Olivier Guez
12.04.2012 | 12:05 81

Vergangenheit ohne Ende

Grass-Gedicht Die Debatte um Günter Grass und die Deutschen. Unser Autor kritisiert Israel auch, aber anders als der deutsche Nobelpreisträger

Stellen wir uns folgende Szene vor: eine mondlose Nacht, kalt und feucht, Ende März, in einer prächtigen Villa im Norden Deutschlands. Vor dem Kamin, in dem ein Feuer lodert, ist einem alten Dichter kalt. Unter seiner Leinenweste und der Tweedjacke ist ihm eng ums Herz. Er stopft sein Pfeifchen, dieser ruhm- und ehrenvolle Dichter, er stopft sein Pfeifchen, um sich selbst etwas Mut und Wärme zuzusprechen: Heute Nacht ist er mit der Weltgeschichte verabredet. Seit Stunden, Tagen, Monaten, ja vielleicht sogar Jahren, wer weiß das schon so genau, möchte er ihr seine Meinung kundtun. Lange hatte er gezögert, war er ihr ausgewichen. Aber in dieser Nacht kann er nicht länger schweigen, denn mein „Schweigen (...) empfinde ich als belastende Lüge“. So entschließt er sich endlich, sein Herz auszuschütten und seine gequälte Seele zu erleichtern. Er tauchte die Feder in seine „letzte Tinte“ und wird ein Gedicht schreiben, einem weißen Blatt Papier das anvertrauen, „was gesagt werden muß“, weil es ihm bang um den Frieden, „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ ist.

Einen Vers auf den Weltfrieden... Kein anderer kann den so gut verteidigen wie er. Der alte Dichter hat einen scharfen Blick, er ortet sofort die Gefahr und weiß, wer der Schuldige ist: Israel. Er ist sich sicher, ganz und gar sicher: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“

Aber warum Israel? Dem Dichter stand ja durchaus auch noch anderes zur Auswahl, denn Gefahren, die den Frieden auf Erden gefährden, gibt es überall: das Atomprogramm Nordkoreas, der islamistische Terrorismus, Verwüstungen durch den Finanzturbokapitalismus, die Erderwärmung oder die Eurokrise … Auch über den Iran hätte der alte Dichter seine lyrischen Ergüsse auskippen können.

Ein Gedicht gegen den Iran?

Er hätte daran erinnern können, dass sich die Vermutungen immer mehr verdichten, dass man dort dabei sei, atomar aufzurüsten. Die Internationale Atomenergiebehörde schrieb im November in ihrem Bericht, dass man „ernsthafte Befürchtungen“ hege, dass das iranische Atomprogramm eine „militärische Qualität“ erreicht habe. Und sie wird noch genauer: „Unsere Informationen weisen darauf hin, dass der Iran dabei ist, eine atomare Bombe zu entwickeln“. Sämtliche Anrainerstaaten Irans, ausnahmslos alle, befürchten das. Sodass man sich fragen kann, wer hier stärker „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ gefährde? Eine israelische Atombombe, die vor Jahrzehnten aus Zwecken der Abschreckung angeschafft wurde? Oder eine iranische? Immerhin hat der dortige Präsident Ahmadinedschad seine Absicht erklärt, „Israel von der Landkarte zu fegen.“ Das soll nur ein „Maulheld“ sein, wie Grass ihn nennt?

Nehmen wir an, dass sich der Dichter wirklich Sorgen um das iranische Volk macht, dass er glaubt, es sei tatsächlich von der Vernichtung bedroht. Warum hat er sich nicht schon im Frühjahr 2009 ein Gedicht abgerungen und die blutige Niederschlagung des iranischen Frühlings durch die Regierenden angeklagt?

Warum hat ihn nicht der letzte Bericht von Amnesty International über die Verletzungen der Menschenrechte im Iran zum Schreiben seiner lyrischen Verse angeregt? 2011 wurden im Iran mindestens 300 Menschen hingerichtet. So viel, wie in kaum einem anderen Land. Er hätte flammende Worte gegen die Machthaber von Teheran finden können, da sie „fortgesetzt die Meinungs-, Vereins- und Versammlungsfreiheit stark einschränken.“ Er hätte die Tatsache verurteilen können, dass die Medien dort einer rigiden staatlichen Kontrolle ausgesetzt sind, die darauf abzielt, die Iraner gegenüber der restlichen Welt zu isolieren und dass Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen Gefahr laufen, festgenommen, gefoltert und eingekerkert zu werden. Und mit ihnen politische Dissidenten, Anwälte, Journalisten und Studenten.

Und: Wo Günter Grass in diesen Tagen ein so großes Herz und eine so behende Feder hat, warum hat er sich nicht das Syrien eines Bachir el-Assad vorgeknöpft, der seit mehr als einem Jahr so munter sein Volk massakriert? Verdient der kein Gedicht?

Warum also Israel? Um eine tabulose Debatte über den jüdischen Staat zu eröffnen, sagen die einen. Na, dann mal los! Aber hier, gleich und sofort. Ich zum Beispiel kritisiere Israel genauso, wie ich Frankreich kritisiere, die Vereinigten Staaten oder Deutschland, also Länder, über die ich schreibe. Ich bin gegen Israels Politik in den Palästinensergebieten, weil sie den Interessen Israels zuwiderläuft und ein moralischer Fehler. Die Palästinenser müssen einen eigenen Staat erhalten.

So, jetzt ist es passiert, ich habe Israel kritisiert. Das ist möglich und sogar wünschenswert. Aber auf intelligente Art und Weise. Grass hätte das Gleiche ­schreiben können wie ich und etliche andere auch. Und natürlich noch viel besser, denn er hat doch den Literaturnobelpreis bekommen. Aber er schrieb lieber ein lächerliches, groteskes und gefährliches Gedicht.

Daher muss ich schlussendlich annehmen, dass er ein Problem hat. Das tut mir leid, weil ich ihn eigentlich mochte. Weil die Schlachten und Kämpfe, die er in den sechziger Jahren unternahm, mutig waren. Aber heute kann ich das Problem drehen und wenden so viel ich will, am Ende muss ich doch feststellen, dass Günter Grass ein ernstes Problem mit Israel und den Juden hat, selbst wenn dies weder seinen Jüngern noch ihm selbst gefällt.

Ein Kind seiner Zeit

Günter Grass ist ein Kind seiner Zeit. Ende der zwanziger Jahre geboren, gehört er einer Generation an, die weder für Hitlers Machtergreifung noch für seinen staatlich verordneten Antisemitismus, für Krieg und millionenfache jüdische Opfer verantwortlich gemacht werden kann. Aber es ist eine Generation, die letzte, deren Existenz die Nazizeit voll und ganz vergiftet hat.

Grass wuchs im Schatten der Shoah auf und wurde in ihrem Schatten alt. Eine ­Shoah, die zunächst verdrängt und später zum negativen Gründungsmythos der modernen deutschen Demokratie wurde. Aber eines Tages hatte die vom Gewicht Auschwitz’ fast erdrückte Generation genug. Sie wollte sich von der Last der Vergangenheit befreien. Martin Walser, wenige Monate älter als Grass und ebenso wie dieser ein engagierter Intellektueller, der nicht im Verdacht steht, mit der revisionistischen Rechten zu flirten, hat bereits vor ihm den Überdruss seiner Generation in diesem Punkt festgestellt.

Und Günter Grass himself: Seine persönliche, nicht enden wollende Suche während der vergangenen 20 Jahre fand in mehreren Buchkapiteln statt. Schon darin wollte er sich von seiner vermutlich immer stärker auf ihm lastenden Schuld befreien, um so friedlich wie möglich zu sterben. 2006 hatte ihn das zu dem Eingeständnis geführt, einer Division der Waffen-SS angehört zu haben. Der vorläufige Schlusspunkt dieser Suche stellt nun das Gedicht der vergangenen Woche dar. Damit aber hat er eine Grenze überschritten.

Sein Abdriften hat bereits 1991 beim Golfkrieg begonnen. Während es über Tel Aviv irakische Scud-Raketen regnete und Saddam Hussein drohte, seine Raketen mit chemischen Sprengköpfen auszustatten, haben sich die Israelis in ihre Schutzräume verkrochen, die Gasmaske bei der Hand. Aber Grass zog es vor, obwohl er im Sechstagekrieg 1967 einer der am stärksten an Israels Seite engagierten Intellektuellen gewesen war, sich gegen den Konflikt zu äußern und lange Reden über einen gerechten Krieg zu schwingen.

Dann erschien das Buch Im Krebsgang. Mit diesem Roman begann Grass seine emotional bequeme Lesart der Geschichte, in der sich die Deutschen auch selbst wieder als Opfer entdecken konnten. Als ein Volk, das seine Wunden lecken möchte und sich – wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit – wieder selbst bemitleiden darf. Bombardierungen, Plünderungen, Vergewaltigung und Totschlag durch Soldaten der Roten Armee, den Verlust der östlichen Gebiete sowie das Leid, das während der letzten beiden Kriegsjahre, in denen viele Städte dem Erdboden gleichgemacht wurden, all das wurden seine Themen. „Wir durften nie über die Gustloff sprechen, das im Roman bombardierte Passagierschiff. Bei uns im Osten kam das nicht infrage. Und bei dir im Westen, wenn das Gespräch auf diese Zeit kam, ging es immer um andere Sachen, um schlimme Dinge, Auschwitz und das alles“ – so fasst im Roman die Mutter der Hauptfigur die Situation zusammen – und das wird wohl auch die Ansicht des Autors gewesen sein, als er seinen Text schrieb.

