Sara Mously
02.03.2011 | 17:30 105

Wantchoucou traut sich

Mut Seit Jahren verfrachtet der Kreis Wittenberg Asylbewerber in ein verdrecktes Heim mitten im Wald. Doch jetzt organisiert ein Bewohner Widerstand – mit Erfolg

Sein rechter großer Zeh schaut aus einem Loch in seinem Strumpf. Salomon Wantchoucou sitzt vor seinem vergilbten Computermonitor und tippt, wie so oft. Auf Tisch und Fensterbank stapeln sich Bücher: die Bibel, der Koran, „Der Hausanwalt“ und ein Schülerduden mit dem Titel „Politik und Gesellschaft“. Die Internetverbindung ist mal wieder schlecht. „Das liegt am Wind“, sagt er, „und an den hohen Bäumen überall.“ Doch der 38 Jahre alte Mann aus Benin hat Geduld. Schließlich geht es um seine Freiheit.

In den vier Stockwerken des grauen Plattenbaus, in dem Wantchoucou vor seinem Computer sitzt, leben auch etwa 200 andere Asylbewerber. Es ist eine „Gemeinschaftsunterkunft“, zwei Kilometer hinter dem Dorf Möhlau in Sachsen-Anhalt, mitten in der Einöde. Die übrigen Gebäude auf dem Gelände stehen leer, ihre Türen sind mit Brettern vernagelt, die Scheiben eingeschlagen. Ein hoher Zaun umgibt das Grundstück, drum herum ist nichts als Wald. Im Hof hat jemand ein altes Wandrelief frei gekratzt: Es zeigt Sowjetsoldaten, ihr Blick stahlhart und grimmig. Vor der Wende war das Lager eine Kaserne der russischen Armee. Damals gab es hier Bars, Geschäfte, ein Kino. Heute pfeift der Wind durch die undichten Fenster. Ins Dorf ist es eine halbe Stunde zu Fuß, von da aus fährt nicht einmal alle Stunde ein Bus zur nächsten Stadt Gräfenhainichen.

Warten, immer wieder warten

Wantchoucou hat vor fast zehn Jahren in Deutschland Asyl beantragt. Seitdem hat er keine Arbeitserlaubnis, keine eigene Wohnung. Er konnte weder sein Studium beenden, noch eine Familie gründen. Er ist bis heute nur geduldet, weiß nie, ob er vielleicht doch noch abgeschoben wird. In Benin, sagt der Politikaktivist, fürchte er um sein Leben. Vier Mal hat er bisher Asyl oder eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Mal dauerte es ein Jahr, manchmal zwei Jahre, bis eine Antwort kam – und immer lehnten die Behörden ab. Er könne ja auch ein Wirtschaftsflüchtling sein, unterstellte man ihm. Einen Pass konnte er nicht vorlegen: Er sei mit den Papieren eines Freundes geflohen, sagt er, weil er befürchtet habe, dass ihn die Beniner Grenzbeamten festnehmen würden. Schließlich gelang es ihm, eine Kopie seiner Geburtsurkunde aus seiner Heimatstadt zu beschaffen und sie der deutschen Ausländerbehörde vorzulegen. Das ist jetzt ein Jahr her. Eine Antwort hat er noch nicht erhalten.

Wenn er einsam ist, schaltet Wantchoucou den Fernseher an und schaut französische Filme auf Arte. Hat er Heimweh, frittiert er Teigkugeln mit Zucker, Salz und Sardinen in viel Öl. So hat seine Freundin sie immer gemacht, damals. In der Ecke, in der er seine Lebensmittel aufbewahrt, stehen viele Pakete mit Mehl und viele Flaschen Sonnenblumenöl.

In der Möhlauer Unterkunft wohnen eine Menge Menschen, die wie Wantchoucou darauf warten, dass die Ausländerbehörde über ihr Bleiberecht entscheidet. Sie dürfen in keine eigene Wohnung ziehen und nicht arbeiten. Viele bekommen kein Geld, sondern Gutscheine, mit denen sie nur in bestimmten Geschäften einkaufen dürfen. Keiner hat ein Bankkonto, nur wenige einen in Deutschland gültigen Führerschein.

Nachts kommen Wildschweine

Die Isolation der Bewohner bleibt nicht ohne Folgen. Ein Mann verlässt schon seit einiger Zeit sein Zimmer nicht mehr. Zwei andere haben sich das Leben genommen. Die anderen ertragen das Warten, irgendwie. Manche fünf, andere zehn oder 15 Jahre lang. Aber Wantchoucou will das nicht. Er will nicht akzeptieren, dass Menschen in Deutschland so hausen müssen: „Wenn die Leute nicht schon traumatisiert sind, dann werden sie es spätestens hier. Jemanden 15 Jahre in ein Lager zu sperren, ist unmenschlich. Irgendwann geht hier jeder kaputt.“ Als er 2008 aus einem anderen Heim nach Möhlau gebracht wurde, habe er sofort das Leid der Menschen gesehen, sagt Wantchoucou, „ihre Blicke sprachen Bände.“

Wantchoucou hat eine kräftige Stimme. Er gestikuliert ausschweifend mit seinen großen Händen, bewegt sich unruhig auf seinem Stuhl hin und her, während er spricht. Wenn ihm ein Wort auf Englisch nicht gleich einfällt, sagt er es in Deutsch oder in seiner Muttersprache Französisch. Hauptsache, die Botschaft erreicht sein Gegenüber. Er streckt den Arm nach oben, wenn er von Politikern und Beamten spricht. Und streckt die flache Hand in Richtung Boden, wenn die Rede von den Asylbewerbern ist.

Als er im September 2001 nach Deutschland kam, steckte in seiner linken Schulter noch die Kugel, die ihn beinahe getötet hatte. Seit seinem 18. Lebensjahr war Wantchoucou in seinem Heimatland Benin politisch aktiv und prangerte die Korruption des Diktators Mathieu Kérékou an. Er trat der Oppositionspartei „Renaissance du Benin“ bei, veröffentlichte Artikel im Internet. „Für Prestigeprojekte gibt die Regierung ein Vermögen aus, aber auf dem Land verhungern die Menschen“, schrieb Wantchoucou. „Sie haben kein Essen und kein Geld für Medizin.“

Der Schuss fiel im Frühjahr während einer Demonstration. Er weiß nicht, wer auf ihn gezielt hat, ist sich aber sicher, dass der Geheimdienst hinter dem Anschlag steckt. Sie würden wieder versuchen, ihn zu töten, davon ist er überzeugt. Kaum hatte er das nötige Geld zusammen, floh er. In Marokko versteckte er sich auf einem Frachter, harrte zwei Wochen lang neben dem Maschinenraum aus.

Viele haben Angst

In Deutschland kämpft Wantchoucou weiter – diesmal gegen die Unterbringung in Möhlau. Er steckt seine Mitbewohner mit seinem Gerechtigkeitssinn an, will ihnen zeigen, wie man sich wehrt. Einige Wochen, nachdem er im Lager angekommen ist, klopft er an die Türen der Nachbarn. „Wollt ihr das wirklich länger hinnehmen?“, fragt er sie. „Wollt ihr nicht gegen diese Zustände protestieren?“

Im Herbst 2008 besucht er ein Treffen der „Karawane“, einem Hilfsnetzwerk, dass sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzt. Niemand dort weiß, wie es in Möhlau aussieht. Er schafft es aber, dass erstmals unabhängige Beobachter in das Heim kommen, um sich ein Bild zu machen. Mit anderen Bewohnern gründet er die „Flüchtlingsinitiative Möhlau“, die Nachrichten und Protestbriefe im Internet veröffentlicht. Doch außer Wantchoucou traut sich bis heute kaum jemand zuzugeben, dass er dazu gehört. Zu groß ist die Angst, auf dem Polizeirevier vorgeladen zu werden, zu oft machen Gerüchte die Runde, Anträge würden absichtlich verschleppt oder abgelehnt.

Im November 2009 organisiert Wantchoucou eine Demonstration. 200 Leute, darunter viele der Bewohner, versammeln sich vor dem Landratsamt in Wittenberg. Endlich finden die Zustände im Lager ihren Weg in die Öffentlichkeit. Nicht nur nach außen ist die Demonstration ein Signal, sondern auch für die Bewohner selbst. „ Es war schön zu sehen, wie die Bewohner, die so lange unterdrückt waren, auf einmal für ihre Rechte einstanden“, sagt Wantchoucou heute.

Die Asylbewerber fordern, das Heim zu schließen und sie in Wittenberg unterzubringen. „Wir brauchen ein vernünftiges Umfeld für unsere Kinder“, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, „hier ist es einsam und dunkel, und wir fürchten uns vor den Wildschweinen“ – „Wir fordern unsere Freiheit, damit wir uns integrieren können“, sagt die 14 Jahre alte Kurdin Susan Ali. Ihr Deutsch ist perfekt, ihre Schulnoten sind gut, aber deutsche Freunde hat sie keine.

