regel machtversessene Furien, die ihren Narzissmus auf Kosten der Kinder austragen und nur aus Prinzip dem Vater eins auswischen wollen."

Nein, heißt es nicht. Zwischen "nicht unbeträchtliche Zahl Mütter" und "Mütter - in der Regel" besteht ein großer Unterschied.
Ich vermute eher, mit der Formulierung soll zum Ausdruck gebracht werden, es sei eine überraschende Erkenntnis, dass es tatsächlich Frauen gibt, die so etwas tun würden. Vermutlich als Entschuldigung für den Gesetzgeber gemeint, der das natürlich nicht ahnen konnte.

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rahab 05.08.2010 | 16:03

dahinter verbirgt sich dieses:
"Die dem geltenden Recht zugrunde liegende Annahme des Gesetzgebers, dass die Zustimmungsverweigerung von Müttern in aller Regel auf einem sich nachteilig auf das Kind auswirkenden elterlichen Konflikt basiert und von Gründen getragen ist, die nicht Eigeninteressen der Mutter verfolgen, sondern der Wahrung des Kindeswohls dienen, hat sich nicht bestätigt."

ich übersetze es so:
1.das bundesverfassungsgericht war völlig überrascht von der erkenntnis, dass mütter auch "Eigeninteressen" haben. und wußte nicht so recht, wie es diese überraschung sprachlich zum ausdruck bringen sollte.
2. noch weniger wußte das bundesverfassungsgericht, wie es mit "Eigeninteressen" von müttern umgehen soll, welche einfach eigeninteressen sind und nicht das kindeswohl verletzen.
deshalb kam das bundesverfassungsgericht 3. auch nicht auf die idee, dass "Eigeninteressen", welche dem kindeswohl nicht schaden, diesem dennoch nützen können.

in seiner ratlosigkeit griff das bundesverfassungsgericht dann auf den nur noch dämlich zu nennenden ausdruck "ihr angestammtes Sorgerecht" zurück, welches die mütter mit dem vater/erzeuger nicht teilen wollten.

dabei ... wer mal in die prozeßgeschichte guckt, kann eigentlich nur noch den kopf schütteln. anlaß des ganzen rechtswegstheaters war, dass die mutter umziehen wollte - womit sie, so die unwidersprochen gebliebene beurteilung durch das familiengericht, das kindeswohl nicht gefährdete. sondern dem vater nur eine etwas erhöhte mobilität abverlangte, womöglich.
lebenspraktisch gesehen hätte es eine umgestaltung der jahrelang praktizierten umgangsregelung wohl auch getan.

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rahab 05.08.2010 | 16:45

im weiteren findet sich in dem beschluß bei der darstellung der tatsächlichen verhältnisse dieser zusammenfassende satz:
"Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Nichtbegründung einer gemeinsamen Sorge bei ungefähr der Hälfte der nichtehelich geborenen Kinder vor allem oder gar ausschließlich an der mangelnden Bereitschaft der Mutter dazu scheitert."

der läßt sich ohne weiteres als widerlegung dessen lesen, was Smith weiter oben unter berufung auf Bettina Röhl als das "unerträgliche Primat der Mutter" eingeführt hat.

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Ehemaliger Nutzer 05.08.2010 | 19:35

DANKE LEELAH ich muss mir auch so manches verkneifen mir wurde so manches gelöscht und ob sie es glauben oder nicht es war die Pure Realität die Personen und Kinder existieren wirklich das Gespräch genauso wie es sich zugetragen hat,Habe meiner bekannten den gelöschten blogg gezeigt ihre Antwort "warum löschen die das es war doch alles genauso wie du es geschrieben hast" ja die Welt ist nicht für die Wahrheit
Ach übrigens 20 %aller Frauen haben Migrationshintergrund von den 80% Deutschen Frauen ohne Migrationshintergrund sind Realexistierend 32% Verheiratet oder 69% aller Frauen sind Alleinerziehend
Die Ehe ist Tod den rest verkneif ich mir jetz auch

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rahab 05.08.2010 | 20:10

eykiway,
was in dieser gesellschaft wäre, wenn es kindesunterhalt nicht als recht des kindes gäbe?
keine ahnung, vielleicht gäbe es dann einfach weniger bis keine kinder... mehr verhungerte kinder, mehr abtreibungen, mehr neo-infantizide, mehr plötzliche kindstode nach dem abstillen... vielleicht gäbe es auch mehr verschleierte frauen.... mehr kinderarbeit...
vielleicht gäbe es auch sich abtrennende 'weiber-wirtschaft'....

erst mal hoffe ich, dass es dann keine männer mehr gäbe, die glauben, dass sie das kind durch unterhaltsleistung gekauft hätten.

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rahab 06.08.2010 | 16:01

lieber Smith und wer sich sonst noch angesprochen fühlen mag!

bei den primaten ist es so, dass die frisch geborenen jungen so unfertig sind, dass sie noch lange zeit gepäppelt werden müssen, bis sie in der lage sind, sich selbständig durchs leben zu schlagen. besonders unfertig sind die menschen-jungen, denn im unterschied zu denen der menschenaffen finden die noch nicht mal ein fell vor, an dem sie sich festklammern können, um mitgeschleppt zu werden (der klammer-reflex ist allerdings auch bei den menschen-jungen noch rudimentär vorhanden). diese unfertigen primaten brauchen also ein primat-wesen, welches sich ihrer annimmt.
die natur hat es nun so eingerichtet, dass die primat-wesen, welche die primat-jungen gebären, sie hinterher auch ernähren=säugen. das wird laktation genannt.
lange zeit (und in manchen gegenden der welt immer noch) war es so, dass ohne diese laktation durch das geboren-habende primat-wesen die primat-jungen nicht überleben konnten. in unseren breiten gibt es seit neuestem sauberes wasser, so dass die primat-jungen auch ohne 'natürliche' laktation großgezogen werden können (das ist die moderne form der amme).

erfolgreiche 'natürliche' laktation setzt voraus, dass das milch-gebende primat-wesen einigermaßen gut genährt ist. erfolgreiche 'künstliche' laktation hierzulande setzt voraus, dass das laktierende primat sowohl sauberes wasser als auch Aptamil käuflich erwerben kann.
beide formen der laktation setzen voraus, dass das zu laktierende junge mehr oder weniger ständig mitgeschleppt wird oder das laktierende primat mehr oder weniger ständig beim zu laktierenden bleibt.

dies ist so, weil komischerweise zur erfolgreichen extra-uterinen menschwerdung auch noch gehört, dass das zu laktierende primat-junge zu einem anderen erwachsenen primat-wesen eine bindung aufbaut. diese bindung wirkt nur dann erfolgreich, wenn sie einigermaßen konstant aufrechterhalten werden kann, weshalb also das laktierende primat ebenfalls eine bindung aufbauen muß. diese bindung findet ihren ausdruck nicht in schönen gefühlen von bindung sondern in präsenz/anwesenheit/greifbarkeit/verfügbarkeit.
wenn das nicht gewährleistet ist, dann verhungert das primat-junge (schlimmstenfalls) oder es entwickelt einen ausgeprägten hospitalismus, welcher neben deutlichen reifeverzögerungen auch zu bindungsunfähigkeit führt.