„Es hört nicht auf. Es wird nie aufhören“, heißt es im Epilog zum Krebsgang. Die deutsche Schuld sowie seine eigene treiben Grass um. Er sucht nach Strategien, um seine Gewissensbisse zu mildern. In meinem Buch Heimkehr der Unerwünschten. Eine Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945 schrieb ich über einige Vertreter der Linken der siebziger Jahre, deren „Besessenheit von Israel und obsessives Kämpfen für die Situation der Palästinenser eine Ablenkungstaktik ist, um sich psysisch und moralisch von der Bürde der Vergangenheit zu befreien. Der palästinenische Kämpfer war ihr eigener Retter; er inkarnierte ihre ureigene Suche nach Unschuld. Indem er verschwieg, dass Israel eine der Folgen des nazideutschen Antisemitismus gewesen war, entledigten sie sich ihrer Schuld und ihres schlechten Gewissen.“

Indem er seinen erbitterten Kampf gegen Israel führt, macht Günter Grass heute nichts anderes.

Chronik: Grass und sein gebrochenes Schweigen

4. April: Günter Grass veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung sein Gedicht Was gesagt werden muss: Israel gefährde den Weltfrieden, weil die Atommacht mit einem Erstschlag den Iran vernichten könnte, schreibt der Literaturnobelpreisträger.

5. April: Das Presseecho ist verheerend. Er verwechsele den atomaren Erstschlag mit einem Bombenangriff, schreibt die Berliner Zeitung. Unfug, urteilt die Frankfurter Rundschau, einen Schlag gegen moralische Integrität, der Tagesspiegel. Das Gedicht sei geschmacklos und unhistorisch, erklärt CDU- Generalsekretär Hermann Gröhe. Als ein aggressives Pamphlet der Agitation, bezeichnet ihn der Zentralrat der Juden in Deutschland.

8. April: Es ist ein ekelhaftes Gedicht, kommentiert Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in der FAS. Eigentlich sei es aber gar kein Gedicht. Der 84-Jährige hätte den Text vor allem deswegen veröffentlicht, um einen Skandal loszutreten und Aufmerksamkeit zu erheischen. Es stellt die Welt auf den Kopf, sagt Reich-Ranicki.

Israel verhängt ein Einreiseverbot gegen Grass. Das israelische Innenministerium nennt den Text einen Versuch, die Flammen des Hasses gegen den Staat Israel und das israelische Volk anzu-fachen. Grass wird zur unerwünschten Person erklärt.

9. April: In Deutschland werten diese Reaktion auch solche als übertrieben, die Grass kritisiert haben, etwa der Grüne Volker Beck und aber auch der frühere Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor. Einige Sozial-demokraten kündigen an, zukünftig auf die Wahlkampfhilfe von Günter Grass verzichten zu wollen. Bra

Olivier Guez, geboren 1974 in Straßburg, schreibt als Journalist u. a. für FAS, Tages-Anzeiger, Le Monde, LHistoire und Politique Internationale. Von 2005 bis 2009 lebte er in Berlin. Im Piper Verlag erschienen die Bücher Die Mauer fällt und Heimkehr der Unerwünschten. Heute lebt und arbeitet er in Paris

Übersetzung: Caroline Elias

Kommentare (81)

Zweibein 12.04.2012 | 15:13

Wirklich hübsch im Mainstream der aktuellen Grass-Schelte, dieser Artikel.
Natürlich wieder unter Ausblendung der eigentlich bekannten Tatsachen:
www.focus.de/politik/ausland/iran/atomwaffen-im-iran-cia-hat-keine-beweise-fuer-atombomben-bau_aid_717697.html
oder
www.tagesspiegel.de/politik/atomstreit-mit-iran-wie-israel-sich-auf-einen-moeglichen-krieg-vorbereitet/6497924.html
Im zweiten Link wird dargestellt, wie Israel bereits einmal einen Atomreaktor auf fremdem Territorium angegriffen hat. Vielleicht waren es ja die Fakten, die Grass zu seinem Gedicht bewogen haben. Jetzt in der Vergangenheit eines 80-jährigen zu wühlen und zu behaupten, er würde einem Antisemitismus anhängen, mit dem er sich in seiner Jugend infiziert habe, ist wirklich absurd. Zumal es auch hier Fakten gibt, die deutlich dagegen sprechen. So äußert Guetz selbst:
"Aber Grass zog es vor, obwohl er im Sechstagekrieg 1967 einer der am stärksten an Israels Seite engagierten Intellektuellen gewesen war, sich gegen den Konflikt zu äußern und lange Reden über einen gerechten Krieg zu schwingen." - und Herrn Guetz fällt nichts auf? - nicht, dass Grass vielleicht einen peinlichen Hang zur Objektivität entwickelt haben könnte, dass er vielleicht an der Seite Israels steht, wenn es angegriffen wird, sich aber von diesem lossagt, wenn es selbst als Aggressor auftritt oder aufzutreten verspricht?

"So, jetzt ist es passiert, ich habe Israel kritisiert. Das ist möglich und sogar wünschenswert. Aber auf intelligente Art und Weise." Auch hier kann ich mich der im dritten Satz geäußerten Ansicht des Autors nicht anschließen.

Und als Höhepunkt: "Grass hätte das Gleiche ­schreiben können wie ich und etliche andere auch. " - Sicher, wirklich frech von Grass selbst denken zu wollen. Dafür verdient er wahrscheinlich die geballte Schelte all der Pinscher, die endlich eine Möglichkeit sehen, ungestraft an einem Denkmal das Bein zu heben.

SchmidtH. 12.04.2012 | 15:25

Wer gedacht hätte, die intellektuellen Tiefschläge gegen Günter Grass persönlich, nicht etwa gegen dieses "künstlerisch" wenig wertvolle "Gedicht, seien schon vorbei, die Tiefststände ausgelotet, nein, da taucht nun dieser Herr Guez auf und schlägt ein weiteres Kapitel in der persönlichen Anfeindung, Diffamierung auf. Interessant ist der Hass, der Ekel, der aus den Worten quillt.
Der Antisemitismusvorwurf muss um jeden Preis, wenn auch mit Umwegen an den Mann, hier Günter Grass, gebracht werden.
Man ist froh wenigtens noch einige sachliche Beiträge lesen zu dürfen wir den von Jean Asselborn.
Zitat:
Asselborn: Die teilweise hysterische Reaktion auf Günter Grass in Deutschland ist für Nicht-Deutsche schwer verständlich. Er wird ja wie ein Aussätziger behandelt. Dabei ist er eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Literatur und hat sehr viel geleistet für das Ansehen Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

SPIEGEL ONLINE: Und sein jüngstes Werk?

Asselborn: Das beflügelt hoffentlich eine Diskussion, die dringend geführt werden muss. Leider hat Grass seine Argumentation dazu völlig falsch aufgebaut.
tat:"

Ja es gibt noch Luft, die es sich zu atmen lohnt.

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Ehemaliger Nutzer 12.04.2012 | 16:37

Geht das schon wieder los. Etwas Grass war nun schon darüber gewachsen und nun kommt ein Schaf und frißt es wieder ab. Klasse, immer schon durcheinanderrühren und vor allem Ursache und Wirkung verwechseln.
Was hat die Ankündigung eines Erstschlages Israels gegen den Iran mit Grass's Zugehörigkeit zur Waffen-SS zu tun. Hochrangige Leute der BRD war bis zum Schluss überzeugte Nazis, da krähte kein Hahn danach. Natürlich war es ein Fehler von Grass. Die anderen haben es doch auch getan, vor allem, die haben noch an Verbrechen teilgenommen.
Es geht aber um einen Kriegskonflikt vor unserer Haustür, der auch für unserer Land gefährlich ausgehen kann.
Es geht um verbrecherische Waffentransporte, und das schon Jahrzehnte, wo die BRD Kriegsmaterial und auch Zentrifugen für die Urananreicherung exportiert hat.
Es ist wichtig, dass Grass hier einmal ein Wort der Kritik angebracht hat. Ich frage mich eigentlich, warum sich alle so aufregen, Grass hat nur die Wahrheit gesagt, die eigentlich jedermann bekannt ist.

ed2murrow 12.04.2012 | 17:46

Monsieur,

permettez mois d’exprimer la profonde gratitude d’un, qui a vécu l’expérience de lecture tout à fait parallèle à la votre, mais qui ne possède et ne possédera jamais la force de vos mots dans un jugement clair et net.

Je regrette uniquement, dans la traduction, l’absence de Votre phrase finale originaire, dont je partage la tristesse.

Croyez, Monsieur, au sentiment de ma parfaite considération.
e2m

bertamberg 12.04.2012 | 17:51

Wenn ein Journalist nicht mehr prüft, ob etwas korrekt übersetzt oder zitiert ist, ist es entweder unprofessionell oder Meinungsmache. Bei aller berechtigten Kritik am Iran - dass nach knapp sieben Jahren immer noch eine tendenziöse Falschübersetzung als Wahrheit betrachtet wird, ist ein Skandal:

"Am 26.10.2005 sprach Ahmadinedschad auf einer Konferenz, die unter dem Motto stand "Die Welt ohne Zionismus". Es waren im Wesentlichen die großen westlichen Nachrichtenagenturen, die die Übersetzung dieser Passage lieferten: Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA). Ahmadinedschad sagte jedoch wörtlich: "in rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad. Das bedeutet: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden." Das ist keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern die Aufforderung, die Besatzung Jerusalems zu beenden."

www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333

Aber wenns um Öl- und Erdgasreserven für die westliche Welt geht, muss anscheinend jede Verleumdung hingenommen werden. Wenn diese aber in der Freitags-Druckausgabe unkommentiert stehen bleiben sollte, wäre es eine intellektuelle Schande.

verleitnix 12.04.2012 | 17:58

Grass war schon immer als kritischer Geist bekannt und man tut ihm nun Unrecht, wenn man seinen jüngsten kritischen Text auf eine Weise verurteilt, als wäre dieser alleine auf antiisraelische Resentiments des Herrn Grass begründet. Natürlich gibt es genügend kritikwürdige, andere Konflikte und Probleme auf dieser Welt und ich denke, dass es ihm nicht zuzumuten ist, sich in bekannter Weise auch zu denen zu äußern. Man muss ihm schon zutrauen, sich dann zu äußern, wenn ein möglicher Konflikt mit der eskalierenden Option hin zum 3ten Weltkrieg direkt vor unserer Haustür im Begriff ist, sich zu entwickeln.