Keine Schule, wenn es schneit

„Es ist ja auch eigentlich nicht vorgesehen, dass diese Menschen hier sind“, sagt Anke Tiemann, zuständig für den „Fachdienst Ordnung“ des verantwortlichen Landkreises Wittenberg, „sie haben keinen geregelten Aufenthaltsstatus. Weder haben sie ein Bleiberecht, noch dürfen sie in ihre Heimat zurückgebracht werden.“ Bernd Mesovic vom FörderVerein Pro Asyl hält solch Argumente für bürokratische Vorwände. „Der Fehler liegt im System“, sagt er. „In erster Linie zählt nicht, dass die Leute vernünftig untergebracht sind, sondern dass sich das Ganze finanziell lohnt.“ Denn das Asylbewerberheim gehört weder dem Bundesland Sachsen-Anhalt, noch dem zuständigen Landkreis Wittenberg, sondern einer privaten Betreibergesellschaft, der Zeitzer „KVW Beherbergungsbetriebe GmbH“, die noch zwei weitere Heime betreibt. 7,18 Euro erhält das Unternehmen vom Landkreis pro Bewohner und Tag. Das ist im Bundesvergleich wenig. Es kann sich nur lohnen, wenn die Firma die Ausgaben gering hält, etwa in dem sie statt zentral gelegener Wohnungen eine Baracke im Wald zur Verfügung stellt.

Der Betreiber ist verpflichtet, Sozialarbeiter zu beschäftigen, die rund um die Uhr erreichbar sind, und selbstverständlich sollte er für ein gefahrenfreies Umfeld sorgen. „Wir versuchen Mängel, so gut es geht, jeden Tag abzubauen“, sagt Marcel Wiesemann, Geschäftsführer der KVW, „wie man das auch in einem ganz normalen Mietshaus macht.“ Doch ein normales Haus sieht anders aus: In Möhlau macht sich Schimmel in Fluren und Badezimmern breit, Kakerlaken krabbeln über den Boden. Kinder spielen auf dem Hof vor den leeren Bauten zwischen Glasscherben und Müll. Wiesemann hat dafür seine eigene Erklärung: „Den Bewohnern scheint es schwer zu fallen, es sich an diesem Ort schön zu machen.“

Doch selbst wenn dort alles blitzsauber aussähe, das Heim bleibt isoliert. Weder können die Bewohner Integrationskurse besuchen, noch gibt es in der Nähe eine psychosoziale Beratungsstelle für Opfer von Krieg und Verfolgung, von einem Sportverein ganz zu schweigen. Im Winter ist der Schulbus wochenlang ausgefallen, weil sich niemand gekümmert hat, die Wohnheimszufahrt zu räumen.

Nun werden Alternativen gesucht

Doch der Protest der Bewohner hat etwas bewegt im Landkreis: Das Heim wurde zum Politikum. Die Kreistags-Grünen solidarisierten sich mit den Asylbewerbern, und etliche Organisationen setzen Möhlau inzwischen regelmäßig auf ihre Tagesordnung. Zweimal pro Woche soll nun eine Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt in das Lager kommen, um Deutsch zu unterrichten. Einigen Familien wurde in den vergangenen Monaten das Aufenthaltsrecht gewährt, sie durften in richtige Wohnungen ziehen. Einige bekommen keine Gutscheine mehr, sondern Bargeld, um für ihren täglichen Bedarf zu sorgen. Es gibt Gerüchte, dass die Gutscheine nun im ganzen Kreis abgeschafft werden sollen.

Ende 2010 beschloss der Landkreis, eine Alternative zu suchen, und schrieb den Unterbringungsvertrag neu aus. Allerdings soll die neue Unterkunft nicht wesentlich teurer werden als die alte. Zustand, Lage des Heims und gute Betreuung stehen dagegen weiter hinten auf der Prioritätenliste. Nur zwei Unternehmen haben dem Landtag neue Angebote gemacht – noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So viel aber ist durchgesickert: Einer der Anbieter soll der derzeitige Betreiber selbst sein. Er soll angeboten haben, zentral gelegene Wohnungen für 100 Bewohner und eine Gemeinschaftsunterkunft für noch einmal so viele Menschen zur Verfügung stellen zu können. Am Donnerstag, den 3. März, will der Wittenberger Bauausschuss darüber entscheiden, ob eines der beiden Unternehmen den Zuschlag bekommt. Oder er wird beschließen: zu teuer, die Asylbewerber bleiben im Wald.

„Wenn das passiert, machen wir richtig Lärm“, sagt Salomon Wantchoucou. „Ich würde das auch tun, wenn ich selbst meine Aufenthaltsgenehmigung hätte.“ Er mache das schließlich nicht nur für sich, „sondern für das Land, in dem ich lebe.“

schreibt als Reporterin über Migration, Kultur und Soziales. Wie die Geschichte weitergeht, darüber wird sie in den Kommentaren unter diesem Text berichten.

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Kommentare (105)

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2011 | 19:29

Ich kann mich noch gut erinnern, als der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Böhmer die Menschen vorgeworfen hat, die würden die Demokratie nicht verstehen. Ich hatte diesem Herrn darauf geschrieben, dass ich seine Regierungsweise nicht verstehen könnte, weil sie auch nur nach seinem Kopf geht. Mit Demokratie hat das wenig zu tun.
Was in diesem Heim passiert, hätte Böhmer eigentlich wissen müssen, er er kümmert sich eben nur um Dinge, die ihm genehm sind. Gerade Sachsen-Anhalt brachte das große Wort des "Hingucken" heraus. Ich frage mich eigentlich, wo Böhmer und sein Parlament während ihrer Regierungszeit immer hingeguckt haben. Hier sieht man die ganze Heuchelei. Man redet irgendetwas daher, aber man kümmert sich nicht einmal um das Menschlichste.
Sachsen-Anhalt ist auf einen guten Weg. Wie gut der Weg ist, ersehen wir an dem Heim.

Rene Artois 03.03.2011 | 16:46

Wie bitte: "weil sich niemand gekümmert hat, die Wohnheimszufahrt zu räumen."?
Was meint ihr wohl, wer sich im Winter darum gekümmert hat, meine Grundstückszufahrt zu räumen? Dreimal dürft ihr raten. Da beschweren sich welche, daß sie nicht arbeiten dürfen, und nicht mal zum Schneeräumen reicht's?
Nichts für ungut, aber bin ich der einzige, der findet, daß da irgendetwas nicht so ganz zusammenpaßt?

Steffen Kraft 03.03.2011 | 17:01

"Nichts für ungut, aber bin ich der einzige, der findet, daß da irgendetwas nicht so ganz zusammenpaßt?"

Nichts für ungut, aber ich hoffe: ja. Räumen sie mal mit bloßen Händen (Schneeschippen sind in den Warengutscheinen für Asylbewerber wohl nicht vorgesehen) einen mehrere Kilometer langen Waldweg, damit ein Schulbus sicher durchkommt. Welche Forderung kommt als nächstes: Dass diese Menschen mit ihren Zahnbürsten den Hof kehren sollen?

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Ehemaliger Nutzer 03.03.2011 | 18:44

@Rene Artois
da haben wir es wieder, Sarrazin läßt grüßen.
Selbst wenn Sie Ihre Aufahrt frei halten, bräuchten Sie auch den Rest der Strasse. Selten so eine dumme Formulierung gehört.
Sie können sich doch einmal einige Tage dort aufhalten?
Wir Deutschen können uns nur immer wichtig tun und dreiste Sätze von uns abgeben. Sehen Sie sich einmal privaten Heime an, wo diese Menschen leben müssen, Schimmel wo man hinschaut. Sendungen darüber gab es genug darüber. Es ist menschenunwürdig, wie wir mit Asysbewerber umgehen, für mich ist das Rassismus und deswegen wird die BRD stets und ständig von der UNESKO deswegen kritisiert. Man sitzt es aus wie immer, gemacht wird nichts. Schämen sollte sich Sachsen-Anhalt und die BRD.

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mandelbrot 03.03.2011 | 18:59

Wir Deutschen sind schon ein gemeines Volk. Wir gewähren Flüchtlingen Schutz vor Hunger, Verfolgung und Tod. Wir stellen ihnen Unterkunft, Verpflegung und Geld zur eigenen Verfügung. Aber wo tun wir das? In einem abgelegenen Heim im Wald. Oh mein Gott wie können wir nur! Dies ist ein Skandal erster Güte. Vermutlich wären alle Flüchtlinge in ihren Heimatländern sehr viel besser dran. Wir können froh sein, das sie sich diese unhaltbaren und menschenverachtenen Zustände weiter bieten lassen und nicht schnurstraks den ersten Flieger nachhause nehmen. Wir sollten uns alle schämen!

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mandelbrot 03.03.2011 | 19:05

Mit nen paar Schneeschaufeln (irgendwo werden ja welche rumstehen) ist so ein Waldweg schnell freigeräumt. Viele Hände machen ein schnelles Ende.
Sparen sie sich ihre Übertreibungen Herr Kraft.

Ja, ich hab vor einiger Zeit einen ähnlichen Artikel auf einer anderen Plattform gelesen, ich weiß nicht mehr welche Seite das war. Ich glaube es ging um dasselbe Asylantenheim, irgendwo tief im Wald gelegen und das "Elend" der Bewohner.

Mir kam es ebenfalls komisch vor @ Rene Artois. Menschen werden in tiefster Not vor Verfolgung und Tod gerettet und die haben nichts besseres zu tun, als sich zu beklagen das die Internetverbindung schlecht ist? Irgendwas passt da ganz gewaltig nicht zusammen.

