Was wir über Wirbelstürme wissen

Über die Entstehung von Wirbelstürmen wissen wir, dass sie nicht zufällig ist. Man sollte aber auch niemandem eine böse Absicht unterstellen, vor ...

Über die Entstehung von Wirbelstürmen wissen wir, dass sie nicht zufällig ist. Man sollte aber auch niemandem eine böse Absicht unterstellen, vor allem nicht bei dünner Beweislage. Die Ernstzunehmenden unter den Verschwörungstheoretikern halten indessen eine Mitwirkung des Vereins zur friedlichen Nutzung der Windenergie nicht für ausgeschlossen. In Südostasien heißen die Wirbelstürme Taifune. "Taifun" kommt aus dem Chinesischen und darf nicht mit "Taiwan" verwechselt werden.

Manche oder vielleicht auch alle Wirbelstürme haben nur ein einziges Auge, mit dessen Sehkraft es nicht allzu toll bestellt zu sein scheint. Daher wohl die blinde Zerstörungswut. In Kalifornien gehören die Wirbelstürme (Hurrikans) fast schon zum Alltag beziehungsweise zur Familie. Man ist auf sie vorbereitet wie auf den Besuch der Schwiegermutter. Die Begrüßung verläuft immer sehr stürmisch.

"Die Menschen dort sind geplagt und weiß Gott nicht zu beneiden", sagte Dr. Blügel vom Meteorologischen Dienst einmal anlässlich einer Vernissage. "Wer sich von den schrecklichen Auswirkungen eines Wirbelsturmes kein realistisches Bild machen kann", so Dr. Blügel anlässlich einer anderen Vernissage, "ist herzlich eingeladen, sich das Kinderzimmer meines Sohnes Thomas anzusehen." Immer wieder, so Dr. Blügel weiter, würden sich die Bewohner der Küstengebiete ganz fest vornehmen, aus dieser Gegend wegzuziehen, aber dann, ffffft, sei der Wirbelsturm schon weggezogen.

Nach den Erkenntnissen von Dr. Blügel ist schon lange vor einem Wirbelsturm eigentlich alles wie immer: Die Vögel zwitschern in den Ästen der nichtentwurzelten Bäume, oder sie sitzen auf den Drähten völlig unversehrter Telegrafenmasten. Sehr idyllisch das alles. Hausdächer haben nicht den geringsten Grund zur Panik.

Trotzdem, oder gerade deshalb ist mit Wirbelstürmen nicht zu spaßen. Sie lachen oftmals an der falschen Stelle und stets zuletzt. Sie bringen windiges Wetter, das dennoch nicht zu herbstlichen Drachenfestvergnügen einlädt. Einmal so richtig in Fahrt, denken Wirbelstürme gar nicht daran, anzuhalten, um dir einen Zehner zu wechseln. Sie stellen hohe Anforderungen an Hüte, Mützen, Frisuren und Drei-Unwetter-Taft. Bei alledem bläst wie gesagt ein sehr lebhafter Wind. Ein Taifun im Urlaub hilft eine ganze Menge Sonnenöl zu sparen.

So richtig in Schwung gekommen, lassen Wirbelstürme gern mal eine Kuh fliegen. In Spielfilmen begnügen sie sich nur selten mit Nebenrollen, dennoch wurde noch kein einziger mit einem Oscar bedacht.

In Amerika nehmen manche Leute lange, beschwerliche, teure Reisen auf sich, um Wirbelstürme aus der Nähe zu beobachten. Einige Beobachter halten über Sprechfunk Kontakt zueinander. "Okay, okay, okay - Phil, siehst du ihn?" "Ich sehe ihn, Paul, okay, okay, ich sehe ihn!" "Ich sehe ihn auch, Phil. Okay." "Ja, er ist wundervoll, Paul!" "Ja, er ist wundervoll, Phil. Okay, ich sehe ihn. O shit, Phil, ich glaube, jetzt hat er mich gesssssssssssfthuihui....."

Zum Glück bleiben Wirbelstürme nie lange. Wenn sie gehen wollen, lassen sie sich unter keinen Umständen aufhalten. Verhaltensforscher bescheinigen ihnen ein Benehmen wie eine Handgranate in der Kirche. Sie, die Wirbelstürme, aber auch manche Verhaltensforscher, sind unfreundlich und aufbrausend. Fast scheint es, als seien diese Eigenschaften unter Wirbelstürmen vererbbar. Die Kleinen verhalten sich schon genauso unmöglich wie die Großen.

Nur Herr Professor Kurz von der Technischen Universität Dresden beschreibt in seinem Buch Mein Leben mit Taifunen den Taifun als "sehr gelehrig, verspielt und des Menschen guten Freund". Erst ein Schüler von Kurz fand heraus, dass der Meister nicht unter Taifunen, sondern unter Delphinen gelebt hatte.


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00:00 21.11.2003

Ausgabe 38/2020

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