das ist in dürren worten die 'natürliche' lage, welche sich hinter dem ausdruck vom "angestammten Recht der Mütter" verbirgt. außerdem verbirgt sich dahinter aber auch noch eine gesellschaft mit ihrer geschichte, ihren traditionen und ihrer aktuellen verfaßtheit.

auch unsere heutige gesellschaft setzt immer noch darauf, dass laktation wie bindungsbereitschaft in den körpern der müttern so vorbereitet werden, dass nach der geburt das programm zur erfolgreichen menschwerdung ablaufen kann, zumindest der nicht ganz unerhebliche biologische teil. und wenn aus irgendwelchen gründen mütter gewordene frauen nicht selbst stillen können, dann setzt unsere gesellschaft darauf, dass sie sich auf die methode sauberes wasser einlassen.

wir könnten nun unsere gesellschaft so einrichten, dass zu dem zeitpunkt, zu dem menschenjunge zum weiteren überleben nicht mehr auf muttermilch angewiesen sind, sie zur weiteren aufzucht an andere nicht stillfähige primaten übergeben werden. die weitere aufzucht ist nämlich bei menschenjungen nötig, weil die dummerweise ganz besonders unfertig zur welt kommen, weshalb sie auch nach dem abstillen auf ernährt-, gepflegt- und unterwiesen-werden angewiesen sind.

Die spannende frage ist nun, wie die erwachsenen primaten das untereinander so regeln, dass zum einen die jungen erfolgreich erwachsen werden können, und zum anderen die erwachsenen untereinander ohne zwang und herrschaft der einen über die anderen auskommen.
Dabei gibt es nun, wie auch die prozeßgeschichte zum BverfG-beschluß zeigt, ein paar gravierende probleme.
Eines dieser probleme besteht darin, dass aus (mir) unerfindlichen gründen männliche primaten darauf bestehen, sicher zu sein, dass die mini-primaten von ihnen höchstpersönlich gezeugt wurden. Menschliche männliche primaten bestehen sogar auf absoluter sicherheit.
Dies konfligiert mit etlichen interessen weiblicher primaten, darunter auch dem, die versorgung und betreuung des nachwuchses auch darüber abzusichern, dass in einer vielzahl von männchen der eindruck erweckt wird, der nachwuchs könnte auch der ihrige sein.
Alles in allem scheint es so zu sein, dass menschenaffen mit diesen konfligierenden interessen besser umgehen können als menschliche primaten.
Die haben nämlich zu ihrer absicherung außer dem DNA-test auch die ehe erfunden. Und zur ehe hinzu noch eine ganze reihe von anderen mechanismen, welche sicherstellen sollen, dass ihre frauen auch wirklich nur mit ihnen rummachen – das reicht von der infibulation über den keuschheitsgürtel bis zur besitzlosigkeit, das kurzwort dafür ist physische wie psychische abhängigkeit.

Nun ist das aber mit der ehe so eine sache, weil nicht jede weibliche primatin sich gern zum womöglich gar lebenslangen ausschließlichen besitz eines männlichen primaten machen lassen will. Dies unter anderem, weil das nicht notwendige voraussetzung für die erfolgreiche aufzucht junger primaten ist.

Wir frauen hierzulande sind nun in der glücklichen lage, dass wir de jure mit männern gleichberechtigt sind. Am faktischen hapert es noch, aber wir arbeiten dran…
Weil es aber am faktischen noch hapert, sind manche noch darauf angewiesen, dass männliche primaten zur erfolgreichen aufzucht der nachkommenschaft durch unterhaltsleistung in bar beitragen. Deshalb sieht das hier und heute geltende recht es so vor, dass männer, die aus welchen gründen auch immer keinen naturalunterhalt für die von ihnen gezeugten kinder leisten, dies in bar tun (und dass, wo sich kein einzeln zahlender primat findet, dies die gesellschaft im wege von unterhaltsvorschuß und sozialhilfe übernimmt). Das hat unter anderem was mit industrialisierung zu tun…. wir hier sind halt keine jäger und sammler mehr ….

Ansonsten, laß dir gesagt sein, weisen ledige wie un-ledige mütter allein schon dadurch nach, dass ihr junges in ihrer obhut noch lebt und sich munter entwickelt, dass sie
„dass sie regelmäßig Unterhalt zahlen, Verantwortung für das Kind übernehmen und zu diesem bereits eine Bindung aufgebaut haben.“

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rahab 06.08.2010 | 17:52

mein lieber thx,
ist es gänzlich falsch, von der-die-das mensch als primat zu sprechen?
habe ich in meiner sehr gedrängten darstellung der 'natürlichen' seite der reproduktion irgendetwas grundfalsches geschrieben? ausgelassen habe ich sicher einiges - soweit dies zur herstellung eines vollständigen bildes notwendig ist, darfst du es gern nachtragen.

mir kam es allerdings nicht darauf an, eine analogie zum zwecke der legitimation zu bilden. sondern mir kam es darauf an zu zeigen, welche verschränkung von recht sich außer dem ideologischen ver-Spencer-ten wust (den bringst du und Smith und eykiway ja schon zur genüge ein!) hinter dem sprachlichen ausdruck "angestammtes Sorgerecht der Mütter" noch verbirgt.

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rahab 06.08.2010 | 18:47

vielleicht, thx, fällt es dir auch noch als schuppen aus den haaren: ich beschwöre garnix wieder.
im zeitalter von sauberes wasser tut das nämlich nicht mehr nötig. da können wir auch darauf setzen, dass auch männliche primaten zu den mit der laktation verbundenen aktionen und reaktionen in der lage sind, rein physiologisch gesehen.
das problem daran ist, dass kleine scheißerchen zu wickeln und zu nudeln nicht mit besonders viel prestige verbunden ist - weshalb frischgebackene väter den frischgebackenen müttern eher selten die babies aus den armen reißen, um diesen part für die nächsten jahre zu übernehmen.

wenn der beschluß des BVerfG nun dazu verhilft, dass sie dies öfter tun - umso besser! ich bin nämlich sicher, dass mütter in aller regel überhaupt nichts dagegen haben, diesen teil der elterlichen sorge ganz oder teilweise abzugeben, und sich neben einer erwerbstätigkeit sehr gern stattdessen darauf vorbereiten, später mit den wohlgenährten gören in den zoo zu gehen und fußball zu spielen und was der schönen dinge mehr sind.

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rahab 06.08.2010 | 21:24

könnte es sein, thx, dass ich lösungsorientiert argumentiere? es zumindest versuche?
im unterschied zu dir, dem nach dem bad im datenmeer nichts besseres einfiel als unter dem stichwort eigeninteressen links auf lügen im scheidungskampf einzustellen.
da stellt sich dann bei mir der verdacht ein, dass es dir nicht um lösung im sinne von übernahme tatsächlicher sorge geht, sondern um das ausnutzen einer rechtsposition zur besseren kontrolle von frau und kind.
das hatten frauen hierzulande schon mal - und dahin wollen sie auf keinen fall zurück.

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smith 07.08.2010 | 00:20

Surprise, Kind gehört automatisch (zu) Mama weil Biologie und so. Ein Frau/Mutter darf das ja sagen – darüberhinaus gehört derlei zur seeehr alten wertkonservativen Grundüberzeugung.

Ja doch, am faktischen haperts allzu oft, so dass frau - zumal "emanzipiert" - dann doch lieber "mit dem Widerspruch liebäugelt*" als herbei gestikulierte Gleichbehandlung von Mann und Frau konsequent mitzutragen. Und damit die Neigung zum Widerspruch nicht allzu sehr den Charakter des Kindes verdirbt und auch §3 Grundgesetz genüge getan wird, müssen die nötigen Gesetztes erlassen werden.
Mit dem obligatorischen Vaterschaftstest wäre zudem auch das Tun und Lassen der Ladies von geringem Interesse.

Bei Marx haperte es ja auch, oder waren`s die Menschen?

Sei`s drum, zum Schluss ein Lesetipp für die liebäugelnde Gelegenheitswertkonservative unter den irgendwie Linken:

www.cicero.de/97.php?item=1172=4

*nach Alison Jaggar, Präsidentin der American Philosophical Association's Commitee on the Status of Women schrieb in ihrem Essay «Sexuelle Unterschiede aus theoretischer Sicht», dass Feministinnen darauf bestehen sollten, «beide Wege zu nutzen». Manchmal sei es vorteilhafter, «das Ziel zu erreichen, indem man das Geschlecht aussen vor lässt, ein andermal durch das Gegenteil.

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rahab 07.08.2010 | 11:17

ganz bezaubernd, Smith. du willst also kontrolle durch kontrolle ersetzen und das als fortschritt verkaufen? - ja, hab ich was gegen. ganz prinzipiell.

und - wenn du in die prozeßgeschichte zum BVerfG-beschluß guckst, dann findest du auch eine begründung, warum das nichts taugt. dort ging - jedenfalls nach dem, was das BVerfG dazu mitteilt - der ärger damit los, dass der männliche primat bestritt, das kind gezeugt zu haben. na, da kam freude auf! die sich auch nicht legte, als er dann nach sachverständigengutachten doch die vaterschaft anerkannte.
ich kann es der frau in diesem prozeß nicht verübeln, dass sie mit einem solchen 'unsicheren' primaten die elterliche sorge nicht teilen will. weil er nämlich sorge mit kontrolle verwechselt.
von solchen primaten halten sich frauen lieber fern. die sind nicht gut, weder für den teint noch für die inneren organe. und nicht nur, dass sie für frau nicht gut sind, für kind sind sie es auch nicht.

im übrigen rege ich an: du bittest die redaktion, deine sudelei von 00:13 und 00:42 zu entfernen! die wirft nämlich kein gutes licht auf dich.

THX1138 07.08.2010 | 12:54

Also ich werde manchmal den Verdacht nicht los, dass es einigen/ vielen/allen/den meisten/ wenigen im Grunde genommen ganz wohl ist mit der "traditionellen" Rollenverteilung, obwohl sie ständig vorgeben, sie zu bekämpfen. Im Innersten entpricht ihre Galtung aller Wahscheinlichkeit nach in etwa derjenigen, wie sie von Esther Villar vor Jahrzehnten in ihrer Streitschrift "der dressierte Mann" beschrieben worden ist.

Wie auch immer. Das Urteil ist zwar begrüssenswert, doch die derzeitige Rollenteilung, der vielbeschworene Wandel hat bislang ja nie richtig stattgefunden, dürfte bei diesem juristischen Unterfangen den wahren Klotz am Bein darstellen. Zudem, und den Verdacht werde ich auch nicht so recht los, kommt es bei diesen ganzen Kinderstreitigkeiten immer wieder zu einer Verwirrung der Begriffe: Man muss klar unterscheiden zwischen dem Sorgerecht und dem Umgangangsrecht. Alle sprechen zwar von Sorgerecht, so meine Einschätzung, doch in Wirklichkeit meinen sie das Umgangsrecht. Item. Aus Sicht des nie statt gefundenen Rollenwandels halte ich das gemeinsame Sorgerecht für das Höchste aller Möglichkeiten. Alles andere ist angesichts der derzeit gelebten Partnerschaftsmodelle nicht realistisch und kompliziert- und dient im Endeffekt auch nicht dem Kindswohl. Das Sorgerecht bedeutet ja im Wesentlichen lediglich ein Mitspracherecht zu haben bei entscheidenden Fragen, die das Leben des Kindes anbelangt. Und dagegen ist absolut nichts einzuwenden- zumindest wüsste ich nicht was!

Recht bedeutet aber auch Pflicht- und Sorge!

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rahab 07.08.2010 | 16:31

Ich finde es sehr beeindruckend, wie hartnäckig sich das gerücht einer „traditionellen Rollenteilung“ hält!
Wenn du dich umguckst, thx, dann wirst du feststellen, dass es alle möglichen ‚rollenteilungen’ gibt, die letztlich auch nichts mit ‚rollen’ und schon gar nicht mit ‚geschlechterrollen’ zu tun haben, sondern damit, dass zur erfolgreichen aufzucht der primaten-brut in abhängigkeit von einer je vorfindlichen umwelt die in dieser vorhandenen ressourcen bestmöglich genutzt werden müssen. Diese best-mögliche nutzung klappt für primaten – und hier jetzt für menschen – umso besser, je mehr an der nutzung der ressourcen beteiligt sind und dem prozess ‚aufzucht der brut’ zuarbeiten. Sie klappt auch umso besser, je ungehinderter der zugang zu diesen ressourcen ist. Das ist jedenfalls der schluß, den ich bislang aus meiner lektüre von Blaffer-Hrdy ziehe.
Der andere schluß, den ich ziehe, ist der, dass die festschreibung von ‚rollen’ verbunden mit der behinderung von zugängen zu ressourcen dem ziel der erfolgreichen fortpflanzung eher hinderlich ist, jedenfalls auf die dauer gesehen.
Der dritte schluß, den ich ziehe, ist der, dass die menschen-familie kind-mutter-vater für sich allein in den seltensten fällen überlebensfähig ist.

so. und nun können wir über das reden, was du so garnicht magst, nämlich über re-traditionalisierung. und was Esther Villar's dressierter mann damit zu tun hat.

THX1138 07.08.2010 | 17:52

"Ich finde es sehr beeindruckend, wie hartnäckig sich das gerücht einer „traditionellen Rollenteilung“ hält!"