Sara Mously 03.03.2011 | 21:21

Man kann das natürlich so machen; einige Punkte herausgreifen und sagen, das eine oder das andere wäre nicht so schlimm. Natürlich ist es keine Katastrophe, einen langsamen Internetanschluss zu haben. Und wer nun zuständig ist für welchen Meter Schneeschippen, darüber streiten sich Deutsche untereinander ja auch gerne mal.
Um so was ist es mir beim Schreiben aber nicht gegangen, sondern um das Gesamtpaket. Darum, dass in Deutschland Menschen unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie Deutsche sind oder nicht. Woher nehmen wir uns das Recht, Menschen Lebensumstände zuzumuten, die wir, ginge es um uns selbst, "inakzeptabel" nennen würden?
Und noch etwas will ich mit dem Text zeigen: Dass das Geld, das für Asylbewerber ausgegeben wird, nicht zu 100 Prozent denen zugute kommt, die es brauchen, sondern dass sich privat wirtschaftende Unternehmen vorher noch einen beträchtlichen Teil davon abzweigen.
Mich hat getroffen, was ich in dem Heim gesehen habe und was mir die Familien dort erzählt haben. Ich konnte Ihnen meine Eindrücke wohl nicht so ganz vermitteln. Vielleicht gelingt es mir oder einem Kollegen ja irgendwann mal mit einem anderen Artikel zu diesem Thema.

claudia 04.03.2011 | 08:03

>>Darum, dass in Deutschland Menschen unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie Deutsche sind oder nicht. Woher nehmen wir uns das Recht, Menschen Lebensumstände zuzumuten, die wir, ginge es um uns selbst, "inakzeptabel" nennen würden?
Es ist eine hierarchische "Ordnung". Es gibt Deutsche, die über Allen stehen. Dann Solche, die über arbeitslosen Deutschen und Asylbewerbern stehen. Die Asylbewerber, die man, der Genfer Flüchtlingskonvention sei's geklagt, nicht einfach an der Grenze zurückschicken kann, sind die unterste Stufe.
Jedem wird eingetrichtert, der jeweils Ärmere sei sein Feind.

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>>Dass das Geld, das für Asylbewerber ausgegeben wird, nicht zu 100 Prozent denen zugute kommt, die es brauchen, sondern dass sich privat wirtschaftende Unternehmen vorher noch einen beträchtlichen Teil davon abzweigen.
Alles, auch Asyl, muss Rendite bringen. Eine andere Daseinsberechtigung des nichtbesitzenden Menschen gibt es nicht.

Rene Artois 04.03.2011 | 10:07

Waldweg? Mitten im Wald? Die Kaserne liegt nicht mitten im Wald, sondern in freier Flur, und der "Waldweg" ist eine befestigte Straße. Und wenn da 200 Leute untergebracht sind, sollten sich genug finden, die Zufahrt schneefrei bzw. befahrbar zu machen und halten. Genauso wie es nicht gänzlich unzumutbar sein dürfte, daß sich die Unterkunftsbewohner wenigstens rudimentär selbst um die Sauberkeit ihres Umfelds, und sei es noch so ungeliebt, kümmern. Schon sich selbst zuliebe. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, daß es drauf angelegt wird, die Buden versiffen zu lassen, weil dann ja "Abhilfe" geschaffen werden muß. Möhlau ist ja schließlich kein Einzelfall.
Übrigens müssen Schulkinder auf dem Land überall bei jedem Wetter zum Teil heftige Fußwege auf sich nehmen, um zur Schubushaltestelle zu kommen. Von der Möhlauer Kaserne bis zur Ortsverbindungsstraße sind es rund 1200 m. Da wär manches Schulkind z. B. in Oberfranken froh, wenn es nicht weiter zu gehen hätte.

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mandelbrot 04.03.2011 | 10:46

@ Sara Mously

"Woher nehmen wir uns das Recht, Menschen Lebensumstände zuzumuten, die wir, ginge es um uns selbst, "inakzeptabel" nennen würden? "

Ja gute Frage, nur leider bleibt die nicht auf Asylsuchende beschränkt. Diese Menschen haben sich dann durch Flucht und Verfolgung den westlichen Lebensstandard verdient, oder wie? (Ich weiß es klingt zynisch, aber ich frage ehrlich).
Und die Menschen in ihren Heimatländern? Müssten wir denen nicht auch vorbehaltslos die Möglichkeit einräumen hier her zu kommen? In denen wir ihnen die Möglichkeit verweigern herzukommen, verweigern wir ihnen ja auch unseren Lebensstandard.
So ganz kann mich ihre Argumentation deshalb nicht überzeugen.

Das sich eine Industrie um die Flüchtlinge gebildet hat, ist natürlich zu verurteilen.

Steffen Kraft 04.03.2011 | 11:56

@Mandelbrot Da kein Mensch etwas dafür kann, wo er geboren wird und der Lebenstandard - global gesehen - entscheidend vom Geburtsort abhängt, hat auch niemand seinen Lebensstandard "verdient" - Deutsche ebensowenig wie Bangladeshi wie Japaner.

Schon insoweit verblendet die Formulierung ihrer Fragen einen entscheidenden Zusammenhang: Es ist kein Widerspruch, sich über globale Ungerechtigkeiten ebenso zu empören wie über lokale.

Sara Mously 04.03.2011 | 12:28

Nachtrag zum Ausschuss für Bau, Wirtschaft und Verkehr des Landkreises Witteberg, der gestern abend das Thema "Möhlau" auf der Agenda hatte. Es wurde beschlossen, die Entscheidung über den künftigen Wohnort der Asylbewerber dem Kreistag zu übergeben. Dieser tagt am Montag, 11.04.2011 ab 16:00 Uhr. Ich werde hier berichten, wie es weitergeht.

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rahab 04.03.2011 | 12:38

ach ihr naseweise!
schon mal was von verkehrssicherungspflicht (öffentlicher wie privater) gehört?
ich würde es den leuten von Möhlau verbieten, die straße und den weg zur unterkunft zu räumen.
im zweifel gehen die damit ein risiko ein, das sie weder überblicken noch schultern können.

aber kaum steht irgendwo asyl davor, glaubt alle welt, die bürgerliche rechtsordnung gelte nicht mehr.

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mandelbrot 04.03.2011 | 12:41

Herr Kraft sie argumentieren auf der theoretischen Ebene, da bin ich sofort bei Ihnen. Ungerechtigkeit darf selbstverständlich nicht hingenommen werden. Das das weitere Leben so sehr von Land abhängt in dem man geboren wird, ist traurig und beklagenswert.

Auf der praktischen Ebene- und da argumentiere ich gemeinhin- wird es aber wie gesagt schwieriger. Asylsuchende haben dann Anspruch auf "unseren" Lebensstandard". Aber warum dann nicht auch alle Menschen die danach begehren?

Mag sag, das meine pragmatische Ebene ein wenig zynisch ist, aber sie ist eine Möglichkeit mit den Problemen dieser Welt umzugehen ohne ständig in argumentative Zwickmühlen zu geraten.

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mandelbrot 04.03.2011 | 12:46

Herr Kraft, soll ich hinfahren und nachsehen? Solche Einrichtungen haben wie jede Schule, jeder Wohnblock oder Ähnliches mit Sicherheit irgendwo einen Geräteschuppen oder Keller wo Dinge gelagert werden die der Hausmeister benötigt. Da stehen mit Sicherheit auch einige Schneeschaufeln rum, alles andere würde mich doch stark wundern.
Wenn das nicht so wäre, hieße das ja auch das die gesamte Anlage- selbst Wege von einem Block zum anderen- im Winter ungeräumt bleiben. Ja, das klingt glatt so, als könnte es passieren das die Anlage von meterhohen Schneewehen zugeschneit werden könnte, weil keine Schneeschaufeln vorhanden sind.
Glauben sie das ernsthaft? Ich bin mir sicher auf Nachfrage bekommen die Bewohner diese Schaufeln ausgehändigt.

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mandelbrot 04.03.2011 | 13:00

@ Rahab

Aus ihrem Post spricht "Der Staat muss es richten."
Und wenn es der Staat nicht kann? Weil die Räumdienste durch einen harten Winter überfordert sind? Wenn andere Straßen die wichtiger sind zuerst geräumt werden müssen? Wenn die Kommunen pleite sind und daher vielleicht nicht ausreichend Mittel haben jede Straße frei zu räumen?

Diese Staatsgläubigkeit kann mich bei Menschen aus Deutschland nicht verwundern. Das Menschen die ursprünglich aus Ländern kommen wo sich der Staat (falls überhaupt vorhanden) darauf beschränkt die Menschen zu unterdrücken und zu verfolgen, nach kurzer Zeit ebenfalls diese Mentalität annehmen verleitet mich dann doch zu einem ungläubigen Staunen.

Gibt es doch so etwas wie die deutsche Leitkultur die Menschen bereits nach kurzer Zeit so nachhaltig beeinflusst das sie jede Eigeniniative verlieren?

Steffen Kraft 04.03.2011 | 13:12

@Mandelbrot: Ihre Fragen unterstellen eine Menge: Dass die Kommune ihrer Räumpflicht über Wochen nicht nachkommen konnte, dass die Räumdienste über Wochen überfordert waren, dass über Wochen der Verkehrsfluss auf anderen Straßen Priorität haben sollte als die Durchsetzung der Schulpflicht von Kindern, dass selbst für kommunale Pflichtaufgaben kein Geld da war.

Ohne Belege bleibt für solch weitreichende Unterstellungen nichts anderes als es zu wiederholen: das ist Populismus.

Bösartig ist hingegen die Unterstellung, die Kinder seien nicht in die Schule gegangen - und damit auf die Lethargie der Bewohner zu schließen.

Steffen Kraft 04.03.2011 | 14:02

Aber ganz praktisch gibt es doch gar keinen Widerspruch: Man kann etwas gegen politische Unterdrückung wie auch soziale Ungerechtigkeiten auf globaler Ebene tun - ebenso wie auf lokaler Ebene (selbst wenn die Folgen sich international natürlich langsamer zeigen).

