Warum Lesben wie Männer aussehen

Gender Lesben eignen sich nicht Männlichkeit an – Lesben machen, was sie wollen
Warum Lesben wie Männer aussehen
Wer denkt, dass Lesben sich Männlichkeit aneignen, hat nicht verstanden, was „Männlichkeit“ eigentlich ist

Foto: Bertrand Guay/AFP/Getty Images

Ich wurde kürzlich gefragt: Gibt es in der Szene eigentlich auch, na ja, so wirkliche Frauen? Eine Variante von: Klar, du bist lesbisch, ist cool, aber warum kannst du dich nicht normal anziehen? Warum machen Lesben sich extra hässlich? Warum wollen Lesben wie Männer aussehen? Warum wollen Pferde so gern Eidechsen sein, warum Dortmunder lieber HSV-Fans?

Haha, ich weiß. Die Verwechslungen sind blöd. Wie oft habe ich gedacht, vor mir in der Café-Schlange steht eine gut angezogene lesbische Frau, und dann war’s plötzlich ein ziemlich gut angezogener 17-jähriger Junge. Tausend Millionen Mal.

Aber wer denkt, dass Lesben sich Männlichkeit aneignen, hat bisher nicht verstanden, was „Männlichkeit“ eigentlich ist. (Spoiler, angeborene Essenz ist nicht gemeint.) Männlichkeit ist: Wenn deine Kleidung so gemacht ist, dass sie dir viel Platz bietet und anderen wenig Gelegenheit, dich zu beschämen. Wenn deine Größe S größer ist als eine Frauen-XL. Wenn die für dich gesellschaftskonforme Art, sich zu bewegen, zu sitzen, zu kommunizieren, zu agieren, selbstverständlich nach Raum greift. Wenn das, was als natürlich für dich gilt, dir ein Gefühl von Freiheit, Souveränität, Kompetenz, Stärke usw. gibt. Und andere mit der gleichen Art unangenehm auffallen. Oder dafür angegriffen werden.

„Lesben“ (die, die du auf der Straße als solche ausmachst) wollen nicht wie Männer aussehen. Lesben wollen keine Männer sein. „Wirkliche Frauen“, die mit „Lesben“ zusammen sind, wollen nicht eigentlich mit Männern zusammen sein. „Lesbe“ ist keine sich abmühende, aber ewig scheiternde schlechtere Version von „Mann“. Denn das ist die Idee hinter dem ganzen „wie Männer“.

Die typische Lesbe holt sich alles, was sie geil findet, weil sie’s kann. Sprich: auch, ganz krass, geltende Beautynormen ablehnen, wenn sie Bock drauf hat. Oder nicht oder ein bisschen, alles geht. Selbst das geht, woran das Etikett „männlich“ noch dranklebt. Das klebt aber eh an immer weniger exklusiv dran, und an immer mehr kleben auch andere Etiketten oder keine. Dabei bester Fall: Keiner hat weniger Platz, nur die anderen genauso viel. Muss man aber mal rechnen, wie das hinhauen kann.

Und ich weiß, ich weiß: Läuft da nicht gerade was Feministisches gegen breitbeiniges Sitzen? Dann müssen aber auch Lesben …!!! Yes. Equal rights, equal duties, in der vollen Bahn nur ein einziger Sitz pro Person. Auch Lesben werden sich in Zukunft zusammenreißen müssen. Und das, obwohl sie wirkliche Frauen sind.

06:00 06.10.2017

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