Warum ist denn Netanjahu vor kurzem noch bei Obama gewesen? War das eine Sandkastendiskussion oder ging es hier einzig und alleine darum, die Amerikaner mit ins Boot zu holen? Gott sei Dank ist er da bei Obama vorerst abgeblitzt und Netanjahu hat sich dann erbeten, zumindest einen Alleingang ausführen zu dürfen, worauf Obama ihm wohl zugestimmt hat.

Nein, Grass hat absolut recht damit gehabt, diesen Konflikt - unbeachtet des krampfhaften, deutschen Tabus des Kritisierens Israels - zu benennen und zu veröffentlichen.

das brueckenkarma 12.04.2012 | 17:59

Ich schließe mich den Vorkommentierenden an! Was für ein dünnes, pseudo-psychologisches Süppchen Herr Guez uns freitags-Lesenden am Tag 8 nach der Veröffentlichung des Grass-Gedichts zumutet ist ja echt kaum auszuhalten! Ähnliches gilt auch für den Artikel "Locker vom Lyrikhocker" von Magnus Klaue.

Steckt vielleicht Neid des jungen Journalisten auf das mediale Echo des greisen Autors dahinter? Jedenfalls ist seine "Ätsch-ich-kann-Israel-auch-kritisieren"-Nummer wirklich kindisch. Und er macht den gleichen Fehler wie Herr Grass: indem er bewusst oder nicht eine genaue Adressierung seiner Kritik unterlässt, spielt er einen Ball, der mit der meistgebrauchten Anti-Populismus-Keule sofort ins Aus gekickt werden kann.

Herr Guez, wir sind uns völlig einig, dass Menschenrechtsverletzungen, zB gegen die Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit etc in sehr vielen Ländern dieser Erde Probleme darstellen, die von Journalisten, Politikern, Künstlern und jedem anderen Demokraten zu kritisieren sind. Aber wie kommen Sie auf so eine absurde Idee, das Lavieren der israelischen Regierung (entgegen der Warnungen aus dem Weißen Haus!) an der Grenze zu einem bewaffneten Konflikt, dem von vielen das Potential zum Dritten Weltkrieg nachgesagt wird, in einen Topf zu schmeißen mit der Medienzensur im Iran???

Es steht jedem Weltkriegs-Zeitzeugen zu, ja es ist deren verdammte Pflicht jetzt den Mund zu öffnen! Ich würde mir wünschen, dass G. Grass in einem Chor von Pazifisten stünde, der die einzelnen Stimmen aufsaugt und zu einem großen Ruf mit vielen Nuancen macht: Nie wieder Krieg!

Merke: in einem Spiel, das nur Verlierer produziert, kommt es darauf an, beizeiten aufzuhören! Das Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn-Prinzip, dem die Regierenden des Nahen und Mittleren Ostens frönen, stammt aus der frühen Eisenzeit. Im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen ist es der blanke Irrsinn!

Es ist im Übrigen sehr zu bedauern, dass in dem Getöse der letzten Tage die Kritik von G. Grass an einem zweiten Adressaten völlig untergeht: Glänzende Waffengeschäfte Deutschlands, die von einer zunächst und hoffentlich nur verbalen Eskalation des Konflikts profitieren. Diesem Umstand hat der freitag schon lange nicht mehr so viel Raum zugestanden, wie dem gequirlten Quark von Herrn Guez.

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Ehemaliger Nutzer 12.04.2012 | 18:28

Das dumme ist ja, dass keiner über Israels Atomprogramm reden will (ausser Grass)! Warum eigentlich?
Wieso will keiner über Israels Atomwaffen reden, aber lieber über vermutete Programme im Iran und Nordkorea? Warum darf Israel alles, und Nordkorea wird bei einem Raketenstart ins All sofort verdächtigt, dass es mit dem angeblichen Atomprogreamm zu tun hat? Haben Israelische Raketen nichts mit ihren Atomwaffen zu tun? Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand darüber beschwerd hat. Hat sich Israel jemals an UN-Resolutionen gehalten? Eher selten bis gar nicht! Was wollen die also?
Ich würde sagen, erfüllt doch erst mal die UN-Resolution 242!!!

ed2murrow 12.04.2012 | 18:56

Liebe Frau Jacobi,

was wäre, wenn ich Ihnen attestieren würde, Sie seien möglicherweise bereits so senil, dass Sie zwar noch über ein verklärendes Langzeitgedächtnis verfügten, aber das Zwischendurch Sie ganz und gar nicht mehr belastete? Vermutlich Feuer unterm 3-Generationen-Dach.

Guez hat mit seinen Zeilen Reife und vor allem nötige Distanz gezeigt. Seine Empathie fiel leider den Kürzungen der Übersetzungen zum Opfer.

Beste Grüße, e2m

SchmidtH. 12.04.2012 | 19:04

Auch im "Tagesspiegel" findet sich solch pseudowissenschaftliches Geschwätz, hier im Mäntelchen der Psychoanalyse über Grass und Walser. Es fehlt nur noch die öffentliche Bücherverbrennung dieser Schriftsteller:

"Natürlich vertritt Grass heute nicht mehr die nationalsozialistische Ideologie. Aber in seinem Gedicht spricht er nicht mit der Weisheit eines Nobelpreisträgers, sondern ist von den Affekten gesteuert, die der emotionalen Welt eines fanatisierten, draufgängerischen Jugendlichen entstammen. Von einem 17-Jährigen erwartet man nicht, dass er immer den richtigen Ton findet. Von einem Nobelpreisträger ist ein feines Gespür für Takt, Anstand und Einfühlung hingegen nicht zu viel verlangt.

"Der 84-jährige Günter Grass entspricht dem Typus des unbeirrbaren Narzissten. Sein öffentliches Agieren ist arrogant und aggressiv, ohne dass ihm dies bewusst wäre. Er möchte wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und greift zu einem Mittel, das hundertprozentig funktioniert: Da der Holocaust nach wie vor das zentrale Thema der Zeitgeschichte ist, garantiert eine provokante Äußerung zu diesem sensiblen Thema die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Offenbar tappen nicht nur geltungssüchtige Politiker in die Narzissmusfalle. Auch Großschriftsteller müssen zu dieser Spezies gerechnet werden."

www.tagesspiegel.de/kultur/guenter-grass-und-martin-walser-von-einem-17-jaehrigen-erwartet-man-nicht-dass-er-immer-den-richtigen-ton-findet-von-einem-nobelpreistraeger-schon-/6497934-3.html

Allein dafür müßte Mensch Günter Grass dankbar sein, was dieses "Gedicht" so an Einsichten über die deutsche Intelligenz sichtbar gemacht hat.
All das wird meiner Ansicht nach nicht ohne Folgen bleiben. Noch nie war die Trennung von oben und unten so deutlich hervorgetreten.

Fro 12.04.2012 | 19:21

Darum ging es Grass:

Israel treibt offenbar die Pläne für einen Schlag gegen Iran voran. Das Land (Israel) soll mit Erfolg eine atomwaffenfähige Rakete mit großer Reichweite getestet haben. Das Regime in Teheran kündigt bereits Vergeltung für den Fall eines Angriffs an. mehr

Es gibt im Iran 7 Kerntechnische Anlagen übers Land verteilt, die Ziele von Angriffen werden könnten.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/32/Atomprogramm_des_Iran_2.png/320px-Atomprogramm_des_Iran_2.png
Auch wenn das Israelische Militär konventionelle panzerbrechende Waffen einsetzen sollte, wird eine riesige radioaktive Wolke den Iran und Nachbarstaaten radioaktiv verseuchen und wenn wir zu der Zeit südliche Winde haben, werden wir in Europa da auch noch 'etwas' von haben.

Der Iran wird seine Raketen abschießen und möglicherweise haben sie auch ein Netzwerk in den sie bedrohenden Ländern installiert, das mit Terroranschlägen antworten wird ..

Ein Krieg wird die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen – so befürchten Börsianer...

Und Krieg und Krise werden genutzt um Demokratie(reste) weiter abzubauen...

Vollkommen absurd in Anbetracht dieser Gefahren an der Vergangenheit eines Warners und Benenners der Verantwortlichen am Hebel „Krieg oder Frieden“ herumzuinterpretieren und ihm unlautere Motive zu unterstellen.

SchmidtH. 12.04.2012 | 19:37

Soweit ist es also in diesem Land schon gekommen. Martin Walser verweigert sich und begründet es auch noch:

"ZEIT: Grass warnt vor einem Krieg zwischen Israel und dem Iran. Man sagt, er sei antisemitisch.

Walser: Sie wollen doch nur hören, ob ich ihm recht gebe. Und das möchte ich nicht. Eine Meinung provoziert eine neue Meinung, schon läuft die Meinungsmaschinerie, an deren weiterem Betrieb ich nicht das geringste Interesse habe. Das ist keine intellektuell würdige Beschäftigung.

ZEIT: Kein Kommentar mehr zum Weltenlauf? Was machen wir dann?

Walser: Dann machen wir Literatur.

ZEIT: Im Elfenbeinturm? Sie haben sich gegen den Afghanistankrieg ausgesprochen. Warum warnt man vor dem Afghanistankrieg und möchte einen möglichen Irankrieg nicht kommentieren?

Walser: Deutschland darf keinen Krieg mehr führen. Afghanistan ist etwas anderes. Da fühle ich mich provoziert. Ich fühle mich aber nicht provoziert, wenn wir nichts damit zu tun haben. Ich fühle mich nur provoziert, wenn es uns selber angeht.

ZEIT: Sie wollen uns also gar nichts sagen?

