Warum gehen immer mehr Banken in die Knie, Herr Giegold?

Nachgefragt Die Finanzkrise spitzt sich zu. Trotzdem stieg erneut der Ifo-Geschäftsklima-Index zum dritten Mal in Folge - woher kommt dieser Optimismus? Es ...

Die Finanzkrise spitzt sich zu. Trotzdem stieg erneut der Ifo-Geschäftsklima-Index zum dritten Mal in Folge - woher kommt dieser Optimismus?
Es dauert eine Weile, bevor Finanzkrisen die Realökonomie erreichen. Der Weltwährungsfonds, die Bundesbank und die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute haben zuletzt ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Es gibt deutliche Anzeichen, dass die Kredite knapp werden. Auf jeden Fall wird die Krise massiv Arbeitsplätze kosten und die öffentlichen Haushalte belasten.

Warum gelingt es den Notenbanken nicht, den Markt zu stabilisieren?
Das Vertrauen ist weg, auch wenn die Notenbanken die Zinsen senken und für Liquidität sorgen. Wenn zu befürchten ist, dass Banken zahlungsunfähig werden, helfen Zinssenkungen nicht länger. Solange man nicht weiß, welche Institute alle betroffen sind, verschärft sich die Krise stetig.

Sehen Sie damit das aktuelle Weltwirtschaftsmodell als gescheitert an?
Ja, die Politik einer Marktöffnung, die auf soziale und ökologische Regeln verzichtet, steht vor einem Scherbenhaufen. Märkte ohne strenge Regeln funktionieren halt nicht.

Ist eine Renaissance des Keynesianismus zu erwarten?
Keynes glaubte an die Vorteile internationalen Handels, stand aber der Öffnung der Finanzmärkte skeptisch gegenüber. Er wusste, dass diese zu Krisen neigen. So gesehen brauchen wir eine Renaissance von Keynes, um die Finanzmärkte in ihre Schranken zu weisen und sie im Verhältnis zur Realwirtschaft wieder schrumpfen zu lassen.

Welche Maßnahmen schlagen Sie dazu vor?
Wir müssen neue Steuern erheben - auf den Kapitalverkehr, den Börsenumsatz und die internationalen Devisengeschäfte. Nur so ist die radikale Deregulierung der Finanzmärkte rückgängig zu machen. Wünschenswert wäre es auch, Steueroasen zu schließen - etwa die britischen Cayman-Inseln. Wenn der Kapitalismus schon nie völlig ohne Krisen funktioniert, dann sollten diese wenigstens seltener auftreten und schwächer ausfallen.

Ist denn die Bereitschaft zu solch einer Politik in den vergangenen Monaten gestiegen?
Grundsätzlich schon. Wichtig erscheint mir, selbst dann zu handeln, wenn nicht gleich alle Länder mitziehen. Staaten, die sich jetzt einer Regulierung verweigern, sollten dies zu spüren bekommen, indem man den freien Kapitalverkehr mit ihnen einschränkt.

Das Gespräch führte Stephan Depping.

Sven Giegold ist Sprecher von Attac Deutschland.

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00:00 04.04.2008

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