Gerücht? In Deinen Augen vieleicht- aber Faktenresistenz ist offenbar auch eine Tugend: Die Legende vom Rollenwandel

Hauptsache, wir können weiter auf uralten, ausgelatschten Pfaden wandeln- dann müssen wir auch nichts verändern! Der Zugang zu den Ressourcen ist allen gleichermassen gegeben, zumindest in der Bildung und dem Arbeitsmarkt. Die Ausgangsgleichheit ist für beide Geschlechter auf jeden Fall erreicht. Von Ergebnisgleichheit sprechen nur Marxisten und solche, die der Meinung sind, dass eine "positive Diskriminierung" keine sei.

Doch die Positionen sind bei uns beiden ja schon lange gemacht- und diese ewigen Streitereien bin ich allmählich etwas leid. Du willst den Wandel nicht- und ich will ihn. Allerdings für beide Geschlechter. Und dabei halte ich mich so gut es geht von Zick-zack-Argumentationen fern- der Stringenz wegen.

Auf eine weiteres Mal, cheers!

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rahab 07.08.2010 | 19:10

du willst den wandel, thx?
dann wandle dich! praktisch!
und zerre dir als legitimation deiner nicht-wandlung nicht ständig heran, dass die frauen sich ja nicht wandelten. genau an dem punkt setzt nämlich re-traditionalisierung (männliche abteilung) immer an.
ein wunderschönes beispiel findest du hier:
www.freitag.de/kultur/1009-der-unbewegte-mann?searchterm=freitag+salon+frauen
"Domscheit: Das ist zentral. Als mein Sohn kam, habe ich seinem Vater vorgeschlagen, dass jeder von uns ein halbes Jahr zuhause bleibt. Und er sagte: Ich weiß, Du erleidest einen Karriereschaden, wenn Du zuhause bleibst. Aber meiner wäre größer. Und er hatte vermutlich sogar recht. Es braucht also eine andere Unternehmenskultur, die nicht mit unterschied­lichen Maßstäben misst."

darum geht es jetzt aber eher am rande. vordringlich geht es darum, welche fantasien mitsamt anschließender anträge beim familiengericht dieser beschluß womöglich freisetzen könnte. und zwar in den fällen, in denen die gemeinsame sorge bislang durch das veto der mutter nicht zustandekam.

da befürchte ich nicht nur positives, kreatives. schließlich war der auslöser für das ausgangsverfahren zum BVerfG-beschluß der wunsch des (im übrigen umgang ausübenden) vaters, zu verhindern, dass die mutter des kindes umzieht!
das muß mensch sich mal durchs hirn ziehen lassen.

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rahab 07.08.2010 | 20:20

um mal ein bißchen plastisch/konkret zu machen, worüber wir bei elterliche sorge reden:

anruf aus dem schülerladen, die/der siebenjährige sproß ist seit einer stunde überfällig. da ist schlecht sagen: rufen Sie doch bitte bei der mutter an, ich bin grad in einer besprechung.

der erzieher aus der kita setzt dir das kind mit kopfläusen auf den schreibtisch - kita-verbot bis zum nachweis vom gesundheitsamt, dass läuse- und nissenfrei. da ist schlecht sagen: bringen Sie das kind doch bitte bei der mutter vorbei, das verlaust mir sonst nur das büro und die kundschaft.

anruf aus der schule, kind hat beim sportunfall das bein gebrochen, muß zum unfallarzt/ins krankenhaus. da ist schlecht sagen: rufen Sie doch bitte ....

kind haut im braß von zuhause ab. Du kannst in ruhe das fußballspiel zuende gucken - könnte aber sein, du bist hinterher die elterliche sorge (wieder) los.

worauf ich hinauswill: es geht nicht um rollen-faxen und auch nicht um die kontrolle der fruchtbaren tage der mutter - es geht um sich kümmern! und zwar dann, wenn es angesagt ist. nicht dann, wenn's in den plan paßt.
in dem spiel von sich kümmern ist die entscheidung, welche weiterführende schule das kind besucht oder wie sein großelterliches erbe angelegt wird, ein bonbon. und über die elterliche sorge verhindern zu wollen, dass die mutter umzieht, schadet möglicherweise dem wohl des kindes mehr als es dem kind (oder dem papa) nützt.

THX1138 07.08.2010 | 20:50

"du willst den wandel, thx?
dann wandle dich! praktisch!
und zerre dir als legitimation deiner nicht-wandlung nicht ständig heran, dass die frauen sich ja nicht wandelten. genau an dem punkt setzt nämlich re-traditionalisierung (männliche abteilung) immer an."

Die wie immer rosarote, akademische Sichtweise: sie z. B. Rechtsanwältin, er IT-Ingenieur bei Siemens, macht zusammen Vollzeit 15'000 Euro Monatseinkommen: Rollentausch? Ist doch kein Problem! Ich arbeite 50 Prozent und er auch!

Ich spreche für diese Menschen hier (gut verdienende Akademikerpaare in Ehren): er zum Beispiel Lastwagenfahrer, sie Teilzeitverkäuferin bei Aldi, macht zusammen pro Monat 2'600 Euro: Rollentausch, hä? Sie Teilzeit, weil Kitas und Putzfrau zu teuer sind, er Vollzeit, weil's mehr einbringt.

Zwei Freitagblogs zu diesem Thema:



Geschlechterdemokratie muss man sich leisten können

Es ist ja schön, dass die AkademikerInnen offenbar wissen- oder zu wissen vorgeben- wie einfache Leute zu leben haben. Doch mit ihren abgehoben wirkenden Theorien und Idealen machen sie sie voraussichtlich nur wahnsinnig- und unzufrieden.

Wann begreifen AkademikerInnen endlich, dass ihre Lebenswirklichkeit nicht mit derjenigen der meisten Menschen übereinstimmt?

Re-Traditionalisierung, einvestanden- aber ein guter Teil davon geht auch auf die Frauen zurück, wie zahlreiche Studien und Untersuchungen beweisen. Frauen am unteren Rand der Lohn- und Qualifikationsskala entscheiden sich nicht selten für die Option Familie und Kinder, sobald es an der Berufsfront kälter wird.

Wie es bei den gut gebildeten, gut verdienenden AkademikerInnen mit nahezu unverbaubarer Sicht auf eine erfolgreiche Zukunft (d. h. ohne konjunkturelle Hindernisse) aussieht, weisst Du selber ja besser. Es freut mich für Menschen wie Dich, dass das multioptionale Leben Realität ist- für viele Menschen (die Mehrheit) ist es das aber nicht, vergiss das bitte nicht!

