Wasser, Land, Leben

Auf die existenziellen Fragen konzentrieren Zum Jahreskongress der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO)

Außer eurer Kritik habt ihr ja nichts zu bieten. Wo, bitte schön, bleiben die positiven Alternativen?" Solche Reaktionen auf Unmut und Proteste kennt man seit langem. Ob Seattle, Genua oder die großen Demonstrationen vom 1. November und 3. April - immer wieder ist der Vorwurf zu hören, dass die Kritiker keine eigenen praktikablen Konzepte haben.

Mit Recht könnte man nun darauf verweisen, dass an vielen Orten dieser Welt Alternativen längst praktiziert, in der öffentlichen Kommunikation allerdings auch weitgehend verschwiegen werden. Der Versuchung, dem neoliberalen Gesellschaftsmodell eine eigene Großalternative entgegen zu stellen, sollten sich die sozialen Bewegungen allerdings enthalten. Die scheinbar nahe liegende Antwort - der Staat soll wieder in Stand gesetzt werden und die Märkte an die Kandare nehmen - blendet aus, dass der Staat in mancher Hinsicht selbst zum Problem geworden ist. Wenngleich das Denken in Großalternativen wenig Sinn zu machen scheint, so lohnt es doch, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, zum Beispiel mit der Frage: Wer kontrolliert eigentlich das Leben auf dieser Erde?

Damit kommen mehrere Sachverhalte in den Blick. Zum einen werden immer mehr Bereiche sozialen Lebens wie auch der natürlichen Lebensgrundlagen privater Verfügung und damit den Interessen des Kapitals unterworfen. Ob soziale Sicherungssysteme oder öffentliche Dienstleistungen, ob Wasserversorgung oder genetische Ressourcen - an all diesen Fronten geht es um existenzielle Lebensfragen. Zum anderen scheinen in der Tat viele außerparlamentarische Bewegungen an diesem Punkt anzusetzen. Das geschieht teils im Kampf um nacktes Überleben, wenn die Landlosen Brasiliens Land besetzen oder die Armen in Johannesburg sich dagegen wehren, Wertkarten vorab zu kaufen, damit sie über sogenannte "Wassermeter" an das lebenswichtige Elixier kommen. Hierzulande sind die Auseinandersetzungen um die Privatisierung sozialer Sicherungssysteme vielleicht nicht immer überlebenswichtig, aber auch sie entscheiden über Lebenschancen.

Vor diesem Hintergrund intensiviert sich die Diskussion um gesellschaftliche Alternativen. Die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO, von einer österreichischen Zeitung als "Think tank der bundesdeutschen internationalistischen und globalisierungskritischen Linken" bezeichnet, will vom 20. bis 23. Mai in Kassel den aktuellen Stand diskutieren: "Das Ende der Bescheidenheit. Neoliberalismus - Alltag - Widerstand" lautet der Titel des 27. BUKO-Kongresses.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.buko.info


00:00 21.05.2004

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