Vorerst kein Exit

Afghanistan Für den Rest der Amtszeit von Präsident Barack Obama hat sich das Thema vollständiger Rückzug der US-Streitkräfte erledigt
Vorerst kein Exit
Symbol für die fatale Außenpolitik der USA: das zerstörte Krankenhaus in Kundus

Foto: STR/AFP/Getty Images

US-Streitkräfte bleiben länger in Afghanistan, verkündet der Präsident. Wie das einmal zu Ende gehen soll, weiß niemand. Doch ein Happy End gäbe es wohl auch nicht durch den von Kritikern verlangten Abzug aller Soldaten. Seit 14 Jahren kämpft die Army am Hindukusch. Noch im Mai 2014 gab es Zuversicht im Weißen Haus: Die Soldaten seien dabei, „den Job zu erledigen, den wir angefangen haben“, so Obama damals. Anfang 2015 würden die USA 9.800 Uniformierte in Afghanistan stationiert haben, Ende 2015 nur noch 5.000. Die würden 2016 auf einen „Sicherheitsbeistand“ für die US-Botschaft reduziert.

Das war einmal. Laut Obamas Neuorientierung bleiben 2015 9.800 Mann. Und Ende 2016 werden es noch an die 5.500 sein. Das überrascht nicht. Im September stürmten Taliban die Stadt Kunduz. Afghanische Sicherheitskräfte gerieten auch in anderen Regionen ins Hintertreffen. Kunduz wurde mit US-Luftschlägen zurückerobert.

So sah Taliban-Herrschaft aus laut Augenzeugen: Einheiten hätten mit einer „Hit Liste“ gezielt nach Frauen gesucht, die sich außerhalb des Haushalts engagierten. Ein Frauenhaus sei niedergebrannt worden.

In der politischen Klasse der USA findet der Präsident Zuspruch. Der Plan wende ein Desaster ab, lobt Mac Thornberry, Sprecher im Militärausschuss des Repräsentantenhauses. Hillary Clinton ist dafür. Bernie Sanders ist dafür. Der Republikaner John McCain, immer gut für Martialisches, hat geraten, die US-Präsenz müsse permanent sein. Schließlich seien die Vereinigten Staaten auch in Deutschland und Südkorea geblieben. Vielleicht passiert das, es gibt Gründe anzunehmen, dass der nächste Amtsinhaber in ein paar Jahren wieder sagt, die Sicherheitslage in Afghanistan sei brüchig. Dort kollidieren eben lokale mit gesamtstaatlichen Interessen. Die Akteure müssten sich verständigen, um das Leiden zu beenden.

Doch geschieht in dieser Hinsicht wenig Vielversprechendes. Die USA und der Westen haben sich zur Konfliktpartei gemacht. Gräuel werden in Kauf genommen. Krieg ist halt Krieg, bei dem ein Hospital zerstört wird und Patienten in ihren Betten verbrennen. Drohnen treffen nicht immer die „Richtigen“. Sollten die Amerikaner in Afghanistan verlieren, wäre freilich auch Schlimmes zu befürchten, angefangen mit brennenden Frauenhäusern.

06:00 23.10.2015

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