We are not amused

Werbekritik Endlich gibt es eine Antwort auf die Frage, was Satire darf: Bei Kaffeefiltern ist Schluss mit lustig. Melitta zieht wegen Verunglimpfung eben dieser vor Gericht

Was darf Satire? Eine Frage, die uns alle schon seit Jahren umtreibt (siehe zum Beispiel den Streit um die Mohammed-Karikaturen oder den zwischen Bild und taz, als letztere behauptete, Kai Diekmann habe sich den Penis vergrößern lassen)! Jetzt wissen wir endlich, wo der Spaß aufhört: Nicht bei Persönlichkeitsrechten, religiösen Überzeugungen oder dem besten Stück des Mannes, sondern bei Kaffeepapierfiltereinsätzen.

Aufhänger ist ein kleiner, an sich ganz harmloser Werbespot: Eine Sekretärin, verkörpert von Comedian Mirja Boes, versucht, Kaffee zu kochen. Angewidert hält sie eine gebrauchte Filtertüte in die Höhe, aus der der Kaffeesatz tropft, dann beginnt die Suche nach einer neuen, schließlich ist das Kaffeepulver alle. Dazu läuft ein Lohnkosten­zähler am Rand des Bildes.

Die Würde der Filtertüte ist unantastbar

So wirbt der Kaffeevollautomatenhersteller Kaffee-Partner für sein Produkt. Oder tat es zumindest, bis es ihm verboten wurde. Keine Feministinnen hatten ob des überkommenen Frauenbilds geklagt – nein, der Filterhersteller Melitta kämpft hier für Würde und Ehre des Kaffeefilters! Per einstweiliger Verfügung untersagte er die Diffamierung der Filtertüte als Abfallprodukt (im Spot wandert sie in den Mülleimer).

Zugegeben, das nur 18 Sekunden kurze Filmchen ist nicht wirklich lustig. Komischer ist da schon das Schreiben der Melitta-Juristen: Der Spot ziehe „in pauschal-herabsetzender Weise Kaffeepapierfiltereinsätze und die betreffenden Maschinen ‚durch den Kakao‘.“ Mal ehrlich: So ein schöner, kleiner Schlagabtausch vor Gericht macht Kaffee doch erst zum Genuss.

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17:00 17.12.2009

Ausgabe 42/2021

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