Was Schröder und Walser nicht alles in der Hand halten

DER ZEITUNGSLESER Focus

Wer den Focus dieser Woche aufschlägt, hat die politische Situation des Hier und Heute Deutschlands vor Augen.

Zunächst in Gestalt des Bundeskanzlers, der über einem weißen Unterkleid eine rote Toga trägt, die ihn in einen römischen Kaiser verwandelt, einen Lorbeerkranz auf dem Haupt. Den goldenen Stab, den seine Linke umfasst, schmückt ein Reichsadler.

Die nächste Seite zeigt geographisch Deutschland in seiner Länderstruktur - der Norden bis zum Main ist rot oder rotschraffiert, darunter im Süden tief schwarz Bayern, Hessen, Baden-Württemberg. Ein Land Preußen existiert auch auf dieser Karte nicht mehr. Des neuen Reiches alte Hauptstadt liegt in einem rot gestrichelten Gebiet gleich anderen Gebieten, »die auf Schröder eingeschwenkt sind«. Es könnte auch heißen: die von Schröder eingekauft worden sind.

Demnächst wird die zehnte Wiederkehr der Herstellung der Reichseinheit (minus beträchtlichen Ostgebieten) gefeiert. Dass der »Altkanzler« Kohl die Herstellung der Einheit nach Preisgabe der DDR durch Russland klüglich ausgenützt hat, wird ihm niemand absprechen, jedoch der derzeitige Präsident des Bundesrates, Biedenkopf, hat ihn nicht auf die Rednerliste für die Feier des Jubiläums gesetzt.

Das dürfe so nicht bleiben, meint der zum Träger der deutsch-nationalen Fahne mutierte Schriftsteller Martin Walser. Ganz unrecht hat er nicht. Soll Kohl im Plenum sitzen und zuhören, wie ein anderer, wie andere die Einheit feiern?

Was Spiegel-Leser von dem Streitgespräch dachten, in dem der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba über eine eheähnliche Verbindung homosexueller Paare gesagt hat: »Ein Schritt in die Degeneration«, hätte er eine Woche später im Spiegel lesen können - zum Beispiel: »Gut gemacht, Herr Dyba! Willkommen im Mittelalter (...), wir sehen uns in der Hölle.«

Zu diesem Treffen kann es nicht kommen; an dem Montag, an dem die einschlägigen Leserbriefe im Spiegel standen, war der Erzbischof in Fulda gestorben.

Nur für kurze Zeit!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Freitag-Abo mit dem neuen Roman von Jakob Augstein Jetzt Ihr handsigniertes Exemplar sichern

Print

Erhalten Sie die Printausgabe zum rabattierten Preis inkl. dem Roman „Die Farbe des Feuers“.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag zum Vorteilspreis und entdecken Sie „Die Farbe des Feuers“.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden