Robert Misik
Ausgabe 1113 | 15.03.2013 | 14:02 8

Was verdient Winterkorn?

Vermögen Der Historiker Hans-Ulrich Wehler und der US-Starphilosoph Michael Sandel erforschen Ungleichheit und Gerechtigkeit. Zwei Anleitungen, die richtigen Fragen zu stellen

Was verdient Winterkorn?

Foto: Kirill Kudryavtsev/ AFP/ Getty Images

Wenn er in Harvard seine Vorlesungen hält, sind oft über tausend Studierende im Saal – und Hunderttausende weltweit sind online dabei oder sehen die Vorträge später auf Youtube. Spricht er in Peking oder Shanghai, sind die Säle ebenfalls voll. Michael Sandel ist der große Star der zeitgenössischen Philosophie. Die Zeit nannte ihn unlängst den „wohl populärsten Professor der Welt“. Und wenn man sein Buch Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun liest, versteht man, warum das so ist. Es ist eine fulminante Anleitung dazu, die richtigen Fragen zu stellen – zu Themen, die uns in der täglichen politischen Diskussion anspringen.

Nehmen wir nur die Schlagzeilen der vergangenen Tage. VW-Chef Martin Winterkorn streicht ein Jahreseinkommen von 14,5 Millionen Euro ein. Gewerkschafter und andere Linke fordern für Einkommensmillionäre wie Winterkorn hohe Spitzensteuersätze, und da Winterkorn natürlich nicht nur zu den Top-Verdienern, sondern wohl auch zu den Top-Vermögensbesitzern zählt, wäre er auch einer jener, der einiges an Vermögensabgabe bezahlen müsste, würde sie denn eingeführt werden.

Wir neigen heute dazu, solche Fantasiegehälter als ungerecht anzusehen. Aber warum überhaupt? Und sind „Gerechtigkeitsdebatten“ immer wirkliche „Gerechtigkeitsdebatten“, oder kommt da auch anderes ins Spiel? Michael Sandel macht das systematische Nachdenken über solche Fragen zu einer intellektuell vergnüglichen Sache.

Auf den ersten 300 Seiten liest sich Sandels Buch wie eine populäre Einführung in Ethik und Moralphilosophie. Er referiert die unterschiedlichsten theoretischen Konzepte. So etwa die des „Libertarianismus“, der an Einkommen wie dem von Winterkorn nichts Kritikwürdiges sieht. Winterkorn ist ein freier Mensch. Die Aufsichtsräte, die mit ihm seine Verträge aushandelten, sind auch freie Menschen. Die Konsumenten, die offenbar Autos von VW so schätzen, sind auch freie Menschen, und ebenso ist es die Besitzerin des Friseurladens, in dem sich Herr Winterkorn die Haare schneiden lässt. Auch die Angestellte des Friseurladens ist es. Freie Menschen schließen untereinander einen Vertrag. Die Konsumenten sind offenbar bereit, viele Autos zu hohen Preisen zu kaufen. Die Aufsichtsräte sind offenbar bereit, Herrn Winterkorn 14,5 Millionen zu bezahlen. Herr Winterkorn ist bereit, für dieses Geld zu arbeiten. Die Friseurladenbesitzerin ist wiederum bereit, ihrer Friseurin 800 Euro im Monat zu bezahlen. Und die ist bereit, für dieses Geld zu arbeiten.

Was also soll daran ungerecht sein? fragt der Libertarianismus. Schließlich haben freie Menschen ohne Druck und vollständig informiert rechtlich korrekte Verträge geschlossen – und die Einkommensverteilung ist eben das Ergebnis davon. Wenn die Abläufe korrekt waren, dann ist auch das Ergebnis gerecht. Das heißt natürlich nicht, dass es in irgendeiner Weise moralisch erstrebenswert ist. Es sagt nichts darüber aus, ob Herr Winterkorn in irgendeinem eminenten Sinne „verdient“, was er verdient. Aber das ist für Gerechtigkeitstheorien dieser Art ja auch nicht die Frage.