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rahab 08.08.2010 | 03:13

bei dir, thx... eher nein.
allerdings solltest du dann auf rundumschläge wie diesen
"Es ist ja schön, dass die AkademikerInnen offenbar wissen- oder zu wissen vorgeben- wie einfache Leute zu leben haben. Doch mit ihren abgehoben wirkenden Theorien und Idealen machen sie sie voraussichtlich nur wahnsinnig- und unzufrieden."
verzichten.
denn nach dem, was bislang hauptsächlich von dir zu lesen war, schöpfst du aus einem meer von zahlen. und zahlen - es sei denn ausgesprochen gute auf dem konto - machen "einfache Leute" gleichermaßen "nur wahnsinnig- und unzufrieden".

aber vielleicht kannst du ja auf andere weise belegen, dass die "einfache Frau" glücklich ist, wenn der ledige vater ihres kindes mit ihr die elterliche sorge teilt. und sie auf die art womöglich doch das als gespenst in der bude hat, was sie realiter nicht haben wollte, nämlich den ehemann

THX1138 08.08.2010 | 03:24

Also ich denke, wir könnten uns in Zukunft all diese leidigen Diskussionen ersparen, wenn sich endlich ein wirklicher Rollenwandel abzeichnen würde- weg vom Alleinernährer (Plus)-Modell, hin zu Partnerschaften, in denen beide wenigstens 50 Prozent an das Familieneinkommen beisteuern würden- und sich natürlich ebenfalls mit wenigstens 50 Prozent an der Haushalts- und Familienarbeit beteiligen würden. Im Scheidungs- oder Trennungsfalle würd dann nämlich wirklich ausschliesslich das Kindeswohl im zentrum stehen. Doch damit müssten wir uns erst mal von einem Teil unserer industriellen Vergangenheit trennen. Mittlerweile weiss nicht einmal mehr, ob das überhaupt realistisch ist. Mehr Frauen in MINT-Berufe, da wird immer wieder davon gesprochen- mit Hinweis, dass es z. B. in Malaysia gerade in diesen Fächern viel mehr Frauen gäbe, als hierzulande, womit die Gender-Theorie bewiesen sei. Hat man zumindest bei der Mädchenmannschaft einst geschrieben. Gar nichts ist damit bewiesen, auch wenn ich selber eine Zeit lang davon überzeugt war: Soeben bin ich auch Südostasien zurückgekehrt. Da ging mir diesbezüglich ein Licht auf, dank meiner Verwandschaft, viele davon Studenten: Auch Malaysia ist eine Volkswirtschaft, die überwiegend aus dem Agrar- dem primären Sektor also- besteht. Und da ist es naheliegend, hat man mir gesagt, dass Frauen sich mehr für die sog. White collar-Jobs (u. a. MINT) interessieren- wohingegen sog. Blue collar-Jobs (Landwirtschaft, Mechanik etc.) traditionellerweise von Jungen bevorzugt würden.

Wir hier hingegen, in den Superzivilisationen, haben fast nichts mehr am Hut mit dem Landwirtschaftssektor und sind zum Dienstleistungsökonomien geworden. Bei uns machen die White collar-Jobs also den grössten Anteil an der gesamten wirtschaftlichen Leistung aus. Trotzdem haben wir kaum Frauen, die in MINT-Jobs (oder gut bezahlten Jobs) tätig sind. Ergo sind auch die Löhne entsprechend nach Geschlecht aufgeteilt. Und damit zementieren wir das "traditionelle" Rollenmodell noch zusätzlich. Wobei die im Artikel beschriebene gesetzliche Änderung zugunsten der Männer durchaus dazu angetan sein könnte, langfristig natürlich nur, einen Wandel den Rollen herbeizuführen, weil dann auch Frauen vermehrt mit der Frage konfrontiert sein werden, ob sie mit ihrer Berufs- oder Studienwahl im Notfall in der Lage sein würden, eine Familie überwiegend alleine ernähren zu können. Und im Trennungsfalle würden sowohl das Umgangs- als auch das Sorgerecht demjenigen Part zugesprochen werden, der nachweislich eine tragfähigere Beziehung zu den Kindern aufgebaut hat- und zwar unabhängig von der Einkommens- und Vermögenssituation.

Das halte ich für einen grundlegenden Fortschritt!

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rahab 08.08.2010 | 04:13

thx
1. bei ehescheidung steht die gemeinsame elterliche sorge im gesetz - regelungsbedürftig sind im einzelfall unterhalt und wo das kind lebt
2. bei nichtehelichen kindern steht die elterliche sorge durch die mutter im gesetz - da ist nur die frage, wie die elterliche sorge des leiblichen vaters hinzukommen kann, ohne die der mutter einzuschränken oder in deren sonstige lebensführung hineinzuregieren

und was ist "eine tragfähigere Beziehung"?

Lea 08.08.2010 | 04:50

Rahab, ich glaube Ihr zwei redet aneinander vorbei. Was thx meint, ist, dass trotz oberflaechlich vielen anstrengungen zur gleichberechtigung diese nicht erreicht wurde. weil zumindest bei unteren bis mittleren einkommen eine paritaetische teilung der diversen aufgaben eines elterliche haushaltes 9also einkommen erwirtschaften, erziehung der kinder, das haushaltzeugs) nicht moeglich ist, da ganz einfach das einkommen dazu nicht reicht. es kommt was kommen muss: der frau wird der mutterwerden karriereknck aufgedrueckt und wenn kind genug gross ist hat sie schwierigkeiten in den erwerbsprozess zurueckzufinden.

kommt es in dieser zituation zu einer trennung/scheidung, wird die frau abhengig von den alimentenzahlungen des ex, da sie selber nicht in den erwebrsyklus zurueckfindet und er wegen der finanziellen belastung neben geld rackern keine moegichkeit hat, anderweitig sich um das/die kinder zu sorgen.

trenungen sind oft auf dysfuntkionale zustaende der beziehung zurueckzufuehren. da stellt sich eben die frage, ob ein gemeinsames sorgerecht angebracht ist (bzw obligatorisch, je nach scheidungsrecht) und ob ein sorgerecht eben dem teil zugesprochen werden soll, wo weniger dysfunktionalitaet vorhanden ist.

last but not least: die kinder werden nie gefragt. ich fordere, dass kinder in scheidungsfaellen ihren eigenen anwalt beigestellt erhalten muessen und, dass kinder sich von eltern auch scheiden lassen koennen.

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rahab 08.08.2010 | 22:14

hast du mal darüber nachgedacht, dass es auch ganz anders geht?
schließlich muß kein mann für die anerkennung einer vaterschaft den nachweis führen, dass er der erzeuger ist.
also? wenn einer mit lust auf kind anerkennt und die mutter der gemeinsamen sorge zustimmt, dann ist er der vater!
abgesehen davon müssen erzeuger von ihren erzeugnissen ja auch nichts erfahren. frauen, die keine lust auf stress mit sorgewütigen vätern haben und es sich leisten können, werden auf die vaterschaftsanerkenntnis verzichten. und dafür sorgen, dass ihr kind/ihre kinder anderweitig bevatert werden. vor allem, wenn der erzeuger ein armer schlucker/emotionaler geizhals ist, werden kinder und mütter gut damit leben können.