Insofern scheint mir ihr Argument nur für ein Plädoyer geeignet, dass eine zu tun und das andere nicht zu lassen.

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rahab 04.03.2011 | 14:09

mandelbrot
schätzchen

unser staat ist so organisiert, dass er bestimmte dinge richten muß
und unsere gesellschaft ist so organisiert, dass ein eigentümer bestimmte dinge richten muß
und für den fall, dass beim richten was schief läuft, haben sowohl staat wie eigentümer die entsprechenden versicherungen

asylsuchende und geduldete flüchtlinge haben diese nicht - wovon auch?
also hätte ich ihnen, den asylsuchenden und geduldeten flüchtlingen in Möhlau, nicht nur einfach vom freiräumen der straße abgeraten
ich hätte es ihnen sogar verboten!

und dieses verbot hat damit zu tun, dass, wäre beim schneeräumen irgendwas schief gegangen, die mandelbrotsche staatsgläubigkeit zugeschlagen hätte
und nicht nur die

was ansonsten asylsuchende und geduldete flüchtlinge alles in eigeninitiative hinkriegen - davon hat ein mandelbrot keine ahnung
weil ein mandelbrot nämlich geld-machen mit eigeninitiative verwechselt, ganz grundsätzlich und immer

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nil 04.03.2011 | 14:34

@Mandelbrot sagt: Diese Menschen haben sich dann durch Flucht und Verfolgung den westlichen Lebensstandard verdient, oder wie? (Ich weiß es klingt zynisch, aber ich frage ehrlich).

Was glauben Sie denn worauf unser westlicher Lebensstandard basiert? Wissen Sie es nicht, wollen Sie es nicht wissen? Oder lügen Sie sich und andere einfach mal gerne an? Mal ehrlich, mit ein wenig Geschichtsforschung müsste Sie das doch leicht in Erfahrung bringen können.
Das was Sie von sich geben ist ungebildet, unmenschlich, zutiefst egoistisch und total daneben.

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Ehemaliger Nutzer 04.03.2011 | 18:25

Liebe Sara Mously,

vielen Dank für ihren Artikel.

Ich habe den kompletten Kommentarstrang gelesen und es stellen sich mir folgende Fragen:

Haben einige Kommentatoren so wenig im Geschichtsunterricht aufgepasst, dass sie nicht begreifen, dass unser deutscher Lebensstandart zu weiten teilen noch auf dem Kolonialismus beruht und bis heute durch die Ausbeutung der dritten Welt und die Unterstützung diktatorischer Regime gestützt wird?

Welcher Deutscher hat hier Flüchtlinge gerettet? Die sind doch wohl von selbst geflohen.

Woher kommen immer wieder diese Unterstellungen Asylanten würden nur auch ein Stück vom fetten deutschen Kuchen abhaben wollen?

Warum wird von Asylanten immer diese Dankbarkeit erwartet? Muss ein Volk mit unserer Geschichte Flüchtlinge nicht aus purer menschlicher Selbstverständlichkeit aufnehmen?

Warum wird immer zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden? Sind Hunger und mangelnde Schulbildung nicht politisch?

Wie kommt man dazu Asylanten Apathie und Lethargie vorzuwerfen, wenn man ihnen gleichzeitig die Arbeitserlaubnis vorenthält und sie kaserniert?

Welche deutsche Mietergemeinschaft eines Hochhauses würde sich an die Instandsetzung des Hauses machen, wenn sie jederzeit in ihren Geburtsort abschoben werden könnten, wo man sich vorbehält sie zu foltern und zu töten? (oder sie einfach nichts zu essen haben) - Mal abgesehen davon, dass Mieter nicht nach eigenem Gutdünken so handeln dürften.

Zum Schluss nochmal zu den lustigen Vorschlägen die Asylanten sollten doch mal aufräumen. Wer schon mal auf so einem Gelände einer ehemaligen russischen Kaserne war, der wird feststellen, dass durch Vandalismus und Zumüllung über Jahre, der Müll samt Glasscherben tief ins Erdreich gelangt ist. Das heißt, dass das gesamte Erdreich erneuert werden müsste. Wären der Boden und die Gebäude gut nutzbar, dann würden sie sicherlich anders genutzt.

Und was spricht eigentlich dagegen, dass Asylanten einen uns vergleichbaren Lebensstandart erhalten? Sind sie etwa weniger Wert? Aber nein, das hat so natürlich niemand gesagt.

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mandelbrot 04.03.2011 | 22:18

Herr Kraft, die argumentative Zwickmühle habe ich auch hauptsächlich bei ihrer Kollegin und gleichzeitig Autorin des Artikels ausgemacht. Man erlebt sie aber häufig in der Diskussion um Flüchtlinge und Zuwanderung.

@ nil
Nur weil man es häufig wiederholt, wird es dadurch nicht besser. Dieses Dogma "unser Lebensstandard basiert auf der Ausbeutung der Entwicklungsländer" stimmt wenn überhaupt nur sehr begrenzt. Es mag für Linke nen nettes Hobby sein, alle Schuld für die Probleme dieser Welt auf unsere Schultern zu laden, wahrer wird es deshalb nicht.

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mandelbrot 04.03.2011 | 22:28

Herr Kraft, diese Unterstellung habe ich nicht getroffen. Ich möchte diesen Menschen die sicherlich aus sehr schwierigen Verhältnissen geflohen sind, nichts unterstellen. Ich wundere mich aber wie gesagt, über die Verschiebung der Einstellung und den Prioritäten dieser Menschen.

@ Rahab

Ja- schön. Und dennoch ändert das nichts an den Tatsachen. Was machen sie wenn der Landkreis sagt: Für die Straße haben wir zurzeit einfach keinen Räumdienst frei. Klar, dann können sie vielleicht vorm Verwaltungsgericht klagen und bekommen vermutlich sogar recht. Inzwischen ist der Schnee aber schon lange weggeschmolzen der nächste Winter steht an oder ist vielleicht sogar vorbei. Was haben sie dann davon? Ist den Menschen damit in dem Moment konkret geholfen?

Die Straße wird davon nicht frei. Sie argumentieren wie oben angesprochen auf dieser theoretischen Ebene: "Es kann nicht sein, es besteht die Pflicht des Staates...". Ich bewege mich auf der praktischen Ebene. Die Straße wird nicht geräumt? Spucken wir in die Hände, schnappen ein paar Schaufeln und räumen sie erstmal frei. Gleichzeitig kann man sich ja immer noch bei der Stadt beschweren, das sie ihren Räumungspflichten nicht nachkommt.

Ihre Vollkasko-Mentalität ist zudem reichlich seltsam. Irgendwo habe ich gelesen, sie sind Juristin, stimmt das? Sie sollte da mal einen Schritt zurückgehen und sich wieder mehr an der Realität orientieren. Das Leben besteht nicht nur aus Handeln bei dem man ständig abgesichert ist.

Ansonsten zählen sie doch mal auf, was Asylsuchende so in Eigeniniative hinbekommen. Den Weg von Schnee befreien fällt ja wie gesagt schon mal nicht drunter.

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mandelbrot 04.03.2011 | 22:47

"Haben einige Kommentatoren so wenig im Geschichtsunterricht aufgepasst, dass sie nicht begreifen, dass unser deutscher Lebensstandart zu weiten teilen noch auf dem Kolonialismus beruht und bis heute durch die Ausbeutung der dritten Welt und die Unterstützung diktatorischer Regime gestützt wird?"

Nur weil man es häufig wiederholt, wird es dadurch nicht besser. Dieses Dogma "unser Lebensstandard basiert auf der Ausbeutung der Entwicklungsländer" stimmt wenn überhaupt nur sehr begrenzt. Es mag für Linke nen nettes Hobby sein, alle Schuld für die Probleme dieser Welt auf unsere Schultern zu laden, wahrer wird es deshalb nicht.

"Welcher Deutscher hat hier Flüchtlinge gerettet? Die sind doch wohl von selbst geflohen."

Und wohin sollen sie fliehen? Ohne Aufnahme dieser Flüchtlinge können sie um die ganze Welt fliehen. Wir haben sie aufgenommen und damit auch gerettet.

"Woher kommen immer wieder diese Unterstellungen Asylanten würden nur auch ein Stück vom fetten deutschen Kuchen abhaben wollen?"

Zumindest ich habe diese Unterstellung nicht getroffen. Meine Äußerungen bezogen sich auf die Argumentation der Autorin des Artikels in einem Kommentar. Folgt man dieser, so müsste man jeden aufnehmen der kommen will, also auch Wirtschaftsflüchtliche.

"Warum wird von Asylanten immer diese Dankbarkeit erwartet? Muss ein Volk mit unserer Geschichte Flüchtlinge nicht aus purer menschlicher Selbstverständlichkeit aufnehmen?"

Ich weiß nicht, ich erwarte sie nicht. Asyl zu gewähren ist für mich selbstverständlich.
Dankbarkeit erscheint mir aber eine vollkommen logische Reaktion zu sein. Wenn ich froh bin mit dem Leben davongekommen zu sein, bin ich doch natürlich den Leuten/dem Land dankbar das mich aufnimmt.

"Warum wird immer zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden? Sind Hunger und mangelnde Schulbildung nicht politisch?"

Einfache Arithmetik. Bei ca 5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten denen es wirtschaftlich schlechter geht als uns, können wir keine Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen.

"Wie kommt man dazu Asylanten Apathie und Lethargie vorzuwerfen, wenn man ihnen gleichzeitig die Arbeitserlaubnis vorenthält und sie kaserniert?"