Keine echte Freiheit

Würde man Herrn Winterkorn auf eine Weise besteuern, die über das Maß hinausgeht, das für die Finanzierung minimaler Staatsaufgaben hinausgeht, wäre das doch ungerecht, sagt der Libertarianismus. Insbesondere dann, wenn man das Geld von Herrn Winterkorn zugunsten der Friseuse umverteilt. Nun würden die Gewerkschafter, die hohe Spitzensteuersätze verlangen, mehrere Einwände formulieren. Etwa, dass es einen „gerechten Lohn“ gäbe, den die Friseurin eben nicht erhält. Möglicherweise würden sie aber auch einwenden, dass die Einkommen nicht wirklich durch „freie“ Verträge zustande kommen. Herr Winterkorn handelt sein Gehalt mit Aufsichtsräten aus, die selbst irgendwo Manager sind und damit mit ihm unter einer Decke stecken. Die Friseurin handelt ihren Vertrag nicht frei aus, sondern ist von der Aussicht auf Arbeitslosigkeit so gepeinigt, dass sie nehmen muss, was sie kriegen kann. Zudem würden sie anmerken, dass Herr Winterkorn an staatlichen Universitäten zu einem solch genialen Manager ausgebildet wurde, und auch seine Ingenieure wurden vom Staat ausgebildet, weiters würde niemand seine Autos kaufen, wenn der Staat nicht Autobahnen und Straßen baut – seine Steuern sind aus dieser Sicht nur „Gebühren“ für all das. Aber höchstwahrscheinlich würden die Gewerkschafter auch hinzufügen, dass eine sehr ungleiche Einkommensverteilung nachteilige Wirkungen auf die Volkswirtschaft und damit auf die Wohlfahrt aller hat, und damit Umverteilung zum Vorteil von allen (oder fast allen) wäre.

Dieses Argument ist aber nicht im strengen Sinne eines, das Gerechtigkeitsfragen diskutiert, sondern eines, das Fragen der Nützlichkeit aufwirft. Nützlichkeitsfragen können gewiss mit Gerechtigkeitsfragen verbunden sein, das ist es, was der Utilitarismus betont: Wenn es nützlich ist, das Glück von Herrn Winterkorn ein wenig zu schmälern, um das Glück von tausend Friseusen zu steigern, dann ist das auch gerecht. Schließlich ist Herr Winterkorn nur einer, die Friseurinnen sind tausend.

Aber dieses Argument steht natürlich auf wackeligen Beinen. Denn stellen wir uns vor, das Glück der tausend Friseurinnen würde gesteigert, indem wir Herrn Winterkorn erwürgen. Würden wir das dann als gerecht ansehen? Würde das Glück der vielen Friseurinnen das Unglück des einen Herrn Winterkorn rechtfertigen? Wir würden, mit Recht, daran zweifeln.

Ungebremste Habgier

Wir sehen schon, die Frage von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit wirft interessante Fragen auf, auch wenn an der wachsenden Ungleichheit kein Zweifel besteht. Deren Ausmaß in den westlichen Gesellschaften ist für Hans-Ulrich Wehler „einer der dramatischsten Vorgänge der modernen Zeitgeschichte“. Vor allem die Top-Eliten, wie etwa Vorstände der deutschen Dax-Unternehmen, haben ihre Einkommen auf eine Weise zu steigern vermocht, die den 81-jährigen Doyen der deutschen Gesellschaftsgeschichtsschreibung zu dem Urteil kommen lässt: „In der neueren Geschichte findet sich keine Berufsklasse, die mit derart ungebremster Habgier ihrem Drang nach Einkommens- und Vermögenssteigerung nachgegeben hat.“ Wehler hat so ziemlich jede Statistik und Studie durchgeackert, die greifbar war. Die Top-20-Prozent der Einkommensbezieher konzentrieren knapp 40 Prozent aller Einkommen. Tendenz steigend, während die Niedrigverdiener seit Jahren reale Einkommensverluste hinnehmen müssen. Viel krasser ist die Ungleichheit der Vermögensverteilung. Konzentrierten die reichsten zehn Prozent vor 40 Jahren erst 44 Prozent aller Geldvermögen, so sind es heute 66 Prozent. Das reichste Prozent allein hält 35 Prozent der Geldvermögen. Was Immobilienbesitz oder Betriebsvermögen betrifft, ist die Ungleichheit noch schroffer ausgeprägt.

