Vier zu null

FC Bayern Aus dem FC Hollywood ist ein fugenloses Kollektiv geworden, das sich anschickt, in Europa und damit im Weltfußball die Regentschaft zu übernehmen
Ausgabe 17/2013
"Der bessere Messi“ Thomas Müller zielt vorbei an Barcelona-Torhüter Victor Valdes
"Der bessere Messi“ Thomas Müller zielt vorbei an Barcelona-Torhüter Victor Valdes

Foto: Odd Andersen/ AFP/ Getty Images

Im Süden Deutschlands – und überall dort, wo der Weltclub FC Bayern München seine Fans hat – wird man in diesen Tagen eine bekannte Redensart ein wenig variieren dürfen: Mia ham vier! An Stelle des geläufigen „mia san mia“, versteht sich.

Vier Tore hat der aktuelle deutsche Fußballmeister gegen den großen FC Barcelona erzielt, zugelassen hat er keines, für das Rückspiel glaubt niemand seriöses mehr an ein Comeback des katalanischen Wunderteams, das am Dienstagabend ein Schatten einstiger Größe war. Von einem „epochalen“ Spiel hatten Beobachter schon vorher gesprochen. Denn es ist unübersehbar, dass der FC Bayern sich anschickt, in Europa und damit im Weltfußball die Regentschaft zu übernehmen. Die Mannschaft von Jupp Heynckes (und Matthias Sammer, Hermann Gerland, Uli Hoeneß, Karlheinz Rummenigge) überzeugt mit einem Stil, den der Guardian zu Recht als „kontrollierte Aggression“ beschreibt.

Im Viertelfinale war schon Juventus Turin regelrecht erschrocken vor der leidenschaftlichen Gruppenarbeit, mit der die Bayern die Räume eng machten, wenn der Ball beim Gegner war. Dann aber dynamisch ausschwärmten, wenn der Ball irgendwo, meist nicht weit hinter der Mittellinie, wieder in ihren Besitz kam. Franck Ribéry, David Alaba, Philipp Lahm, Arjen Robben, der derzeit verletzte Toni Kroos, das sind die Schwärmer, gelenkt von dem Strategen Bastian Schweinsteiger, abgesichert von dem 40-Millionen-Einkauf Javí Martinez, zugespitzt durch den wertvollen Gelegenheitskauf Mario Mandzukic – oder durch den sündteuren Edelreservisten Mario Gomez.

Und dazwischen, allgegenwärtig und nicht zu fassen, dieses Supertalent aus der eigenen Ausbildung, Thomas Müller, der gegen Barcelona eine kleine Privatablöse betrieb: Nahezu überall gilt er nun „als der bessere Messi“.

Der FC Bayern hat bewiesen, dass er mit dem vielen Geld, das er auf seinem Festgeldkonto hat, auch etwas anfangen kann. Aus dem FC Hollywood ist ein fugenloses Kollektiv geworden, das den Gegner stranguliert, und für das die Ligen (selbst die Champion’s League) derzeit wie Trainingsbewerbe aussehen. Da möchte auch einer wie Mario Götze dabei sein; und Jürgen Klopp, der bei Borussia Dortmund jenen – übrigens von Barcelona entlehnten – integralen Stil entworfen hat, den Bayern nun perfektioniert, muss ohnmächtig zusehen, wie sich die Macht nicht nur im deutschen Fußball um das „alte Geld“ sammelt, das vor allem ein Mann angehäuft hat: Uli Hoeneß.

Wir sprechen hier nicht von seinen privaten Konten, sondern von den finanziellen Grundlagen, die maßgeblich er für den FC Bayern geschaffen hat. Diese Verdienstlogik wird hoffentlich die Aufklärung der Causa Hoeneß nicht behindern. Um den Steuerbetrüger wuchsen nach dem Spiel gleich die symbolischen Verteidigungsmauern. Männerfreundschaften wurden beschworen, das Delikt wurde kleingeredet, das große Spiel überstrahlt die Miesmacher vom Finanzamt. Doch diese Angelegenheit wird man getrost den zuständigen Stellen überlassen wollen. In Deutschland kann man von einem Delikt nicht freigeküsst werden, auch wenn die Fernsehbilder am Dienstag so manchen zeigten, der auf diese Weise seine Reverenz erwies. Das 4:0 gegen den FC Barcelona ist, wenn auch formal vorerst nur eine halbe Miete, so etwas wie das Lebenswerk des Uli Hoeneß. Daran, und an den Gesetzen, ist er zu messen.

Bert Rebhandl ist der Freitag-Fußballexperte

Dieser Artikel erscheint in Ausgabe 17/13 vom 25.04.2013

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