Ob sie im Hartz 4/Argen-System soviel besser dran sind, ist doch reine Spekulation. "Kaserniert" werden sie nicht, oder stehen dort Zäune und Wachposten?

"Welche deutsche Mietergemeinschaft eines Hochhauses würde sich an die Instandsetzung des Hauses machen, wenn sie jederzeit in ihren Geburtsort abschoben werden könnten, wo man sich vorbehält sie zu foltern und zu töten? (oder sie einfach nichts zu essen haben) - Mal abgesehen davon, dass Mieter nicht nach eigenem Gutdünken so handeln dürften."

Naja, immer mal halblang. So streng sind die Asylbestimmungen wahrlich nicht. Niemand wird wenn ihm unmittelbare Gefahr an Leib und Leben besteht ruckzuck abgeschoben. Da gibt es Einsprüche und Einsprüche auf den Einspruch usw...
Wenn man da erst 4 Wochen wohnt, kann ich das verstehen. Wenn man da ein halbes Jahr wohnt und sich langsam daran gewöhnt, sollte man auch zusehen das seine Bude sauber ist und das man das Beste aus der Situation macht.

"Zum Schluss nochmal zu den lustigen Vorschlägen die Asylanten sollten doch mal aufräumen. Wer schon mal auf so einem Gelände einer ehemaligen russischen Kaserne war, der wird feststellen, dass durch Vandalismus und Zumüllung über Jahre, der Müll samt Glasscherben tief ins Erdreich gelangt ist. Das heißt, dass das gesamte Erdreich erneuert werden müsste. Wären der Boden und die Gebäude gut nutzbar, dann würden sie sicherlich anders genutzt."

Das ist doch ihrerseits reine Spekulation. Die Schilderung im Artikel lässt schon auf Versäumnisse der Bewohner schließen. Mal nee Mülltüte schnappen und den Müll einsammeln kann ja nicht zuviel verlangt sein. Achja, ich vergass wenn man jeden Moment abgeschoben werden kann, ist das natürlich nicht mehr möglich.

"Und was spricht eigentlich dagegen, dass Asylanten einen uns vergleichbaren Lebensstandart erhalten? Sind sie etwa weniger Wert? Aber nein, das hat so natürlich niemand gesagt."

Definieren sie erstmal vergleichbar. Wenn sie der Einfachkeit halber den durchschnittlichen Hartz 4-Empfänger nehmen, wird da der Unterschied nicht so groß sein.

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mandelbrot 04.03.2011 | 22:49

Ergänzung:

"Warum wird immer zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden? Sind Hunger und mangelnde Schulbildung nicht politisch?"

Einfache Arithmetik. Bei ca 5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten denen es wirtschaftlich schlechter geht als uns, können wir keine Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen da es uns und alle anderen Industrieländer natürlich überfordern würde.

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rahab 05.03.2011 | 10:07

mandelbrot
gerade weil ich nicht nur juristin bin sondern jahrzehnte als anwältin tätig war, argumentiere ich so, ganz auf die diversen realitäten bezogen

eine dieser realitäten sieht vor, dass in einer solchen hütte hinter den sieben bergen bei den sieben zwergen, keine schneeschaufeln zu finden sind
bestenfalls eine
auch gartengerät wird dort nicht zu finden sein
und und und ebenfalls nicht

dahinter versteckt sich das konzept 'asylverfahren als abschreckung'

aber das findet ein mandelbrot ja richtig, weil .... unser wohlstand nun mal nicht für alle reicht und was der dussligen argumente mehr sind

ps: hätte mandelbrot als nachbar seine schneeschippen ausgeliehen?

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mandelbrot 05.03.2011 | 12:11

@ Rahab

Tatsächlich? OMG und was für Fälle vertreten sie so? Männer die eine Kollegin im vorbeigehen ausversehen berühren auf sexuelle Belästigung verklagen?

Meine Frage was sie davon haben, im konkreten Fall recht zu bekommen, haben sie nicht beantwortet. Der Schnee verschwindet davon jedenfalls nicht.

Abschrecken soll ein Asylverfahren nicht, besonders verlockend erscheinen aber auch nicht.

Wieso ist das Argument dusslig? Dieses Argument ist als allererstes erstmal eins: Richtig.

Und selbstverständlich würde ich jedem der mich freundlich danach fragt, meine Schneeschaufel leihen... sie hingegen würden ihn vermutlich erstmal fragen ob er auch haftpflichtversichert ist, falls die Schaufel beim schippen kaputtgeht.

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mandelbrot 05.03.2011 | 12:20

Ich musste auch 9 Monate dieses Schicksal erleiden. Während der Wehrpflichtzeit gelten die Grundrechte übrigens nur beschränkt. Und ich habs auch überlebt.

Achja: Die Wehrpflicht finden in letzter Zeit hier in der Community alle ziemlich toll. Selbst haben wahrscheinlich nur die wenigsten gedient, aber von anderen einen tiefen Einschnitt in die Grundrechte fordern. Aber bitte nur bei den jungen Männern. Asylsuchende müssen natürlich auf Samtkissen getragen werden.

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rahab 05.03.2011 | 18:45

junge junge
die steigerung von albern geht wohl: heimatlos-rene artois-mandelbrot?

aber richtig erkannt: das asylverfahren stellt von gesetzes wegen kein besonderes gewaltverhältnis dar
auch wenn manche das gern so hätten und noch andere manche asylsuchende und geduldete flüchtlinge tatsächlich so behandeln

so zu verfahren ist dennoch falsch und rechtswidrig

davon, dass deutsche es hinnehmen, als wehrpflichtige so behandelt zu werden, wird es übrigens auch nicht besser (richtiger, menschenfreundlicher)
sondern wirft nur ein bezeichnendes licht darauf, wieweit es mit freiheit, demokratie und mündigkeit der deutschen her ist
nämlich nicht allzuweit

den frust darüber an denen auszulassen, die sich noch weniger wehren können, finde ich ausgesprochen schäbig!

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rahab 05.03.2011 | 19:07

1) asylrecht und alles, was damit zu tun hat...
2) solche fälle werden anders gelöst - notfalls mit nem großen haufen scheiße vor der rathaustür
3) weil flüchtlinge - ausgenommen einige wenige - zwar mit wenig gepäck reisen, aber nicht unbedingt das sein müssen, was ein mandelbrot für arm hält - allerdings werden hierzulande flüchtlinge künstlich verarmt
4) haftpflicht? quatsch, zum mitschippen einladen!

schmidt 05.03.2011 | 22:15

als erstens: vielen Dank Frau Mously für den guten Artikel!

Leider gehören die von Ihnen angesprochenen Themen ja nicht gerade zu den gern publiziert und gelesenen und viel zu selten schafft ein Artikel, wie dieser es überhaupt in eine größere Presse oder Öffentlichkeit.

zweitens: stehen die "Gemeinschaftsunterkunft" Möhlau, sogenannte Gutscheine oder die Residenzpflicht exemplarisch für Teile eines komplexen Systems von Ein- und Ausschlußmechanismen, das im wesentlichen auf Abschreckung und der Verweigerung von Schutz abzielt, statt auf ein Recht auf Asyl. Und wie im Falle des Landkreis Wittenberg "bemüht" sich nicht nur die Ausländerbehörde des Landkreises besonders restriktiv gegen die dort lebenden Flüchtlinge vorzugehen, sondern herrscht auch im zuständigen Kreistag, also unter den politisch Verantwortlichen, ein erschreckendes Desinteresse an den von Ihnen zu verantwortenden unhaltbaren Zuständen. Institutionalisierter und alltäglicher Rassismus gehen hier ganz "vorbildlich" Hand in Hand.

drittens: möchte ich an dieser Stelle der unsäglichen "Schneeschippendebatte" ein Ende setzten mit folgender HintergrundInformation: Der vom Dorf Möhlau weg zum Lager Möhlau führende Betonweg existiert faktisch nicht, da nach Abzug der sowjetischen Streitkräfte weder die Komune Möhlau noch der Landkreis sich für diesen verantwortlich fühlte. Der Weg (der eigentliche eine ganz normale öffentliche Strasse sein sollte) wird daher weder instand gehalten noch im Winter beräumt. Quasi besitzt das Lager keine offizielle Anbindung an irgendeine Infrastruktur.

viertens: wer sich selbst ein detailierteres Bild von den möhlau Zuständen machen möchte, kann hier schauen:
www.ludwigstrasse37.de/nolager/bilder/moehlau-doku-2010.pdf
oder hier:
www.ludwigstrasse37.de/nolager/index.htm

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2011 | 07:27

Diese " das hat uns auch nicht geschadet" sind Argumente mit denen Eltern ihre Kinder schlagen. Und wenn ich mit dieser Ansicht ein Gutmensch bin, dann bin ich es gerne.
Wie ich mich überhaupt gerade frage, wann es in diesem doch anscheinend christlich geprägten Land zum Schimpfwort wurde, ein guter Mensch zu sein.

Ich bin sehr froh, dass ich mich 20 Monate um alte Menschen gekümmert habe. Auch wenn ich alles andere als einverstanden damit war, dass der Staat mich dazu zwang.

Die Kritik an der Berufsarmee bezieht sich im Übrigen hauptsächlich darauf, dass die Gefahr besteht, dass der Staat seine Armee mit Menschen "bestückt", die ansonsten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten. Also armes Kanonenfutter.

Gezeichnet

Gutmensch KalleWirsch

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2011 | 10:52

"Ich bin für Menschenrechte und Demokratie und diese Diktatoren nicht. Ist doch ganz einfach oder?"