Wer sich mit diesen Fragen schon beschäftigt hat, den werden die empirischen Befunde nicht überraschen, die Wehler in einer Dichte vorlegt, die einem vor lauter Zahlen den Kopf rauchen lässt. Daten über die Selbstabschließung der ökonomischen Eliten zeichnen dennoch ein erschreckend klares Bild: Die Klassendurchlässigkeit, die ohnehin nie auch nur annähernd so groß war, wie es die Ideologie von der Bundesrepublik als „nivellierte Mittelschichtsgesellschaft“ behauptete, nimmt auch noch ab. Selbst auf den Heiratsmärkten gibt es eine Verhärtung der Ungleichheit: Mag früher einmal gelegentlich der Topmanager seine Sekretärin geehelicht haben, so heiraten die ökonomischen Eliten heute praktisch ausnahmslos nur mehr untereinander.

Bemerkenswert ist Wehlers kleines Büchlein nicht seiner Befunde wegen – die sind jenen, die sich mit der Materie befassen, bekannt. Bemerkenswert ist eher die Wucht seiner Anklage und Wehlers gut begründete Kritik aller Thesen, die wachsende Ungleichheit ließe sich mit veränderten Arbeitsmarktbedingungen oder mit der Globalisierung erklären. Das Davonziehen der Super-Rich habe „im Grunde nichts mit den Computerfertigkeiten von Fachleuten, mit der Lohnunterbietung durch Entwicklungsländer oder mit dem Einfluss von Marktentscheidungen zu tun. Sie sind ganz und gar der Ausfluss von Kompetenzausübung in ihrem Herrschaftssystem. Sie müssen daher als Phänomene des Machtbesitzes endlich anerkannt und diskutiert werden.“

Michael Sandel nähert sich all diesen Fragen leiser, indem er die Gerechtigkeitstheorien des Utilitarismus und des Libertarianismus, Kant, Rawls und Aristoteles diskutiert, sich stets selbst ins Wort fällt. Sein eigenes Urteil deutet Sandel über viele hundert Seiten nur da und dort an, um dann im letzten Teil erst richtig in Fahrt zu kommen. Grundsätzlich, formuliert er mit Rawls, wäre Gleichverteilung gerecht, da alle Menschen für sie plädieren würden, sofern sie nicht wüssten, auf welcher sozialen Stufe sie selbst angesiedelt wären. Zu rechtfertigen seien allenfalls jene Ungleichheiten, die nötig sind, um ökonomische Anreize zu entwickeln, in deren Folge sich die Wohlfahrt aller, insbesondere der Unterprivilegierten hebe. Aber er geht noch weiter.

Das gute Leben für alle

Das Manko aller liberalen (und damit meint er die linksliberalen wie die rechtsliberalen) Gerechtigkeitstheorien sei heute, dass sie einen moralischen Individualismus voraussetzen und Fragen nach Tugend, dem guten Leben, gesellschaftlichen Zwecken und kollektiver Vergemeinschaftung umschiffen. Das ist an sich etwas Sympathisches: Liberale Gerechtigkeitstheorien haben das gute Leben aller im Auge, ohne dem Einzelnen Vorschriften zu machen, was er wünschen und wie er sein Leben gestalten soll. Jeder wählt das für ihn Gute selbst.

Vor allem die Linke habe sich in die fragwürdige Lage gebracht, für Verteilungsgerechtigkeit eintreten zu wollen, ohne über Moral und geteilte Werte zu sprechen. Aber viele Fragen der Gerechtigkeit lassen sich einfach nicht entscheiden, ohne über gesellschaftliche Zwecke zu diskutieren. Nehmen wir an, Herr Winterkorn würde keine Autos verkaufen, sondern kleine Babys. Fänden wir sein Einkommen nicht plötzlich noch skandalöser? „Es ist nicht immer möglich, unsere Rechte und Pflichten zu definieren, ohne entscheidende moralische Fragen aufzugreifen – und selbst wenn es möglich ist, mag es nicht immer wünschenswert sein.“ Zudem: Niemand ist ein „moralisches Individuum“ in der Weise, wie es dieser Liberalismus unterstellt. Wir sind mit anderen und mit einer Geschichte verbunden, die nicht immer allein die unsere ist, und so sind auch unsere Wünsche nie allein unsere eigenen. Sie werden geformt von einem Gemeinwesen, das durch grobe Ungleichheiten zersetzt wird.

Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland Hans-Ulrich Wehler Beck 2013, 191 S., 14,95 €

Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun Michael Sandel Ullstein 2013, 416 S., 21,99 €

Robert Misik (geb. 1966) ist Publizist. Zuletzt erschien von ihm Halbe Freiheit. Warum Freiheit und Gleichheit zusammengehören

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 11/13.

Kommentare (8)

Lethe 15.03.2013 | 15:41

Denn stellen wir uns vor, das Glück der tausend Friseurinnen würde gesteigert, indem wir Herrn Winterkorn erwürgen.

Durch das Erwürgen wohl kaum, aber stellen wir uns eine ethischere Option vor: wir nehmen Herrn Winterkorn zwei seiner Millionen weg und verteilen diese an die Friseusen.

Aber viele Fragen der Gerechtigkeit lassen sich einfach nicht entscheiden, ohne über gesellschaftliche Zwecke zu diskutieren.

Das ist ein Axiom, nicht? Axiome können immer auch anders erstellt werden.

Es ist nicht immer möglich, unsere Rechte und Pflichten zu definieren, ohne entscheidende moralische Fragen aufzugreifen – und selbst wenn es möglich ist, mag es nicht immer wünschenswert sein.

Auch das ist ein Axiom, oder? Und abgesehen davon, dass Axiome immer auch anders erstellt werden können: Wer hat eigentlich überhaupt das Recht, Axiome aufzustellen denen andere Menschen verpflichtet zu sein haben?

Es steht also zu befürchten, dass auch Sandels Moralkonzept machtrelativ angelegt ist, wenn gleich vielleicht nicht so offensichtlich wie bei anderen Philosophen. Trotzdem befindet er sich damit in guter philosophischerTradition und Gesellschaft. So sehr viele Philosophen, die sich ernsthaft geweigert haben, als Machtapologeten zu fungieren, gibt es nicht. Die meisten haben nur Rechtfertigungen für das geliefert, was Mächtige für ihre Untertanen und Untergebenen als "gut" aufzufassen beliebten.

lebowski 16.03.2013 | 20:55

Man sollte beim Erfolg von VW daran erinnern, dass nach der Krise 2008 massiv Steuermittel eingesetzt wurden, um den Absatz von Autos voranzutreiben, da es sich bei der Automobilindustrie um die kapitalistische Schlüsselindustrie handelt. Konkret wurde hier die Abwrackprämie eingeführt, mit der das unökololische Stillegen vollfunktionstüchtiger Autos gefördert wurde. Auch in anderen Ländern wurden solche Programme aufgelegt, von denen die deutsche Autoindustrie erheblich profitiert hat. Relativ gesehen mag Winterkorn erfolgreicher sein als Daimler-Zetsche, aber absolut gesehen verdankt Winterkorn seine Prämie dem Steuerzahler, der für die Fortführung des automobilen Wahnsinns zahlen muss.

Lukasz Szopa 16.03.2013 | 22:14

@"Aber viele Fragen der Gerechtigkeit lassen sich einfach nicht entscheiden, ohne über gesellschaftliche Zwecke zu diskutieren."

Ist es dann aber noch "Gerechtigkeit" oder bereits "Nützlichkeit"? Das Problem ist natürlich, dass "Gerechtigkeit" wie "Freiheit" von Menschen ausgedachte, abstrakte Ideen sind - und von jedem anders interpretiert werden. Für viele Amerikaner - nicht nur Vermögende - ist eine "Flat-Tax" "gerechter" als ein proportional steigender ESt-Satz. (Oder wie wäre es mit einer absolut identischen "Kopfsteuer"?). "Gerechtigkeit" kann eher nach Moses klingen ("Aug um Aug, Zahn um Zahn"), wogegen u.a. Jesus Christum mit seinem Konzept der "Nächstenliebe" kämpfte.