Walser: Das Einzige, was ich Ihnen zu diesem Projekt liefern kann, ist: Günter Grass ist natürlich kein Antisemit. Wer bei uns einen anderen einen Antisemiten nennt, gesteht dadurch, dass er seiner eigenen Argumentation nicht vertraut, also flieht er zum Totschlagwort schlechthin. Wenn unsere Auseinandersetzungen noch das Fairness-Niveau eines normalen Fußballspiels hätten, würde der Gebrauch des Totschlagworts die sofortige Disqualifikation bringen."

www.zeit.de/2012/16/Walser-Interview

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Ehemaliger Nutzer 12.04.2012 | 20:21

Fro, Du fragst z. B. auch in Deinem Blog

„Warum schreibt niemand über die akute Kriegsgefahr und die verheerenden Folgen, die ein Krieg gegen den Iran (auch für uns Europäer) haben würde - und darüber, was man tun kann, um so eine Katastrophe abzuwenden?“

und wunderst Dich - woran könnte das wohl liegen?
Denn wenn’s den Angesprochenen um „akute Kriegsgefahr“ GINGE, würden sie auch drüber schreiben, was da los ist und „was man tun könnte, um so eine Katastrophe abzuwenden.“
Eine wesentliche Voraussetzung für jeden gescheiten und redlichen Einspruch gegen die schon längst laufenden und geplanten Kriege wäre es allerdings, sich erst einmal selbst der geistigen Mühlsteine nationaler Parteilichkeit zu entledigen.

Dann könnten die patriotischen Blähungen eines deutschnationalen Versemetzgers auch als solche erkennbar sein - und nicht mehr so schön einfach als Antikriegsstatement verwechselt werden.
Anders ausgedrückt: die sorgenvoll vorgetragene AUSSCHMÜCKUNG des Grass-Poems mit durchaus möglichen u. realistischen Kriegszenarien, wäre dann auch als pure BEBILDERUNG eines PATRIOTISCHEN ANLIEGENS schnell identifizierbar.

Diese ganze Aufgescheuchtheit folgt doch ausschließlich den nationalen Vorgaben einer Staatsraison, die vermutlich nicht mehr die uneingeschränkte Zustimmung der NATIONALEN ELITEN zu erfahren scheint!

Und die Frage die DIESE Leute sich stellen (inkl. Grass!!) ist nicht die von Krieg oder Frieden – sondern ausschließlich die Frage, ob Krieg oder Frieden IM JEWEILIGEN FALL im nationalen Interesse liegt und wann nicht (Friedensheld und Exkanzler Schröder erklärte damals den 3. Golfkrieg im Jahre 2001 für nicht im „Interesse Deutschlands“ und die guten Deutschen feierten genau DAFÜR ihren Helden auch Millionenfach auf den Strassen)!

Über nichts anderes als um diese Nationalfrage geht doch dieser ganze blödsinnige Hickhack. Wer etwas gegen Krieg aufgrund seiner destruktiven Zwecke, Mittel und Folgen hätte, könnte sich doch auch gar nicht mit dieser aufbegehrenden Seite nationaler Elite gemein machen. Denn die Grundlagen der Frage „ob Krieg oder Frieden IM JEWEILIGEN FALL im nationalen Interesse liegt und wann nicht“, würden ja nicht aus dem Verkehr gezogen werden sondern ausschließlich Gegenstand einer strategischen Neuausrichtung – die ganz gewiss eins nicht bedeutet, nämlich weniger Gewalt vom deutschen Boden aus!

Und auf welche Weise nun die angegriffene Seite ein und derselben elitären Nationalmedaille ihren ideologischen Schmadder zugunsten (noch) herrschender Staatsraison gleich kübelweise über ihr Staatsvolk gießen lässt, dass können wir ja jetzt auch hier im „Freitag“ lesen – siehe Artikel oben.

kvwupp 12.04.2012 | 20:32

Zu diesem vielzitierten Schlüsselsatz der Rede von Ahmedinedschad gibt es wohl verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten - und die Übersetzung von Katajoun Amirpur muß nicht die allein möglich sein:

www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittene-aussage-ahmadinedschads-agitator-des-letzten-kampfes-1.257767

Hier noch eimal die englische Übersetzung:

web.archive.org/web/20110716100837/http://www.president.ir/en/?ArtID=10114

Auch dieses Zitat aus dem vergangenen Jahr klingt nicht wirklich deeskalierend:

www.haaretz.com/news/middle-east/ahmadinejad-iran-is-determined-to-eradicate-israel-1.380629

Nebenbei: "Haaretz" ist nun alles andere als ein Verlautbarungsblatt der Regierung Netanjahu.

Auch dieser kurze Artikel wirkt nicht unbedingt beruhigend:

de.rian.ru/security_and_military/20120221/262732821.html

Sollte dieser Artikel aus der SZ zutreffend sein, wirkt das auch nicht gerade vertrauenerweckend:

www.sueddeutsche.de/digital/zensurplaene-wie-iran-das-netz-zum-intranet-machen-moechte-1.1325376

Zumal dann Aktionen wie diese gar nicht erst die Menschen im Iran erreichen könnten:

www.haaretz.com/print-edition/news/israeli-couple-s-pledge-not-to-bomb-iran-sparks-facebook-frenzy-1.419434

Aber wahrscheinlich sind das alles ohnehin lediglich falsche Übersetzungen, Fehlinformationen und völlig absurde böswillige Interpretationen, denn etwas anderes kann ja nicht sein.

Nebenbei: Kann sich irgendjemand vorstellen, dass man die Regierung Netanjahu für ihre Politik kritisiert und zugleich die Politik von Ahmedinedschad kritikwürdig findet und Menschenrechtsverletzungen in beiden Staaten und durch die Regierungen beider Staaten kritisiert und abgestellt haben möchte und zwar ohne die jeweils andere Seite komplett zu verteufeln?

A-Deiport 12.04.2012 | 21:33

Herr Guez schreibt:
"So, jetzt ist es passiert, ich habe Israel kritisiert. Das ist möglich und sogar wünschenswert. Aber auf intelligente Art und Weise. Grass hätte das Gleiche schreiben können wie ich und etliche andere auch. Und natürlich noch viel besser, denn er hat doch den Literaturnobelpreis bekommen. Aber er schrieb lieber ein lächerliches, groteskes und gefährliches Gedicht."
Es sieht nach eigenlob aus aber nun zur Sache:
Der Unterschied zwischen dem Autor dieses Artikels und Günter Grass liegt vielleicht darin, dass der Grass kein Scheinintellktueller ist wir der Autor hier den Eindruck von sich zuerwecken versucht.
Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Leute, die bis gestern irgendwo um die Ecke Gemuse verkauft haben, sich plötzlich im Stande sehen,über dinge zu schreiben, von denen die keine Ahnung haben.
Fakt ist, dass diese Leute immer wieder versuchen, so tief wie möglich in den Hintern von israelische Regierung zukrichen, um dort etwas Genade zuerfahren.

SchmidtH. 12.04.2012 | 22:04

Manchmal ist es doch besser einmal nachzusehen, wer schreibt denn hier überhaupt.
Nun dann: www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1412602/

Aber gibt auch andere Stimmen, nachdenkliche!
Der “Stern” veröffentlicht einen bemerkenswerten Text:

www.stern.de/politik/ausland/israel-von-israel-aus-gesehen-das-recht-zu-vergessen-1812163.html

“Wenn ein Israeli Israel verlässt, nennt man ihn einen Verräter, der sein Land den Feinden überlässt. Wenn ein Israeli Israel kritisiert, wird er mit Worten gesteinigt. Zwei Rechte nimmt Israels Demokratie ihren Bürgern: das Recht zu kritisieren und das Recht zu vergessen.”[....]

[...]Doch es sieht so aus, dass Israels Regierende, wenn sie in naher Zukunft nichts an diesem israelischen Modell der kollektiven Erinnerung ändern, bald allein gelassen werden mit ihrem Gedenken. Wenn diese Kultur des Überlebens nicht zu einer Kultur des Lebens wird, wenn die Politik keinen Platz findet für den Wunsch der jungen Israelis nach einer Identität der Freiheit, dann wird mein Land seine Töchter und Söhne nicht an die Kriege verlieren, sondern an die Diaspora.”

Avi Ben-Chamo

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Ehemaliger Nutzer 12.04.2012 | 22:45

Manchen scheint es inzwischen ein größeres Anliegen, Grass zu verteidigen als seine Sorgen um den Frieden in Nahost oder der gesamten Welt zu teilen.

Es herrscht nämlich gerade ein deutsche Freiheitskampf. Nach der wieder errungen Freiheit wird's dann Friede, Freude, Eierkuchen in big old Germany.

Ihr Artikel, Olivier Guez, gefällt mir gut.

Fro 12.04.2012 | 22:47

Ja, bedenkenswert, aber vielleicht sollte man sich von diesen Interessensgruppen im Hintergrund (und ihren treuen Dienstleistern) einfach mal lösen.
Und: Grass ist mir nicht so wichtig – aber er hat als Bürger (so in einem Interview) auf die möglichen Gefahren hinweisen wollen. Und muss nun Prügel einstecken. Da ist es mir egal, wenn Grass etwas 'heimatverbundener' drauf ist. Grass ist eine Stimme von vielen.

Wenn ich Fragen wie diese stelle:
„Warum schreibt niemand über die akute Kriegsgefahr und die verheerenden Folgen, die ein Krieg gegen den Iran (auch für uns Europäer) haben würde - und darüber, was man tun kann, um so eine Katastrophe abzuwenden?“

Dann ist es eine in den freien Raum geschriebene, die natürlich insbesondere an Journalisten gerichtet ist.

Ich finde den Anspruch an Journalismus und Politik sollte man aufrecht erhalten und auch lautstark einfordern. Was soll das Ganze sonst?

bertamberg 12.04.2012 | 23:33

@ Kvwupp schrieb am 12.04.2012 um 18:32

Frau Amirpur scheint mir jedoch jemand zu sein, dem zumindest von der Übersetzungsfähigkeit her zuzugestehen ist, linguistische Feinheiten wahrnehmen zu können. Bei den anderen Links ist mir das nicht erkennbar,es könnte sich um eine Fortschreibung der Übersetzung aus 2005 handeln. Wann hat Reuters je zugegeben, falsch übersetzt zu haben?
de.wikipedia.org/wiki/Katajun_Amirpu

Selbst wenn wie dort angegeben, die Islamwissenschaftlerin Mariella Ourghi ihr ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung „Haarspalterei“ vorgeworfen hat, da sich an „Sinn und Zielsetzung“ des Satzes nichts ändere" - nur das ist die Diktion von jemandem, der anscheinend auf Feindbilder größten Wert legt.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 01:48

"Ich finde den Anspruch an Journalismus und Politik sollte man aufrecht erhalten und auch lautstark einfordern. Was soll das Ganze sonst?"

