Von G wie Gossip Girl bis K wie Kommissar

A-Z Spezial Freitag-Autoren erzählen, warum man bei "Gossip Girl" das Hirn ausschalten kann, "Grey's Anatomy" Porno ist und wie die Dialoge von "Der Kommissar" funktionieren

Gossip Girl

Hirn aus, Glotze an: Teenager, die zu viel Geld haben, um die Adoleszenz charakterlich unbeschadet zu überstehen – haben wir das nicht schon mal gesehen? Richtig, in den Neunzigern bei Beverly Hills 90210, später dann bei O.C., California. Und schon damals hat es Spaß gemacht, die sinnfreien Irrungen und Wirrungen dieser verzweifelten, aber top gestylten Teenies zu verfolgen! Gossip Girl treibt es im Vergleich mit seinen Vorgängern auf die Spitze: Die Bösen sind noch fieser, die Klamotten noch opulenter, die menschlichen Abgründe noch tiefer. Inmitten dieser High Society lebt das Gossip Girl, die als anonyme Bloggerin Klatsch und Tratsch (engl. gossip) über die Schüler einer noblen Privatschule in Manhattans Upper East Side postet. Die Skandale, die daraus resultieren, dass im Web 2.0- Zeitalter alle alles über alle wissen, haben stets mit Sex und/oder Drogen und/oder Geld zu tun. Wer sich Gossip Girl geben will, sollte das englischsprachige Original der miesen deutschen Synchronisation vorziehen – und kein schlechtes Gewissen (wie Verblödungsgefahr, Zeitverschwendung) haben. Die Berieselung mit Problemen, die keine sind, wirkt beruhigender als die größte Kanne Lindenblütentee. Hirn aus, genießen. Nele Jensch

Grey’s Anatomy

Arztserien gibt es viele. Aber diese Arztserie ist wahrhaftig einzigartig. Am Plot kann es nicht liegen, der ist nämlich US-Standard: Junge Ärzte arbeiten im Krankenhaus, haben Probleme und manchmal auch Sex, woraus sich wiederum neue Probleme ergeben. Im Grunde ist die Handlung vorhersehbar. Und trotzdem zieht es einen rein. Ich habe einige Zeit gebraucht, um das Geheimnis zu ergründen. Grey’s Anatomy ist gar keine konventionelle TV-Serie. Grey’s Anatomy ist Pornografie. Ich meine nicht diese verschämten Szenen im Schlafzimmer. Ich meine die ständige Zurschaustellung von Groß-Gefühlen. Ich liebe. Ich leide. Ich verzweifle. Ich hasse. Ich weine. Die Kamera hält immer drauf. 45 Minuten lang. Kalt und professionell. Abstoßend und anziehend zugleich. Philip Grassmann

Heimat

Heimat ist ein großes Ledersofa vor einem großen Fernseher. Heimat ist ein Fels, auf dem „Made in Germany“ steht, darüber ein Wolkenmeer, darunter ein Klavierdonner. Heimat ist Katharina, die alles kommen sieht, Maria, die durch alle Trümmer geht, Eduard, der alle Uniformen anzieht, und Lucie, die immer auf der richtigen Seite steht. Und das Hermännchen, der pubertierende Pimpf, der durch Klärchen mit der Liebe bekannt gemacht wird. Heimat ist meine Mutter und ich, 1984. Neun Millionen Zuschauer sahen im Schnitt die Familienchronik Heimat von Edgar Reitz. An elf Abenden kam die deutsche Geschichte über das kleine Dorf Schabbach im Hunsrück, von 1928 bis 1982. So geduldig und genau war das Fernsehen danach nur noch selten. Als das Hermännchen in der zweiten Staffel der Saga seine Heimat verließ, um in München Musik zu studieren, blieb auf dem Sofa ein Platz frei. Auch ich war nicht mehr da. Mark Stöhr

Der Kommissar

„Kriminalpolizei.“ – „Kriminalpolizei? Zu wem wollen Sie denn, hier ist bei Dr. Steiner, Dr. Steiner ist nicht da.“ – „Ja, wir kommen gerade von Dr. Steiner, er ist tot.“ – „Was? Tot? Dr. Steiner?“ – Mit diesen Sätzen fing die erste deutsche Krimiserie 1969 an – und ging 97 Folgen lang so weiter. Herbert Reineckers Wiederholungsprosa: Jede Aussage wird als Gegenfrage gestellt, alles Gesagte dreimal wiedergegeben in indirekter Rede. Derzeit Sonntagabend auf 3sat, bald auf DVD. Auf DVD? Matthias Dell

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12:25 16.10.2009

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