Lea 09.08.2010 | 00:57

Mister Rahab,

Sie lesen sehr viel in meinen Kommentar hinein. Dinge die ich nicht gesagt habe. Ich habe auch nicht gesagt, dass THX , bzw. dass ich in seinen Kommentaren eine Sicht lese, wie Sie diese ihm oben unterschieben. So sagt er nicht, Frauen sollen gefälligst sich um MINT Berufe bestreben usw., sondern dass die zurzeit wirkenden rechtlichen und ökonomischen Strukturen eine wahre Gleichberechtigung, die eben die paritätische Übernahme von Rechten und Pflichten heisst, erschweren bzw. verunmöglichen.
Dazu liefert er Verweise zu statistischem Material, das diesen Sachverhalt aufzeigt.
Sie jedoch projizieren in diese Informationen und Argumente Ihre eigenen dogmatischen Feindbilder hinein und unterstellen thx, eine 'traditionelle' Meinung über Partnerschaftsrollen zu haben.
Dazu sage auch, dass Sie kein Recht haben, über eine Meinung - ob nun wahr oder von Ihnen unterstellt - zu urteilen. nur thx und sein(e) Partner(in) hat ein Recht dazu, eine solche allfällige Meieung des anderen zu beurteilen- soweit das ihre private Partnerschaft betrifft.
In dem Sinn finde ich ihre Argumentation hier, und wie ich auch anderswo gelesen habe, AD HOMINEM und daher unfair und insbesondere unsachlich.

Ganz abgesehen davon, dass ein Paar auch bewusst eine solche (traditionelle) Konstellation wählen kann, weil es in ihrer konkreten Situation besser passt. Die Rolle des Gesetzgebers ist eigentlich nur, die Wahlmöglichkeit und die rechtmässige Anerkennung der gewählten Form der Partnerschaft und deren Folgen (i.e. die Rechte von Nachkommen) zu garantieren.
Eine moralisch wertende Gewichtung der einen gegenüber einer anderen Form der Partnerschaft steht dem Gesetzgeber nicht zu.

Das deutsche Recht, so wie sie es mir in Ihren Verweisen zeigen, ist meines Erachtens diskriminierend und die Anweisung zur Korrektur, was das Urteil des europäischen Menschenrechts-Gerichtshofes letztendlich bedeutet, mehr als überfällig.

Ihre biologistischen Ausführungen jedenfalls entbehren jeder Grundlage neuerer wissenschaftlicher Erkenntnis. So auch die bis anhin im deutschen Recht kodierte Prämisse, dass aus biologischen Gründen die Mutter automatisch das Sorgerecht behalten darf.

Die biologistischen Argumente jedenfalls würden hier wegen dem 14th Amendment der Amerikanischen Verfassung hochkant rausgeworfen.

Die Amerikansiche Gerichtspraxis ist zurzeit etwa so:

„Historical Context

Prior to the twentieth century, common law jurisdictions typically treated children as the property of the father, and thus following divorce the father would gain custody as a matter of course. With the development of psychological science over the twentieth century, most jurisdictions completely transformed this presumption of paternal custody, instead imposing the so-called "tender years" doctrine which held that absent extraordinary circumstances young children should always be placed in the custody of their mothers.

As it became apparent that both of these models were fundamentally flawed - two sides of the same bad penny - a wide assortment of alternative models arose, each of which attempts to discern the custodial arrangement that is in the "best interests" of the children. Typically, these models include a presumption that the parent who served as the primary caregiver during a marriage should be the primary custodian following divorce.“

Quelle: „http://www.expertlaw.com/library/child_custody/fathers_rights.html“

Dazu muss auch gesagt werden, dass die Terminierung elterlicher Rechte nur aus schwerwiegenden Gründen vom Staat verordnet werden kann. Der Grund dazu ist wiederum die im 14th Amendment festgeschrieben Einschränkung staatlicher Gewalt:

• “The fundamental liberty interest of natural parents in the care, custody, and management of their children does not evaporate simply because they have not been model parents or have lost temporary custody of their child to the State. Even when blood relationships are strained, parents retain a vital interest in preventing the irretrievable destruction of their family life. If anything, persons faced with forced dissolution of their parental rights have a more critical need for procedural protections than do those resisting state intervention in to ongoing family affairs.”
• “When the State moves to destroy weakened familial bonds, it must provide the parents with fundamentally fair procedures.”
• “[W]e recognize that ‘the right of parents qua parents to the custody of their children is an important principle that has constitutional dimensions,’ a principle echoed and illuminated in recent years by decisions of the United States Supreme Court and of this court.”
• “Termination of parental rights is a judicial matter of exceptional gravity and sensitivity.
Termination of parental rights is the ultimate interference by the state in the parent-child relationship and, although such judicial action may be required under certain circumstances, the natural rights of the parents in their children ‘undeniably warrants deference and, absent a powerful countervailing interest, protection.’

Quelle und Case law: „http://www.jud.ct.gov/LawLib/Notebooks/Pathfinders/TerminationofParentalRightsinCT/termination.htm“

Also joint custody ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Abschliessend:

Sie sagen “es geht um Frauen, die bewußt/gewollt Kinder bekommen, ohne deren Erzeuger zu heiraten.“ Genaugenommen ist es doch so, dass wir sagen können ‚mein Bauch gehört mir’. Aber die Männer können auch sagen, dass ihr reproduktives Organ ihnen gehöre. Das bedeutet eben, dass vor abschließender Einigung über die zukünftige form der Partnerschaft/Zusammenarbeit und Aufzucht des Kindes dieses eben nicht gezeugt werden soll. Dazu gibt es ja genug Technologien die relativ sicher funktionieren. Beiderseits des Tunnels. Oder salopp don’t do it without the fez on.

THX1138 09.08.2010 | 09:29

"eine frau, die garnicht angibt, wer der erzeuger ihres kindes ist, macht keine unterhaltsansprüche geltend. und den erbanspruch des nicht-ehelichen kindes gegenüber diesem unbekannten schießt sie in den wind.

das mag nicht sehr nett sein. aber vielleicht für kind und mutter gesünder.
eine absage an "tradierte Rollenzuweisungen - vorzugsweise an Männer" ist es allemal."

Nun argumentierst Du endlich einmal konsequent, rahab! Damit habe ich keine Probleme, solche Frauen soll es auch geben.

Die im Artikel beschriebene Gesetzesänderung bezieht sich aber m. E. vor allem auf Kinder, die im allgemeinen im gegenseitigen Einverständnis zwischen einem Mann und einer Frau aus einer langen / längeren / sehr langen, nichtehelichen Beziehung hervorgehen, in denen die Männer bereits eine Beziehung zum Kinde aufgebaut haben. Ich denke, das ist auch der (Regel)fall, den diese Gesetzesänderung nun neu regeln wird.