-Während der Wehrpflichtzeit gelten die Grundrechte übrigens nur beschränkt. Und ich habs auch überlebt.-

-Das Geld der Steuerzahler reicht sogar für eine Markenzahnpasta. Ob man da noch kürzen könnte?-

-Können ja wieder gehen, keiner zwingt sie hier zu bleiben.-

Ich stelle fest, wir haben eine sehr unterschiedliche Vorstellung von Menschenrechten und Demokratie.

Biribinker 07.03.2011 | 01:59

HALLO???
was ist denn das bitte für eine Diskussion? Mandelbrot, Artois Co.... In solchen Heimen leben Menschen, miterleben mussten, wie Ihre Geschwister gefoltert und getötet wurden, der beste Freund oder die eigenen Eltern. Und das nur, weil sie, wie hier alle es so schön macht, offen ihre Meinung gesagt haben, oder weil sie zufälligerweise der "falschen" Ethnie angehören.
Und ihr redet über Zahnpasta? Schneeschaufeln? Fragt euch, ob es ein Waldweg ist oder doch geteert?
Deutsche Staatsbürger bekommen von ihrer Krankenkasse eine Psychotherapie bezahlt, weil ihre Eltern sich haben scheiden lassen, oder weil die anderen Kinder sie ausgelacht haben, in der Schule. Und da fragen sich hier ernsthaft Leute, ob dieses System nicht etwas mehr übrig haben sollte für Menschen, die schwer traumatisiert aus Kriegs- und Krisengebieten kommen? Seid ihr noch ganz sauber??
Kriegt ihr eigentlich noch überhaupt etwas mit? oder schaut ihr euch den ganzen Tag eure Fotos an von damals, als ihr 19 wart und "gedient" habt, und dieses Land so irre weit nach vorne gebracht habt, so dass wir uns jetzt alle Zahnpasta der extraklasse kaufen können?

Alien59 07.03.2011 | 08:55

Auch danke. Diese Denke besteht ja seit Jahren - und daher ist es auch möglich, Gesetze zu machen, die solche Übelstände wie diese Heime perpetuieren. Widerstand dagegen bringt keine nennenswerten Wählerzuwächse.

Wer einmal gesehen hat, wie dort Kinder leben, oder vergeblich auf ein Lebenszeichen eines trotz Protestes und Gefährdung abgeschobenen Menschen gewartet hat, verträgt diese Art von Häme nicht.

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mandelbrot 07.03.2011 | 19:11

HALLO???
was ist denn das bitte für eine Diskussion? Alien59, KalleWirsch, Goedzak und Co.... In solchen Heimen leben Menschen, miterleben mussten, wie Ihre Geschwister gefoltert und getötet wurden, der beste Freund oder die eigenen Eltern. Und das nur, weil sie, wie hier alle es so schön macht, offen ihre Meinung gesagt haben, oder weil sie zufälligerweise der "falschen" Ethnie angehören.
Und wir gewähren ihnen nun Unterkunft, Verpflegung und Schutz! Und nun? Die Flüchtlinge beschweren sie sich das niemand des Schnee wegräumt und die Internetverbindung zu langsam ist! Und ihr redet darüber wie schlimm der deutsche Staat angeblich ist! Sachmal gehts noch???

Biribinker 08.03.2011 | 10:25

Erstens würde ich bitten, dass Sie ein Zitat kennzeichnen und nicht einfach Teile meines Textes übernehmen für Ihren hirnlosen Schrott.
Denn zweitens: was soll das denn heißen: Die Umstände hier sind besser als die in den Herkunftsländern, und das macht sie gut? Jemandem einen Finger abhacken ist dann auch eine gute Sache, weil es ja noch schlimmer wäre, ihm einen Arm abzuhacken?
Ich habe die Szenerien einander gegenübergestellt, um zu zeigen, in was für einem wohlhabenden Land wir leben, mit wie viel Überfluss. Das vergessen wir nämlich oft. Und um zu demonstrieren, dass dieser fürchterliche deutsche Geiz gegenüber Menschen, denen es wirklich beschissen geht, ganz und gar nicht angebracht ist. Damit meine ich gar nicht nur Geld, denn mit dem Geld, das für sinnlose Verfahren ausgegeben wird und für die Betreiber solcher Heime, könnte man schonmal besser einsetzen: für anständige Unterkünfte, wo Menschen, die jahrelang hier leben, auch Kontakt haben können zur Außenwelt (und ob Sie es glauben oder nicht: die meisten dieser Leute würden gerne arbeiten, man lässt sie aber nicht). Sondern auch und vor allem Mitgefühl. Das scheint Ihnen und ihren seltsamen Brüdern hier in der Community aber sowieso zu fehlen.

schmidt 08.03.2011 | 15:46

Ich schlage vor alle Mandelbrots verschenken oder vernichten ihren deutschen Pass, trennen sich von ihren Besitztümern, packen eine kleine Reisetasche und begeben sich in die Migration in ein Land dessen Sprache sie nicht sprechen. Viel Spass!

Spass beseite, anstatt sich mit pöbelnden Rassisten in diesem Forum zu beschäftigen, empfehle ich diesen Aufruf zu lesen und zu unterstützen:

Freiheit statt Frontex -
Keine Demokratie ohne globale Bewegungsfreiheit

zu finden hier:
www.afrique-europe-interact.net/?article_id=429=0

Jan Pfaff 08.03.2011 | 16:44

Zum Begriff "Gutmensch" sehr empfehlenswert dieser Text von Christian Nürnberger aus dem SZ-Magazin:

"Nach der Definition unserer deutschen Tea-Party-Isten handelt es sich also bei Hessel um einen typischen Gutmenschen. Er war Mitglied des französischen Widerstands, wurde von der Gestapo gefoltert und überlebte das KZ. Schon damals hat es das Wort Gutmensch gegeben. Es wurde wohl von den Nazis gegen die Anhänger des Grafen Galen verwendet, die gegen die Tötung körperlich und geistig Behinderter gekämpft haben. Man sollte also künftig die Bezeichnung Gutmensch als Ehrentitel und Adelsprädikat führen..."

sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/35287

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2011 | 20:09

@Mandelbrot
Menschen werden in tiefster Not vor Verfolgung und Tod gerettet und die haben nichts besseres zu tun, als sich zu beklagen das die Internetverbindung schlecht ist? Irgendwas passt da ganz gewaltig nicht zusammen.

Du hast es wieder mal voll erfaßt, da paßt in der Tat irgend etwas ganz gewaltig nicht zusammen. Ich darf aus dem Artikel zitieren: "Die Internetverbindung ist mal wieder schlecht. Das liegt am Wind, sagt er, und an den hohen Bäumen überall. Doch der 38 Jahre alte Mann aus Benin hat Geduld. Schließlich geht es um seine Freiheit."
1. Die Internetverbindung ist schlecht.
2. Wantchoucou nimmt es geduldig hin.
Wie spricht schon Altmeister Goethe? "Wer lesen kann ist klar im Vorteil", spricht er.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2011 | 20:13

@Mandelbrot
@ Rahab
Tatsächlich? OMG und was für Fälle vertreten sie so? Männer die eine Kollegin im vorbeigehen ausversehen berühren auf sexuelle Belästigung verklagen?

Da denke ich in meiner Hybris manchmal, so schnell überrascht dich nichts mehr und dann, verflixt, passiert es halt doch.
Hätte ich eine Satire auf die mandelbrot'sche Argumentation zu schreiben gehabt, so hätte ich mich niemals getraut, ihm einen Satz wie den obigen in den - satirisch verzerrten - Mund zu legen. Nun ist zwar Mandelbrot der offizielle Vertreter des deutschen Stammtischs in der Freitags-Community, aber derart unterstes Stammtisch-Niveau hätte ich ihm dann doch nicht unterstellen wollen.
Nun hat er es selber gemacht und ich bin - wieder einmal - um eine 1 Illusion ärmer.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2011 | 20:15

@Mandelbrot
Nur weil man es häufig wiederholt, wird es dadurch nicht besser. Dieses Dogma "unser Lebensstandard basiert auf der Ausbeutung der Entwicklungsländer" stimmt wenn überhaupt nur sehr begrenzt.

Seit der portugiesische Infant Heinrich der Seefahrer die ersten Schiffe ausgeschickt hatte, die Küsten Afrikas zu erkunden und den östlichen Seeweg nach Indien zu finden - das ist inzwischen auch schon wieder fast 600 Jahre her, Kinder, wie die Zeit vergeht - haben Europa und später Nordamerika mehr als die halbe Welt aufgemischt und in vielen, vielen Ländern das Unterste zuoberst gekehrt. Soziale Strukturen wurden zerschlagen oder drastisch verändert, die Länder wurden in Besitz genommen und die Reichtümer der Länder außer Landes geschafft - Bodenschätze, Nahrungsmittel und das Kostbarste: menschliche Arbeitskraft, vulgo Sklaven.
Als ich ein Kind war, gab es die Misereor-Sammlungen (es gibt sie immer noch), ich erfuhr von den hungernden und verhungernden Menschen in Indien und Afrika, denen wir etwas von unserem Reichtum abgeben sollten, auf daß sie nicht länger verhungerten. Ich war berührt von dem Elend und spendete gerne meinen bescheidenen Beitrag für diese armen Menschen. Etwas älter geworden hörte ich von der staatlichen Entwicklungshilfe für diese armen Länder und ich fand es in der Ordnung, daß hier großzügig geholfen wurde. Wenn wir reich sind und diese Leute bitterarm, dann müssen wir sie halt miternähren.
Irgendwann aber kam der Punkt, an dem ich hinreichend viel über die Erde und ihre Beschaffenheit wußte. Was dazu führte, daß ich "Nanu?" sagte. "Nanu?" und "Da stimmt doch was nicht."
Der Großteil der armen Hungerländer liegt nämlich in Weltgegenden, die von Gott (damals glaubte ich noch an Gott) mit reicher, überreicher Fruchtbarkeit gesegnet sind. Und dort hungern und verhungern Menschen.
Kaffee, das wußte ich, kommt unter anderem aus Brasilien, er ist hier wohlfeil zu haben. Für wenig Geld kannst du dir einen hervorragenden Kaffee aufbrühen. Nun las ich aber, daß der normale Brasilianer Kaffee von der allerbilligsten (im doppelten Sinne des Wortes) Sorte trinkt. Nicht, weil er diese scharfe, gemeine Sorte bevorzugt, sondern weil sein Geldbeutel nicht mehr hergibt.
Was soll ich mehr erzählen... Nicht wir füttern diese armen Länder durch, sondern diese uns.
www.youtube.com/watch?v=kzXtRbTcjDI
Wer nicht ausreichend Spanisch versteht, der findet hier unter dem spanischen Originaltext die englische Übersetzung.