... genau mit diesem (ideellen) Anspruch, ausgerechnet auch noch an die tätige Gewalt und ihre öffentlichen wie privaten Vermittlerinstanzen, wendest Du Dich aber mal wirklich an die goldrichtige Adresse.
Allerdings nicht Kritiker oder gar Störer der vorher beklagten Kriege, sondern ausschließlich als Garant und Schmierstoff ihrer REIBUNGSLOSEN Durchführung.

Fro 13.04.2012 | 02:50

Da verstehst du wahrscheinlich etwas falsch.
Es gilt die 'echten' Journalisten und Demokraten zu ermutigen und zu unterstützen. Und es geht mit der Formulierung von Ansprüchen und einer Konfrontation mit ihnen, auch darum, Medien oder einzelne Journalisten und 'unsere' politischen Dienstleistern auf den Prüfstand zu stellen.

Und nur in Wahlen könnte das unfähige politische Personal ausgewechselt werden. Ich sehe zur Zeit keine andere Möglichkeit eines Politikwechsels. Wahrheits(selbst)verpflichtete Medien und echte Demokratie sind zur Zeit reine Utopie – aber was sollte es sonst werden – und sollte man diese aufgeben, nur weil Demokraten und 'Wahrheitsaussprecher' in die Defensive geraten sind?
Das Blatt kann sich übrigens ganz schnell wenden – so unschlau wie das ist, was uns all die bekannten Probleme beschert....

rotstift 13.04.2012 | 04:39

Zwar gebe ich allen, die diesen Artikel, und auch das Geschwaetz von dem durchaus richtig genannten Klaue. Aber das Problem ist doch: Alle in diezsem Blog (bis auf eine Stimme) - 26:1 seid gegen solchen pseudo-intellektuellen Schwachsinn.

Wie kommt Augstein, der die Leserschaft gut kennt, dazu Euch TROTZDEM - ganz genau und bewusst - immer wieder solchen Sueddeutsche-Sch... vorzusetzen. Ganz einfach - er hat die Macht dazu. er will keine Denker als Leser, sondern ebenso flache Pseudointellektuelle wie seine Schreiber hier. Sehr schade dass wir damals den Kampf um einen wirklich unabhaengigen Freitag damals nicht gefuehrt haben, als er noch mit Engleszungen meinte, er wuerde 'natuerlich' den Charakter des Blattes erhalten wollen. Es war das letzte hochklassige linke Blatt dass man in Deutschland hatte. Jetzt ist es Reklametraeger der Versicherungsindustrie - und die braucht keine Nachdenker.

Nil 13.04.2012 | 12:33

Schlechte Analyse der Gesamtsituation. Unzulässige Vergleiche und Forderungen an Günter Grass. Keinerlei Überblick Oliver Gues. Aber vielleicht ist es ein Trost für Sie, dass es Markus Klaue auch keinen Deut besser hinbekommt. Soviel Inkompetenz kam selten so klar zum Vorschein wie in den letzten Tagen seitens der Redaktionen von den Journalisten. So viel unbewusstes und Verdrängung zu erleben schon sagenhaft.

www.hintergrund.de/201204062011/feuilleton/zeitfragen/was-auch-noch-gesagt-werden-muss.html

www.hintergrund.de/201204122015/politik/welt/iran-sucht-verhandlungsloesung-im-atomkonflikt.html

bertamberg 13.04.2012 | 13:34

@ ed2murrow schrieb am 12.04.2012 um 22:48

Was soll diese Polemik? Ich gehe davon aus, dass meine Satzkonstruktion eindeutig ist: Die Wahrnehmungsfähigkeit von linguistischen Feinheiten der Übersetzung schreibe ich Frau Amirpur zu, nicht mir. Wer in den anderen Links für die Übersetzung zuständig war, ist nicht erkennbar. Zu Mariella Ourghis Ansicht habe ich keine nachvollziehbare Begründung gefunden. Wenn Sie oder jemand anderes mir eine präsentieren können, fände ich das sehr hilfreich.

kvwupp 13.04.2012 | 14:45

@Bertamberg

Diskriminierung durch Sprache:

1. Katajoun Amirpur ist also Frau Amirpur, während Mariella Ourghi Ihrerseits nicht zugestanden wird, als Frau Ourghi bezeichnet zu werden. Entweder bezeichnen Sie beide Damen konsequent als Frau Amirpur und Frau Ourghi oder Sie nennen beide Damen konsequent mit ihren jeweils vollständigen Namen. Ihre diesbezügliche Unterscheidung zwischen "Frau Amirpur" und "Mariella Ourghi" lässt durchaus den Schluß zu, dass Sie damit der Relevanz der Aussagen von Frau Ourghi nicht den gleichen Wert zubemessen wie der Relevanz der Aussagen von Frau Amirpur.

2. Die Fähigkeit, die Feinheiten des Textes und der Übersetzung desselben zu erkennen, schreiben Sie lediglich Katajoun Amirpur zu - Mariella Ourghi sprechen Sie diese Fähigkeit durch Ihre verwendete Formulierung indirekt ab.

3. Katajoun Amirpur braucht also ihrer Auffassung nach ihre Übersetzung nicht zu begründen - Mariella Ourghi muß dies ihrer Auffassung nach sehr wohl tun. Man nennt das übrigens messen mit zweierlei Maß.

-------

Frau Ourghi begründet Ihre Übersetzung des Satzes, bzw. des Verbes übrigens sehr wohl. Eine grammatikalische und eine inhaltliche/kontextuale Begründung für die Übersetzung des Satzes bzw. speziell des darin verwendeten Verbes befindet sich im verlinkten Text.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 15:19

@ Phineas Freek schrieb am 12.04.2012 um 18:21

>>>Und die Frage die DIESE Leute sich stellen (inkl. Grass!!) ist nicht die von Krieg oder Frieden – sondern ausschließlich die Frage, ob Krieg oder Frieden IM JEWEILIGEN FALL im nationalen Interesse liegt und wann nicht

Guez schreibt: "Ich bin gegen Israels Politik in den Palästinensergebieten, weil sie den Interessen Israels zuwiderläuft und ein moralischer Fehler."

Damit ist er ein Kumpan Grass'. Die schlagen und vertragen sich, wie's g'rad zu den "Interessen" passt.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 15:29

In der Printausgabe lautet der Artikel: "Der lange Schatten der Shoah". Untertitel "Grass-Gedicht Unser Autor ist Franzose und jüdischer Herkunft. Auch er kritisiert Israel, aber anders als der deutsche Nobelpreisträger"

Gut, dass dieser Schwachsinn >>>Franzose und jüdischer Herkunft wenigstens online nicht erwähnt wird. Grass ist übrigens "Kaschube" und "christlicher Herkunft" - das vergaß Guez noch zu erwähnen.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 15:32

Drei Zitate aus dem Text:

>>Daher muss ich schlussendlich annehmen, dass er ein Problem hat. Das tut mir leid, weil ich ihn eigentlich mochte.

>>psysisch

>>In meinem Buch Heimkehr der Unerwünschten. Eine Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945 schrieb ich über einige Vertreter der Linken der siebziger Jahre, deren „Besessenheit von Israel und obsessives Kämpfen für die Situation der Palästinenser eine Ablenkungstaktik ist, um sich psysisch und moralisch von der Bürde der Vergangenheit zu befreien. Der palästinenische Kämpfer war ihr eigener Retter; er inkarnierte ihre ureigene Suche nach Unschuld. Indem er verschwieg, dass Israel eine der Folgen des nazideutschen Antisemitismus gewesen war, entledigten sie sich ihrer Schuld und ihres schlechten Gewissen.“

Indem er seinen erbitterten Kampf gegen Israel führt, macht Günter Grass heute nichts anderes.
(Fettdruck von mir)

Diesen "Palästinensiche[n] Kämpfer" gibt es wohl heute noch in vielen politisch Linken. Ihn als von Schuld und schlechtem Gewissen befreienden "Retter" zu bezeichenen, weil er verschweige, "dass Israel eine der Folgen des nazideutschen Antisemitismus" sei, ist - mit Verlaub - bullshit.

Das Motiv der "Rettung" wird hier als Seelenheil irgendwelcher bekloppten Hippies durch den Dreck gezogen. Guez trifft die Aussage, dass alles was Israel heute und in Zukunft tut und lässt, auch weiterhin unsere Schuld sein wird und dass wir das gefälligst zu akzeptieren haben. Allenfalls hilflos zusehen können, wir naiven, neuerdings angeblich friedliebenden Deutsche.
Was bereits gesagt wurde: "Da spielen wir nicht mehr mit!"

Und ich kann gleich anschließen: Die letzten Sätze sind mehr als schizophren. Indem man behauptet, Israel sei heute dort, wo es ist, weil die Deutschen vor ein paar Jahrzehnten ihre eigenen Schüsse nicht gehört haben, ist natürlich auch eine gute Möglichkeit, Israel sein heutiges Existenzrecht abzusprechen.

Man möge mich korrigieren, falls ich irgendwas nicht richtig verstanden haben sollte, aber es liegen und lagen mehr als genug sinnvolle und machbare Lösungsvorschläge auf den Tischen der Diplomaten, die den Palästinensern weitergeholfen hätten, ohne Israel weh zu tun (fast hätte ich gesagt 'einen Zacken aus der Krone zu brechen' - aber das lassen wir mal).

Doch sogar dieser Teil des Konflikts wird von Guez dargestellt, als sei er für alle Zeiten unlösbar. Für mein dämliches, linkes Verständnis grenzen diese Aussagen leider bereits an Kriegstreiberei, sorry. Man kann Günter Grass viel unterstellen - aber er ist nicht für sämtliche Verstöße gegen das Völkerrecht auf dieser Welt verantwortlich, um das mal ganz zwangfrei zu sagen.