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rahab 09.08.2010 | 10:58

thx
du solltest endlich mal in das zahlenmaterial gucken. machst du doch sonst so gern.

der regelfall ist, dass die leute solch einen klamauk nicht veranstalten sondern sich einigen. ganz ohne gesetzlichen zwang und gericht (wie bei der gemeinsamen sorge nach ehescheidung übrigens auch). was auch (nicht nur, aber auch) daran liegt, dass auch frauen die 'ledige' gemeinsame elterliche sorge wollten und wollen.

und von dem teil der fälle, in denen die gemeinsame elterliche sorge nicht zustandekommt, sind die fälle, in denen es am veto der mutter scheitert auch wiederum nur ein bruchteil. schließlich gibt es auch die fälle, in denen es am desinteresse und/oder widerstand der 'väter' scheitert. wie es auch die fälle gibt, in denen beide sich einig sind, dass sie ohne auskommen.wie es dann auch noch die fälle gibt, in denen der erzeuger/vater unbekannt ist (entweder, weil er wirklich nicht bekannt ist oder aber, weil die frau ihn nicht angibt, aus welchen gründen auch immer).

so. und nun will der eine bruchteil von fällen die gesetzliche regelung für alle bestimmen. da entsteht zwangsläufig diskussionsbedarf. weil nämlich einerseits ein gesetz eine vielzahl von fällen (nach möglichkeit alle) regeln soll - und zwar so, dass menschen noch die freiheit haben, sich so oder anders oder noch ganz anders zu entscheiden - aber andererseits das worst-case-szenario nicht die entscheidungs-, handlungs- und gestaltungsmöglichkeiten aller anderen einschränken oder gar auf null reduzieren soll.

worüber wir überhaupt nicht reden ist übrigens, dass die 'ledige' gemeinsame elterliche sorge immer die zustimmung des 'ledigen' vaters voraussetzt. und zwar auch dann noch, wenn dessen erzeugerschaft feststeht.
siehe hierzu:
§ 1626a (BGB)
„(1) Sind die Eltern bei der Geburt des Kindes nicht miteinander verheiratet, so steht ihnen die elterliche Sorge dann gemeinsam zu, wenn sie
1. erklären, dass sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen (Sorgeerklärungen), oder
2. einander heiraten.
(2) Im Übrigen hat die Mutter die elterliche Sorge.“

das bedeutet, dass keine mutter einen 'ledigen' vater zur gemeinsamen elterlichen sorge zwingen kann.
warum eigentlich nicht?

THX1138 09.08.2010 | 11:24

"der regelfall ist, dass die leute solch einen klamauk nicht veranstalten sondern sich einigen."

Genau das denke ich auch. Nun werden einfach noch die Ausnahmefälle geregelt, womit diese Gesetzesänderung ein Lücke schliesst.

Vor geraumer Zeit- einem Jahr, Zweien?- wurde doch auch das deutsche Scheidungsrecht revidiert. Ich weiss, hat mit dem Thema hier eigentlich nichts zu tun, trotzdem: wurde das Gesetz seinerzeit nicht dahingehend geändert, dass getrennt lebenden / geschiedenen Frauen mehr für den Lebensunterhalt- also Erwerbstätigkeit- zugemutet werden kann, als davor?

Insgesamt bewegen wir uns also auf Wegen, die Hoffnung machen können.

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rahab 09.08.2010 | 11:57

schau mal thx!
"§ 1570 Unterhalt wegen Betreuung eines Kindes
(1) Ein geschiedener Ehegatte kann von dem anderen wegen der Pflege oder Erziehung eines gemeinschaftlichen Kindes für mindestens drei Jahre nach der Geburt Unterhalt verlangen. Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich, solange und soweit dies der Billigkeit entspricht. Dabei sind die Belange des Kindes und die bestehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu berücksichtigen.
(2) Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich darüber hinaus, wenn dies unter Berücksichtigung der Gestaltung von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit in der Ehe sowie der Dauer der Ehe der Billigkeit entspricht."
steht in dem gesetzestext irgendetwas von frauen?
nein!

wir kämen erst dann auf einen hoffnungsvollen weg, wenn alle - auch und gerade männer! - sich angewöhnen könnten, diesen text (und andere auch) geschlechts- wie geschlechterrollenneutral zu lesen.

und wenn alle sich im weiteren angewöhnen könnten, den sinn und zweck und regelungsgehalt von gesetzen so zu verstehen, dass sie nicht dazu dienen sollen, den klamauk einzelner zur regel für alle zu machen.

nimm Smith und seinen obligatorischen vaterschaftstest. wozu soll der gut sein? wenn Smith zweifel hat, dass er der erzeuger eines kindes ist, erkennt er die vaterschaft nicht an. punkt. sollte es sich um ein kind handeln, dass in seiner ehe mit einer frau geboren wurde, ist das ein bißchen verzwickter als im fall eines 'ledig' geborenen. aber er hat diese möglichkeit.
sollte ihm allerdings im wege eines abstammungsgutachtens nachgewiesen werden, dass er doch der erzeuger dieses kindes ist, darf er sich nicht darüber wundern, wenn die mutter nun verärgert ist und ihn für einen fiesling hält.
tut er aber. er wundert sich und fühlt sich ungerecht behandelt. weshalb er, statt sich mit seinem mißtrauen und dessen folgen auseinanderzusetzen, dies mißtrauen institutionalisieren will, als für alle anderen - frauen wie männer! - obligatorischen vaterschaftstest. das heißt, er möchte seinen einzelfall zur regel machen.
warum? wozu?
um sich immer dann gerechtfertigt zu fühlen, wenn der test erbringt, dass der angegebene vater nicht der erzeuger ist?
welcher wahnwitz wird damit erzeugt?
vor allem: welch ein wahnwitz kommt da zum ausdruck, wenn ein Smith gleichzeitig jede resolution gegen den 'gläsernen bürger' unterzeichnet?

THX1138 09.08.2010 | 13:59

Was mir in solchen Diskussionen halt fehlt- ich geb's zu, ich bin nicht perfekt- ist die Scheidungserfahrung. Vielmehr bin ich mit dem gegenteiligen Problem konfrontiert: Wo soll ich meine Frau nochmal heiraten- ja, dieselbe Frau nochmal: Nächstes Jahr sind wir schon zehne verheiratet, allerdings nur standesamtlich. Las Vegas? Im roten Hot Rod zur Kirche? Oder doch lieber...

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rahab 09.08.2010 | 19:24

liebe Maike,

ich lege immer noch wert auf die feststellung, daß nicht ich es bin, der-die-das "hier immer wieder Streits, die andere Online-Plattformen betreffen, aufzuwärm(t)"!

die oben von dir gebrauchte anrede läßt diese notwendige differenzierung vermissen. ich darf um klarstellung bitten.

es mutet vielleicht albern an, aber .... nachdem ich die erfahrung machen durfte, dass blogger zuweilen schlimmer tratschend als die berüchtigten waschweiber unwahrheiten verbreiten, finde ich dies notwendig.

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rahab 10.08.2010 | 12:48

das thema ist ja so vielschichtig!
wenn ich nämlich mit dem kopf denke, dann komme ich auf folgendes:

ledigen vätern wird nun vom gesetzgeber die möglichkeit eröffnet, sich die gemeinsame oder auch alleinige sorge zu erklagen. schön - weil ja niemand von einem rechtsweg ausgeschlossen sein soll.

aber auch ein eigentor des verfassungsbeschwerdeführers, denn damit werden die gründe der kindsmutter, der gemeinsamen elterlichen sorge nicht zuzustimmen, zum gegenstand des verfahrens. bedeutet, dass die auf ihre stichhaltigkeit hin überprüft werden. als ergebnis kann also rauskommen, dass der klagende ledige vater ungeeignet ist, so ganz persönlich, und ihm das vom angerufenen gericht attestiert wird.
und im weiteren kann dabei rauskommen, dass eine art anforderungsprofil entwickelt wird. in der art einer check-liste, welche auflistet, dass väterlich sorgeberechtigt nur sein kann, wer dies und das tut und so und so ist.

was passiert dann eigentlich mit den männern, über die diese checkliste aussagt, dass sie ungeeignet sind? werden die dann alle rein vorsorglich von amts wegen kastriert?