Folgt man dieser, so müsste man jeden aufnehmen der kommen will, also auch Wirtschaftsflüchtlinge.

Ich versuche mir vorzustellen, wie verzweifelt ein Mensch sein muß, der als Neger und Habenichts nach Deutschland kommt.
Ich schaffe es nicht.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2011 | 20:20

@Jan Jasper Kosok
Ich möchte mal darauf hinweisen, "wie" ich das editiert habe. Als kleiner Hint zu meiner persönlichen Meinung ...

Ich darf dich also hiermit feierlich in die Gemeinschaft der "Ars-gratia-artis-Sager" aufnehmen.
Der vornehme Mensch vermeidet überhaupt grobe Wörter.
"Der Franze hat gsagt, als Schauspieler wär der Charles Bronson ja nicht schlecht gewesen, aber man sagt so was einfach nicht. "Pieseln" sagt er, geht grad noch, aber "Wasser lassen" wär halt doch vornehmer."
Und:
"Der Franze hat gsagt, es wär erschreckend, mit welchen kackordinären, scheißgemeinen, Ausdrücken die jungen Leut um sich werfen. Das sind, sagt er, dermaßen gescherte Rammeln, richtiggehend verbrunzte Arschlöcher."

Ciao
Wolfram

GeroSteiner 09.03.2011 | 23:20

@Mandelbrot
"Gibt es doch so etwas wie die deutsche Leitkultur (...)"

Scheint doch eher eine Leidkultur ohne Anlass zu sein.

Ich gebe zu, Ihre Argumentationskette ist mir irgendwie zuwider und ich bin nicht wirklich in der Lage darauf sachlich zu antworten.

Nehmen Sie nur eines mit: Das was Rahab schreibt hat für mich allein deshalb Bestand, weil sie als Einzige hier nicht mutmaßt, sondern weiß, wovon sie schreibt. Alles andere ist purer Populismus und Antimigrationspropaganda.

Wieviel Zuwanderer brauchen wir nochmal pro Jahr, damit unsere Rente überhaupt noch finanzierbar ist?

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mandelbrot 09.03.2011 | 23:35

@ Wolfram Heinrich

Lol, naja ich geb zu die Diskussion ist hier ein bißchen aus dem Ruder geraten. http://www.smileygarden.de/smilie/Schleifchen-Girls/smilie_girl_266.gif
Rahab als Anwältin und damit in einem Prozess wo ein Ausgleich zwischen zwei Seiten hergestellt werden soll, kann ich mir trotzdem nicht vorstellen. Zu unversöhnlich tritt sie auf. Aber vielleicht ist das ja in der Realität anders.

@ Gero Steiner

"Wieviel Zuwanderer brauchen wir nochmal pro Jahr, damit unsere Rente überhaupt noch finanzierbar ist?"

Nun... laut NDS und Co gar keine. Das wird alles durch den Produktivitätsfortschritt aufgefangen... sie wissen schon.

claudia 09.03.2011 | 23:46

>>Wieviel Zuwanderer brauchen wir nochmal pro Jahr, damit unsere Rente überhaupt noch finanzierbar ist?
Bis zum Jahre 2100 muss die Bevölkerungsdichte sich mindestens verdoppeln. Aber die müssten nicht einfach da sein, sondern ordentlich verdienen, sonst können sie ja keinen Beitrag einzahlen. Und das können auch immer mehr Einheimische nicht mehr. (Die GDL tut ja immerhin was für die Rentenbeiträge, aber das ist ein anderes Thema)

---
Wir können aber auch mal darüber nachdenken, wie weit die Industriestaaten für Fluchtursachen in den Herkunftsländern sorgen. Eventuell können wir mit Änderungen bei uns zum Abbau der Fluchtursachen beitragen.
Das hielte ich für die bessere Lösung, denn alle können ja eh nicht her kommen...

mahung 10.03.2011 | 01:24

Der Artikel ist gut und speziell Mandelbrot hat (mal wieder) ein Lese-Verständnis-Problem, wie Wolfram Heinrich schon sezierte. Die "nationalliberale Boygroup" (Goedzack) tut der Autorin Unrecht. Zum Glück habe ich diesmal erst den Kommentarstrang gelesen und dann den eigentlichen Text von Frau Mously. Sehr erhellend. Dazu passt, auch wenn in anderem Zusammenhang zusammengekloppt, meine polemisch gereimte Einlassung von, na ja, neulich erst:

gesittet trinkt und isst, der mitteextremist

er hasst und hetzt
gewählten wortes
liest bücher
oder schreibt sie gleich
gut ausgebildet
geht das hassen
galant, fluffig und vor allem leicht

die neger und islamerergören
die sozialschmarotzer faulster sort
zerstören unser schönes land
es graust dem ängstlich mittelstand

lasst keinen rein
schickt jeden raus
die arbeitslosen - interniert sie
das sie´s lernen, die ...

wer nicht in arbeit
soll auch nicht essen
auch nicht heizen soll der (na ja) mensch

alkohol, tabak gestrichen
da frohlockt der mittelstand
Sucht und spaß nur für betuchte
auch besser so
fürs ganze land

das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
schlechte gene seien als solche auch benannt
armut und dummheit sind halt erblich
so wie der hass im mittelstand

hauen, stechen, schlagen, morden
davor graust dem mittextremist
für´s grobe gibt´s ja andere horden
die machen dann den nächsten schritt

Erstveröffentlicht dort:

www.freitag.de/community/blogs/mahung/polemisches-gereime-teil-v

Und den Kommentar eines weinerlichen Verfolgten des "linken Demokratursystems der Gutmenschen BRD" fing ich auch noch ab.

Sehr gut auch der Lese-Tipp von Jan Pfaff zum Thema "Gutmensch" weiter oben ...

GeroSteiner 10.03.2011 | 13:13

@Wolfram
Entschuldigung Wolfram! Hiermit werfe ich mich öffentlich in den Staub.

Ich hätte nie gedacht, dass mir das je passieren würde. Jetzt doch. Himmiherrgottsakramentsefixallelujamilextamarscheißglumpvaregtznochamol.

Eine Erklärung - keine Entschuldigung - könnte sein, dass ich in meinem Umfeld wesentlich mehr Wolfgänge als Wolframs kenne. Du bist der einzige Wolfram, und ich kenne Dich nicht mal.

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mandelbrot 10.03.2011 | 17:58

Okay, ich habs oben schon mal erwhnt, die Diskussion ist hier ein bichen aus dem Ruder geraten. Auch wenn der Artikel hier inzwischen aus dem Blickfeld geraten ist, will ich ein paar Aussagen von mir revidieren bzw. ergnzen:

- Tatsächlich wusste ich beim lesen des Artikels nicht, das ein Asyl beinahe unbegrenzt lange dauern kann. Ich dachte irgendwann wird man automatisch in die deutsche Staatsbürgerschaft "überführt". Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein wie ich herausfand als ich mich näher informierte.
Diese Regelung finde ich äußerst unzureichend. Nach einem bestimmten Zeitraum beispielsweise fünf oder acht Jahren sollte jeder Flüchtling die Möglichkeit erhalten die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen.
Die Leute jahrezehntelang in solchen Heimen leben zu lassen, scheint mir keine zufriedenstellende Lösung zu sein. Auch ökonomisch macht es Sinn ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit zu geben, denn dann könnten sie für ihren Lebensunterhalt selber sorgen.

- Tatsächlich finde ich zumindest die Zustände im angesprochenden Heim nicht zufriedenstellend. Meine Reaktion "Ansonsten siehts ganz nett aus. Das Geld der Steuerzahler reicht sogar für eine Markenzahnpasta. Ob man da noch kürzen könnte? Sollte man mal überdenken." auf die Links mit den Fotos, erschien mir die einzigmögliche um argumentativ angesichts der Zustände in diesem Heim nicht in die Defensive zu geraten. Ich gebe zu: So sollte man keine Menschen leben lassen.