Mein Eindruck ist, dass während konservative oder rechtsliberale Denker "Gerechtigkeit" eher durch "Freiheit" gedeckt sehen, tuen es linke oder linksliberale ebenso falsch, indem sie oft "Gerechtigkeit" mit "Gleichheit" gleichsetzen.

Tollschock 17.03.2013 | 18:09

Die Frage die man sich stellen muß ist ja nicht ob jemand das wert ist. Der Wert eines Menschen in Geld ausgedrückt ist ja an sich schon absurd. Denn welchen Preis soll er haben und warum sollen dann einige einen anderen haben als den Durchschnitt. Welche Berechnungsgrundlage solle denn da angesetzt werden? Nehmen wir zum Beispiel den IQ der Menschen und legen da eine Unschärfe von 50% drauf. Dann wäre der Zugewinn für die Produktivität exakt im Bereich der Unschärfe mehr aber auch nicht. Denn bahnbrechende Innovationen gehen ja auch von diesen ganzen Managern eher nicht aus. Sie sind also nicht der Zugewinn den sie uns glauben machen wollen. Allerdings muß ich denn auch gleich feststellen das es diesen Managern ziemlich egal was der Durchschnitt denkt. Das hat etwas von Kastenwesen an sich was sich da schleichend in unserer Gesellschaft so tut. Das ist schon bei meiner Tochter in der Schule sichtbar und auch im Job. Das ganze einhergehend mit der Unnötigkeit der Einsicht. Fehler werden einfach durchgereicht und nach unten getreten bis alles wieder schön ist. Ich persönlich empfinde keinen Neid bin aber schon so eingestellt das jeder Mensch je nach seinem körperlichen und geistigen Können der Gemeinschaft etwas schuldet. Genau da setzt aber ja der Streitpunkt an. Diese Menschen wollen zwar die Infrastruktur und alle unseren gesellschaftl. Errungenschaften nutzen aber nicht dafür belangt werden. Ich unterstelle diesen Menschen nicht einfach nur ein reichlich übersteigertes Ego, nein das ist wohl auch nötig um auch Entscheidungen die "überlebenswichtig" sind aber eben nicht schön, zu treffen. Nein ich prangere eher an das genau diese Menschen sich als unverzichtbar und besonders darstellen. Sie sind es nicht. Sie besitzen eher ein gutes Netzwerk an Verbindungen und wissen wann man lügen muß und wann nicht. Denn die Wahrheit ist eher zwiespältig wenn man sich diese Kaste der Supermanager so anschaut. Das ist etwas das auch in der Politik immer mehr Einzug erhält und ebenfalls auf einen Prüfstand muß. Jedoch ist es eine ganzgesellschaftliche Diskussion die dazu nötig ist und mit Hinblick auf Wahlbeteiligung und Demonstrationsverhalter vieler Bundesdeutscher wird das eine schwierige Sache.

anne mohnen 18.03.2013 | 19:15

Die Rezensionen gefallen mir gut, obwohl ich Sandel gegenüber ….

Wehlers Buch habe ich gerade zu Ende gelesen. In der Tat sind die Argumente bekannt. Mir gefällt wie Wehler dies alles noch einmal bündelt: also seine These, dass Deutschland längst eine Marktgesellschaft sei mit Ungleichheit auf den verschiedensten Feldern, durchdekliniert: Einkommen, Vermögen, Heiratschancen, Alter, Bildungschancen, Geschlechterverhältnisse, Krankheiten, Wohnbedingungen. Kultur, Ost und West.

Dass Deutschland keine soziale Marktwirtschaft mehr ist, das behauptet Wehler nicht nur, sondern er belegt, wie Markt-, Besitz-und Statusmacht die deutsche Gesellschaft in einem bis dato nicht bekannten Maße prägen und bei aller notwenigen gesellschaftlichen Differenzierung, zu der Wehler sich bekennt, eine nicht mehr akzeptablen, weil unverhältnismäßig ausufernde Ungleichheit in Gang gesetzt haben.