Maike Hank 10.08.2010 | 14:07

Lieber Smith,
liebe Rahab,

mittlerweile sollten alle Kommentare von uns editiert worden sein. Es ist völlig unerheblich, wer wen wie oft und wann beleidigt hat. Bitte versuchen Sie in Zukunft, sich aus dem Weg zu gehen oder sachlich zu diskutieren. Wir möchten unter unseren Texten kluge, weiterführende Diskussionen fördern, was so nicht möglich ist.
Sollte sich dennoch nichts ändern, müssen wir Sie temporär sperren.
Dies ist ein Gelbe Karte für Sie beide.

Herzliche Grüße aus dem Büro,
Maike

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rahab 10.08.2010 | 17:52

ganz sachlich:

es gibt immer mal wieder zwei möglichkeiten. so auch hier:
1. mensch leidet - dann muß mensch sich dessen nicht schämen.
2. mensch bemächtigst sich des leidens anderer, um sich das eigene leiden nicht eingestehen zu müssen und vor der öffentlichkeit als 'stark' dastehen zu können - dann manipulierst mensch andere und sich selbst auch

beide möglichkeiten sind schmerzhaft. allerdings geht die zweite mehr auf kosten der kräfte als die erste.
und je mehr die kräfte aufgezehrt werden, umso mehr versucht mensch, die herabzusetzen, von denen mensch sich angegriffen fühlst.

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smith 11.08.2010 | 00:15

Eine Gelbe Karte mit herzlichen Grüßen? Süß.
Der Kommentar darüber ist allerdings an Herzlichkeit nicht zu überbieten.
Hier wie da und auch dort scheinen sie immer wieder auf, die giftig schillernden Grundüberzeugungen jener in die Jahre gekommenen radikalfeministischen Haudrauf`s – häufig mit institutionellen Einfluss, die sich in offen misandrischen Worten wie den folgenden manifestieren und seit einiger Zeit zum journalistischen Mainstream gehören:

"Sie wollen juristisch auch dann Vater bleiben oder es werden, selbst wenn sie es im Alltag schon lange nicht mehr sind oder es noch nie waren. Gemeint sind all jene, die keinen oder zu wenig Unterhalt zahlen. Laut Statistik sind das mehr als die Hälfte. Andere sehen ihre Kinder höchstens am Wochenende und wissen dann nicht, was sie mit ihnen machen sollen. Auch sie sind keine Ausnahme."

Vater soll nur Vater sein dürfen, wenn er Unterhalt zahlen kann? Entschuldigung ob der Unsachlichkeit, liebe Maike, aber das Zitat ist immerhin der taz entnommen. Dergestalt anmaßende Arroganz, Verachtung und erpresserische Skrupellosigkeit gegenüber Vätern sind keine Außnahme und auch definitiv keine Basis für Partnerschaftlichkeit oder gar Vertrauen. Nein, hier zeigen sich nicht nur die üblichen tradierten Anspruchshaltungen gegenüber Männern und deren Instrumentalisierung, sondern auch die Gründe für das ganze Ausmaß einer seit Jahrzehnten bekannten Fehlentwicklung, der es mit dem Ziel einer wirklichen Gleichberechtigung endlich durch zu schaffende gesetzliche Rahmenbedingungen zu begegnen gilt.

"In unserem Rechtsstaat kann es Menschen, weit überwiegend Vätern, widerfahren, daß gegen ihren Willen und ohne ihnen anzurechnendes schuldhaftes Verhalten ihre Ehen geschieden, ihnen ihre Kinder entzogen, der Umgang mit diesen ausgeschlossen, der Vorwurf, ihre Kinder sexuell mißbraucht zu haben erhoben und durch Gerichtsentscheid bestätigt und sie zudem durch Unterhaltszahlungen auf den Mindestbehalt herabgesetzt werden. Die Dimension solchen staatlich verordneten Leides erreicht tragisches Ausmaß und sollte seinen Platz auf der Bühne, nicht in unserer Rechtswirklichkeit haben"

Richter am OLG Harald Schütz, 1997(!)

Herzliche Grüße zurück ins Büro.
Smith

www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/vater-ist-nicht-gleich-vater/

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rahab 11.08.2010 | 01:13

die folgen der check-liste ...
eine mögliche lösung wäre auch, all die, welche gerichtlich als vateruntauglich festgestellt oder von solcherart festgestellten abstammen, nach... sagen wir ...zentralafrika zu schaufeln. vorübergehend, bis der mond kolonisierbar geworden ist.

und all die frauen, welche durch ihre widerspenstigkeit dies provoziert haben, kommen in die wüste gobi....

ich mein, es muß doch möglich sein, unter den menschen aufzuräumen. richtig. damit das aufhört mit diesen ganzen ungeordneten verhältnissen. der mensch hat schließlich ein menschenrecht auf ordnung. ne woar!

rama 11.08.2010 | 11:06

Die Rechtsprechung käme derart in den gesellschaftlichen Verhältnissen des 21. Jahrhunderts an, und bald folgte ihr hoffentlich auch die Gesetzgebung? Nein, formal gleiches Recht auf Sorge bei real ungleichen Verhältnissen (Unterschied zwischen "erzeugen" und "gebären" und anhaltende soziale Differenz) verschärft Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten. Frei nach dem alten Motiv: "Arme und Reiche haben das gleiche Recht, unter Brücken zu schlafen."

Steffen Kraft 11.08.2010 | 12:39

Auch wegen des großes Debatten-Interesses in der Community haben wir entschieden, das Wochenthema der kommenden Ausgabe dem Sorgerecht zu widmen. Arbeitstitel: "Die Sorgenkinder. Sind Mama und Papa schon erwachsen genug für das neue Sorgerecht?".

Ab morgen auf www.freitag.de/wochenthema und mit erhöhtem Lesegenuss im gedruckten Freitag, erhältlich am Bahnhofskiosk oder ohne Mehrkosten frei Haus: www.freitag.de/einzelheftbestellung.

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2010 | 15:24

...und nicht nur an diesem kontroversen Thema. Die ständigen persönlichen Abwertungen, der Umgang miteinander, dieses zu Gericht sitzen über Andersdenkende hier bewirken bei mir, mich an Diskussionen zu bestimmten Themen überhaupt nicht mehr zu beteiligen.

Zwei super spannende Wochenthemen hintereinander. Treffer versenkt. Jetzt bin ich wieder sehr gespannt auf morgen.