Verdammte Hacke, es ist die Hilflosigkeit gegenüber solchen Meinungen, die friedliebende Menschen verzweifeln lässt. Verzweiflung ist übrigens so ziemlich das Gegenteil von Rettung. Das aber auch nur am Rande.

Guten Tag.

Columbus 13.04.2012 | 16:12

Schnelle Übersetzung des hier ausgelassenen, letzten Abschnitts aus: Olivier Guez, „Günther Grass ou la trahison du clerc“
(...)
„Man hat sich auf Israel eingeschossen. Günter Grass macht das heute nicht anders. 1977, kurze Zeit vor seinem Suizid, schrieb Jean Améry, dass die Opfer der Nazis, die zugleich Juden und Politische waren, sich nicht beruhigen konnten, als sie sahen, wie im Gewand des Antizionismus sich die lautstärksten Vertreter des unbelehrbaren Antisemitismus von gestern wieder
sammelten. 35 Jahre später, würde sich Jean Améry in seinem Grabe umdrehen. Er würde das vielleicht tun, weil ein alter Weggefährte, einer der ersten der die kollektive Verantwortung der Deutschen und die persönliche Verstrickung der großen Mehrheit in seiner Danziger Trilogie (Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre, meine Einf.) aufdeckte, wirr ist. Weil der Autor von „Was ist das Heimatland Deutschland?“, einem entschieden geführten Steit während der SPD-Wahlkampagne 1965 (Grass verteidigte Brandt gegen den Vorwurf, gar keine Heimat zu kennen, ein „Vaterlandsloser“ zu sein und sprach sich für eine Heimholung der Exilkultur aus, erster Ansatz seiner Thesen von der Kulturnation, m.Einf.), in dem er die alten exilierten deutschen Juden in New York, „Die Emigranten des Geistes“, wie er sagte, wieder für die Heimat Deutschland einnehmen wollte, heutzutage als Sänger der Islamischen Republik erscheint, die Israel auslöschen möchte. 1969, bereiste Grass, zusammen mit Willy Brandt, Ostdeutschland; 2012, leiht er dem Iran des Ahmadinejad die „Humanität“ und „seinen Sinn für Verantwortlichkeiten“ als Schriftsteller. Mit einer solchen falschen Note zu enden, das ist peinlich, dazu ist es sehr traurig.“

Fehler mag man mit nachsehen, denn Sinn dürfte ich getroffen haben.

(Kleine Anmerkung: Ich teile Guez Auffassung nicht, Grass habe sich gegen Israel und für die "Mad dogs" zu Teheran entschieden.
Man kann ihn, -ja, das ist heute leider leichter möglich, als je zuvor-, aber so interpretieren und dabei immer eine feste Meinung haben)

Beste Grüße
Christoph Leusch

Rosbaud 13.04.2012 | 19:13

Ich bin diese vulgärpsychologischen Ausdeutungen der beweggründe von Grass leid. Sein Prosagedicht ist kein großer Wurf, es ist stellenweise schwammig und ungenau, und er übertreibt.

Aber im Großen und Ganzen hat er mit seinen Warnungen recht.Israel hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es fähig und willens ist, einen Präventivschlag mit konventionellen Waffen auszuführen. In Israel selber ist das ein großes Thema, und selbst hohe Militärs, Geheimdienstler und hochrangige Politiker sprechen sich dagegen aus.

Olivier Guez schreibt "Ich bin gegen Israels Politik in den Palästinensergebieten, weil sie den Interessen Israels zuwiderläuft und ein moralischer Fehler", wenn ich mich jetzt auch als Hobbypsychologe betätige, könnte ich also vermuten, dass ihn das Leid der Palästinenser nicht berührt, sondern ihn beschäftigen nur die Auswirkungen auf das Ansehen Israels.

Was mich noch zu sagen drängt: Wenn Israel Frieden möchte muss es seine Wagenburg verlassen und die "Angst vor dem Frieden" (Moshe Zimmermann) verlieren, d. h. "Land für Frieden", Beendigung des Besatzungsregimes und des Landraubs durch die Siedler.

Rosbaud 13.04.2012 | 19:13

Ich bin diese vulgärpsychologischen Ausdeutungen der beweggründe von Grass leid. Sein Prosagedicht ist kein großer Wurf, es ist stellenweise schwammig und ungenau, und er übertreibt.

Aber im Großen und Ganzen hat er mit seinen Warnungen recht.Israel hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es fähig und willens ist, einen Präventivschlag mit konventionellen Waffen auszuführen. In Israel selber ist das ein großes Thema, und selbst hohe Militärs, Geheimdienstler und hochrangige Politiker sprechen sich dagegen aus.

Olivier Guez schreibt "Ich bin gegen Israels Politik in den Palästinensergebieten, weil sie den Interessen Israels zuwiderläuft und ein moralischer Fehler", wenn ich mich jetzt auch als Hobbypsychologe betätige, könnte ich also vermuten, dass ihn das Leid der Palästinenser nicht berührt, sondern ihn beschäftigen nur die Auswirkungen auf das Ansehen Israels.

Was mich noch zu sagen drängt: Wenn Israel Frieden möchte muss es seine Wagenburg verlassen und die "Angst vor dem Frieden" (Moshe Zimmermann) verlieren, d. h. "Land für Frieden", Beendigung des Besatzungsregimes und des Landraubs durch die Siedler.

@dllxllb 13.04.2012 | 19:27

Furchtbar. Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Herr Grass ein großer Freund der Israelis (um nicht zu sagen Juden, denn es sind nicht alles Juden - in dem Kontext kann man sich dann auch nochmal mit Antisemitusmusvorwürfen auseinandersetzen und sich fragen inwieweit man selbst Zerrbilder pflegt) sein könnte? Hat sich vielleicht mal jemand gefragt was passiert wenn Israel den Iran angreift? Und zwar mit Israel? Ist Ihnen die Rhetorik von Seiten der Regierung der letzten Wochen und Monate entgangen? Wirklich unglaublich. Das nennt sich Journalismus. Zum Verzweifeln. Ich prophezeie eine große Karriere.

Außerdem immer wieder interessant sich bei Wikiquote so durchzuklicken de.wikiquote.org/wiki/Hermann_G%C3%B6ring#Zitate_mit_Quellenangabe

Rosbaud 13.04.2012 | 19:54

Olivier Guez schreibt:
"Eine israelische Atombombe, die vor Jahrzehnten aus Zwecken der Abschreckung angeschafft wurde? Oder eine iranische? Immerhin hat der dortige Präsident Ahmadinedschad seine Absicht erklärt, „Israel von der Landkarte zu fegen.“ Das soll nur ein „Maulheld“ sein, wie Grass ihn nennt?"

Dieses Argument liest man immer wieder, aber wie hat man sich das Szenario dann vorzustellen, wenn der "Irre" aus Teheran über Atomwaffen verfügen würde?

Würden dann er und die gesamte Führung Irans, die Logik der nuklearen Abschreckung – „Wer zuerst schießt, stirbt als zweiter“ – selig lächelnd missachtend, voller „Todessehnsucht“ den Knopf drücken, um erst den verhassten Westen inklusive Israels einzuäschern, um anschließend, gewissermaßen mit gestrecktem Mittelfinger, dem „Märtyrertod“ entgegenzufiebern – ihrem Freifahrtschein ins Paradies?

bertamberg 13.04.2012 | 20:45

@ kvwupp schrieb am 13.04.2012 um 12:45

Sie tadeln mich zu Recht, zum einen für meinen Sprachgebrauch, ich bitte Sie, meine Entschuldigung hierfür anzunehmen; zu anderen weil ich den Link mit der Stellungnahme von Frau Ourghi nicht zur Kenntnis genommen hatte. Ich bedaure meine Voreiligkeit.

Ich denke, es ist zum einen eine linguistische Spitzfindigkeit, zum anderen natürlich eine Frage der politischen Bewertung.

Und dazu findet sich ein Blogbeitrag, der sinngemäß genau das zu bedenken gibt, was von Walter Berger aus Heidelberg heute in der FR als "Einspruch - Falsche Entrüstung - Iran wird auf Israel niemals eine Atombombe werfen" abgedruckt ist und wozu ich keinen Link gefunden habe (Ich werde das gleich in meinen Blog stellen):

"Nun, Jerusalem ist allgemein für Muslime als die Stadt bekannt, an der Mohammed in den Himmel aufgefahren ist. Also nach Mekka/ Medina die drittheiligste Stadt. Eine Atombombe auf diese Stadt oder ein angrenzendes Gebiet würde als a) das Heiligtum vernichten b) die Gegend (das heutige Israel) für Jahrzehnte unbewohnbar machen und c) auch die dort lebendenden Moslems töten. Das könnte sich noch nichtmal Iran leisten. Insofern ist Jerusalem quasi eine Nichtangriffsversicherung wenn man so will...Alles andere ist Panikmache... 26.03.2008 um 18:40 Uhr

www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittene-aussage-ahmadinedschads-agitator-des-letzten-kampfes-1.257767?commentCount=15=2#kommentare

kvwupp 13.04.2012 | 22:12

@Bertamberg

Ändert der Artikel (?) in der FR von Herrn Berger oder die Worte des Kommentares unter dem SZ-Artikel irgendetwas an den Aussagen von Herrn Ahmedinedschad oder von Herrn Hejazi (Vizechef des Generalstabes der iranischen Armee)?

Es ist übrigens bezeichnend, dass Sie mit dem Begriff der "linguistischen Spitzfindigkeit" die Übersetzung von Frau Ourghi abwerten - bei Übersetzungen kommt es nun einmal auf äußerste Genauigkeit bei der Erfassung des grammatikalischen und kontextualen Sinnes an, das ist umso wichtiger, wenn es sich um ein derart heikles Thema handelt.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 22:20

>>>Aber warum Israel? Dem Dichter stand ja durchaus auch noch anderes zur Auswahl...: das Atomprogramm Nordkoreas, der islamistische Terrorismus, Verwüstungen durch den Finanzturbokapitalismus, die Erderwärmung oder die Eurokrise … Auch über den Iran hätte der alte Dichter seine lyrischen Ergüsse auskippen können.