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rahab 10.03.2011 | 20:09

zu guter letzt möchte ich auf einen weiteren zusammenhang aufmerksam machen, nämlich diesen:
die unterbringung von asylsuchenden in solchen und ähnlichen erstaufnahmeeinrichtungen, übergangswohnheimen und wie die teile sonst noch heißen und die bedingungen des asylbewerberleistungsgesetzes, was den zugang zu medizinischer/therapeutischer versorgung/die bewegungsmöglichkeiten anbelangt, beeinträchtigen asylsuchende in ihrer mitwirkungsfähigkeit im/am asylverfahren.
und asylverfahren ist überhaupt nicht einfach....

auch ein flüchtling, der sich so verhält, wie das mal einem vernünftigen menschen/verfolgten vom BVerfG zu getraut wurde, nämlich: sich der verfolgung durch flucht zu entziehen, sobald sie droht, und nicht erst noch abzuwarten, ob und wie traumatisierend sie ausfällt, wird unter solchen lebensbedingungen depressiv (nach der anfänglichen euphorie)
ein_e depressive_r jedoch ist nur noch selten in der lage, sein/ihr verfolgungsschicksal so ausführlich und lückenlos und glaubhaft vorzutragen, wie dies erwartet wird

kurzum: solche 'heime' wirken asylverhindernd

dame.von.welt 10.03.2011 | 20:43

Und wie denken Sie, @Mandelbrot, heute über Ihre Aussage: 'Wieso nicht wehren? Können sie doch. Können ja wieder gehen, keiner zwingt sie hier zu bleiben.'?
Oder über: 'Ich musste auch 9 Monate dieses Schicksal erleiden. Während der Wehrpflichtzeit gelten die Grundrechte übrigens nur beschränkt. Und ich habs auch überlebt.'?
Ich frage mich auch, wo wohl Ihre Bitte um Entschuldigung an Rahab bleiben mag?

Rahab ist die Einzige hier, die sehr genau weiß, wie die Praxis der ohnehin zur Unkenntlichkeit verstümmelten Asylgesetzgebung aussieht. Was so alles kein Asylgrund ist. In welchen Zuständen Flüchtlinge hier ankommen und nullkommanull psychotherapeutische oder andere Hilfen bekommen. Was es mit Kindern macht, die immer mal wieder versuchsweise abgeschoben werden sollen. Wie wenig Geld Flüchtlinge zur Verfügung haben, ohne jede legale Möglichkeit, zu arbeiten. Welche Konflikte entstehen, wenn Flüchtlinge aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen nach womöglich traumatischen Erfahrungen von Folter, Krieg etc. unter unwürdigsten Bedingungen auf engem Raum zusammengepfercht werden.

@Mandelbrot, es erscheint mir wirklich ehrenwert, daß Sie einige Ihrer Aussagen nachträglich korrigieren.
Zur Änderung meines Eindrucks, daß es Ihnen (aus der Auseinandersetzung in Ihrem Blog www.freitag.de/community/blogs/mandelbrot/pid--ja-bitte-ein-plaedoyer-fuer-genetische-verbesserungen#comment-238829 ) nicht gerade darum geht, 'das Individuum in den Mittelpunkt' zu stellen, reichen Ihre Ergänzungen nicht wirklich.

Bitte verstehen Sie mich auch nicht miß, ich möchte Sie nicht schulmeistern oder nötigen oder vorführen, aber ich war noch nie so froh um Wolfram Heinrichs Kommentare. Ich hätte Ihnen nichts dazu schreiben können, was nicht hätte gelöscht werden müssen.

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mandelbrot 11.03.2011 | 02:45

@ dame.von.welt schrieb am 10.03.2011 um 19:43

Eigentlich will ich hier das Faß nicht von neuem aufmachen. Auf ihre Fragen gehe ich dennoch kurz ein.
Oder über: 'Ich musste auch 9 Monate dieses Schicksal erleiden. Während der Wehrpflichtzeit gelten die Grundrechte übrigens nur beschränkt. Und ich habs auch überlebt.'?
Wenn wir unseren Kindern eine vorübergehende Einschränkung der Grundrechte zumuten, dann kann man es auch bei Asylsuchenden "billigen"- in einem gewissen Rahmen. Darauf wollte ich hinaus.
Ich frage mich auch, wo wohl Ihre Bitte um Entschuldigung an Rahab bleiben mag?

Rahab ist die Einzige hier, die sehr genau weiß, wie die Praxis der ohnehin zur Unkenntlichkeit verstümmelten Asylgesetzgebung aussieht. Was so alles kein Asylgrund ist. In welchen Zuständen Flüchtlinge hier ankommen und nullkommanull psychotherapeutische oder andere Hilfen bekommen. Was es mit Kindern macht, die immer mal wieder versuchsweise abgeschoben werden sollen.
Eine Entschuldigung wird es von mir an Rahab nicht geben. Ich nehme sie nicht ernst und sie mich umgekehrt vermutlich auch nicht. Ihre Beiträge sind stets polemisch, stets angreifend, nie von dem Willen nach Sachlichkeit oder einem Diskurs geprägt.
Mag sein, das mir einige dies bei meinem Beiträgen auch vorwerfen, aber wir sprechen ja gerade nicht über mich.
Meinetwegen ist Rahab vom Fach, eine neutrale Beobachterin ist sie deshalb noch lange nicht. Vermutlich hätte mich Rahab mit zwei, drei konkreten Beispielen aus ihrer Arbeitswelt an die Wand argumentiert und ich hätte NICHTS mehr schreiben können.
Hat sie aber nicht. Stattdessen wie immer diese selbstgefällige, polemische Argumentationsweise.
In welchen Zuständen Flüchtlinge hier ankommen und nullkommanull psychotherapeutische oder andere Hilfen bekommen. Was es mit Kindern macht, die immer mal wieder versuchsweise abgeschoben werden sollen. Wie wenig Geld Flüchtlinge zur Verfügung haben, ohne jede legale Möglichkeit, zu arbeiten. Welche Konflikte entstehen, wenn Flüchtlinge aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen nach womöglich traumatischen Erfahrungen von Folter, Krieg etc. unter unwürdigsten Bedingungen auf engem Raum zusammengepfercht werden.
Nun ja, ich habs oben schon mal angesprochen:
Es ist halt komisch, wenn sich die Flüchtlinge in einer solch existenziellen Not befinden sollen und sich dann beschweren das die Internetverbindung schlecht ist.
Zu zweit oder ggf. zu viert in einem Zimmer zu leben, halte ich für einen gewissen Zeitraum (nicht für immer!) für zumutbar.
Mandelbrot, es erscheint mir wirklich ehrenwert, daß Sie einige Ihrer Aussagen nachträglich korrigieren.
Zur Änderung meines Eindrucks, daß es Ihnen (aus der Auseinandersetzung in Ihrem Blog www.freitag.de/community/blogs/mandelbrot/pid--ja-bitte-ein-plaedoyer-fuer-genetische-verbesserungen#comment-238829 ) nicht gerade darum geht, 'das Individuum in den Mittelpunkt' zu stellen, reichen Ihre Ergänzungen nicht wirklich.
Naja. Man muss immer beides machen, nicht wahr. Man kann nicht nur schauen das die Einzelintressen gewahrt bleiben. Ein Reicher will möglichst wenig Steuern zahlen, das ist verständlich. Erfüllt man ihm nun sein Einzelintresse, hat aber das Gemeinwesen kaum Geld zur Verfügung.
Verweigert man Wirtschaftsflüchtlingen die Einreise, verstößt man auch gegen deren Einzelintresse. Und dennoch kann es gute Gründe geben das zu tun, z.B. weil wir einfach nicht die Kapazität haben.
Bitte verstehen Sie mich auch nicht miß, ich möchte Sie nicht schulmeistern oder nötigen oder vorführen, aber ich war noch nie so froh um Wolfram Heinrichs Kommentare. Ich hätte Ihnen nichts dazu schreiben können, was nicht hätte gelöscht werden müssen.
Nein nein, das ist schon okay. Ich sage ja selber: Einige Aussagen in diesem Thread waren von mir nicht okay. Dazu stehe ich.
Ich wiederhols nochmal:
Flüchtlinge sollten nach einigen Jahren eingebürgert werden. Die Unterbringung im oben genannten Heim ist unwürdig.

Sara Mously 11.04.2011 | 23:05

Schlechte Nachrichten für die Asylbewerber: Sie müssen vorerst in Möhlau bleiben. Der Kreistag hat dagegen gestimmt, dass die Bewohner zur Hälfte in Wohnungen und zur Hälfte in eine neue, kleinere Gemeinschaftsunterkunft im Wittenberger Stadtteil Piesteritz ziehen dürfen. Stattdessen soll "geprüft" werden, ob man das alte Möhlauer Lager sanieren könne. Beide, die alte und die neue Unterkunft werden vom selben Betreiber angeboten, der "KVW Beherbergungsbetriebe GmbH".
Der Kreistag traf seine Entscheidung entgegen alle wirtschaftliche Vernunft: Die KVW wollte für die neue Unterbringung 9,12 Euro pro Person und Tag (in Wohnungen) bzw. für 10,21 Euro (in der Gemeinschaftsunterkunft) berechnen. Sollte der Betreiber die ehemalige Kaserne in Möhlau sanieren müssen, will er die Miete von bisher 7,18 auf künftig 10,71 Euro erhöhen. Der notorisch klamme Kreis zeigt sich damit bereit, jährlich 76 285 Euro zusätzlich auszugeben, um die Ausländer aus der Stadt und aus den Wohnsiedlungen fern zu halten.
Es bleibt noch abzuwarten, ob das Landesverwaltungsamt Dessau dem Beschluss zustimmt, erst dann wird er rechtskräftig. Die Bewohner können noch darauf hoffen, dass das Amt die Entscheidung des Kreistags ablehnt, weil es sie für unwirtschaftlich oder rechtswidrig befindet.