Die Frage Guez' "Aber warum Israel?" ist so offenherzig und bar jeden politischen Verstandes, dass ich Herrn Guez einfach antworten muss: Weil kein anderes politisches Szenario, als das von Grass beschriebene, die reale Gefahr eines großen regionalen Konfliktes mit dem Zeug zu einem Weltkrieg beinhaltet.

In dem Herr Guez meint, es sei egal worüber Herr Grass schreibt, Hauptsache nicht über israelische Politik, meint er doch, es ist egal worüber überhaupt jemand schreibt, Hauptsache nicht über israelische Politik.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2012 | 22:25

Und wenn nun aber doch „Israels Politik in den Palästinensergebieten“ (was für eine feinsinnige Umschreibung für eine terroristische Besatzungspolitik) den Interessen Israels so ganz und gar nicht zuwiderläuft, kein moralischer Fehler, sondern die Notwendigkeit nationalistischer Moral ist?
Nach eigenen Bekunden ist ja das befriedigte Interesse Israels auch der Maßstab seiner Parteilichkeit für diese Nation.
Und mit der Erfüllung dieses Erfolgsmaßstabes, würde sich auch für Herrn Guez jede Notwendigkeit von Israelkritik in Luft auflösen.

Aber "Kumpane" im Geiste wären sie dann irgendwie immer noch...

bertamberg 13.04.2012 | 23:44

@kvwupp schrieb am 13.04.2012 um 20:12

Kommunikationspsychologisch und sprachlich gibt mehrere Ebenen, die man hier auseinanderdividieren müsste, und das ist doch das Problem, dass ein von Ahmadinedschad zitierter Satz von Chomeini Beleg dafür sein soll, dass Iran Israel faktisch zerstören will, und das meint Grass auch mit dem Begriff "Maulheld".

Ich möchte mit dem Begriff linguistische Spitzfindigkeit auch Frau Ourghi nicht abwerten, sondern darauf hinweisen, dass Worte an sich wenig aussagen, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden, und dass es mitunter mehrere Interpretationen geben kann. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass zu einer Detailfrage zwei Experten sich nicht einig werden können.
Vgl:
www.freitag.de/community/blogs/bertamberg/deeskalation-ist-die-erste-buergerpflicht-zum-israel-iran-konflikt

Columbus 14.04.2012 | 17:27

Es gäbe noch eine fantastischen, aber sehr sinnvollen Versuch. Dazu müsste man einen Traum haben und ihn verwirklichen.

Gesetzt den Fall, der Iran plante tatsächlich eine Bombe zu bauen und sie mit einer Rakete nach Israel zu schießen, oder gar diese Bombe in die Hände von Terroristen zu geben. -Leichter kämen die wohl in Pakistan an das nötige Material. - Eine Bombe auf Israel machte auch das Leben der Palästinenser unmöglich oder unerträglich.

Welches Zeichen könnten Palästinenser setzen? Präsident Mahmud Abbas, Ismail Haniyya, Marwan Barghuthi, Hanan Aschrawi könnten eine gemeinsame und einmütige Erklärung verfassen und für das eintreten, was dem geografischen Raum dort, im Interesse aller Völker, der Muslime, Christen und Juden gut täte: "Wir sind gegen die Bombe, sie träfe im Ernstfall auch uns."

Präsident Netanjahu hatte in seiner Antwort auf die Rede Mahmud Abbas vor der UN-Vollversammlung gesagt, er sei für sofortige Verhandlungen zu einem Staat Palästina.

Wann kommt der Punkt, an dem er sagt, ein solcher Staat, der nicht ungerecht beschnitten und um sein Land gebracht sein darf, ist unser bester Schutz gegen jeden Böswilligen, der behauptet für die Muslime und die Palästinenser sprechen zu können, und sich daher, um deren Unrecht aufzuheben oder es erst mit falschen Mitteln auszurufen, mit Leuten verbündet, die auch vor brutalster Gewalt nicht zurück schrecken?

Wann kommt der Punkt, an dem Palästina als Staat, der Cordon sanitaire wäre, von dem Netanjahu in der Vollversammlung redete, anstatt die Annektionen voran zu treiben?

Der beste Schutz eines jeden Landes ist seine Nachbarschaft, die man nicht nur tolerieren, sondern akzeptieren und sich zum Freund machen muss. - Kein muslimisches Land könnte je noch etwas gegen Israel unternehmen, weder verbal, noch real, wenn nur der Friede da wäre, mit den Palästinensern.

Eine Regierung, die diese Überlegungen nicht anstellt, die daran nicht hart arbeitet, sondern ganz andere Ziele hartnäckig verfolgt, kann die jemals Gutes bewirken?

Darum hat der große Schriftsteller Günter Grass, in seinem Haus, an seinem Kamin, mit seinem traumatischen Gedicht, auch Recht, nicht nur, aber doch so viel, es wenigstens anzuerkennen, als ob es eine Tugend und nicht teuflisch wäre.

Denn "kritisch sein" ist ein Haltung, die nicht zu dem Übermut verführen sollte, die Mannigfaltigkeit der Themen, die einem Journalisten so auffallen, wie jedem der die Medien pflügt oder offenen Auges durch die Welt schreitet, sei nur durch seine Schreibe intelligent, also verständlich, zugänglich. Andere hingegen, verfehlten das angesagte Thema, dazu noch aus böser Absicht, weil Ewiges in ihnen brüte, wie falsch verstandene Kindheits- und Jugendprägungen in einem Unrechtsstaat.

Nur wer über seine Schatten springt, wie einst Yitzhak Rabin und
Abu Ammar, gewinnt mehr, als er je verlieren kann.

Beste Grüße
Christoph Leusch

Rosa Sconto 15.04.2012 | 12:23

@ Columbus

warum haben Sie das nicht schon sehr viel früher im Zusammenhang mit dieser Diskussion so geschrieben? Olivier Guez hätte sich dann auch fordern müssen: "Grass hätte das Gleiche schreiben können wie ich und etliche andere auch.".

Die Wurzel des Problems ist eine Besatzungs- und Apartheidspolitik die den Menschen in den besetzten Gebieten jeglicher Rechte beraubt und in dessen Folge die Nachbarn mit den Problemen von Millionen von Vertrieben belastet werden.

Erstrebenswert ist eine vollkommen Atom-Waffen freie Region. Es ist doch nur logisch, daß wenn eine Partei Atomwaffen hat, die andere Partei den Besitz dieser Waffen auch anstrebt. So neu ist diese Erkenntnis allerdings nun auch wieder nicht...

Rosa Sconto 15.04.2012 | 13:36

Der Autor dieses Artikels möchte mit seinen ganz persönlichen Ansichten etwas provozieren. Wer ihm nun aber sein Alter vorwirft tut ihm wirklich Unrecht, weil die restriktive französische Archivgesetzgebung es fast unmöglich macht die Entstehungsgeschichte der französischen Rassengesetzgebung des Vichy Regime auf der Basis von Quellen zu verstehen. Dann funktioniert der einfache Nazi-Vorwurf gegenüber Grass nämlich gar nicht mehr. Die Archivgesetzgebung hat die 50 Jahre Mauer überwunden, deretwegen praktisch alle Nachkriegs-Generationen Frankreichs in dem fälschlichen Glauben aufwuchsen, alle Franzosen seien Widerstandskämpfer gewesen, so wie Asterix und Obelix gegen die bösen römischen Eroberer. Darum ist eine gewisse Unkenntnis in Bezug auf die von Grass thematisierte Ursache der Bedrohung des Friedens nicht nur ausgeblendet, sondern umgedeutet worden. Ich denke das dies vor allem mit der Absicht zu provozieren geschah. Darum ist seine Meinung eben auch interessant und sollte nicht an der Realität gemessen werden.

Columbus 15.04.2012 | 14:18

Liebe Rosa Sconto,

Das hatte ich auch früher schon geschrieben, nur neu schien es mir, wir Ihnen, nicht.

Dazu ging es unter, in diesem medialen Wahn der nun aktuell los brach und hauptsächlich den Schlagabtausch, noch verbal, unter Umständen bald militärisch, zwischen Iran und Israel in den Blick nimmt.

Das Grundübel, sozusagen der Antrieb allen Übels, die Motivation selbst für die gewaltsamsten
Geister, stammt aus der fortgesetzten Landnahme Israels und der Unfähigkeit der Welt, die beiden Nachbarn, die den Frieden auf Dauer sichern könnten, zu einer tragfähigen Vereinbarung zu bringen, so, wie es die Welt-Mächte und die UN doch schon zigmal
taten, in anderen Angelegenheiten.

Nun aber wollen einige ihren ganz persönlichen Antisemitismus definieren, gar einzelne Antisemiten unter uns, an ein paar Textbausteinen schon ausmachen und als "ewig" brandmarken. Da wollen andere den Iran als Tor zu Hölle ausgestalten. Wieder andere wollen nur schimpfen, egal auf wen und besonders auf Grass.

Da wollten manche nur aus ihren äthetischen Gründen, den Grass als schlechten Schriftsteller anpinkeln, und wieder anderen geht es nur um das, was P.c.-korrekt gesagt oder nicht gesagt werden darf. Einige wollen das judäo-christliche Abendland retten, das es nie gab, außer ausgerechent erst seit relativ kurzer Zeit als Möglichkeit, weil Europa das so wollte, und es nun längst eher um eine viel weitere Kulturöffnung geht, in der, auch nach den Idealen, den Verfassungen, jeder die Chancen haben sollte glücklich werden zu können.

Religionen oder Herkünfte sollen und dürfen nicht dominant in der Gesellschaft wirken. Sie sollen und dürfen nicht die Spielregeln der Gesellschaft bestimmen. Das liegt sogar der israelischen Verfassung zu Grunde und begründet den Anspruch des Landes, als westlich und verfasst demokratisch zu gelten.

Hinzu kommt, meine Hirn- und Schreibkapazitäten sind eben begrenzt.

Aber ein paar Mühen habe ich mir ja schon früher gemacht. Von der Übersetzung der Reden Abbas und Netanjahus bei der UN, über die Wiederkehr der SHUM am Rhein, nebst Diskussion, ob es so etwas wie die religiös verbindende Kultur bei uns überhaupt gab, in Blogs, die sich dem Thema widmeten, als Kommentare unter Blogs, die andere viel kompetenter schreiben konnten, als je ich.

Herr Guez gibt sich abgeklärt und erfindet auch eine Grass-Psychologie, die nicht der Wirklichkeit
entspricht.

Im Falle Israel-Palästina genügt ein längerer Blick auf ein kleines Stückchen "Le dessous de cartes", des brillianten Jean-Christophe Victor:

www.dailymotion.com/video/x9v8q5_israel-palestine-vers-la-separation_news

um zu wissen, wie die unrechte Landnahme real funktioniert, und bei Herrn Schlesinger kann man, wenn man will, erfahren, dass dieses "Erez Israel" auch bei vermeintlich freien Köpfen, lange schon als Zielrichtung beschrieben und vorgegeben wird.

Dagegen sind Grass´ unscharfe, teilweise sachlich falsche und eben nur aus Besorgnis geschriebene Zeilen ein Klacks. Deren Tendenz und Absicht aber, ist völlig richtig. Sie lautet recht eigentlich: Kümmert euch, mit den Instrumenten der internationalen Diplomatie, des Völkerrechts und der multinationale Verträge, die doch existieren und nicht genutzt werden, wenn Israel oder der Iran zu Aggressoren werden, es Israel täglich in den besetzten Gebieten ist.

Schönen Sonntag
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 15.04.2012 | 14:22

@ Phineas Freek schrieb am 13.04.2012 um 20:25

>>>Und mit der Erfüllung dieses Erfolgsmaßstabes, würde sich auch für Herrn Guez jede Notwendigkeit von Israelkritik in Luft auflösen.

Guez bringt mit seiner Position die "Interessen" wieder in ein Gleichgewicht. Ein Gleichgewicht das notwendig auf Gewalt beruht. Von einer Kritik dieser Politik ist Guez genauso weit entfernt wie Grass.

Ian Bellyn 15.04.2012 | 17:36

Der Artikel stinkt zum Himmel vor Arroganz.
Wenn ich so etwas in meiner Wochenzeitung lese, frage ich mich unwillkürlich, ob ich die richtige Zeitung aboniert habe. Die unterstützenden Worte von Angele zu Broders Auslassungen waren schon schlimm, aber Herr Guez tritt noch mal kräftig nach.

Glücklicherweise finden sich im Freitag sehr gute Blogs die das Ganze sehr gut auszugleichen vermögen und die es allemal mehr Wert gewesen wären abgedruckt zu werden.

Ian Bellyn 15.04.2012 | 18:22

Sie weisen auf etwas sehr Merkwürdiges hin Rosbaud! Etwas im wahrsten Sinne des Wortes "Bemerkenswürdiges"!
Die Legende von dem intendierten Atomschlag Irans gegen Israel ist dermaßen im kollektiven Gedächtnis verankert worden, dass bereits Ihre Hinterfragung als verrückt erklärt wird. Das ist Meinungsmache wie sie im Buche steht. Dabei braucht es nicht viel, um darauf zu kommen, warum Iran die Bombe will (das nämlich ist richtig!). Hat man das verstanden, wird einem auch klar, warum Iran eben diese Bombe nicht auf Israel abfeuern wird. Ich habe hierzu bereits einen Blogbeitrag mit wichtigen Hinweisen verfasst; daher, die Erläuterungen gibts hier: www.freitag.de/community/blogs/ian-bellyn/michael-lueders---daemon-iran

gedankenverbrechen 16.04.2012 | 05:32

"Aber warum Israel? Dem Dichter stand ja durchaus auch noch anderes zur Auswahl, denn Gefahren, die den Frieden auf Erden gefährden, gibt es überall..."
Das stimmt natürlich. Aber warum nicht Israel?
Welches Land ist dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten, der Iran oder Israel? Welchs Land hat erwiesenermaßen Atomwaffen? Wann hat Israel jemals sein Atomprogramm kontrollieren lassen?
Warum gibt der Autor keine Antworten zur Sache sondern versteckt sich hinter persönlichen Angriffen auf den Menschen Grass?
Und das im Freitag...

Rosbaud 16.04.2012 | 21:57

Herr Guez schreibt:

"Immerhin hat der dortige Präsident Ahmadinedschad seine Absicht erklärt, 'Israel von der Landkarte zu fegen.' Das soll nur ein 'Maulheld' sein, wie Grass ihn nennt?"

Diese und andere unsäglichen Äußerungen des "Irren" aus Teheran sind natürlich wohlfeile Steilvorlagen für die israelische Propaganda. Dass diese martialische Rhetorik die reale Ohnmacht ausgleichen soll zählt nicht.

Dagegen werfen die Äußerungen des "Verrückten" aus Jerusalem, Avigdor Lieberman, gegenüber Arabern und Palästinensern, die der Rhetorik Ahmedinedschads in nichts nachstehen, nicht die Frage nach der Berechenbarkeit der Atommacht Israel auf.

SchmidtH. 17.04.2012 | 14:13

also hier lässt sich die Rede nachlesen:

www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37989/rede-ahmadinedschads?p=0

Sehr wichtig die Fußnote 3:
"3.An diesem Wort hat sich eine bedeutende Diskussion entzündet. Safha ist die [Buch-] Seite oder das Papierblatt. Rōzgār ist ein Kompositum von rōz (Tag) und gār (Präsensstamm von persisch gaštan - vorbeigehen) und bedeutet Zeit, mit Nebenbedeutungen Tage, Alter, Zeitalter, Schicksal oder Welt. Von der Bedeutung Schicksal abgeleitet bedeutet es ebenfalls im modernen Sprachgebrauch 'Lebensunterhalt'. Landläufig ist auch eine Vorstellung von 'der Seite der Welt' als 'Weltkarte' gewärtig. Diese Bedeutung wurde von der iranischen englischen Übersetzung durch IRIB News, 26. Oktober 2005 mit "wipe Israel from the map" (Israel von der Landkarte ausradieren) wiedergegeben. Die meisten englischen Übersetzungen schließen sich ebenfalls dieser Interpretation an, so die New York Times vom 30. Oktober 2005. In der deutschen Übersetzung von MEMRI wird safha-yi rōzgār (wörtl. "die [Buch]seite der Zeit") als "Geschichtsbücher" wiedergegeben. Die vorliegende Übersetzung schließt sich der Interpretation der englischen Übersetzungen bewusst nicht an, da im Kontext weniger geographische denn zeitliche Metaphern angebracht werden.

SchmidtH. 17.04.2012 | 14:13

also hier lässt sich die Rede nachlesen:

www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37989/rede-ahmadinedschads?p=0

Sehr wichtig die Fußnote 3:
"3.An diesem Wort hat sich eine bedeutende Diskussion entzündet. Safha ist die [Buch-] Seite oder das Papierblatt. Rōzgār ist ein Kompositum von rōz (Tag) und gār (Präsensstamm von persisch gaštan - vorbeigehen) und bedeutet Zeit, mit Nebenbedeutungen Tage, Alter, Zeitalter, Schicksal oder Welt. Von der Bedeutung Schicksal abgeleitet bedeutet es ebenfalls im modernen Sprachgebrauch 'Lebensunterhalt'. Landläufig ist auch eine Vorstellung von 'der Seite der Welt' als 'Weltkarte' gewärtig. Diese Bedeutung wurde von der iranischen englischen Übersetzung durch IRIB News, 26. Oktober 2005 mit "wipe Israel from the map" (Israel von der Landkarte ausradieren) wiedergegeben. Die meisten englischen Übersetzungen schließen sich ebenfalls dieser Interpretation an, so die New York Times vom 30. Oktober 2005. In der deutschen Übersetzung von MEMRI wird safha-yi rōzgār (wörtl. "die [Buch]seite der Zeit") als "Geschichtsbücher" wiedergegeben. Die vorliegende Übersetzung schließt sich der Interpretation der englischen Übersetzungen bewusst nicht an, da im Kontext weniger geographische denn zeitliche Metaphern angebracht werden.

bertamberg 01.05.2012 | 02:19

@ mikerol schrieb am 30.04.2012 um 23:30
Danke, aber macht dieses Zugeständnis von Dan Meridor das ganze nicht noch schlimmer, wenn er dem Iran unterstellt, Israel "wie eine Krebsgeschwulst entfernen zu wollen"?

Dieser Vergleich ist absolut inakzeptabel und ungerechtfertigt. Chomeinis metaphysische Vision wird zum medizinisch-militärischem Kauderwelsch zurechtgebogen.

Netanyahu behält sich vor, vorbeugend "chirurgische Schläge" gegen den Iran zu führen.
Wer würde was an Kollateralschäden in Kauf nehmen?

Soll es zum Schluß heißen: Operation gelungen, Patient und Arzt tot, die Erben lachen sich ins Fäustchen?

Nil 04.05.2012 | 00:26

Nil schrieb am 03.05.2012 um 22:07
www.spiegel.de/politik/deutschland/iran-fdp-politiker-claus-huebscher-zu-besuch-bei-mahmud-ahmadinedschad-a-831165.html
(aus dem Artikel)
Er habe die Gelegenheit nutzen wollen, sich selbst eine Meinung zu bilden, sagte der FDP-Mann dem "Weser-Kurier". So habe er beim Präsidenten nachgefragt, ob er wirklich den Holocaust leugne: "Definitiv nein", zitiert die Zeitung Hübschers Erkenntnis. Auch dass sein Land an Atomwaffen arbeite, habe Ahmadinedschad abgestritten.